1435 Ertränkung der Agnes Bernauer, Gemahlin von Herzog Albrecht III. von Bayern

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von Maiara, 1. Januar 2005.

  1. Maiara

    Maiara Neues Mitglied

    Ja das klingt logisch; der Name des Vaters war angeblich Leichtlin, komisch wie sie dann zu dem Namen kam.
    Angeblich hat bis dahin noch kein Adeliger eine Bürgerliche geehelicht, wenn auch nicht offiziell, jedoch durch einen Priester gertraut. Gibt es vielleicht doch ähnliche Gegebenheiten. Daß uneheliche Kinder und Frauen der "Herren" offiziell waren ist klar, aber daß eine auch geheiratet wurde?!
    Ob die Agnes gewußt hat was ihr blüht oder hat sie sich vielleicht in Sicherheit geglaubt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Januar 2005
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

    Sicher.
    Vermutlich entstand der Name als Herkunftsname = aus Pernau.
     
  3. Cassandra

    Cassandra Neues Mitglied

    Hallo Maiara

    Am Grab der Agnes Bernauer


    von Eduard v. Schenk

    Jüngst kniet' ich in der sühnenden Kapelle
    Am Grab der schönen Agnes, der Bernauer,
    Die einst in Albrechts Liebe Glück und Trauer
    Und ihren Tod fand in der Donau Welle.

    Da hört' ich plötzlich nah der heil'gen Stelle
    Orgel und Glocken hallen längs der Mauer,
    Den Strom aufrauschen, als ob Reueschauer
    Um Agnes' Mord hoch seine Wogen schwelle.

    Die Glocken schienen dumpf darob zu klagen,
    Daß sie ihr einst die unheilvolle Stunde
    Der Hochzeit und des Todes angeschlagen.
    Die Orgel nur schien freudig zu ertönen,
    Daß Gott die Arme rief zu höherm Bunde,
    Statt Herzogs- sie mit Engelsschmuck zu krönen.



    Auch noch schöne Seiten:
    Agnes Bernauer (+ 1435): Die unerwünschte Schwiegertochter
    Agnes-Bernauer-Kapelle und GrabsteinStraubingen (Niederbayern-Oberpfalz)


    Schöne Grüße
    Cassandra

     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Januar 2005
  4. Mercy

    Mercy unvergessen

    Die bibliografischen Angaben hierzu:
    Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben
    Band 1: Hg. von Götz Frhr. von Pölnitz, 1952
    Agnes Bernauer (um 1411-1435), von Heinz Friedrich Deininger
    (Der Hinweis von Sheik hätte aber gereicht).
     
  5. Maiara

    Maiara Neues Mitglied

    Also ich möchte mich an dieser Stelle mal bedanken für euer Engagement und schönen An-sichten - soviel Information da kann ich schmöckern.
    Einiges Neues hab ich darunter entdeckt. Und es gibt immer wieder Neues zu ergründen.
    Heuer jährt sich ja ihr Todestag zum 570ten mal und da möcht ich mir was einfallen lassen. Hab den Zweien auch schon ein Bild gemalt (zusammen mit meinem holländischen Freund), das hängt jetzt im Schloß da wo sie gewohnt hat ^-^, das macht mich froh.
    LG Maiara
     
  6. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin


    Dazu sind wir ja da. Schau mal in deinen Posteingang. ;)
     
  7. Mercy

    Mercy unvergessen

    Den Beitrag scheint jemand ins Netz gestellt zu haben (kann natürlich die Lektüre des Originalbeitrags nicht ersetzen):
    http://worldroots.com/brigitte/agnes131.htm
    Name des Vaters war angeblich Leichtlin führte auch die Spur.
     
  8. Mercy

    Mercy unvergessen

    DEININGER interpretiert es so:

    Der Bildhauer meißelte in Flachrelief in die 2,65 Meter hohe und 1,32 Meter breite Platte aus rotem Salzburger Marmor, wahrscheinlich nach der Erinnerung oder nach einem guten Porträt, die ganze Gestalt der Verstorbenen, von der Umschrift umgeben: Ao. D. Mo. cccco. xxxo. vIo (!) xII . - die - octobris - obiit . agnes . Bernawerin . requiescat . in . pace, die uns trotz der irrigen Jahreszahl über jeden Zweifel an der Dargestellten erhebt. Ihre Tracht ist eine fürstliche. Das leicht geneigte Haupt, mit dem Häubchen, dem Zeichen der Ehefrauen bedeckt, zeigt ein friedliches Antlitz und ruht auf einem Kissen. Um Kinn und Schultern schlingt sich das bekannte Rissentuch, während die ganze schöne Gestalt bis zu den Füßen von einem mit Pelz ausgeschlagenen Mantel eingehüllt ist, der den ,,Kleinspalt" zeigt, das äußere Zeichen hohen Standes. Die rechte Hand, die den Rosenkranz hält, schmücken zwei Ringe, der Verlobungs- und Trauring. Sie kreuzt sich mit der linken. Links und rechts zu den beiden Füßen ruhen zwei kleine Hunde, wovon einer tot zu sein scheint. Einige glauben, darin das Sinnbild gegenseitiger Treue zu sehen, andere, die einen der Hunde für eine Eidechse halten, Lieblingstiere der Verstorbenen, und wieder andere, die Tiere zu erkennen, die den zum Wassertode verurteilten Zauberern mit in den Sack eingenäht wurden. Schließlich war die Darstellung nur eine Mode der Zeit, wie wir aus vielen Grabsteinen des 15. Jahrhunderts erkennen können. Den Kenotaph dürfte Herzog Albrecht III. einige Jahre nach der Erbauung der Kapelle in Auftrag gegeben haben. Er ist an verschiedenen Stellen beschädigt und wurde aus diesem Grunde schon 1785 auf Anregung der damaligen kurbayerischen Akademie aus dem Pflaster genommen und an die jetzige Stelle gebracht.

    Nach DEININGER ist der Maler leider nicht bekannt:

    Von Gemälden verdient das im städtischen Maximiliansmuseum zu Augsburg befindliche Porträt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts Beachtung. Es ist betitelt ,,Agnes Bernauerin Ducissa", auf Holz gemalt und 33 : 26,5 cm groß. Nach Ulrich Schmid geht es auf ein älteres Original zurück.
    http://worldroots.com/brigitte/agnes131.htm
     
  9. Maiara

    Maiara Neues Mitglied

    schmöker schmöker ... wär fast interessant das ganze Bild zu malen inclusive Hündchen, bei den Geschichten. Also dieser Ulrich Schmid hätte was gewußt vom Original, wer ist er denn, dieser?
    LG Maiara
     
  10. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied


    Da wäre aber noch zu klären , wie das mit einem früheren "Original" gemeint ist ;
    Soll das Portrait die Bernauerin als Typ darstellen ? Die junge Frau auf dem Bild
    ist noch nicht unter der Haube. Kleidungstypus, Kopfbedeckung weisen auf keine gotische
    Zeit mehr hin. Art und gefühlsandeutender Gestus der Mimik sind deutliche Zeichen der Renaissance bzw. geographisch gesehen der Reformationszeit.
     
  11. Jürgen

    Jürgen Neues Mitglied

    Erwähnung der Agnes Berauer als – Pernawerin

    Der Name Bernauer dürfte wohl, wie bereits von anderer Seite erwähnt vom Herkunftsort der Familie stammen.

    Die Schreibweise "Pernawerin" dürfte daher rühren, dass es für viele germanischen Laute keine lateinischen Buchstaben gab. Die Darstellung dieser Laute stellte sich, bei der Übernahme der lateinischen Schrift, als Problem dar.

    Besonders problematisch stellte sich die Handhabung des Buchstaben "V" dar. Schon in lateinischen Inschriften musste der Leser entscheiden, wann der Buchstabe "V" tatsächlich als "V" oder in Wirklichkeit als "U" zu lesen war (VARVS = Varus, VSVS = Usus). Übertragen auf die germanische Sprache aber, musste der Buchstabe "V" offenbar vier verschiedene Laute überbrücken, ("F", "V", "U" und "W").

    Man löste das Problem, indem man das lateinische Alphabet unter Anderem um die Buchstaben "U" und "W" erweiterte. Der Laut "U" war im lateinischen Sprachgebrauch gängig, wenn man ihn auch in den Inschriften mit einem "V" darstellte. Der Laut "W" war aber ganz und gar germanisch und wurde erst sehr spät im Mittelalter eingeführt.

    Den Zeitpunkt der Einführung des "W" konnte ich nicht ergoogeln, aber es dürfte zum Ende der dt. Ostkolonosation gewesen sein (~ 14. Jhdt). Denn viele dt. Ostdialekte (Tschechien, Slowakei, Siebenbürgen) kennen das "W" nicht und benutzen stattdessen ein angehauchtes "B". - Übrigens, ein denkbarer Grund zur Abgrenzung vom normalen "B" zum angehauchten "B" wäre die Verschärfung als "P". (Wilde Vermutung von mir.)

    Im 13. Jahrhundert findet sich "V" sowohl als Variante von "F", "U" als auch als Variante von "W". Bsp. (Frowe, Vrowe, Vrouwe, Vrovwe = Frau / und, vnd / funden, vunden, nie u für f und vice versa, auch fast nie u für w, aber oft 'w' für 'uw')

    Weiterhin deute ein fallbezogener Text auf die Verwendung des "W" als "U" in "ewer = euer" und de "P" als "B" in "pis = bis" zumal dies in einem Satz geschieht:

    ...Die Stelle in dem Schreiben heißt wörtlich: ,,.... ob aber nach niydert ein un willen von dem selben unsserm lieben vettern, hertzog Albrechten, gen uns were von der geschicht wegen der Pernawerin, so waiß doch ewr lieb wol, das wir darhinder unschuldigklich komen sein, und auch umb die sach nichts gebest (gewußt) haben, pis ir selber her zu uns gen Landshut komen seyt. und seyt ew selbs und uns wol schuldig darinnen zu verantwurten..."
     
  12. Maiara

    Maiara Neues Mitglied

    Das ist gut nachvollziehbar. Vielleicht hat man sie eben eher nach ihrem Herkunftsort als nach ihrem Namen benannt. Es gibt ja viel Spekulationen ihren Namen.
    Gibt es eigentlich Adressen von Leuten, die Portraits berühmter Persönlichkeiten nachkonstruieren?
    Existiert vielleicht irgendwo ein authentisches Portrait vom Gemahl Herzog Albrecht III von Bayern?
    Gruß Maiara
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Januar 2005
  13. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Mehr hab ich nicht gefunden.

    http://www.schulen-pindl.de/regensb/gym/7_2/Bios/Albrecht III.htm
     
  14. Mercy

    Mercy unvergessen

  15. Maiara

    Maiara Neues Mitglied

    Toll was da alles zusammen gekommen ist ^ - ^
    Unter manche meiner Bilder in möchte musikalische links setzen, um die Wirkung etwas zu unterstreichen. Kennt jemand außer mittelalter.de ne passende mittelalterliche Musik zum Thema ( muß online mp3 zum anhören sein ) oder auch zu meinem Bild ( Herzog Albrecht sieht voller Sehnsucht aus seinem Schloß in die Ferne, wo er Agnes im Monde erblickt und sie schaut auf ihn mit gesenktem Haupt ).
    LG Maiara
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Januar 2005
  16. Terra_di_nadie

    Terra_di_nadie Neues Mitglied

    Hi,
    freue mich, dass endlich wer was zu Agnes geschrieben hat, hatte da auch schon oft überlegt nen Thread aufzumachen, es aber letztendlich doch gelassen :hoch:
    Zu ihrem Grab hab ich gelesen dass sie einige hundert Meter von ihrer Hinrichtungstelle auf der rechten Donauseite entdeckt und dort auf dem Friedhof der nahegelegenen Peterskirche schnell und unspektakulär begraben wurde. Die Grabstelle ist nicht genau bekannt, aber es könnte der Platz sein, an dem später die Sühnekapelle errichtet wurde.
    Es ist anzunehmen, dass ihr Leichnam später dann zu dem Karmelitenkloster überführt wurde, dem sie den Altar gespendet hatte. Jedenfalls wurde dort in den 30ern des 20. Jhd.s ein Frauengrab aus dieser Zeit entdeckt. Allerdings soll der Fund von den Nationalsozialisten vertuscht worden sein.
    Jeden der sich für Agnes Bernauer interessiert möchte ich auch 2 Bücher ans Herz legen, aus zweiterem hab ich auch oben geschriebenes:
    "Agnes Bernauer" von Hebbel
    "Agnes Bernauer - Hexe, Hure, Herzogin" von Manfred Böckl (der Titel ist zu reißerisch, ich weiß, aber das Buch ist wirklich empfehlenswert:hoch:)
     
  17. Maiara

    Maiara Neues Mitglied

    Hallo,
    interessante Angaben zu ihrem Grab. Kannst du benennen wo diese Informationen zu finden sind über diesen Fund des Frauengrabes? Und weißt du, ob der Altar noch da ist bzw. wo man den anschaun kann? Bohr.. bohr...;-)
    LG Patricia
     
  18. Terra_di_nadie

    Terra_di_nadie Neues Mitglied

    Also meine Quelle war der historische, biographische Roman Manfred Böckls (Agnes Bernauer - Hexe, Hure, Herzogin), da hat er das im Epilog geschrieben. Welche Quellen er benutzt hat weiß ich nicht, das tut mir leid. Böckl empfiehlt aber auch das Buch "Agnes Bernauer und ihre Zeit" von Werner Schäfer, unter anderem wird dort auch das Schicksal der Jakobäa näher erläutert.
    Ob man das Grab besichtigen kann, weiß ich leider nicht, aber ich vermute eher nicht. Das erste Grab, da weiß man ja nicht wos lag, zumindest nicht hundertprozentig und außerdem wurde da ja dann diese Sühnekapelle errichtet, falls es da war. (Ich hoffe mein Gefasel ist verständlich) Das Grab im Kloster gibts ja nich mehr wirklich, es wurde ja von den Nazis vertuscht. Hoffe ich erzähl jetzt nichts falsches, also sind nur Vermutungen :(
     
  19. Mercy

    Mercy unvergessen

    Welches Interesse sollten die haben?
    Der Grabstein der Agnes Bernauer, ursprünglich im Fußboden eingelassen, steht seit 1785 an der Südseite der Kapelle. Das Flachrelief der Marmorplatte zeigt die Agnes in reicher Gewandung. Die Tote selbst fand nach kurzer Grabruhe im Sankt-Peter-Friedhof bei den Karmeliten ihre letzte Ruhestätte, doch ihr Grab wurde trotz verschiedener Untersuchungen noch nicht gefunden.
    http://www.bayerische-staatszeitung.de/index.jsp?MenuID=88&AusgabeID=128&ArtikelID=596
     
  20. Terra_di_nadie

    Terra_di_nadie Neues Mitglied

    Böckl meinte sie hätten es aus ideologischen Gründen vertuscht. Hab ja auch geschrieben, dass ich mich nich dafür verbürgen kann
     

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