Computeranimierte französische Galeere

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Galeotto, 8. März 2010.

  1. Galerian

    Galerian Neues Mitglied

    Hi, ich bin zwar neu im Forum, aber ich verfolge die Galeerenthemen schon längere Zeit mit großem Interesse.
    Hier mal zwei Fragen, die die "Technik der Galeerenfahrt" angeht, die aber meines Wissens nirgends wirklich beantwortet werden:

    1. Gab es eigentlich spezielle Galeerenanleger, Kais, Piers, die den raumgreifenden Riemen Rechnung trugen? Stelle es mir schwierig vor, mit eigener Ruderkraft an einen Anleger zu fahren oder zu manövrieren, ohne dabei größeren Schaden anzurichten.

    Wie betrat man eine Galeere? Es gab hinten die Fallreep-ähnlichen Leitern, aber waren die für Jeden benutzbar? Oder gabs noch Zutritt über den Sporn bzw. irgendwelche Planken über die Riemen hinweg?


    2. Es wird berichtet, dass auf längeren Strecken in Schichten gerudert wurde. Wie hat man das Problem der gegenseitigen Störung gelöst, wenn die Riemen nicht etwa gänzlich aus den Auflagern der Apostis gehoben wurden? Es soll (bei den Spaniern) das Verfahren gegeben haben, dass z.B. nur jede dritte Reihe gerudert hat, um die anderen zu schonen. Selbst wenn nur im vorderen, hinteren oder mittleren teil gerudert wurde, stell ich mir das komplex vor.

    Wenn Riemen ausgehoben wurden, wo blieben sie?


    Wie gesagt, sind Fragen, auf die ich bislang noch keine (für mich) befriedigende Antwort gefunden habe. Vielleicht hab ich sie aber auch nur übersehen.
     
  2. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Hallo Galerian, es freut mich, dass es noch einen Galeerenfan im Forum gibt. Zu Deinen Fragen.
    Galeeren legten mit dem Heck voran rechtwinklig zum Kai an. Begangen wurden sie ausschließlich über die Hecktreppen oder Gangways am Heck.

    Auf langen Marschfahrten wurden die Ruderreihen in zwei sogenannte Quartiere geteilt. Eine Stunde lang ruderte das vordere Quartier anschließend das hintere. Neben den Riemendollen waren eiserne Gabeln angebracht auf denen die passiven Riemen abgelegt und am Boden der Bank fertäut wurden. Die Riemen standen dann schräg nach oben und behinderten die aktiven Ruder nicht. Diese Riemenstellung habe ich bei meinem Modell einer osmanischen Galeere aus dem Jahr 1571 dargestellt. Da ich aber keine Gabeln gebaut habe, liegen die Riemen auf den schrägen Schanzkleidern, was so nicht ganz korrekt ist.
    Auf dem Stich von Furttenbach sieht man gut wie die Galeeren mit dem Heck voran im Hafen vertäut waren.
    Das venezianische Gemälde aus dem 16. Jh. zeigt die Begehung einer Galeere vom Heck aus, über einen Steg, der auf Booten ruht.
     

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  3. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Auf diesem holländischen Stich, welcher eine osmanische Galeere aus dem 17. Jh. unter Segeln zeigt, sieht man, dass alle Riemen auf den Gabeln ,schräg nach oben, abgelegt sind. In dieser Haltung befanden sie sich auch im Hafen.
     

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  4. Galerian

    Galerian Neues Mitglied

    Danke für die prompte Antwort, Galeotto :)

    Hab mir das zwar so ähnlich gedacht, aber nie Belege gefunden. Die Bilder sind sehr erhellend.Bezüglich der Riemen im Hafen oder unter Segel war ich allerdings davon ausgegangen, dass sie weiterhin in den Dollen liegen.

    Technisch heißt das aber auch, dass die Gabeln auch höher liegen müssen, um den Winkel der ruhenden Riemen zu vergrößern, oder? Bei deinem Modell liegen sie auf dem Schanzkleid, war das an den Gabelpositionen unterbrochen?
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. August 2010
  5. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Die Gabeln waren höher gelegen als der Apostis (Riemenauflegerbalken)wie Du an der Skizze sehen kannst. Die Galeeren hatten normalerweise nur eine Reling, bis auf die venezianischen Gal. ,die ein dauerhaftes sekrechtes Schanzkleid ,mit großen,halbrunden Öffnungen für die Riemen besaßen. Die Holztafeln ,die als Schanzkleider dienten, wurden erst kurz vor einem Gefecht eingehangen( sie dienten sonst auch als Esstische für die Ruderer). Bei meinem Modell habe ich leider den Abstand des Schanzkleides zum Apostis zu knapp bemessen( normalerweise hat es auch alle Riemen eingetaucht). Ab dem 17. Jh. verzichtete man ganz auf feste Relingverkleidungen, sondern verdeckte die Ruderer nur durch Stoffbahnen die zwischen der Reling gespannt wurden. Auf dem Gemälde, welches die Kaperung des osmanischen Flaggschiffes "Sultana Benghen" durch Maltesergaleeren ,im Jahr 1700 zeigt, sind die roten Relingverkleidungen mit Malteserkreuz aus Stoff.
     

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  6. Galerian

    Galerian Neues Mitglied

    "Wat't all giwt", wie man an der galeerenarmen Nordseeküste sagen könnte...

    Nochmals danke für die Aufklärung. Auf Stoffbahnen wäre ich an der Stelle nicht gekommen. Allerdings haben mich meine Wege auch noch nie in die einschlägigen Museen im Süden geführt, wo das ganze evtl. etwas anschaulicher geworden wäre.

    Bei Jean Marteilhe habe ich solche Details nicht entdecken können. Allerdings in meinem Zweitbuch >Renaissance War Galley 1470-1590< von Konstam/ Bryan lässt sich jetzt einiges im Nachhinein erkennen. ;)
     
  7. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Beide Bücher sind sehr gut. Bei Marteilhe konntest Du aber die Rudermethode,bei denen nur die Hälfte rudert und die anderen Riemen schräg nach oben standen lesen. Interessante Bücher sind auch die von dem malteser Professor Joseph Muscat "The Maltese Galley", "Galley Slaves at work","Slaves on Maltese Galleys" ,"Food and Drink on Maltese Galleys" , "The Birgu Galley Arsenal".
    Die Stoffverkleidung der Reling erwähnt auch Furttenbach in seiner "Architectura Navalis".
    Die schrägen Schanzkleider verschwanden ab dem 17. Jh. sowohl bei Galeeren als auch bei den Galeassen, die senkrechte Schanzkleider erhielten.
     
  8. Galerian

    Galerian Neues Mitglied

    Sicher richtig, dass ich das eine oder andere entweder überlesen oder auch nicht so ganz verstanden habe. Wie gesagt, das "Aushängen" der Riemen konnte ich mir zuvor nicht vorstellen. Und dann gibt es noch die Aussage (aus einem Lexikon des 19.Jh. (Meyers o.a.)), dass die Spanier noch einen reihenweisen Wechsel des Ruderns auf Marschfahrten pflegten. War mir zuvor nicht schlüssig.

    Zudem gibt es ja auch noch die verschiedenen landessprachlichen Ausdrücke, die gewisse Dinge nicht gerade klarer gemacht haben. Das betrifft dann allerdings nicht nur die Technik, sondern auch die "Dienstbezeichnungen" und Zuständigkeiten des Galeerenpersonals.

    Insofern, wenn ich alles wüsste, wäre ich nicht hier :D

    Danke
     
  9. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das war gar nicht vorwurfsvoll gemeint, ich überlese auch manchmal etwas.
    Vielleicht könnte Dich noch die originelle Art des Ausgucks auf maltesischen Galeeren interessieren. Wegen der kurzen Masten konnte man nicht besonders weit sehen. Deshalb benutzten die Johanniter ,bei ihren Korsarenfahrten einen sogenannten Espion. Das war ein Matrose, der an die herabgelassene Lateinerrute festgebunden wurde. Anschließend wurde diese am Mast möglichst weit nach oben gezogen und senkrecht gestellt. So hatte er die doppelte Masthöhe und konnte die Beute besser erspähen.
    [​IMG]
     
  10. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Eine sehr interessante Animation, man stellt sich die Schiffe, wenn man sie in Geschichtsbüchern sieht, ja ganz anders vor, besonders das was die Venezianer verwendet haben.

    Aber wie lange blieben diese Schiffe nun maximal auf dem Wasser?
    Der Stauraum unter Deck scheint gerade ausreichend für Nahrungsmittel und Wasser, haben die Ruderer auf dem Deck zwischen den Riemen geschlafen?
    Und wie sind Fäkalien etc. entsorgt worden, ist das zwischen den Riemen erfolgt, oder war die gezeigte Toilette allen zugänglich (was ich nicht glaube)?

    Jemand hat erwähnt dass die unfreien Ruderer bei Gefechten bewacht werden mußten um nicht zu meutern, waren die Ruderer zusätzlich irgendwie "gesichert" als angekettet?

    Dein Modell ist übrigens wunderbar gelungen, aus was ist eigentlich bei dirs das Wasser genau?
     
  11. Galerian

    Galerian Neues Mitglied

     
    Zuletzt bearbeitet: 9. August 2010
  12. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Galeeren befuhren hauptsächlich das Mittelmeer und möglichst in Küstensichtweite, da sie Stürme ,wegen ihrer leichten Bauart schlecht bestehen konnten. Länger als eine Woche konnten sie kaum ,ohne anzulegen auf See bleiben. Nahrungsmittel waren weniger das Problem sonder Trinkwasser. Die Ruderer(bei großen Galeeren und Galeassen über 200 Mann) benötigten Unmengen davon, wenn sie unter der heißen Sommersonne ihre Schwerstarbeit verrichten mussten. Als Nahrung bekamen sie nur Biscotten (Schiffszwieback) und Bohnen-,Reis oder Kohlsuppe, ohne Fleisch. Nur zu Feiertagen oder vor einer Seeschlacht bekamen sie eine Fleischration. Wer über eigenes Geld verfügte, konnte beim Galeerenvogt, der die sogenannte Taverne(Lebensmittellager) verwaltete, zusätzliche Rationen und Wein kaufen.
    Die Ciurma(Rudertruppe) konnte wegen der Ketten, die auch die Freiwilligen tragen mussten, ihren Platz nicht verlassen. Zum schlafen mussten sie irgendwie Platz auf der schmalen Ruderbank und der darunterliegenden Banquette( eine kleine Bank, die als Fußboden diente)finden. Hinlegen konnte sich nur der Anführer der Bank, der meist ein Freiwilliger (Buonavoglia) war.Gerudert wurde nackt aber zum schlafen hüllten sich die Ruderer in ihren Regenmantel. Aber auch der Rest der Besatzung und die Soldaten hatten es nicht besser. Alle mussten unter freiem Himmel übernachten. Sie hockten auf ihren Seesäcken auf den Laufbrücken an den Bordseiten und im Bugkastell, der sogen. Rambade zwischen den Kanonen. Richtig hinlegen konnte sich nur der Kapitän und der Oberaufseher.
    Die Toiletten am Bug waren für die Ruderer unerreichbar, die im Heck war den Offizieren vorbehalten. Wenn sie eine Ruhephase hatten konnten sie sich, soweit ihre Kette es zuließ, zu den Speigatten, bei den Auslegern ,hinhocken und ihr Geschäft verrichten. Während des Ruderns war das wohl nicht möglich und man musste seine Hinterlassenschaft hinter die Bank plumpsen lassen und darauf hoffen, dass eine gnädige Welle das Deck überspülte und den Dreck wegschaffte. Galeeren waren für ihren unwiederstehlichen Duft berüchtigt . Das Schlafen und den Toilettengang der Ruderer habe ich mal etwas bildlich dargestellt.
    Die Sicherung der Ruderer erfolgte über die Brancade, die Sklavenkette. Kämpfte eine christliche Galeere gegen Moslems, so wurden alle muslimischen Rudersklaven zusätzlich mit Handschellen am Ruder gesichert. Ebenso wurde jeweils auf jeder Seite eine Drehbasse mit Schrot geladen und auf die Ruderer gerichtet. Das zeigt wie unwirtschaftlich Galeeren waren, da selbst in der Schlacht ein Teil der Söldner an Bord bleiben und auf die Ruderer aufpassen musste.

    Das Wasser habe ich bei meinem Modell mit Silicon und Farbe hergestellt.

    @Galerian, das Bild stammt vom Karikaturisten:D
     

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  13. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Vielen Dank für die Mühe!
    Die Schnittzeichnung lässt das Ganze doch ein wenig geräumiger erscheinen als ich es von der Animation erwartet hätte.
    Ganz nackt, oder nur mit nacktem Oberkörper(wie in der Animation)?
    Die Ruderer waren dann ja dem Wetter mehr oder weniger ausgeliefert, wie hoch war da die Ausfallrate, und wie viele starben?
    Wie groß war die Zahl der Soldaten die sich auf so einer Galeere aufhielten?
    Das klingt beunruhigend, was wenn die gezwungen waren auf die Ruderer zu feuern etc., wie sind die dann ohne Antrieb Heim gekommen wenn zu viele den Tod fanden?
    Hat man da per Beiboot Reserve angefordert bzw. das Schiff abschleppen lassen?

    Habe nach Bildern der von Dir erwähnten Galere extraordinere gesucht, aber leider keine vollständige Ansicht gefunden, es sieht aber so aus als ob die Ruderer unter Deck untergebracht waren, stimmt das oder habe ich das falsch erkannt?
     
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  14. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    @Nergal, der Platz war sicher eher geringer bemessen als auf meiner Skizze. 5 Ruderer teilten sich einen Platz von 2,30m mal 1,25m also etwas gößer als ein Bett für eine Person. Aber alle an Bord waren auf engsten Platz zusammengepfercht. Ein einziges Deck von 45m mal 9m beherbergte 450 Menschen wobei nur die schmalen Laufstehe an den Borden und der Bugbereich Platz für Matrosen und Soldaten boten. Selbst der Kapitän schlief meist, in einem Sessel sitzend, in der Karosse (laubenartig überdachtes Achterdeck), da die kleine Kajüte unter Deck zu stickig war. Die Aufseher legten Bretter auf Stellagen über den Köpfen der Ruderer der ersten Ruderbank und schliefen darauf.
    Auf dem angehängten Kupferstich, sieht man dass zwischen zwei Riemen jeweils ein Soldat einquartiert war. Er hatte einen Platz von 80 mal 80 cm zur Verfügung. Es waren aber noch Soldaten im Bugkastell untergebracht, insgesamt befanden etwa 150 Bewaffnete auf einer Galeere. Bei großen Gefechten, wie der Seeschlacht von Lepanto noch mehr. Für die Segelbedienung waren neben den Rudersklaven noch freie Seeleute an Bord, die ebenfalls am Bug lebten.
    In der Computeranimation tragen die Ruderer Hosen. Allerdings hatten sie eher Röcke oder Schurze, da Hosen wegen der Ketten niemals hätten ausgezogen werden können. Kittel oder Hemden durften sie nur in der ruderfreien Zeit anziehen. Auf osmanischen Galeeren bekamen die Sklaven keine Kleidung sondern nur altes Segeltuch, aus dem sie sich selbst etwas schneidern mussten. Da das sicher nicht jeder beherrschte, sahen die Kleidungsstücke bestimmt teilweise recht kurios aus.
    Wenn Ruderer in der Schlacht getötet wurden, konnten einige durch Reserveruderer ersetzt werden oder man konnte nur noch mit entsprechend weniger Riemenreihen rudern. Auf christlichen Galeeren scheint es viel seltener Meutereien der Ruderer gegeben zu haben als auf osmanischen Schiffen, es sind jedenfalls weniger überliefert. Das lag aber nicht daran, dass sie besser behandelt wurden(teilweise waren die Verhältnisse auf europäischen Galeeren brutaler als bei den Osmanen) sondern an der Zusammensetzung der Rudertruppe. Auf osmanischen Schiffen waren 90 Prozent der Ruderer gefangene Christen, die im Falle einer Eroberung der Galeere durch christliche Gegner auf Befreiung hoffen konnten. Auf einer französischen oder spanischen Galeere dagegen war der größte Teil der Ruderer Sträflinge die ,wie ihre Offiziere und Aufseher ebenfalls Christen waren. Sie hatten bei einer Eroberung ihres Schiffes durch muslimische Gegner nur die Sklaverei zu erwarten. Deshalb bewaffnete man sie im Notfall sogar manchmal mit Knüppeln und Spießen(Schusswaffen bekamen sie aber nie) und nahm ihnen die Ketten ab, damit sie beim Kampf helfen konnten .

    Eine Galere extraordinaire ist kein anderes Schiff als eine normale Galeere. Sie ist nur länger, hat mehr Riemen und ist prunkvoller verziert. Die Riemen sind noch länger und schwerer. Sie werden von je 7 Mann bedient. Sonst sind beide baugleich. Auch hier befinden sich die Ruderbänke an Deck. Auf den angehängten Fotos ist eins meiner Modelle einer Galere Extraordinaire, aus der Zeit Ludwig XIV. zu sehen.
     

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  15. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Die Drohung mit der Kanone dürfte genügt haben. Dass sich angekettete unbewaffnete Menschen heroisch gegen Waffen wehren ist fast nur in Filmen möglich. Die Aufseher verfuhren auch nach der bewährten Methode "teile und herrsche". Auf jeder Bank gab es Bevorzugte, die selten oder nie die Peitsche zu spüren bekamen. Andere wurden wegen jeder Bagatelle bestialisch bestraft. Einige erhielten mehr zu essen oder einen Becher Wein zusätzlich, ihre Banknachbarn Essensentzug und nur fauliges Wasser. Wenn sich die Besatzung einer Bank zu gut verstand wurden sie weit auseinandergesetzt. Einige hatten nur eine gewisse Zeit Ruderstrafe bekommen, andere lebenslang. In einer solchen Truppe bekommt man keine Einigkeit zum meutern zustande. Eine besonders perfide Methode die Einigkeit zu untergraben war es, Bestrafungen, wie die Bastonade von anderen Ruderern, statt vom Aufseher vollziehen zu lassen. Dazu wurde der Delinquent , queer über die Corsia(mittlerer Laufgang) gelegt, die anderen Ruderer mussten ihn an Armen und Beinen festhalten und ein Rudersklave musste ihn mit einem Tauende verprügeln. Der Aufseher achtete nur darauf dass die Schläge mit voller Härte ausgeführt wurden.
     

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  16. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Danke für die interessanten Ausführungen!
    Das Leben auf so einem Schiff, wo es ja bestialisch gestunken haben muß, war sicher nicht angenehm.
    Wieso bestandne dann Teile des Adels dort Dienst tun zu dürfen?
    Sahen diese das als ihre Pflicht, oder als zwar übelriechendes, aber nicht zu ignorierendens Privileg?
     
  17. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das trifft besonders auf Frankreich zu. Die Galeerenoffiziere waren alle die Letztgeborenen aus Adelsfamilien, die zu Malteserrittern geweiht worden waren und keine Erbansprüche an ihre Familie hatten. Um ihnen ein standesgemäßes Einkommen zu sichern erhielten sie vom König die Kommandoposten auf den Galeeren. Im 17. und 18. Jh. hatte das Galeerencorps kaum noch echte Kampfaufgaben, da sie gegen Linienschiffe nichts ausrichten konnten, sondern diente in erster Linie Repräsentationszwecken. Sehr geruchsempfindlich scheint man in dieser Zeit nicht gewesen zu sein denn die Kapitäne gaben häufige Privatempfänge und Ausfahrten mit jeder Menge feiner ,junger Damen an Bord. Für die Ruderer waren diese Lustfahrten teilweise eine größere Plackerei als ein echter Kampfeinsatz. Die Galeere musste zuvor geschrubbt , festlich geschmückt und illuminiert werden. Da jeder Kapitän mit seinen Ausbildungsmethoden vor seinen Gästen glänzen wollte, mussten sich die Sträflinge zum Narren machen und auf Pfiff die albernsten Verrenkungen und erniedrigendsten Posen zur Erheiterung der Festgesellschaft ausführen. Manchmal wurden auch Wettrennen veranstaltet bei denen die Ruderer stundenlang in Höchstgeschwindigkeit, fast bis zur Besinnungslosigkeit rudern mussten. Das dabei die Peitschenhiebe wie Regen auf die nackten Rücken der Männer niederprasselten scheint bei der vornehmen Damenwelt kein großes Mitleid erregt zu haben.
    Im Gegensatz zu dem Verhalten der christlichen Elite berichtet Michael Heberer ,der Sklave auf einer osmanischen Galeere war, dass eine Gemahlin des Sultans, die sie an Bord hatten, die schlechte Behandlung der Ruderer verbot und sie ihnen Nahrung aus ihrem eigenen Proviant zukommen ließ.
     
  18. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Momentan baue ich die "la Real", die Kommandogaleere des Don Juan d'Austria, aus der Seeschlacht von Lepanto, als 1:100 Modell. In dieser frühen Bauphase kann man am Besten erkennen wie lang, schmal und niedrig der Rumpf einer Galeere war. Wenn die Ausleger für die Riemen befestigt sind, wirkt sie breiter als sie in Wirklichkeit war. Da ein solcher Schiffskörper, infolge der Wellenbewegung, enormen Verwindungen ausgesetzt war, hatte der erhöhte Mittelgang, die Corsia, nicht nur die Aufgabe als Brücke für die Aufseher zu erfüllen, sondern diente mit seinen dicken Seitenwänden gleichzeitig als Versteifung des gesamten Schiffs.
     

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  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wenn man sich den Stich anschaut, welcher die Einpferchung auch der Soldaten zeigt, kann man sich ja gut vorstellen, welches Los es auch für diese Beteiligten war.
    Wie sahen das die Soldaten selbst? War das Leben auf einer Galeere für sie als eine Art von Strafe empfunden worden?

    Wahrscheinlich kennen es einige, wie es ist unbequem zu schlafen. Aber wie es wohl sein muss, das mehrere Wochen lang tun zu müssen?
    Wurden die Soldaten dann regelmäßig nach den Fahrten ausgetauscht? Oder fanden garnicht so viele Fahrten einer einzelnen Galeere im Jahr statt? Man könnte ja beinahe nach der Rentabilität fragen.
     
  20. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    In der Zeit Ludwig XIV. waren Galeeren Relikte einer vergangenen Zeit, die nur noch selten zum Einsatz kamen.Ihre Saison beschränkte sich auf die Sommermonate und selbst da lagen sie die meiste Zeit im Hafen. Bei der Bombardierung von Algier dienten sie nur dazu die schweren Kriegsschiffe in Position zu schleppen. Bei den Malteserrittern verhielt es sich anders. Sie fuhren jedes Jahr mehrere Wochen ins östliche Mittelmeer auf Kaperfahrt (Karawane). Die und ihre maltewsischen Mannschaften hielten sich wirklich die ganze Zeit auf den Galeeren auf. Da sie häufig mit reicher Beute heimkehrten rechnete sich der Aufwand. Auch die italienischen Stadtstaaten verdienten Geld mit ihren Galeeren indem sie sie, samt Besatzung, im Bedarfsfalle, an kriegsführende Mächte vermieteten.
    In der Renaissance gab es keine speziellen Seesoldaten sondern bei Bedarf wurden Söldner aus ganz Europa( häufig Deutsche und Schweizer) angeheuert und die mussten die Beschwernisse halt ertragen. Sie hatten jedenfalls den Trost ,dass es den Ruderern noch ein ganzes Stück schlechter ging. sobald der Einsatz zu Ende war ,wurden sie entlassen und auf den Galeeren blieben nur noch die Aufseher, die Matrosen und einige Wachsoldaten.
    http://svsm.org/gallery/galley/IMGP3449 Hier ist ein Foto von der" Real" im Marinemuseum von Barcelona auf dem man die Bugtoiletten sehen kann. Durch die Lokuslöcher hing ein Tau ins Wasser ,dessen nasses Ende, alle Benutzer zum Allerwertesten abwischen verwendeten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. September 2010

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