Alltag u. Gebräuche der Mongolen

Dieses Thema im Forum "Das Mongolenreich" wurde erstellt von captain kirk, 22. Mai 2009.

Schlagworte:
  1. captain kirk

    captain kirk Mitglied

    ich habe gelesen, das es den mongolen zur zeit dschingis khans bei todesstrafe verboten war in seen und flüssen zu baden, um die wassergeister nicht zu erzürnen.
    wie haben sich die mongolen gewaschen?
    wie sah das auf kriegszügen aus, es mußten doch sicher auch oft flüsse schwimmend überquert werden?
    gab es weitere alltagssitten die bei nichtbeachtung mit dem tod bestraft wurden?
     
  2. motu

    motu Neues Mitglied

    Die Mongolen haben sich natürlich mit Wasser gewaschen :)

    Wie sich die Mongolen gewaschen haben?
    So wie die Nomaden das auch heute noch tun: Mit Wasser natürlich! ;)
    Das Wasser holt man in Gefäßen zur Jurte.
    Es gilt heute noch als Sakrileg, sich oder Sachen in natürlichen Gewässern zu waschen und so die natürlichen Wasserreserven zu verschmutzen.
    Und das ist absolut richtig so.

    Eine weitere Alltagssitte, deren Nichtbeachtung - theoretisch - mitdem Tode bestraft werden konnte:
    Die Türschwelle einer Jurte darf nicht mit dem Fuß berührt werden, weil dies den Bewohnern der Jurte großes Unheil bringen kann. Das gilt auch heute noch. Dieses Tabu kennt jeder Mongole. Wer es zu Tschingis Haans Zeiten dennoch nicht beachtete, wollte offenbar seinen Gastgebern absichtlich schweren Schaden zufügen. So ein Verbrechen wurde hart bestraft.

    Die Zeit Tschingis Haans war - nach der blutigen Einigung der Mongolenstämme - für die Mongolen eine gute Zeit: Endlich gab es Gesetz, Recht und Ordnung. Die Zeiten der ewigen Stammesfehden war endlich vorüber. Der freie Austausch von Waren, Wissen und anderen Kulturgütern blühte damals auf.

    Die Großhaane richteten ein flächendeckendes Postwesen ein. Alle soundsoviel Kilometer war eine Poststation, an denen die Einheimischen immer frische Pferde und Proviant für die Postboten bereitstellen mussten. Wer da nicht mitzog, wurde auch hart bestraft.

    Das Postnetz war sehr wichtig, um eine straffe, einheitliche und rechtssichere Verwaltung dieses größten Landreiches, das die menschliche Geschichte je gesehen hat, sicher zu stellen. Und das hat auch prächtig funktioniert - bis das Reich aufgrund von Streitigkeiten unter den verschiedenen Zweigen der Herrscherfamilie auseinander brach.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 24. Mai 2009
  3. Die Türschwelle zu treten war nicht mit der Todesstrafe belegt, das war keine Straftat. Es konnte dazu führen das man mit Gewalt gegen einen Vorging aber das war keine Frage des Gesetzes sondern ob der Besitzer des Ger dann so etwas handelte oder nicht.

    Was damals wirklich alles im Gesetz beinhaltet war ist heute nur noch schwer und indirekt zu rekonstruieren.

    Die Yasa wurde vermutlich 1206 verbindlich, aber was genau in der Yasa alles stand ist nicht mehr bekannt. Vieles was da behauptet wird ist Legende und nicht wirklich historisch.
     
  4. Wilhelm von Rubruck überliefert einige Taten die mit der Todesstrafe belegt waren:

    Von ihm werden Mord, Schwerer Diebstahl und Beischlaf mit einer anderen Frau als der eigenen Ehefrau genannt.

    Wenn eine Auseinandersetzung zwischen zwei Männern war, konnte einer der beiden die Obrigkeit anrufen, ab diesem Zeitpunkt durfe ihn niemand mehr angreifen, wer dies trotzdem tat wurde hingerichtet.

    Desweiteren wurde es mit dem Tod bestraft Meldereiter zu behindern, aufzuhalten oder gar anzugreifen.

    Allgemein haben die Mongolen im Vergleich ihrer Zeit sogar weniger Todesstrafen gehabt als andere Völker.

    Man weiß dies aus der Rechtsgeschichte in China und im Iran. Die Mongolen haben zur Zeit ihrer Herrschaft dort erheblich weniger Delikte mit dem Tode bestraft als die Einheimischen Herrscher vor oder nach ihnen.

    Während der Yüan Dynastie wurde die Todesstrafe im Vergleich zu den Chinesischen Herrschern vorher und nachher bei sehr viel weniger Taten verhängt und noch weniger vollzogen. Und selbst wenn ein Delikt vom Gesetz her mit der Todesstrafe bedacht war, wurde diese nicht unbedingt vollzogen.

    Es gibt Überlieferungen wonach Personen die sich in fließenden Gewässern gewaschen hatten und daher bestraft hätten werden müssen trotzdem laufen gelassen wurden.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 5. Juni 2009

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