Die Frage ist weniger das grundsätzliche Können, als viel mehr, ob es im Kampf auch praktisch einsetzbar ist.Speziell die Hunnen, später auch die Ungarn, waren dafür bekannt auch auf dem Pferd im vollen Galopp, noch äußerst treffsicher schießen zu können und zwar in alle Richtungen. Natürlich erforderte das auch jahrelanges Training.
Geschulte Reiter, bringen sicherlich im Sattel sehr erstaunliche, zum Teil artistische Dinge zustande.
Aber dazwischen, etwas unter, sagen wir mal "Turnierbedingungen" zu können und es militärisch tatsächlich in dieser Form verwerten zu können, besteht ein Unterschied.
Die Ungarn erlebten vor Augsburg, als sie den Vorteil ihrer Geschwindigkeit nicht mehr voll ausspielen konnten, weil sie berittenen Gegnern gegenüberstanden, die sie in Nahkämpfe verwickeln konnten, ein hübsches Debakel.
So lange es Berittene Krieger mit Infanteristen und zwar überwiegend Nahkampfinfanteristen zu tun haben, können sie sehr nah heran und aus recht kurzer Distanz schießen.
In diesem Fall wundern dann auch Berichte über das relativ präzise Schießen aus dem Sattel heraus nicht, aber sobald der Gegener selbst über Nahkampfkavallerie oder Infanterie mit Fernwaffen verfügt, sieht die Sache schon anders aus.
Als leicht- oder überhaupt nicht gepanzerter Reiter, so nah an einen Gegner heran zu reiten, dass man selbst einen Wurfspeer als Waffe einsetzen kann (gehen wir mal davon aus, dass sind vielleicht 20-30 m), halte ich für eine Selbstmorsaktion.
Verfügt der Gegner über berittene Nahkämfer, ist es auf diese Entfernung mit einiger Wahrscheinlichkeit schneller heran, als das eigene Pferd gendet werden kann.
Verfügt er über Fernkämpfer zu Fuß, ist der Reiter selbst in Reichweite und er gibt auf dem Pferd das größere Ziel ab. Reicht ja, wenn das Pferd im Gallopp getroffen wird, zusammenbricht, den Reiter abwirft und dieser sich dabei den Hals bricht.
Ohne leistungsfähige eigene Panzerung wird der Bogen und damit im Zweifel die größere Kampfdistanz einfach auch ein wenig die Lebensversicherung gegen inakzeptable eigene Verluste gewesen sein.