Nun Westfale, du hattest selbst darauf hingewiesen, dass Velleius Paterculus von den Varusschlachtquellen die einzige zeitgenössische ist. Ob du Velleius gelesen hast, weiß ich nicht. Deine Hauptquelle ist ja nach wie vor Cassius Dio (sonst kommen wir nicht an die Weser, die du ja ausdrücklich in deine Überlegungen einbezogen hast) und an dem arbeitest du dich ab.
Es versteht hier im Forum,
glaube ich, niemand außer dir*, warum du die Varusschlacht dringend auf einen Tag verkürzen möchtest und warum du Zweifel an der Menge der Soldaten (wobei ich auch nicht weiß, wieso es unbedingt 20.000 gewesen (bzw. nicht gewesen) sein sollen) und an der Länge des Heereszuges hast (wobei ich auch nicht weiß, warum der unbedingt 15 km lang gewesen sein soll.
Du solltest aber doch wenigstens berücksichtigen, dass auch unsere zeitgenössische Quelle von drei Legionen, drei Reitereinheiten und sechs zusätzlichen Kohorten schreibt:
caesi Vari trucidatarumque legionum trium todidemque alarum et sex cohortium,
Die Legionen XVII, XVIII und XIX wurden nach dem Desaster nie wieder aufgestellt.
Was nun den Tross anbelangt: Der wird in drei Quellen erwähnt. Einmal bei Cassius Dio, bei Tacitus und einmal bei Sueton. Nun nennt nur Cassius Dio tatsächlich Varus' Tross: der wird zu eine großen Teil zurückgelassen und verbrannt, wenn wir Cassius Dio folgen. Zu einem großen Teil, nicht vollständig. In Kalkriese sind - entgegen der von der gemachten Äußerungen Teile eines Trosses gefunden worden: Teile von Betten, Kisten, medizinisches Besteck.... Bei Wagen müssen wir davon ausgehen, dass, sofern diese nicht in der Schlacht zerstört wurden, den Germanen beim Abtransport der Beute dienten (und in Kalkriese wurde Beute verschrottet, was man als rituelle Zerstörung deuten kann, aber auch als Versuch, Metall leichter transportfähig zu machen).
So, auch bei Sueton und Tacitus wird der Tross erwähnt. Bei Tacitus an zwei Stellen. Einmal für das Jahr 14, als Germanicus seinen Tross auf dem Rückmarsch schützte und einmal für das Jahr 15, als Caecina den Tross auf die gleiche Art schützen wollte, wie Germanicus im Jahr davor (sogar mit denselben Legionen, allerdings ohne Reiter und HIlfstruppen, die Germanicus im Jahr zuvor zusätzlich zur Verfügung hatte).
Sueton nennt einen Tross im Jahr 10. Tiberius hätte vor der Überquerung des Rheins persönlich geprüft, dass kein unnötiger Kram mit über den Rhein genommen wurde. Mein Arbeitgeber würde sagen "lesson learned".
*daraus kann man nun entweder die Schlussfolgerung ziehen, dass du viel klüger bist, als wir anderen alle, ODER, dass du der Autofahrer bist, der im Radio die Geisterfahrerwarnung hört und schimpft "Einer?!? Das sind ja Hunderte!!!"
Ja zugegeben, das hat Anklänge an ein unzulässiges Argumentum ad populum.