1905: Annalen der Physik, Folge 4, Band 17

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von manganite, 6. September 2004.

  1. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Ganz selten lassen sich bestimmte Entwicklungen trotz ihres einschneidenden Chrakters wirklich auf ein einzelnes Ereigniss zurückführen (So ist der Sturm der Bastille eigentlich nur ein einzelnes Ereignis, gleichrangig mit anderen in einer Kette von Vorfällen, die den Beginn der franz. Revolution ausmachen). Aber es gibt Ausnahmen...

    Eine solche Ausnahme ist das Erscheinen des 17. Bandes der 4. Folge der Annalen der Physik im Sommer des Jahre 1905. In diesem Band veröffentlich ein als "Experte III. Klasse" des schweizerischen Patentamts arbeitender Fachleher für Mathematik und Physik drei wissenschaftliche Artikel mit den Überlegungen, die er sich während seines Feierabends in den Monaten zuvor gemacht hat. Bei den Überlegungen handelt es sich um drei Theorien zu Themen, die in den Jahrzehnten zuvor eifrig diskutiert und behandelt wurden. Es gab wohlbekannte Experimente und Modelle zu diesen Problemem, aber keine Lösungen. Denn wie sich sollte, waren die Probleme nur zu lösen, wenn man die bis dato akzeptierten Vorstellungen über den elementare Aufbau der Natur über Bord werfen musste.

    Zum wohl erstenmal zeiget es sich, dass eine Beschreibung der Natur richtig sein kann, die der menschlichen Erfahrung und Vorstellung zuwiederläuft. Ein Schritt, den manch kleinere Geister vielleicht gesehen, aber den zugehen sie zu ängstlich waren. Erst ein wirkliches Genie hat die Kraft, so einen Schritt zu tun, alles Bekannte in sein Gegenteil zu verkehren.

    Die erste Arbeit trägt den Titel "Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt". Worum geht es? Die Erfahrung lehrt einem, dass alle Dinge in der Natur kontinuierlich sind. Es gibt keine Unstetigkeiten in der menschlichen Erfahrungs Welt. Alles hat eine endliche Länge, dauert eine Zeit, jede Änderung ist kontinuierlich es gibt kein plötzlich. Alles kann man messen und einem endlichen Wert zuordnen. Aber das stimmt nicht. Unsere begrenzte Wahrnehmung spielt uns hier einen Streich. Schaut man genauer hin, gilt das nicht mehr. Auf submikroskopischer Ebene ist alles unstetig, gequantelt.

    Das ist die Geburtsstunde der Quantenmechanik, die schleißlich auch noch den Determinismus der Natur, das Gesetz von der Zwangslaäufigkeit von Ursache und Wirkung außer Kraft setzen sollte (was dann allerdings für unser Genie schleißlich auch zuviel war...)

    Die zweite Arbeit hat den schönen Titel "Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen". Dahinter verbirgt sich nichts anderes als der eindeutige Beweis, dass alle Materie aus kleinsten Bausteinen, den Atomen, aufgebaut sind. Das hatten sich zwar auch schon die laten Griechen überlegt, aber im Jahre 1905 war diese These in der Wissenschaft eben nicht mehr, als eine These. Eine ungliebte noch dazu.

    Doch hier war der Beweis und die Atomphysik konnte ihren Siegeszug antreten.

    Schließlich noch die dritte Arbeit. Sie hat den kürzesten Titel. Er lautet schlicht "Zur Elektrodynamik bewegter Körper". Dahinter verbirgt sich das vordergründig populärste Werk, aber vieleicht das mit den Konsequenzen, die am schwierigsten wirklich zu verstehen sind, da sich am weitesten außerhalb der scheinbaren Realität bewegen. "Alles ist relativ",den Spruch kennt jeder und doch schrieb Max Born noch über 20 Jahre später, es gebe viellicht auf der ganzen Welt nur 10 Menschen, die alle Folgen dieses Prinzips wirklich verstehen würden ("versthen" ist hier nicht einafchen Sinn von anwenden können zu sehen).

    Aber es ist so. Alles ist relativ. Alle Größen der Natur hängen von ihren Beziehungen untereinadner ab. Länge und Zeit, Masse und Energie. Die Zeit kann stehen bleiben und die Masse sich ins unedliche erhöhen.

    Alles ist möglich im Rahmen der Relativitätstheorie, die in ihrer allgemeinen Form auch den letzten Rest der überkommen Vorstellungen von Zeit und Raum in nichts zusammenbrechen ließ.

    Ach ja, jener Experte III. Klasse und Feierabendforscher, der mit einem Schlag weltberühmt wurde, hieß Albert Einstein.
     
  2. manganite

    manganite Neues Mitglied

  3. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Was für ein gigantischer Beitrag über einen genialen Mann.Ich kenn da auch jemanden, der die Welt unter solchen Aspekten erklärt. Er heisst Prof. Harald Lesch und ist hier zu hören, wenn man Realplayer hat

    http://www.br-online.de/alpha/centauri/archiv.shtml
     
  4. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 19. Januar 2005

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