Bildung des französischen Volkes unter Ludwig XIV

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Toffee, 19. Oktober 2008.

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  1. Toffee

    Toffee Gast

    Ich hoffe, ihr könnt mir bei meiner Frage helfen.
    Ich möchte gerne etwas zur Bildung des französischen Volkes während dem Absolutismus wissen, am besten unter Ludwig XIV.
    Dass Kinder von Bauern keine Schulen besuchen konnten, ist mir klar. Aber wie ist es mit der reicheren Bevölkerung wie z.B. reichen Kaufleuten, Ärzten usw? Was für eine Bildung bekamen deren Kinder? Gingen sie vielleicht vermehrt auf Klosterschulen oder hatten sie Erzieher?
    Wie sah die Bildung des Adels und des Klerus aus?
     
  2. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Dorfschulen gab es durchaus, allerdings steht zu bezweifeln, dass dort mehr als ein paar Grundkenntnisse von Schreiben, Lesen und Rechnen vermittelt werden konnten und natürlich konnten auch nicht alle Kinder in solch eine Schule gehen.
    Im Allgemeinen muss der Alphabetisierungsgrad im späten 17./18. Jh. doch nicht ganz so verherend niedrig gewesen sein, wie man gemeinhin annimmt.
    Das Beispiel ist zwar aus England und aus dem 17.Jh. - das Hausmädchen von Samuel Pepys konnte lesen (die Tagebücher von Samuel Pepys sind übrigens extrem lesenswert und wenn du keinen Bock hast zu lesen - es gibt sie auch in Auszügen als Hörbuch)
    Die Kinder reicherer Eltern konnten sowohl in Klosterschulen als auch von Privatlehrern unterrichtet werden, Klosterschulen waren aber so weit ich das beurteilen kann eher für Mädchen gebräuchlich, bei Jungs nur, wenn sie sowieso später Geistliche werden sollten.
    Für Mädchen aus mittellosen Adelsfamilien gab es eine Schule, die von Mme. de Maintenant der Maitresse von Louis XIV. gestiftet wurde (St. Cyr), wo diese eine ordentliche Erziehung erhalten sollten, die sich ihre Familien sonst nicht hätten leisten können.
    Für Jungen aus solchen Familien richtete Mme. Pompadour eine Militärschule ein, in der sie auf eine spätere Offizierslaufbahn in der Armee vorbereitet werden sollten.
    Leider hab ich keinen konkreten Literaturtip für dich :(
     
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  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Kann man vielleicht zusammenlegen: http://www.geschichtsforum.de/f16/referat-zu-schule-zur-zeit-ludwig-xiv-24075/#post370099

    Hier gibt es kurz was über die Anstalt der Maintenon von Saint-Cyr: Maison Royale de Saint-Louis ? Wikipedia

    Kinder von Adeligen oder wohlhabenden Bürgerlichen hatten in der Tat Erzieher. Diese hießen in Deutschland Hofmeister oder Haushofmeister. Im 17. und 18.Jh. gab es für diese Erzieher auch Bücher mit Grundsätzen, nach welchen sie ihre Zöglinge bilden sollten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Oktober 2008
  4. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ein schönes Beispiel, wie es aussehen konnte, in diesem Fall bei verarmten Adligen, bietet die Kindheit und Jugend Napoleons I.
    Mit Hilfe von Wikipedia würde ich mir einfach mal Biographien französischer Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts vornehmen und sehen, ob sich Gemeinsamkeiten finden oder wer aus dem einfachen Volk stammte usw.
     
  5. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Die Schwierigkeit dieser Frage trat schon bei anderer Gelegenheit zu Tage, z. B. bei http://www.geschichtsforum.de/f77/schulpflicht-im-mittelalter-23348/:

    • Was meint "Bildung"? (Allgemeinbildung?)
    • Was meint Alphabetisierung? (Lesen können? Unterschreiben können? Mehr als die Unterschrift schreiben können?)
    Im Grunde kann man fürs 17. Jahrhundert nicht entscheidend mehr sagen als für die Jahrhunderte davor, was die Bildung des "einfachen Volkes" betrifft. Einen sehr erhellenden Beitrag findet man in Band 3 der "Geschichte des privaten Lebens" (Hg. Ariès/Duby, 1991, S. 115-165): "Die Praktiken des Schreibens" von Roger Chartier. Verfasser nennt darin auch einzelne Daten zur Situation in Frankreich. Beispiel:
    Wenn möglich, sollten die Ehegatten ihre Vermählung in den Kirchenbüchern per Unterschrift dokumentieren. Nach einer 1877 vorgenommenen Auswertung der Kirchenbücher zwischen 1686 und 1690 "unterschrieben nur 29 % der Männer und 14 % der Frauen"; ein Jahrhundert später waren es 48 % bzw. 27 % (S. 117).
    Dabei handelte es sich aber, im Gegensatz zum 19. Jh., keineswegs um einen irreversiblen Prozess - Rückschläge blieben nicht aus:
    In der Provence war "bei den Schülergenerationen in dem halben Jahrhundert von 1690 bis 1740 eine Stagnation, ja, ein deutlicher Schwund der Alphabetisierungsrate ... zu verzeichnen" (S. 118 f.).
    Interessant auch der Hinweis auf die Verbreitung von Büchern in Privathaushalten:
    In Paris führten zwischen 1750 und 1760 nur 22 % der Nachlassverzeichnisse Bücher auf, in Lyon immerhin 30 % - in Tübingen hingegen 89 %, in Speyer 88 % und in Frankfurt 77 %! (S. 133)
    Letzteres, so der Autor, hatte eindeutig eine konfessionelle Kompenente! Am Beispiel der Stadt Metz:
    Hier sind zwischen 1645 und 1672 in 70 % der protestantischen, aber nur in 25 % der katholischen Nachlassverzeichnisse Bücher aufgeführt. Das spiegelt sich auch bei einzelnen Berufsständen: 75 % der reformierten Adligen, aber nur 22 % der katholischen besaßen Bücher (S. 134).
    Von daher könnte man die These entwickeln, dass insbesondere die Religionspolitik Ludwigs XIV. - Vertreibung vieler Hugenotten! - das Bildungswesen insgesamt deutlich zurückgeworfen haben könnte. Aber wie gesagt: nix Genaues weiß man nicht.
     
  6. Soleil Royal

    Soleil Royal Neues Mitglied

    Um eine gute Ausbildung zu dieser Zeit zu erhalten, musste man nicht unbedingt reiche Eltern haben.
    Besonders gut war man dran, wenn man Talent in künstlerischen Dingen, wie Musik, Malen und Zeichnen, Tanzen etc. zeigte.
    Solche jungen Menschen wurden sehr intensiv gefördert, egal ob männlich oder weiblich - obwohl natürlich der weibliche Anteil sehr gering war - aber es gab ihn.
    Man denke nur an Elisabeth Jacquet de la Guerre (Komponistin) oder später Vigee Lebrun (Malerin).

    Die Akademie der Künste, war dem heutigen Akademie Modell gar nicht so unähnlich. Der negative Habitus der Kunstakademie entwickelte sich erst Ende des 18. Jahrhunderts und vor allem im 19. jahrhundert (akademische Malerei).
    Im 17. Jahrhundert war die Akademie eine Diskussions- und Künstlerplatform, dort wurde natürlich auch praktisch gearbeitet und eben intensiv studiert, es gab Vorlesungen, Zeichenkurse, Malereikurse usw.
    Kein Künstler konnte es sich leisten nicht lesen und schreiben zu können, er war ja gezwungen sich mit der Geschichte, der Mythologie und den Fabel auseinander zusetzen bzw. auch philosophische Schriften zu studieren.

    Das gleiche auch in der Musik.
    Wäre es denn wirklich so, dass nur Adlige Bildung erlangen konnten - woher kamen dann all die Komponisten, Schriftsteller, Maler und Bildhauer ? Da stimmt etwas nicht.

    Sicher die breite Bevölkerung verfügte nur über das nötigste an Bildung (aber das ist heute auch nicht anders)
    Aber bei dem Bürgertum scheint die Bildung doch größere Ausmaße gehabt zu haben, das merkt man allein schon am kulturellen Leben.

    Letztes Jahr hat man begonnen, gerade diese Sache, die Struktur und Ansätze der Akademie in Paris zu untersuchen - das was bisher an Erkenntnissen veröffentlicht wurde, widerlegt fast alles was man bis jetzt zu wissen glaubte.

    Ich hoffe dass es da bald Fachliteratur zu geben wird - aber das ist ein Bereich der eben erst neu bewertet werden muss.
     
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