Baukosten im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von InaN, 5. September 2011.

  1. InaN

    InaN Neues Mitglied

    Für einen Roman recherchiere ich die Baukosten im Spätmittelalter. Was musste ein Häuslebauer Mitte des 15.Jhs. für Steine, Ziegel, Holz, Mörtel, etc. zahlen, wenn er ein Wohnhaus in Würzburg errichten wollte?
    Kennt sich jemand auf dem Gebiet aus oder kann mir eine verlässliche Quelle nennen?
    Vielen Dank
    InaN
     
  2. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Für wen sollte denn das Wohnhaus sein? Einen Handwerker, einen Patrizier?
     
  3. InaN

    InaN Neues Mitglied

    Um ein Patrizierhaus, bei dem viel Stein verbaut wurde. Die Frage ist auch, in welchen Mengen das Material berechnet wurde: in Fudern oder Wagenladungen...
     
  4. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Was die Würzburger Bezeichnungen für die Maße betrifft, bin ich leider nicht kompetent. Auch, was die regionalen Kurse für Baumaterial angeht, bin ich heillos überfragt. Ich würde an Deiner Stelle die kreative Methode wählen.

    In Würzburg gibt es, wie ich aus eigener wohlschmeckender Erfahrung weiß, viele herrliche traditionsreiche Wirtshäuser wie das Juliusspital, das Heiliggeistspital oder den Ratskeller, von denen die beiden letztgenannten meines Wissens im 15. Jahrhundert bereits bestanden bzw. durch Bauten erweitert wurden. Wenn ich mich recht erinnere, war auch in allen dreien ein Aushang über die Geschichte des Hauses. Das heißt, es hat sich wohl mal jemand die Mühe gemacht, die Geschichte des Baus zu erforschen. Du kannst ja mal auf gut Glück den Wirt einer dieser Lokalitäten fragen, ob ihnen bei der Aufarbeitung der Geschichte genaue Daten in die Hände gefallen sind.

    Ich nehme an, dass Du Würzburg besser kennst als ich. Also wenn Dir ein besserer Bau aus dem 15. Jahrhundert einfällt, einfach mal nachfragen, falls es möglich ist, dass die momentanen Besitzer/Bewirtschafter über Material verfügen könnten.

    Ansonsten: Wie sieht es mit Deinen Lesefähigkeiten in Deutscher Kanzleischrift aus? Willkommen beim Stadtarchiv! | Stadtarchiv Würzburg, Publikationen, Bestände | Stadtarchiv
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. September 2011
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  5. InaN

    InaN Neues Mitglied

    Hallo Lukrezia Borgia,

    vielen Dank für die ausführliche Auskunft, ich bin leider vorher nicht zum Antworten gekommen.
    Ich habe mich missverständlich ausgedrückt, es geht nicht um Würzburg, ich habe es nur genannt, weil es zu der entsprechenden Zeit eine größere, bekannte Stadt war. Meine Frage ist:
    Gibt es aus dem Spätmittelalter konkrete Angaben über die Kosten von Steinen und anderen Baumaterialien? Rechnungen, Kostenvoranschläge, o.ä.
    Gibt es Bücher zu diesem Thema?
     
  6. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Schwierig, schwierig, da es in das Privatbauwesen fällt. Die Häuser an sich können in Quellen durchaus auftauchen, wie in vielen hoch- und spätmittelalterlichen Quellen belegt. Doch die frühen Rechnungen/Amtsbücher dokumentieren eher Besitzrechte, Abgaben, Steuern etc.
    Die ersten gängigen Kostenrechnungen stammen meist von Kirchen oder kommunalen Gebäuden, wie Rathäusern, Gemeindewirtschaften etc. - und in häufiger Zahl treten sie erst ab 1600 auf.

    Ich würde es mal in Stadtarchiven von ehemaligen Reichsstädten versuchen, wie z.B. Frankfurt, oder - vielleicht noch besser - in den wenigen Archiven, die von bedeutenden Patrizierfamilien hinterlassen wurden, wie dem Fugger-Archiv. Die hatten ähnlich wie Adlige oder bedeutende Kirchenrepräsentanten so eine Art "Hofhaltung", in die dann meist auch die Kosten für Gebäude eingeschlossen waren.
    Des weiteren habe ich gehört (=> aber persönlich nicht näher damit beschäftigt), dass in Italien die Verschriftlichung auch unter Privatpersonen schon im Spätmittelalter relativ hoch war. Vielleicht ergibt sich da was...
     
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  7. InaN

    InaN Neues Mitglied

    Danke, Ashigaru.
    ich habe nach einigem Suchen in den Göttinger Annalen eine Angabe aus dem Jahr 1427 über acht Fuder Stein zu 32 Schillingen und vier Fuder zu acht Schillingen gefunden. Es handelte sich dabei um Fuhren aus verschiedenen Steinbrüchen.
    Kennt ihr übrigens COMPUTATIO - Die Marburger Seite zu Rechnungen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit? Eine sehr ausführliche, gut angelegte Bibliographie von Quellen und Sekundärliteratur. Sehr zu empfehlen.
    Ich gebe mal den link an:

    COMPUTATIO - Die Marburger Seite zu Rechnungen des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit
     
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