Da frage ich mich immer, warum Filmemacher - aber auch Rezensenten - nicht einfach Begriffe wie
Film nach Motiven aus/von verwenden, sondern stattdessen der a priori zu ambitionierte Begriff
Literaturverfilmung überstrapaziert wird. Problematisch muss fast immer die Diskrepanz zwischen
Erzählzeit und
Filmdauer geraten (vielleicht ausgenommen davon eine konzentrierte Novelle oder Kurzgeschichte als Filmvorlage) und nicht geringer wird eine solche Problematik, wenn die literarische Vorlage sich überwiegend in rein literarisch-sprachlicher Ästhetik bewegt (gebundene Sprache, Versepik etc)
Zudem frage ich mich, warum Filmemacher - aber auch Rezensenten - sich eigentlich nie darauf einlassen, eine filmische Adaption als das zu offerieren, was sie ist: nämlich eine von zahlreichen möglichen
Interpretationen der Vorlage und nahezu nie eine gleichwertige Variante derselben.
(trotz aller filmischer Opulenz und darstellerischer Brillanz gerät beinahe jede Literaturverfilmung zur Kürzung und auch Vereinfachung, Verflachung ihrer Vorlage, auch wenn das sicher nicht die Absicht ihrer Macher ist. Damit dieser Gedanke nicht missverstanden wird: die Umarbeitung eines Theaterstücks in ein Opernlibretto - z.B. Schillers Otello oder Don Carlos zusammengestrichen zu den zwei Libretti der gleichnamigen Verdiopern - gerät zu derselben Verkürzung und Verflachung/Vereinfachung - - deswegen können aber sowohl die "Verfilmung" als auch die Oper zu Meisterwerken in ihrem eigenen Genre geraten: Otello und Don Carlo von Verdi sind Meisterwerke, Kubricks
A Clockwork Orange*) ebenfalls)
Und obendrein problematisch ist der Ehrgeiz, unverfilmbare Vorlagen doch zu wagen: man denke an die cineastisch unergiebig gebliebenen Umsetzungen von Ulysses, Tristram Shandy oder gar Finnegans Wake - - Homers Epik scheint mir nicht weniger "unfilmable"**) sein. Der zeitliche Abstand dürfte dabei noch die wenigsten Sorgen bereiten, heikler muss das destillieren einer vorzeigbaren und akzeptablen Handlung geraten (ich denke, Kinkerlitzchen wie "die Abenteuer des Odysseus" etc können wir untern Tisch fallen lassen) - - - und jetzt haben wir einen irgendwie peinlichen Vorab-Hype, dessen Kapriolen eigentlich vom Thema ablenken und letztlich nur als indirekte Werbung zumindest von mir gesehen werden können... Da ist das Kind also schon in den Brunnen gefallen.
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*) sicher hat Kubricks Film mehr Zuschauer gefunden als seine Vorlage, das sprachkünstlerische Glanzstück von Burgess, welches der Film kürzte und erheblich entschärfte (sic!)
**) unverfilmbar etc - dazu hier interessantes:
Literaturadaption – Ein Aufsatz (Teil 1)
Es gibt ja immer wieder mal Remakes, wo man sagt: Well done! Wo ein Remake vielleicht nicht ganz an ein legendäres Original heranreicht, wo die Macher auch gar nicht den Ehrgeiz hatten, das Original zu übertreffen, nicht die Hybris es neu und modern erzählen zu wollen, wo man aber anerkennen muss, dass es ein achtbares Projekt war, wo die Darsteller achtbare Leistungen gebracht haben, wo man das Original noch erkennt, wo man auch den Eindruck hat, dass es die Darsteller kannten.
Die amerikanisch-kanadische Verfilmung von All Quiet on the Western Front von 1979 hat nicht die Tiefe wie Lewis Milesstones Meisterwerk von 1929, aber man erinnert sich gerne an die Verfilmung, in manchen Teilen war sie näher am Original, hat manches geschickter erzählt.
Das deutsche Remake Im Westen nichts Neues ist im Grunde eine ganz andere Geschichte, die mit der Vorlage nur den Titel und einige Figuren gemeinsam hat. In manchen Punkten ist der Plot nicht realistisch,
@Shinigami hat dazu einige gute Beiträge geschrieben, wo er ausführte, was ihn störte. Ich sehe Daniel Brühl eigentlich ganz gerne. Den Niki Lauda in Rush habe ich ihm sofort abgekauft. Mathias Erzberger fand ich aber als eine seiner schwächeren Rollen. Dieser General ist im Grunde eine Karikatur, und November 1918, nachdem es selbst Ludendorff eingesehen hatte, dass ein Waffenstillstand nötig ist, wirkt es nicht glaubwürdig, wenn der noch kurz vor Torschluss alles verheizen will.
Trotzdem würde die Verfilmung als achtbar bezeichnen, die Darsteller von Paul und Kat haben ihre Sache gut gemacht.
Insgesamt bei weitem einer der besseren deutschen Filme-man ist ja wirklich nicht verwöhnt, bei all diesem Schrott, der produziert wird, ist man bei einem halbwegs gut gemachten Film ja schon zufrieden, aber es war auch nicht das Meisterwerk des Jahrhunderts.
Manchmal ist ein Remake sogar besser als das Original, und es wird dann selbst zu einem Klassiker, den viele für das Original halten.
Quo Vadis und Ben Hur, die Klassiker von 1951 und 1960(?) waren nicht die ersten Verfilmungen, vor Hollywood hat sich die UFA Quo Vadis vorgenommen, und es spielte Emil Jannings den Nero. Cape Fear habe ich zuerst in der Verfilmung mit Nick Nolte und Robert de Niro gesehen, und ich hielt den für das Original, bis ich die Vorlage mit Gregory Peck und Robert Mitchum sah. Beide Versionen sind unglaublich stark, zu entscheiden, welche die bessere ist, kommt mir vor wie die Frage, ob Rembrand van Rjin oder Diego Velasquez der bessere Maler war, mir gefallen beide, de Niro und Mitchum, aber de Niros Darstellung des Max Cade kommt mir noch ein bisschen intensiver vor.
Auch ein Hitchcock Thriller "Der Mann, der zu viel wusste" ist das Remake eines gleichnamigen Streifens, den "Hitch" bereits 1934 gedreht hat. Da hat Hitchcock sich selbst übertroffen, und das Remake ist zum Klassiker zum Original geworden.
Das Elend von Remakes in unserer Zeit ist, dass viele Regisseure sich an Stoffen versuchen, mit denen sie nicht viel anfangen können. Man will dabei den Glanz des Originals mitnehmen, etwas, das sich schon etabliert hat, das schon Erfolg hatte. Man vertraut darauf, dass schon genug Zuschauer es sich ansehen wollen, man knüpft an an Seherlebnisse von früher an, man hofft von einem Nostalgie-Faktor zu profitieren.
Im Grunde ist ein Remake eine sichere Bank. Selbst wenn es sich um relativ uninspirierte Filme handelt, kann man damit im Grunde nicht viel falsch machen, wenn die Zuschauer am Ende ein paar Effekte sehen, die sie noch nicht kannten, wenn sie die Geschichte noch wiedererkennen, wenn sie die Hauptfiguren wiedererkennen, die sie liebten, wenn der Regisseur begriffen hat, was die Zuschauer am Original liebten, warum sie das Original liebten, dann bekommt man auch zufriedene Zuschauer, die sagen, es war ok, selbst wenn viele sagen. Das Original war einfach besser.
Längst nicht alle Filme sind gut gealtert. "Song of the South" verschwand auf ewige Zeit im Giftschrank, und auch längst nicht alle Szenen in Peter Pan sind gut gealtert, der Song "Warum ist die Rothaut rot" erzeugt heute Schnappatmung.
Der Disney Konzern hat in den letzten Jahren viele Remakes ihrer eigenen Klassiker gemacht. Das waren zuweilen einigermaßen achtbare Versuche, oft aber wahre Katastrophen, wo viele Fans sagten, sie demontieren die eigene Legende.
Zuweilen drängte sich mir der Vergleich mit Friedrich Wilhelm I. auf, vor dem die Berliner regelrecht die Flucht ergriffen.
Hin und wieder erwischte er trotzdem einen, den er dann mit dem Korporalstock traktierte mit den Worten:
Kerl, Kujon (Lump) lieben soll er mich, lieben, lieben soll er mich!
Man tut alles, um von Publikum gehasst zu werden, man tritt dem Publikum vors Schienbein, kann es immer noch nicht fassen, dass das Volk, der große Lümmel es immer noch nicht liebt. Das Resümmé ist immer das Gleiche, wir brauchen unbedingt mehr und immer noch mehr davon.