Bürgerkrieg in Sierra Leone

Dieses Thema im Forum "Afrika" wurde erstellt von Maurius, 20. Februar 2012.

  1. Maurius

    Maurius Neues Mitglied

    Guten Abend,

    da ich eine Facharbeit in Geschichte zum Thema "Bürgerkrieg in Sierra Leone unter besonderen Gesichtspunkt des Einstatzes von PMCs" (Private Military Contractors z.B. Exekutive Outcomes) schreiben will bräuchte ich Literaturempfehlungen, da ich nicht einschätzen kann, inwiefern etwas politisch eingefärbt ist.

    Falls ihr keine Bücher zu dieser Thematik kennt, würde ich mich trotzdem interessieren wie ihr an diese Aufgabe rangehen und woher ihr euch Referenzen für Literatur nehmen würdet.

    Danke im vorraus!

    lg Maurius
     
  2. Maurius

    Maurius Neues Mitglied

    Rechtschreibfehler

    Heißt natürlich Executive Outcomes (nicht mit k), habe leider keinen "Bearbeiten-Button" gefunden.
     
  3. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Maurius

    Das ist ein sehr spezielles Thema ;) Übrigens wegen Rechtschreibfehler mußt Du Dich nicht entschuldigen, die machen wir alle.

    Die zugängige Literatur- und Quellenlage dürfte da sehr dünn sein, insbesondere was Deine in #1 angemahnte kritische Sicht angeht.

    The University of Sierra Leone - Home

    Dort:
    "Social Sciences and Law . Dr. D. T. Ashley. B. A. (Livingstone), M. A. (Ohio),Ph. D. (Winsconsin)"

    Hier könntest Du deutsche Ansprechpartner finden, die könnten Dir eventuell weiterhelfen:

    Startseite-Afrika — Seminar für Afrikawissenschaften


    Natürlich kannst Du auch Zeitungs-, Rundfunk- und Fernseharchive "durchforsten"; riesiger Aufwand.


    Eine gute "Anlaufstelle" wäre auch die deutsche Botschaft in Sierra Leone:

    Deutsche Botschaft Freetown - Startseite

    Die haben garantiert Tips und auch genügend kritischen Abstand.


    Sorry, mehr fällt mir nicht ein.



    M.
     
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  4. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Bei Wiki stehen diese beiden Tips, eins davon sogar als Digitalisat:

    -Patrick K. Muana, Chris Corcoran, Russell D. Feingold: Representations of violence: art about the Sierra Leone Civil War. University of Wisconsin Press, Madison (WI) 2003, ISBN 0-615-12818-1, S. 100. (Volltext als Digitalisat)

    -Keen, David 2005: Conflict and Collusion in Sierra Leone. Oxford/New York.

    Und ich hab "Sierra Leone" jetzt einfach mal in den Münchner Verbunds opac gehauen und einige Filter dazu. Hier eine kleine Liste. Die Bücher treffen warsch. nicht 1:1 auf dein Thema zu, aber könnten dir durchaus Anstöße und Ideen geben.

    Butcher, Tim: Auf der Fährte des Teufels. Zu Fuß durch Sierra Leone und Liberia. München 2010.

    Junkert, Mathias G.: Auf den Spuren der Kriegsherren. Die Vereinten Nationen und die Privatisierung der Gewalt. Am Beispiel UNAMSIL in Sierra Leone, Marburg 2003.

    Stovel, Laura: Long road home. Building reconciliation and trust in post-war Sierra Leone. Antwerpen 2010.

    _____

    Generell, bei so speziellen Themen mit schwieriger Quellenlage (was übrigens oft die spannenderen Themen sind!) empfehle ich dir die "Spiralen-Technik" (also wir nennen sie so o_O):

    Wenn du ein Buch oder einen Aufsatz zu dem Thema hast, dann beachte auch ganz genau die Fußnoten, vllt. sind hier ja Bücher bzw. Aufsätze angegeben, die dir bei deinem Thema weiterhelfen können.
    Am besten fängt man mit einem Überblickswerk an und bewegt sich dann wie in einer Spirale immer enger auf die eigentliche Fragestellung hin.
     
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  5. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Venter, Al "War Dogs, Fighting Other People´s war - The Modern Mercenary in Combat"


    Al Venter ist ein Jane´s-Redakteur, Afrika- und Söldner-Experte. Im Buch geht´s um die vorletzte Söldner-Generation, Executive Outcomes und Zeitgenossen. Die späteren amerikanischen Companies wie Blackwater werden nur im Ausblick behandelt. Auch ein kleiner Rückblick auf die alten Kongo-Affreuses incl. Siegfried Kongo-Müller mit seinem EK.

    Sierra Leone ist ein Schwerpunkt, daneben werden aber auch Söldnereinsätze im Kongo, Angola, Ex-Jugoslawien, Biafra beschrieben.

    Für Cineasten: der Hintergrund für den Film "Blood Diamonds" (EO- Col. Sachses Raid zu den Diamantenfeldern von Koidu) wird sehr spannend beschrieben.

    Für die Gänsehaut meine Lieblingsbildunterschrift: "The long, lonely road to Camp Charlie, were this privateer ( gemeint ist ein Bob Mackenzie) was killed and eaten up bei rebels"
     
  6. TomCooper

    TomCooper Neues Mitglied

    Dies ist mein erstes 'reguläres' Post, und Deutsch ist nicht meine Muttersprache... also entschuldige ich mich im voraus für alle Rechtschreibfehler...

    Auf das Thema 'Bürgerkrieg in Sierra Leone', und dann ganz besonders im Bezug auf den Einsatz der 'EO' (Executive Outcomes), würde ich vor allem das Buch 'Executive Outcomes: Against all Odds' (Galago Books, Alberton, South Africa, ISBN 978-1-919854-19-9), von Eeben Barlow empfehlen.

    Barlow war Firmenchef von EO und sein Buch ist recht präzise im Bezug darauf 'wie kam es' dass die EO dort zum Einsatz kam, wie die Organisation des Einsatzes verlaufen ist, und bis wann die EO dort aktiv war (sehr wichtig, denn nicht jede PMC in Sierra Leone war 'EO', obwohl dieser Firma so gut wie alles zugeschrieben wurde). Ist definitv die beste Quelle auf das Thema EO überhaupt, denn sonst wurden über diese Firma viel Falschmeldungen verbreitet (Barlow erklärte auch warum).

    Wenn es um detaillierte Beschreibungen der Kampffhandlungen geht, würde ich vor allem das Buch 'Gunship Ace: The Wars of Neal Ellis, Gunship Pilot and Mercenary', by Al J Venter (Casemate, UK, ISBN 978-1612000701) vorschlagen. Ellis ist eine Fliegerlegende, der persönlich (und teils vollkommen alleine) für die 'Regierung' in Sierra Leone gegen die Rebellen kämpfte (tels auch ohne Bezahlung, da es weder einer Regierung, noch Geld gab) - auch dann als die UN aufgab. Er war wirklich eine 'Schlüsselperson' in diesem Krieg.

    Venters älteres, oben-genanntes Buch, 'War Dogs' ist recht 'chaotisch' in seiner Organisation (so wie meisten seiner Bücher, leider), und ich würde es vor allem 'erfahreneren' Studenten moderner Geschichte afrikanischer Kriege empfehlen. Nämlich, Venter nennt meistens keine Daten, und sehr oft auch keine genaueren geographischen Orte; viele der 'Anekdoten' sind auch zeitlich durcheinander angereiht, und so geschrieben als ob sie das 'Einzige' gewesen wären was auf das Thema zu erzählen wäre (manche der wichtigen Ereignisse erwähnt er nur nebenbei!). Deshalb ist es recht schwer sie in den Kontext bestimmter Konflikte zu plazieren (und manchmal ist es überhaupt schwer zu verstehen worum es bei bestimmten Stories überhaupt ging).
     
  7. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Ich kenne das Buch nicht und bin auch nicht genauer mit der Materie vertraut. Trotzdem eine quellenkritische Anmerkung:

    Äußerungen von Autoren, die persönlich stark in die von ihnen thematisierte Materie verwickelt waren, was bei Barlow zweifellos der Fall ist, sind generell mit Vorsicht zu genießen, besteht doch die menschlich nur allzu verständliche Gefahr, dass sie die eigene Rolle sehr subjektiv wiedergeben, wenn nicht sogar beschönigen.

    Natürlich ist es aus geschichtswissenschaftlicher Sicht hochinteressant, Berichte, die gewissermaßen aus "erster Hand" stammen, auswerten zu können. Nur darf man sich eben nie ausschließlich auf solche Berichte verlassen, sondern muss weitere Quellen heranziehen, um deren Gehalt im Kontext prüfen zu können.

    Wikipedia bietet da Hinweise: Executive Outcomes ? Wikipedia
     
  8. TomCooper

    TomCooper Neues Mitglied

    ... und mit Wikipedia fangen schon 'Probleme' an. ;-)

    Wie's so schön heißt, 'der Teufel liegt im Detail', und wenn Details näher unter die Luppe genommen werden, dann wird recht klar dass bestimmte Personen ihre 'Hausaufgaben' nicht ordentlich gemacht haben.

    Einfachster Beispiel (es gäbe noch viel mehr, jedoch ist es deutlich komplizierter andere Aussagen zu wiederlegen, und so viel Zeit habe ich leider nicht), im bezug auf folgenden Zitat von Wikipedia: '...Möglichkeit weitere Kampfflugzeuge oder -hubschrauber kurzfristig zu leasen...', 'beispielweise Suchoi Su-25 und MiG-27-Flieger...' (Quelle scheint Khareen Pech zu sein).

    EO 'leaste' ausschließlich Transportmaschinen. Als die Nachfrage nach diesen stieg, wurde Ibis Air etabliert, und diese Firma flog die Hawker-Siddeley Andover sowie zwei B727. Kampfflugzeuge wurden von der EO nie 'geleast': das war einfach nicht nötig.

    Kampfhubschrauber und Kampfflugzeuge wurden von der EO je nach örtlichen Gegebenheiten eingesetzt. In Angola gab es eine gut entwicklete Luftwaffe (1976-1992: Forca Aérea Popular de Angola - Defesa Anti-Aviones, FAPA-DAA, ab 1992: Forca Aérea Nacional, FANA) die schon in den 1980er Jahre mit Maschinen wie MIG MiG-21bis, MiG-23ML, Sukhoi Su-22M-4K und Su-25K, sowie Pilatus PC-7 ausgestattet war. Auch mit Kampfhubschraubern wie Mil Mi-8, Mi-17 und Mi-25. Da war es nicht nötig irgendwas zu 'leasen': die EO ersuchte um Nutzungsrechte und bekam diese - und zwar für insgesamt zwei PC-7 und (später) zwei MiG-23MLs.

    Sierra Leone hatte so gut wie gar keine Luftwaffe als die EO dort ankam. Also, kaufte die Regierung zwei Mil Mi-24 (später durch eine weitere Maschine verstärkt) aus der Ukraine, die EO (nicht Ibis Air) kaufte dazu zwei Mi-8. Als die EO aus Sierra Leone abzog (ein weiterer wichtiger 'Detail' der von meisten Berichterstatter einfach 'übersehen' wurde), wurde zwar ein ehemaliger EO-Pilot (der oben erwähnte Neal Ellis) zum fliegen der einzigen einsatzbereiten Mi-24 rekrutiert. Da die EO aber nicht mehr vor Ort war, hat die Regierung als Ellis' Boden- und Bord-Crew dazu auch noch einen Äthiopier, einen Algerier usw. rekrutieren müssen.

    (Angolanische) Su-25 wurden von der EO nie eingesetzt (Sierra Leone hatte gar keine Maschinen diesen Typs). Die Firma war nicht mehr in Angola tätig als (Ende der 1990er Jahre) ein anderes, in den USA-basiertes Unternehmen von der Regierung beatuftragt wurde Piloten für dieses Muster (sowie MiG-21) anzuwerben. So kam es dass, zBsp., als die FANA 1998 in das Kriegsgeschehen in benachbartem Kongo involviert wurde, ihre MiGs und Sukhois (unter anderem) auch von zwei ex-USAF Piloten geflogen wurden...

    MiG-27 konnte niemals von einem EO-Piloten geflogen werden. Dieser Muster wurde nie an ein afrikanisches Land geliefert (einzige Exportabnehmer der MiG-27 sind Indien und Sri Lanka).

    Somit ist (nicht nur) die diesbezügliche Aussage von Peech - und des daran-basierenden Eintrags über die EO in Wikipedia - 'wackelig' (milde ausgedruckt). Dies ist eigentlich wenig überraschend, denn es ist (leider) recht 'üblich' dass Autoren derartiger 'Berichte' so gut wie gar keine Ahnung über militärische Ausrüstung haben. Jedoch zeigt es dass viele Details derartiger Berichte (d.h. nicht nur jene über die eingesetzten Flugzeugtypen) nicht mit der dazu nötigen Sorge untersucht wurden, was dann zu 'Halbwahrheiten' und 'Irreführung' führt.

    Stattdessen erlaube ich mir an dieser Stelle eine andere, 'speziallisierte' und sehr gut durch weitere Referenzen wie auch Bilder unterlegte Referenzquelle zu empfehlen (die sehr genaue Angaben über dem Ankauf, Lieferungen und Einsatz verschiedener Kampfflugzeuge vom Typ MiGs und Sukhoi bei der Angolanischen Luftwaffe, wie auch ihren Einsatz durch die EO - jedoch ohne Sierra Leone, denn dieses Land kaufte keine der Maschinen die in diesen Büchern abgehandelt wurden - hergibt):

    - African MiGs, MiGs and Sukhois in Service in Sub-Saharan Africa: Volume 1, Angola to Ivory Coast

    - African MiGs, MiGs and Sukhois in Service in Sub-Saharan Africa: Volume 2, Madagascar to Zimbabwe.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. August 2012

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