Cecil Rhodes und der Wettlauf um Afrika

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von oktobergirl6000, 7. Februar 2020.

  1. oktobergirl6000

    oktobergirl6000 Neues Mitglied

    Hey Leute,
    Wir beschäftigen uns zurzeit mit dem Thema : Der Wettlauf um Afrika
    Meine Frage wäre jetzt warum war Afrika so begehrt und was waren die Motive? Wirtschaftliche Gründe und ökonomische Gründe sind klar habt ihr noch andere?

    Meine zweite Frage wäre wieso sollte die Statue in Oxford am oriel college entfernt werden? Gibt es Gründe dafür und ja welche? Ich weiß nur das sie zum Schluss nicht entfernt worden ist ich weiß leider aber nicht warum vlt könnt ihr mir helfen diese Fragen zu beantworte achja was mich auch interessieren würdt wie ist eure meinung dazu statue lieber lassen oder eher entfernen lassen?

    Danke schonmal an jeden einzelnen der mir versucht zu helfen.
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

  3. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Eher vage Erwartungen als handfeste wirtschaftliche Gründe, denn das Innere Afrikas südlich der Sahara wird den Europäern erst ab den 1860er Jahren näher bekannt.
    Präzise Vorstellung von Ressourcenvorkommen hatte man, als Afrika aufgeteilt wurde eigentlich nicht. Im Hinblick auf die französischen Departements in Algerien und die deutsche Kolonialpolitik in Süd-West (heutiges Namibia), spielte etwa auch der Gedanke mit rein Auswanderung in eigene koloniale Gebiete umzuleiten.

    Letztlich spielten neben vagen wirtschaftlichen Ideen natürlich auch die Schaffung von Einflussphären und Prestigeaspekte eine Rolle.
    Das Afrika im Vergleich zu anderen Teilen der Welt jetzt besonders begehrt gewesen wäre, würde ich jetzt auch nicht behaupten wollen, letztendlich war es der Teil der Welt in dem man sich am einfachsten ein größeres Kolonialreich zulegen konnte, weil es dort keine größere Gegenmacht gab.

    In den Amerikas war nichts mehr zu holen, weil sich die dortigen Staatswesen nach dem Zerfall der spanischen und portugiesischen Kolonialreiche bereits einigermaßen etabliert hatten und der Versuch sich dort festzusetzen auch den Widerstand der USA hervorgerufen hätte (die Französischen Aktivitäten in Mexiko in den 1860er Jahren sind ein schönes Beispiel dafür), Asien war viel weiter weg und wegen der größeren und organisierteren Bevölkerungen als in weiten Teilen Afrikas auch weit schwieriger zu unterwerfen und zu beherrschen.

    Was die Rhodes-Statue angeht:
    Cecil Rhodes statue to remain at Oxford after 'overwhelming support'

    Unkritischer Umgang mit dem Imperialismus ist dem 21. Jahrhundert eben nicht mehr so ohne weiteres angemessen, wenn man reflektiert, wie viel Leid das in den betroffenen Gebieten verursacht hat. Kolonialmassaker hatten ja auch die Briten reichlich.
    Insofern nicht verwunderlich, dass Denkmäler für Personen, die die damalige Kolonialpolitik stark förderten und vertraten heute gewisse Kontroversen auslösen. Man stelle sich mal vor, vor der Humboldt-Universität in Berlin stünde eine Statue von Carl Peters oder Lothar von Throta.
    Da würde es hier genau die gleichen Kontroversen darum geben und mMn auch vollkommen zurecht.
     
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  4. oktobergirl6000

    oktobergirl6000 Neues Mitglied

    Erstmal danke dafür
    Ich hatte ein Artikel gelesen in dem er mit Hitler verglichen wurde jedoch kann man das doch nicht auf rhodes übertragen oder?
     
  5. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Bei aller Vorsicht mit Hitler-Vergleichen, den Begriff des Rassisten kann man aber sowohl für Hitler als auch für Rhodes anwenden. Kannst du den Artikel verlinken? Dann lässt es sich einfacher darüber reden.


    Diese Kontroversen hat es ja auch gegeben beispielsweise in München oder im Afrikanischen Viertel in Berlin.
     
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  6. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Nein, einen Vergleich mit hitler halte ich für unangemessen. Es gibt aber eben einmal einen Unterschied zwischen einigermaßen vernünftiger Betrachtung und Aufarbeitung von Geschichte und Politik mit Rekurs auf Geschichte, dessen muss man sich einfach bewusst sein.
    Was in der Öffentlichkeit ausgetragen wird, ist schlechterdings oft letzteres, ohne das dabei eine sinnvolle Würdigung der entsprechenden Persönlichkeiten und ihrer Taten vorgenommen wird.

    Im Hinblick auf Rhodes ist dabei aber schlicht und ergreifend zu bemerken, dass es sich um die Ausdehnung der britischen Herrschaft im Süden Afrikas sehr bemüht hat, mit allen Konsequenzen, die das hatte.
    Davon ab, hat er mit unter Weltherrschaftsphantasien vom Stapel gelassen, die denen diverser NS-Strategen im Hinblick auf geopolitische Zusammenhänge (allerdings ohne die einschlägigen Phantasien im Hinblick auf Bevölkerungsaustausch, Massenmord etc.) in relativ wenig nahestand.
    Damit nach eigenem Gusto die Welt umzuverteilen und diverse Völker unter die Herrschaft von irgendem zu stellen, den er selbst für geeignet hielt hatte Rhodes jedenfalls kein Problem, weswegen man an der Stelle froh sein muss, das er nie die Macht zu einer solchen "Verteilungsaktion" hatte.
     
  7. oktobergirl6000

    oktobergirl6000 Neues Mitglied

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  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Merkt man eigentlich fast gar nicht. Und die Frage des Pro oder Contra setzt ja voraus, dass man sich mit dem "Scramble for Africa" (Pakenham) beschäftigt hat. Dann erkennt man die Grundzüge eines rassistischen, aggressiven navalen Imperailismus.

    Und dann kann man erkennen, welche gravierenden negativen Wirkungen die europäische Ausdehnung auf die einheimischen Gesellschaften hatte. Und dann versteht man die Kritik an Rhodes.
     
  9. oktobergirl6000

    oktobergirl6000 Neues Mitglied

    Ich verstehe leider nicht viel deswegen frage ich auch!!!
     
  10. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Wenn alles klar ist bei einem so komplexen Thema wie der Kolonisation von Afrika, wieso wird dann plötzlich nicht "viel verstanden". Unverständlich!

    Dann wäre hilfreich mit dem Lesen anzufangen. Das sollte die vorhandenen Verständnisprobleme beheben. Wobei es unverständlich ist, dass die folgenden Links nicht schon nachgeschaut worden sind.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialismus

    https://de.wikipedia.org/wiki/Imperialismus

    https://de.wikipedia.org/wiki/Wettlauf_um_Afrika

    https://de.wikipedia.org/wiki/Dekolonisation_Afrikas

    https://www.bpb.de/apuz/146971/kolonialismus-und-postkolonialismus
     
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  11. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Ich nehme an, du bist Schülerin.

    In deinem deutschlandfunk Artikel wird einiges erwähnt, was Rhodes für die heutige Universität Oxford getan hat. Man kann sich auch überlegen, was er für das Britische Empire in seiner Zeit um 1900 getan hat und sich danach überlegen, ob man das, was damals als positiv angesehen wurde, heute anders zu bewerten wäre.
    Dass man Rhodes keinen Genozid à la Hitler vorwerfen kann, braucht man wohl nicht erst diskutieren. Den Rassismusvorwurf sollte man sich aber genauer ansehen kann: Man kann nachsehen, ob dieser Rassismus durch Rhodes belegbar ist und man kann nachsehen, wie die Universität Oxford heute mit Rassismus umgeht. Eine pro- und contra-Liste für die Statue ist eine gute Idee, aber die musst du selbst aufstellen. Wir Forenmitglieder können Anregungen geben, aber werden dir nicht alles "vorkauen".

    Hier noch ein Artikel, der vielleicht hilft:
    Oxford : Zwischen Tradition und Rassismus
     

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