Alexander der Große/Adolf Hitler

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Altertum" wurde erstellt von Gast, 24. Januar 2011.

  1. Gast

    Gast Gast

    Also mein Facharbeitsthema ist Alexander der Große im Vergleich mit Adolf Hitler, wie diese die
    unterworfenen/besiegten Völker behandelten.
    Jetzt finde ich es nur schwer dafür Literatur zu finden.
    Also wäre echt nett wenn mir jmd dazu Literatur nennen könnte.
    Danke und LG
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es ist nicht möglich, diese beiden unter diesem Aspekt zu betrachten.

    Zum einen, weil die beiden Personen, der kulturelle Hintergrund und ihr faktische Verhalten sich aufgrund der Unterschiedlichkeit einem Vergleich entziehen.

    Im Ergebnis kann man nur festhalten, dass sie unterschiedlich sind.

    Einen erfolgreichen Versuch der Einordnung hat Keegan versucht in der Maske des Feldherren vorzunehmen.

    Die Maske des Feldherrn: Alexander ... - Google Bücher

    Zum anderen, weil Du den kulturellen Hintergrund der beiden, die spezifische Ideologie und die konkrete Umsetzung im Rahmen ihrer Kriege bzw. ihrer Vernichtungsstrategien kennen und einschätzen müßtest, um zu einem sinnvollen Urteil zu kommen.

    Ich frage mich immer, welcher Lehrer derartige Aufgabenstellungen formuliert, an derem Ende als Ergebnis nur stehen kann, dass sie absolut nichts miteinander vergleichbares gemeinsam haben.
     
  3. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Man kann schon, es stellt sich jedoch die Frage nach der Sinnhaftigkeit.
     
  4. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Alles was meine Mitdiskutanten schrieben ist m.E. vollkommen korrekt. Du kannst Alexander nicht mit Hitler vergleichen. Schon gar nicht die "Besatzungspolitik". O.k. hilft Dir jetzt nicht.

    Müßte ich ein solches, etwas eigenartiges Thema bearbeiten müssen, würde ich wie folgt vorgehen:

    1. Ist ein Vergleich von Alexander und Hitler historisch zulässig?

    Ergebnis: "nein". Nicht nur die Epochen liegen fast 2000 Jahre auseinander, sondern auch der Herrschaftsmechanismus ist grundlegend verschieden.

    2. Kurzer Abriß der Geschichte des Lebens und der Eroberungen von Alexander, inkl. Diadochenreiche.

    3. Kurzer Abriß der Geschichte des Lebens von Hitler, inkl. des Totalitarismus.

    4. Rhetorische Fragestellung, wie wurden die "unterworfenen Völker" behandelt? Ehrlich, ab jetzt sträuben sich mir fast die Finger, aber vllt. der Ansatz; Assimilation (Hellenismus) versus totaler Unterwerfung/Vernichtung.

    Wenn Du noch Fragen hast frag.


    M.


    P.S.: Du weißt schon, daß die Fragestellung und im übrigen auch mein Ansatz, vollständig ahistorisch ist. :weinen:
     
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  5. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Nun hat unser Gast nuneinmal diese Aufgabe so gestellt bekommen. Er kann ja schlecht zu seinem Lehrer/in gehen und sagen, das Thema wäre blöd und unsinnig. Damit macht er sich da sicherlich keine Freunde.

    Vielleicht kann man ja tatsächlich folgendermaßen vergleichen - und warum eigentlich nicht:
    - gewünschtes Verhalten der eigenen Soldaten gegenüber kampfunfähigen Feinden in der Schlacht (z.B. alle umbringen, nicht drum kümmern, bergen und im Rahmen des Machbaren versorgen)
    - ditto nach der Schlacht
    - Verhalten gegenüber Zivilisten (Das kann auch von, "jeder ist willkommen, wenn er sich nur unterordnet" bis zu alle ausrotten gehen)
    - Einbindung der führenden Schichten besiegter Bevölkerungen in die eigenen Führungsstrukturen
    - Aufzwingen eigener Kultur bis Übernahme von Kulturen besiegter Völker

    Es ergeben sich also schon einige Aspekte die sich sogar gut von 1 bis 5 bewerten lassen. Man mag die moralische Bewertung für unzulässig halten, die Feststellung der Fakten finde ich durchaus nicht uninteressant. Zudem finde ich auch moralische Wertungen nicht generell unzulässig. Man darf sich dadurch nur nicht den Blick auf das Geschehen als solches vernebeln lassen.

    Wenn man nun z.B. Alexander an den Vorstellungen seiner Zeit messen wollte, würde es natürlich noch zielführender sein, ihn mit damaligen Eroberern zu vergleichen. Bleibt aber die Unvergleichlichkeit verschiedener Kulturen und das ist evtl. viel bedeutender als die Frage der Zeitgleicheilt.
     
  6. tela

    tela Aktives Mitglied

    Über die Sinnhaftigkeit der Aufgabe ist ja schon genug gesagt worden. Sollte sie aber dennoch weiter bearbeitet werden müssen, dann müsste man bei diesem Unterpunkt (so er denn in der Arbeit auftauchen sollte) noch eine Unterscheidung einbringen: Verhalten den unterworfenen Völkern gegenüber während der Eroberung und dann seine Pläne, wie es weitergehen sollte.
     
  7. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Was spricht eigentlich dagegen, die Behandlung von Menschen in unterschiedlichen Epochen zu vergleichen? Menschen sind Menschen und bleiben Menschen. Abgesehen von unterschiedlichen technischen Möglichkeiten und unterschiedlichen Erkenntnisständen ist der Unterschied zwischen einem Heerführer vor gut zweitausend Jahren und heute doch lediglich Kultur. Diesen selben Unterschied haben wir auch zeitgenössisch. Und dann nennen es manchen kulturimperialistisch wenn man Menschenrechtsverletzungen kritisiert. Natürlich muss man sich bei der jeweiligen Kritik fragen, ob hier für allgemeingültige erklärt wird, was nicht allgemeingültig ist. Im Gegenzug muss man aber auch die Frage zulassen, ob was für nicht-allgemeingültig behauptet wird, eben doch allgemeingültig ist. Aber da bin ich ja schon bei der moralischen Auswertung und greife damit über die Aufgabenstellung einen weiteren Schritt voraus.

    Zunächst war ja gefragt worden, was unterschiedlich war. Und nun frage ich mich, was gegen die Aufnahme der Fakten sprechen sollte. Was spricht gegen einen rein faktischen Vergleich ohne jede moralische Wertung? Erst bei bei dieser Wertung stellt sich doch das Problem der hier im Raume schwebenden Unvergleichbarkeit.
     
  8. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Lieber @Hans, ich halte es für unmöglich, sich der Person Adolf Hitler nur in reinen Fakten, ganz ohne moralische Wertung zu nähern.
     
  9. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Man könnte auch fragen : Was hieß es überhaupt, wenn Alexander ein Land "eroberte", und was hieß es im 20. Jhd bei Hitler ? Was war der Zweck für den Eroberer ?

    Bei der Unterwerfung eines anderen Landes ging es in der Antike im Wesentlichen um Tributzahlung und um militärische Loyalität. Allerdings wurden die Menschen auch versklavt; natürlich auch umgebracht, aber wohl mehr bei der Eroberung selbst.

    Hitler ging es nicht um die Ausweitung des eigenen politischen Machtbereichs, sondern um Ausrottung und Versklavung von als "minderwertig" angesehenen Völkern, um deren "Lebensraum" mit eigenen Menschen zu besiedeln.

    Das sind natürlich völlig unterschiedliche Ziele und es hat für die Betroffenen unterschiedliche Konsequenzen.
     
  10. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Auch wenn ich dem grundsätzlich zustimmen würde (historisch macht der Vergleich wenig bis gar keinen Sinn), ist er doch ideologisch bzw ideengeschichtlich mE nicht völlig abwegig; es stehen sich gegenüber die Idee der von Alexander vertretenden "Völkerverschmelzung", dem Aufgehen verschiedener Kulturen in etwas Neuem, und die Idee vom "Kampf der Kulturen", bei der die eine die andere "unterwirft" oder "vernichtet". Auch wenn über 2.ooo Jahre dazwischen liegen, in gewissem Sinne sind hier die Vorstellungen Alexanders und Hitlers archetypisch, und damit in gewissem Sinne zeitlos; BTW, die meisten von Alexanders Generälen sprachen sich hier für einen Weg aus, der dem der Nazis deutlich näher war: Die griechische sei die überlegene Kultur, und sollte der persischen übergeodrnet sein und sie beherrschen...
     
  11. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Wenn man die Biographie von Ian Kershaw liest - geht das aber schon.
     
  12. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Im Prinzip sicher. Aber hätte sie auch ein deutscher Autor genauso schreiben können bzw. dürfen?
     
  13. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Joachim Fest

    Sebastian Hafner

    Brigitte Hamann
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Januar 2011
  14. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Also, wenn das eine Arbeit in der Schule ist, dann finde ich, man sollte den Lehrer schon mal fragen, was er sich bei einer solchen Aufgabe vorstellt. Ich frage mich schon, was zum Schluß dabei herauskommen soll? Als ich die Themenüberschrift gelesen habe, habe ich fast einen Schluckauf vor Schreck gekriegt.

    Natürlich kann man viele Fakten vergleichend nebeneinander stellen. Alexander ist auf dem Pferd selbst in die Schlacht geritten, Hitler nicht. Ja, und? Was sagt mir das?

    Wenn das jetzt etwas aufgeregt klingt: ich führe seit vielen Jahren Schulklassen durch das Pergamonmuseum und muß mich immer mal wieder über Lehrer ärgern, die mit den unsinnigsten Anliegen kommen. Eines der schönsten Beispiele: Zeigen sie uns mal die attische Demokratie!, wo man immer sagen möchte, tut mir leid, die Vitrine ist gerade kaputt. Und irgendwie geht diese Aufgabe in eine ähnliche Richtung. Ob man Schüler so für Geschichte interessieren kann und sie motiviert, selbst weiter zu machen, ich habe da immer meine Zweifel.
     
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  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mir sieht das wenige nach einer vom Lehrer entworfenen Facharbeit aus als nach einer vom Schüler selbst gewählten.
     
  16. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    D'accord, nur der Schüler hat halt diese Aufgabe bekommen und entweder wir helfen ihm oder wir lassen es bleiben. "Lehrerschelte" nützt ihm da nix, obwohl ich sie nachvollziehen kann.

    M. :friends:

    P.S.: Das Beispiel mit der Vitrine ist klasse!
     
  17. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @ElQ

    Mag sein, aber als Lehrer, der ich nicht bin, muß ich doch nicht ein solches Thema akzeptieren - oder?

    M. :winke:
     
  18. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    OK, ich stimme zu. Was ich mir noch als interessant vorstellen könnte: Warum wird der eine als der "Große" bezeichnet und ist bis heute ein strahlender Heldenmythos, der andere aber das größte Monster der Geschichte. Beide haben Eroberungskriege geführt und den Tod ihrer Gegner als legitimes politisches Mittel verstanden. Das würde aber eher den heutigen Geschichtsrezipienten untersuchen als die beiden Protagonisten.

    Wenn es denn unbedingt die Behandlung der Unterworfenen sein soll, dann sollte man schauen, wie da im Nationalsozialismus gewertet wurde. Athen durfte nicht bombardiert werden, die Soldaten in Paris hatten strikte Anweisungen bezüglich ihres Verhaltens gegenüber der Bevölkerung, und wenn ich Kershaw richtig gelesen habe, wollte Hitler eigentlich die Engländer lieber als Verbündete denn als Gegner.
     
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  19. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Schon mal was vom Holocaust gehört? Oder von den Millionen Kriegsopfern oder von den ca. 3 Millionen sow. Kriegsgefangenen die ermordet wurden.

    Und da fragst du jetzt wirklich ernsthaft warum man Hilter als Monster bezeichnet.


    Ja das ist ja gut und recht, schau aber mal in den Osten was da mit den "Unterworfenen" gemacht wurde. Massenerschiessungen sind da nur ein Beispiel.

    Im übrigen fanden auch solche im Westen statt.

    Zum Beispiel was am 10 Juni 1944 in Oradour-sur-Glane geschah:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Oradour-sur-Glane

    http://www.oradour.org/
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Januar 2011
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  20. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich glaube nicht, dass hjwien da irgendetwas verharmlosen oder verschweigen will, es geht ihm wohl darum, dass für Hitler Feind nicht gleich Feind und Unterworfener nicht gleich Unterworfener war, sondern er differenzierte.
     

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