Alter und Haarfarbe der deutschen Durchschnittshexe

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Mercy, 23. März 2004.

  1. Suedwester

    Suedwester Gast

    Ich sag ja auch regional und nicht generell. In der Schweiz waren es - soweit ich mich erinnere - wohl über zwei Drittel Männer ...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13. Januar 2006
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

  3. Suedwester

    Suedwester Gast

    Selber Link:

    "Während der Anteil der Frauen an den Verfolgten in der Frühen Neuzeit rund zwei Drittel ausmachte, betrug er im 15. Jahrhundert lediglich einen Drittel, auch wenn die Frauen bereits 1448 in Vevey anders, sexistischer befragt wurden als die Männer. Kathrin Utz Tremp"
     
  4. Enkidu

    Enkidu Neues Mitglied

    Ich hab mal irgendwo gelesen, dass die Nazis versuchten nachzuweisen, dass die Hexenprozesse auf Juden zurückgingen, doch mussten die parteitreuen "Historiker" dann feststellen, dass ein Großteil der Anzeigen von Bauern gemacht wurden und Juden eigentlich gar nicht (verständlicherweise) als Ankläger vorkamen.
    Interessant ist doch auch, dass die Kirche zunächst versuchte gegen den Glauben an Hexen vor zu gehen und sich dann letztlich der "Volksmeinung" ergab und selber Hexenverfolgung betrieb.
     
  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    Da sind wir aber nicht in der frühen Neuzeit, diese Zeit ist qualitativ anders zu betrachten, wie aus dem Beitrag unschwer zu erkennen ist.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gleich bekomme ich wieder Ärger mit Mercy, der öffentlich-rechtliche Links wg. schlechter Recherche nicht mag ;) :
    http://www.mdr.de/fakt/aktuell/1308883.html
     
  7. Mercy

    Mercy unvergessen

    Der sagt ja nichts Falsches.
     
  8. Suedwester

    Suedwester Gast

    Na wie wäre es denn dann mal damit:

    Prof. Dr. Gerd Schwerhoff; 1994/ 2005

    „Hexerei, Geschlecht und Regionalgeschichte. Überlegungen zur Erklärung des scheinbar Selbstverständlichen“, in: Hexenverfolgung und Regionalgeschichte. Die Grafschaft Lippe im Vergleich (Studien zur Regionalgeschichte Bd. 4), hrsg. v. Gisela Wilbertz, Gerd Schwerhoff u. Jürgen Scheffler, Bielefeld 1994, 325-353.

    "...Einen Männeranteil von über 50%, wie er vereinzelt in anderen Territorien nachweisbar ist, scheint es in unserer Untersuchungsregion nicht gegeben zu haben. Insgesamt erscheint die Zuspitzung der Verfolgung auf Frauen hier noch deutlicher hervorzutreten als im europäischen Durchschnitt, wo auf vier Frauen ein Mann kam. Dabei sind allerdings auch regionale Differenzierungen in die andere Richtung zu beachten: In vielen Gegenden Frankreichs etwa scheint das Geschlechterverhältnis fast ausgeglichen gewesen zu sein, in einigen europäischen Randgebieten dominierten sogar die Männer unter den Verfolgten."

    Der Text steht glaube ich auch irgendwo im Netz, da hab' ich ihn mir jedenfalls irgendwann mal gezogen. Und sage jetzt bitte nicht, dass hier auch steht, dasss es mehr Frauen als Männer waren. Das seh' ich selbst ;) Ich sagte ja auch weiter oben ausdrücklich "regional!" :D

    Was übrigens häufig vergessen wird (Labouvie bezieht diesen Aspekt allerdings ein) ist, daß Frauen im Allgemeinen älter wurden und die Bevölkerungspyramide zu Gunsten der Frauen verschoben war. Das wiederum verschiebt den prozentualen Anteil der Verfolgten etwas "zugunsten" (wenn man das so nennen darf) der Männer gegenüber den Absolutwerten.


    PS.: Mit den "Randgebieten" sollte übrigens Skandinavien gemeint sein.
     
  9. Mercy

    Mercy unvergessen

    Ich meinte nix anderes. =)
     
  10. hyokkose

    hyokkose Gast

    Die Legende von den "weisen Frauen" stammt meines Wissens von Gunnar Heinsohn, der auch an anderen populären Märchen wie dem "Erfundenen Mittelalter" mitgestrickt hat:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gunnar_Heinsohn
     
  11. Suedwester

    Suedwester Gast

    Unter anderem. Insbesondere Strömungen in der amerikanische Geschichstschreibung hielen es in den 70er Jahren für "political correct", in der Hexenverfolgung ein rein antifeministisches Phänomen, geschürt aus der Angst der Männer vor der macht der Frau, zu sehen. Aus dieser Strömung kommen auch die Rekonstruktionen (darf man das so nennen) der guten alten matriarchalischen Urgesellschaftenn, die dann von den bösen machthungrigen Männern niedergemacht wurden.

    Wenn man ein bisschen sucht, findet man entsprechend tendenziöse Literatur aus dieser Zeit en masse ...

    Bye

    Suedwester
     
  12. Mercy

    Mercy unvergessen

  13. SamnuSupay

    SamnuSupay Neues Mitglied

    So: Dann möchte ich mal dafür entschuldigen die vorbelastete Bezeichnung "weisse Frauen" verwendet zu haben :autsch: Ich meinte lediglich Menschen die anhand von Kräutern und anderen Heilmitteln in der Lage waren Mensch und Tier zu heilen, sowie über den einen oder anderen Segensspruch verfügten und die alten Sagen kannten!

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gunnar_Heinsohn

    Soviel zu wikipedia ;)


    Mercy: Erstens ist das von dir eingestellt kein Widerspruch und zweitens handelt es sich um die Grafschaft Büdingen nicht um die heutige Stadt!
     
  14. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Soweit ich gelesen habe, hat Luther den Vers Ex22,17 (nach anderer Zählung18) richtig übersetzt: Die Hexe sollst du nicht am Leben lassen. In der Vulgata steht maleficos, was eindeutig männlich ist. Das wiederum sollte zur Folge gehabt haben, daß man in protestantischen Gegenden mehr Frauen als Männer anklagte, weil man sich den Hexensabbat als ein Geschehen zwischen Frauen und dem Teufel vorstellte. In katholischen Gegenden hingegen eher als gemischte Party. Tatsächlich ist es dem Historiker Rolf Schulte gelungen, dies zu belegen. Demnach wurden in kath. Gegenden bis zu 30% Männer hingerichtet, in protestantischen "nur" 10-20%.
    In Island allerdings wurden in etwa während des 17.Jh. 110 Männer aber nur 10 Frauen verbrannt. In Finnland ist das Verhältnis ähnlich. Möglicherweise geht das auf heidnischen Volksglauben zurück, demzufolge Hexenwerkler eher männlich waren.
    Die Konfession war eher sekundär. Es warnicht, wie gern behauptet wird DIE katholische Kirche, die systematisch weise Frauen ausgerottet hat. In rein katholischen Gegenden waren die Verfolgungen überschaubar. Wie Rainer Decker darstellt (die Päpste und die Hexen, Darmstadt 2003) waren die Menschen unter päpstlicher Observanz sogar sicherer als anderswo.
    Das Phänomen in Deutschland geht m.E. auf einen grassierenden Aberglauben zurück, v.a. in Folge der konfessionellen Spaltung, man wußte nicht mehr, was man glauben sollte, Gott war im Urlaub, der Teufel machte alles.... (naja, etwas salopp formuliert).

    Die meisten dieser Weisheiten habe ich aus dem Ausstellungskatalog: Hexenwahn. Die Ängste der Neuzeit. Berlin 2002.

    Außerdem lese ich gerade Peter Dinzelbacher: Heilige oder Hexen. Schicksale auffälliger Frauen. Düsseldorf 1995 u.ö. ist insgesamt etwas oberflächlich, aber man bekommt einen guten Eindruck davon, was das Verhalten von echten/ falschen Heiligen von sog. Hexen unterscheidet, viele Fallbeispiele und insgesamt ein Eindruck von der Mentalität im SpätMA und früher NZ.

    Genug des Klugsch....

    LG Kassia
     
  15. Suedwester

    Suedwester Gast

    Nettes Buch, kann ich bestätigen. Einziger Kritikpunkt: Die andauernde unterschwellige Voraussetzung, das alles nur Mann-gemacht ist ...

    Bye
    Suedwester
     
  16. Mercy

    Mercy unvergessen

    Meinst du den Dienzelbacher oder den Ausstellungskatalog?
     
  17. Suedwester

    Suedwester Gast

    Den Dinzelbacher ...
     
  18. Mercy

    Mercy unvergessen

    Dann haste recht.
     

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