Archäologische Funde, die Einäscherung der Städte (de Bello Gallico) widersprechen?

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von kathi222, 12. Oktober 2010.

  1. kathi222

    kathi222 Neues Mitglied

    So, jetzt brauch ich schon wieder eure Hilfe wg. meiner Seminararbeit...
    Im Wikipedia-Artikel (den ich selbstverständlich nicht als Quelle angeben werde ;)) steht folgendes zu den Helvetiern:
    Zitat:

    Die neuere Forschung und die Archäologie konnten die Angaben Caesars jedoch nie bestätigen. Es fanden sich ausser in einem Oppidum auf dem Mont Vully keine Brandspuren im Siedlungsgebiet der Helvetier, die auf die von Caesar erwähnte Vernichtung der helvetischen Siedlungen hinweisen würden. Im Gegenteil zeigen Siedlungen und Kultstätten der Helvetier im entsprechenden Zeitraum eine ungebrochene Kontinuität und Vitalität. Neuere (2007) Ausgrabungen am Kultplatz von Mormont haben dies bestätigt.

    Leider sind keinerlei Quellenangaben gegeben, bei Google find ich nichts, habt ihr irgendwelche Bücher oder relativ seriöse Internetseiten dazu?
    Vielen dank schon jetzt!
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn du dem Mormont-Link folgst, kommst du immerhin zu einem Heft Archäologie Schweiz von 2007. In der Reclam-Ausgabe des Bello Gallico gibt es aber auch Hinweise auf archäologische Grabungen seit Napoleon III., was natürlich nicht auf Schweizer Gebiet stattgefunden hat.
     
  3. andrix8888

    andrix8888 Aktives Mitglied

    Helvetierauszug

    Haben die Helvetier ihre Siedlungen nicht selbst niedergebrannt im Augenblick ihres Auszuges? Nach ihrem Auszug,der bekanntlich scheiterte,gab es sicherlich eine Rückflut.Alle Principes werden ihre angestammten Oppida nicht niedergebrannt haben.Sonst wären die sehr späten Quinare vom Vatico-Typ nicht entstanden
     
  4. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Wirf einen Blick in Janine Fries-Knobloch, Die Kelten. (Stuttgart: Kohlhammer, 2002, S.24) bezüglich der Schweiz mit zahlreichen Literaturabgaben (Anm. 60 und 61) sowie der auf Quellen wie Tacitus und Ptolemaios gestützten Hypothese, daß die ursprünglichen Sitze der Helevtier nördlicher lagen.
     
  5. andrix8888

    andrix8888 Aktives Mitglied

    Wo lagen denn die ursprünglichen Sitze der Helvetier, Muspilli ?Wie hat die Authorin die Sitze als helvetisch identifiziert.Weil das nämlich ein schwierig Ding ist.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Man kann auch wieder aufbauen. Archäologisch wäre eben ein großer Zerstörungshorizont zu erwarten, der in mehreren Ortschaften zur gleichen Zeit zu finden wäre. Und der müsste eben auf die erste Hälfte des ersten Jhdts. vor Christus zu datieren sein.
     
  7. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Von Argumentation kann eigentlich gar nicht so sehr die Rede sein, höchstens in dem Sinne, daß sie Forschungsliteratur zusammensucht und auf deren Grundlage eine Darstelllung gibt. Allerdings lese ich ähnliches bei Maureen Carroll (Römer, Kelten und Germanen. Stuttgart: Theiss, 2003, S.22); wie dem auch, nach einer kurzen Zusammenfassung der Konfliktsituation zwischen Caesar und den Helvetiern (vor allem nach Caesars Kommentaren selbst), stellt Frau Fries-Knobloch (2002, S.24) fest, daß ein Nachweis abgebrannter Wohnplätze "bisher an der genauen Datierung durchaus zu beocbachtender Brandschichten, z. B. auf dem Mont Vully am Murtensee, [scheiterte]"; ferner sei ein "Schanzwerk entlang der Rhone" bisher gar nicht aufgefunden, lediglich die Römerstellung von Montmort bei Bribracte. Im Anschluß erwähnt sie die Frage nach der Zurückwanderung der "Rauriker am südlichen Oberrhein, die mit den Helvetiern abwanderten" (S.24), was bezüglich des "Übergangs von von der offenen Siedlung Basel-Gasfabrik hin zum Oppidum von Basel-Müsternhügel, der um diese Zeit stattfand" (ebd.) relevant sei.

    Das nördlichere "ursprüngliche Siedelgebietes der Helvetier" (ebd.) gibt sie mit Verweis auf Tacítus (Germania 28, 2) "zwischen Rhein, Main und Bayrisch-Böhmischem Wald" an, mit dem weiteren Argument, daß dieses Gebiet mit den Maßangaben bei Caesar (1, 2, 5) besser übereinstimme als die Schweiz; mit dem Hinweis auf Poseidonios Angabe des helvetischen Reichtums an Flußgold spricht die Autorin vom Ausgreifen in die Nordschweiz und von der Entstehung der "sog. Helbvetiereinöde des Ptolemäus (geogr. 2, 11, 6), die er im Süden der Schwäbischen Alb enden lässt" - In Bezug auf die Datierung der genannten Einöde wird aber zugegeben, daß ebenfalls Datierungsschwierigkeiten vorliegen.

    An Lit. seien genannt:
    Müller, Die Helvetier und die Keltenwanderung. in Bader (Hg.), Die Welt der Kelten. Eberdingen, 1997, S143-145;
    Dobesch (1999) "Helvetiereinöde" in RGA 14 sowie Grünewald (2000: "Kelten II - Historisches" in RGA 16); Rieckhoff, Süddeutschland im Spannungsfeld von Kelten, Germanen und Römern. Studeien zur Chronologie der Spätlatènezeit im südlichen Mitteleuropa. Trierer Zeitschr. Beiheft 19, Trier 1995; Furger-Gunti über Münsterhügel in Moskati et al. (Eds.), The Celts. Milano, 1991
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Oktober 2010
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  8. andrix8888

    andrix8888 Aktives Mitglied

    Identifikation der helvetischen Oppida

    Geht man von der Spätesten Eisenzeit Auszug der Helvetier 58 v.Chr,Latene D2 ,so kann man zu ihren Siedlungen und Oppida bzw.der eindeutigen Zuordnung zu diem spätkeltischen Stamm der Helvetier folgendes sagen:dass die Geldprägung des
    Typs mit dem behelmten Kopf von den
    drei Stämmen des gallischen
    Westzentrums Eduens , Lingons und
    Séquani stammt . Sie führten eine
    einheitliche Geldzone , genannt die
    „ letzte Zone „ ein . In dieser Zone
    wurde ein Quinar benutzt
    Diese Tatsache verkompliziert alles,so kann man die Helvetersiedlungen nur durch das zusätzliche starke Auftreten des POTINs Typ Doppelanker(Baseler Gasfabrik) eindeutig zuweisen.Hierbei handelt es sich um eine Münze mit der Kleinigkeiten des Alltags bezahlt wurden und deshalb stark gebraucht wurde.
    Mein Avatar ,der Vatico Quinar ist wie ich gerade rausfand auch nur bis zum Helvetierauszug 58 v. Chr. einzustufen.
    Daraus kann man schließen,dass es nach der Niederwerfung bei Bibracte mit der Eigenständigkeit vorbei war,die Kontinuität der Siedlugen ist auch gebrochen.Wieweit Zerstörungshorizonte in allen dieser gesichert helvetischen Siedlungen vorkommen, konnte ich noch nicht raufinden.
    Nochmal zum Mont Mormont im Kanton Waadt.Dieses Heiligtum könnte auch von einem Nachbarstamm weiter gepflegt worden sein.Das würde die fehlende Brandschicht erklären.Basel Münsterhügel lief noch in die frühe Kaiserzeit rein ,Münzfunde : Potine der Sequaner,Kleingeld der Nachbarstämme.
     

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