Das Ende des mechanischen Weltbildes vor 100 Jahren

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von manganite, 7. September 2004.

  1. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Bis ins 19. Jahrhundert hinein war das Bild von der Natur ein rein mechanisches. Die Naturwissenschaftler beschäftigten sich damit ihre mit den menschlichen unmittelbar erfassbare Umwelt mithilfe mechansicher Modelle zu beschreiben. Man befasste sich mit den Gestirnen, mit der Schwerkraft, der Messung der Zeit, untersuchte die Phänomene, die mit der Temperatur zusammenhängen, betrieb Geometrie und vieles mehr. Alles was darüber hinaus ging, alles was jenseits des direkt Begrteifbaren war, überließ man einem breiten Spektrum von Leuten, dass von Phillosophen und Kirchenleuten bis zu Alchemisten und Astrologen reichte.

    Beschrieben wurde alles mechanisch, ein Wechselspiel von Kräften, die auf die verschiedenen Körper einwirkten, die alle massiv und greifbar waren. Das mathematische Fundament dieser Beschreibung waren die drei Axiome von Newton und die drei Erhaltungssätze von der Energie, des Impulses und des Drehimpulses, die sich aus den Symmetrien von Raum und Zeit ableiten lassen.

    Dies war völlig ausreichend, um die Welt vollständig zu beschreiben.

    Doch nachdem man sich Jahrzehnte, Jahrhunderte mit diesem Mitteln begnügd hatte, tauchten die ersten Lücken und neue offene Fragen auf. Die Welt der Elektrizität und des Magnetismus, die Suche nach den Bausteinen der Materie, Probleme in der Beschreibung der Optik, neue, unsichtbare Phänomene, wie Röntgenstrahlung oder Radiokativität, verfeinerte Messmethoden, die Fehler in der Newtonschen Himmelmechnaik aufzeigten, führten zu immer neuen Lücken in der mechanischen Naturbeschreibung.

    Doch den Schritt, weg von diesem Bild traute man sich nicht zu machen und versuchte sich in verschiedenen Rettungsversuchen. Der bekannteste ist vielleicht der Äther. Jene unsichtbare Sunstanz, in der sich die Lichtwelle ausbreiten sollte, wie ein Schallwelle in Luft. Doch nachdem man recht schnell bewiesen hatte, dass es sowas wie einen Äther nicht gibt (obwohl das Wort auch heute noch weiterlebt im Bezug auf Funkwellen, die man durch den Äther schickt), stand man wieder mit leeren Händen da...

    Es setzte eine Phase der Ungewissheit ein. Neue experimentelle Daten in immer schnellerer Abfolge führten zu neuen Phänomenen, die immer unerklärbarer wurden, mit den althergebrachten Denkweisen. Bis dann kurz nach der Jahhunderwende Einstein den Schritt wagte und das alte Weltbild durch ein neues ersetzte, dass in der Folgezeit in immer schnellerer Abfolge ergänzt wurde, bis heute. Jetzt haben wir ein Bild von der Natur, wie wir es in dem Umfan, in der Detailfülle und Systematik nie zuvor gehabt haben. Die Physik ist in der Lage von den kleinsten Bausteinen der Materie, den Quarks und Leptonen bis hin zu den Grenzen unseres Universums unsere Umwelt zu beschreiben. Zeitlich reicht dei Beschreinbung von einem aberwinzigen Augenblick nach der Entstehung unseres Universums, bis zum Ende unsere Welt, des Sonnensystems und des Universums als ganzen. Die Frage ist nicht mehr, wie können wir etwas beschreiben, sondern "nur" noch, wie können wir die vorhandenen Modelle wieder vereinfachen und zusammenfassen. Im Prinzip die Umkehrung dessen, was vor hundert Jahren geschah, als sich das einfache mechanische Welbild in vielfältige, auf verschiene Kräfte zurückführende Weltsichten aufteilte.

    Was heute bleibt, ist die Suche nach GUT, der Grand Unified Theory, der Weltformel, die alles wieder unter einem Dach vereint, wie es einst Newton mit seinen drei Axiomen tat.
     
  2. Robert Craven

    Robert Craven Neues Mitglied

    Ein sehr schöner Beitrag! Das Thema Geschichte der Wissenschaften ist wirklich spannend. Merkwürdig das sich dafür nur wenige begeistern. Ich erlaube mir einige Anmerkungen.

    Ich glaube die Theorie des Äthers ist bis heute nicht eindeutig widerlegt. Das Michelson/Morley Experiment wurde nur Teilweise als Beweis der Einsteinschen Theorie interpretiert. Viele hielten am Glauben an den Äther und dessen Wind fest. In ihren Augen scheiterte der Versuch die Geschwindigkeit der Erde anhand des Ätherwindes zu untersuchen am ungenauen Meßverfahren.

    Das hört sich ja an als würde die heutige Physik seit dem alles erklärenden Einstein keine Probleme mehr aufwerfen. Als würde diese nur auf zusammenfassen des erlangten Wissens zielen. So war das sicherlich im 19. Jahrhundert, Wissenschaftler versuchten sich mit ihren alles Wissen beinhaltenden Enzyclopädien zu überbieten. Heute besteht der wesentliche Teil der Physik aus Forschung. So habe ich z.B. schon in der Schule gelernt, das die Beschaffenheit des Lichts bis heute große Fragen aufwirft. Besteht es nun aus Teilchen (Photonen) oder aus Wellen?
    Einstein revolutionierte mit Sicherheit das Weltbild aller Wissenschaftler, doch ist auch seine Relativität eine nicht zweifelsfrei erwiesene Theorie.
    Hochachtungsvoll, Robert Craven
     
  3. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Dankeschoen!

    Ja, in der Tat, dieses Thema findet nicht soviel Anklang... :( :(

    Na, vielleicht aendert sich das ja nochmal...

    Nein, dass ist alles laengst Geschichte. Der Aether ist nur noch von historischer Bedeutung. Wenn man die Rel. Theorie durchnimmt, erinnert man sich immer nochmal daran, um die Entwicklung hin zur Rel. Theorie zu verstehen.


    Da habe ich mich vielleicht etwas unpraezise ausgedrueckt... Es geht nicht ums zusammenfassen in Form von Buechern, sondern es geht um die Zusammenfassung der fundamentalen physikalischen Gesetze zu einer vereinheitlichten Theorie. Das ganze heisst dann "GUT" = 'Grand Unified Theorie". Es geht dabei darum, die vier grundlegenden Kraefte der Natur (Gravitation, elektro-magnetische, schwache und starke Kraft) auf eine elementare Kraft zurueckzufuehren und somit zu einer einheitlcihen Beschreibung aller elementaren Wechselwirkungen zu kommen. Bisher hat man jedoch nur schwache und elektro-magnetische Kraefte zur elektroschwachen Kraft zusammengefuehrt. Die Vereinigung mit der starken ist noch nicht gelungen, die Gravitation sthet noch ganz aussen vor...

    Wem sagst Du das... :rofl:


    Da hat dir dein Lehrer leider nicht das Wesen des Lichtes richtig dargebracht. Diese Fragestellung als solche ist voellig irrelevant. Licht ist sowohl Welle als auch Teilchen. Genauer gesagt, um die EIgenschaften des Lichtes vollstaendig zu beschreiben, muss man sich einmal der Vorstellung von Teilchen, ein anderesmal der von Wellen bedienen. Es ist keine Fage von entweder oder, es ist ein je nach dem...

    Theorie sind per Definition nicht zweifelsfrei erwiesen. Sonst waeren sie eben keine Theorien. Sie (also die rel. Theorie) ist aber die beste Art und Weise, um gewisse DInge zu beschreiben und es gibt keine Experimentelle Befunden, die ihr widersprechen. Und das ist das Prinzip phzsikalischer Arbeit: Das Wechselspiel von Theorie und Experiment. Theorien muessen sich immer dem Vergleich mit dem Experiment stellen. Gibt es keine WIdersprueche, ist die Theorie gueltig, gibt es WIdersprueche, muss die Theorie ergaenzt werden oder im Extremfall ganz verworfen werden.
     
  4. Pantau

    Pantau Neues Mitglied

    Sehr interessantes Thema!

    ein paar Anmerkungen:


    - Der Welle/Teilchen-Dualismus ist deshalb noch problematisch, weil er zum Teil widersprüchlich ist. Man kann nicht mit zwei Theorien zur selben Sache arbeiten, wenn diese sich widersprechen. Daher ist hier weitere Forschung notwendig.

    - Ein Hauptproblem der modernen Physik ist zuerst die Zusammenführung von Quantentheorie und Relativitätstheorie, die ebenfalls widersprüchliche Weltbeschreibungen benötigen (wobei erster Punkt ein Spezialfall des zweiten ist).

    - "Theorie" bedeutet nicht, dass ein Gedankenmodell bewiesen ist oder nicht, sondern nur, dass es sich um ein (mathematisches) Modell handelt. Man kann z.B. die mathematische KONSISTENZ eines 26-dimensionalen Universums beweisen. Diesem Modell kann man dann einen Namen geben, und schon haben wir eine Theorie, unabhängig von seiner realen Repräsentanz.

    - Innerhalb der Geschichte der Naturwissenschaften wird die Bedeutung Newtons leider oft unterschätzt. Natürlich war die Leistung Newtons viel, viel größer als die Leistung Einsteins und auch die mit seinen Erkenntnissen einhergehende Änderung des bisherigen aristotelischen Weltbildes war deutlich umfangreicher. Als Naturwissenschaftler hat Newton die größte Einzelleistung der Weltgeschichte mit seiner "Principia Mathematica" erbracht, welche er 1687 beendete.

    Interessant ist hier noch ein Vergleich Einsteins mit Newton: Einstein hat für seine neue Physik auf eine Habilitationsschrift eines Mathematikers zurückgreifen können, Newton musste die Differential- und Integralrechnung, welche er benötigte, noch selbst entwickeln.
     
  5. Sascha Maletic

    Sascha Maletic Neues Mitglied

    Keine Frage, spätestens mit der Quantenmechanik war das mechanistische Weltbild überholt. Aber es hat sich bewährt.
     
  6. Pantau

    Pantau Neues Mitglied

    "Überholt" nicht wirklich, die Gesetze der Mechanik sind nur, wenn man so will, in den meisten Bereichen der Physik hinreichend gute Nährungen. Es wäre auch unsinnig, würde beispielsweise ein Maschinenbauingenieur von VW einen Motor auf der Grundlage der Quantenphysik planen. Er greift natürlich auch beim neusten Motor auf Newton zurück, ohne dabei einen Fehler zu begehen. Gleiches gilt für einen modernen Physiker bei der Beschreibung der Planetenbewegung im Sonnensystem. Auch ich als Automatisierer kann bei der täglichen Arbeit nicht auf Newton verzichten.

    Daher ist die Auffassung, Einstein habe Newton widerlegt, welche auch heute noch anzutreffen ist, falsch. Einstein hat Newton ergänzt und Newton ist daher alles andere als überholt.
     
  7. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Das ist so nicht richtig. Es gibt eine einheitliche Theorie zur Beschreibung des Lichtes, die Quanteelektrodynamik. Innerhalb dieser laesst sich Licht vollkommen widerspruchsfrei beschreiben. Welle und Teilchen sind nur Hilfskonstrukte die man zur Beschreibung verschiedener Teileigenschaften des Lichtes heranzieht. Licht als solches hat kein Analogon in der makroskopischen Welt, daher kann man seine Eigenschfaten anschaulich nur mit Hilfe dieser beiden Anschaungen beschrieben.

    Das ist kein problem in der heutigen Physik. In den Rendbereichen wo es beruehrungspunkte zwischen beiden gibt, hat man keine Probleme. Das Hauptroblem der theoretischen Physik ist die GUT, die vereinheitlichende Theorie der vier Elementarkraefte.

    Physikalisch relevante Theorien sind durch Exprimente geprueft und haben daher eine reale Repraesentanz. In den Grenzbereichen physikalischer Forschung existieren natuerlich noch ungepruefte Theorien, die sich zum Teil widersprechen. Das ist eben Forschung.

    Auch Newton hat seine Arbeiten nicht aus dem Nichts geschaffen. Was Diff.- und Int.-rechnung angeht, hat Leibniz zeitgleich dasselbe entwickelt.

    Was Netwon gemacht hat, ist die makroskopische Welt, die Welt die man mit eigenen Augen sieht, mathematisch konsistent zu beschreiben. Einsteins Leistung, war es ueber das physisch erfahrbare hinauszugehen und Theorien zu entwicklen, die der menschlichen Anschauung der Welt widersprachen.

    Das ist eine gedankliche Leistung, die einmalig in der Geschichte der Naturwissenschaften ist.
     
  8. Sascha Maletic

    Sascha Maletic Neues Mitglied

    Natürlich, weil es praktisch ist. Aber von einer Ergänzung kann man eigentlich nicht reden, weil das mechanistische Weltbild deterministisch ist. Gerade das wird bei der Quantenmechanik in Frage gestellt.


    Übrigens, stand Einstein der Quantenmechanik nicht ablehnend gegenüber, obwohl er diese mitbegründet hat?
     
  9. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Einstein stand der Quantenmechanik nicht ablehnend gegenueber, er hielt sie nur nicht fuer volstaendig. Das Problem war eben, dass die Quantenmechanik einen Detrminismus auf mikroskopischer Ebene ausschliesst (was direkt aus der Heisenbergschen Unschaerferelation und der Beschreibung der Materie in der Schroedingergleichung durch Wahrscheinlichkeitsverteilungen folgt). Dieses war Einstein nicht bereit mitzugehen.

    Als Argument benannte er ein scheinbares Paradoxon, das aus dem sogenannten Einstein-Podolsky-Rosen-(Gedanken)experiment folgt. Dieses Paradoxon ist jedoch aufgeloest und das Experiment ist heute die Grundlage fuer Quantenkryptographie und -teleportation und in Teilen fuer Quantumcomputing.
     
  10. Pantau

    Pantau Neues Mitglied

    da bin ich anders informiert:

    - der Welle/Teilchen-Dualismus existiert eben NICHT nur für Licht, wie de Broglie anhand von Materiewellen, welche nach ihm benannt wurden, bewieß. JEDE Form von Materie lässt sich auch als Welle auffassen, die Wellenlänge wird mit zunehmender Größe nur sehr klein, was aber an der Sache nichts ändert.

    - Die QED schließt aber nur die spez. RT mit ein, für die allg. RT ist sie nicht aussagekräftig, ergo existiert entsprechende Lösung nicht. Es gibt in den verschiedensten Gebieten noch fundamentale Widersprüche, so z.B. in einer jeweils anderen Interpretation von "Zeit".

    - Die Prüfung einer Theorie ist immer nur der Versuch ihrer Widerlegung. "Beweisen" kann man sie daher nicht.

    - Zu Newton: die Tatsache, dass er "nebenbei" die Differential- und Integralrechnug entwickelte wird nicht dadurch geschmälert, dass Leibniz es zeitgleich tat, da beide unabhängig arbeiteten.

    Die Leistung von Newton war seiner Zeit alles andere als anschaulich, VOR Newton beispielsweise glaubte man, der natürliche Zustand eines Körpers sei die Ruhelage (DAS ist anschaulich aber falsch!) Newton bestritt dies und NACH Newton betrachtet man Geschwindigkeit als relativ.

    Einstein hat seine Leistung erst recht nicht aus dem Nichts geschaffen, die gesamte Mathematik z.B. für die RT stammte aus der Habilitationsschrift von Riemann, hinzu kamen Leistungen von verschidenen anderen Physikern, von Einstein kam die Leistung, den Letzten Stein in das Gebäude zu setzen. Außerdem stand Einstein auf den Schultern Newtons, deshalb ist er nicht größer. Wenn man sich die Mühe macht, und die rein aristotelische Weltsicht VOR Newton mit der newtonschen Weltsicht vergleicht, kann man kaum glauben, dass dies alles von einer einzigen Person geleistet wurde.
     
  11. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Das ist ja sehr schoen...


    Das ist klar, immer dann wenn ich in den mikroskopischen Bereich komme, gelten Unschaerferelation und Schroedingergleichung und somit habe ich das Problem, das die beshriebenen Objekte Wellen und Teilchencharkter haben. Das ist aber eben physikalisch, mathematisch kein Widerspruch. Der scheinbare Widerspruch ist nur eine folge unseres mangelnden Ausdrucksvermoegens wenn wir versuchen Qunatenmechanik mit WOrten zu beschreiben.

    Mit Worten kann man nur DInge beschrieben, die man aus der makroskopischen, fassbaren Welt kennt. Wenn ich etwas beschrieben will, das es in dieser Welt nicht gibt, muss Analoga nehmen, die es so gut wie moeglich beschreiben. Fuer manche EIgenschften von Feldern und Materie ist es das Bild des Teilchens, fuer manche das Bild der Welle. In der "Realitaet" stimmt beides nicht, es ist etwas drittes, fuer das wir keine adaequaten Bilder und damit keine Worte haben.



    Allgemeine Rel.Theorie hat mit Quantenphaenomenen nicht viel zu tun. Die ART ist eine moderne Beschreibung der Gravitation. Graviation spielt als schwaechste der 4 Elementarkraefte aber in der QUantenwelt keine Rolle.

    Wenn eines fernen Tages schwache, starke und em Kraft vereinigt sind und man fuer die GUT auch noch die Gravitation mit integrieren muss, dann sieht das vielleicht anders aus. ABer im MOment sehe ich nicht, wo das relevant sein soll (asser evtl. bei den Kollegen, die sich mit dem Urknall beschaeftigten, aber da muesste ich erstmal nachschauen).

    Und die spez. Relativitaet macht keine Probleme, wie man es tagtaeglich in dutzenden Beschleunigern und Synchrotons ganz praktisch beobachten kann.

    Nun das sagt das Wort Theorie schon selbst aus. Eine bewiesene Theorie ist ein Widerspruch in sich. Eine Art schwarzer Schimmel (gibt es bestimmt auch ein Fachwort fuer).


    Schmaelern will ja auch keiner, nur zurechtruecken und richtig einordnen.

    Es ging darum, WAS Newton erklaert hat, nicht wie!

    Das man Geschwindigkeiten als realtiv betrachtet kann geht schon auf die Arbeiten Galileis zurueck, daher das sogenannte "Galileische Relativitaetsprinzip", welches einen Grenzwert fuer kleine Geschwindigkeiten der spez. Rel. Theorie darstellt.

    Was Newton erkannt hat, war das Koerper mittels Kraeften sich gegenseitig beeinflussen. DIese mechanische Kraft wurde aufgrund der hohen Erfolgsrate in der Beschreibung makroskopischer Phaenomene als Grundlage aller natuerlichen Prozesse angesehen.

    EIn folgenschwerer Irrtum, der das Denken der Naturwissenschaftler auf Jahrhunderte blockierte. Selbst als man im 19. Jahrhundert das Feld als physikalisch relevante Groesse entdeckte, versuchte man immer noch mit Gewalt dieses in das mechanische Modell zu pressen, was dann zu solchen Irrwegen wie den Aether fuehrte.

    Nachdem all die mathematischen Grundlagen da waren, experimentelle Ergebnisse vorlagen, sah doch niemand die Loesung des Problems.

    Und das war Einsteins einzigartige Denkleistung: Alle bekannten Vorstellungen hinter sich lassend, den Kopf voellig frei von tradiertem Gedankengut, konnte er diesen Gordischen Knoten zerschlagen und die Loesung bringen.


    Es geht nicht um das Groesser oder Kleiner von Personen, wie ich schon oben sagte, es geht darum in welchen Masse sich die Vorstellung von der Welt durch eine Theorie veraendert hat (was man neudeutsch so schoen mit "Impact" bezeichnet...).
    Und da war die Relativitaetstheorie und erst recht spaeter die QUantenmechanik wesentlich folgenreicher, da in ihrem Kern ohne wirklichen Vorlaeufer.

    Von den alten Griechen bis weit ins 19. Jahrhundert beschaeftigte sich der Mensch immer nur mit sich und seiner durch seine Sinne direkt wahrnehmbaren Umwelt. Mathematisch abgeschlossen wurde dieses durch Newton. Nach ihm folgte eine Phase der Konsollidierung. Man nahm Newtons Mechanik und versuchte damit alles, was noch fehlte zu beschreiben. Damit war man im Laufe des 19. Jahrhunderts fertig geworden.

    Neue Probleme tauchten auf, die Grenzen von Newton und seiner Mechanik wurden gesehen. Den Ausweg aus dieser Sackgasse fanden dann Einstein und die Begruender der QUantenmechanik.

    Und heute sind wir an einem Punkt, an dem man die Erkenntnisse des fruehen 20. Jahhunderts verstanden hat, sie ergaenzt und vervollstaendigt hat und nun wieder versucht, dass ganze zu systematisieren und zu vereinfachen und dadurch ein (moeglichst) vollstaendiges und in sich geschlossenes Bild von der Natur zu bekommen. Der Bedarf fuer einen erneuten fundamentalen Wechsel in der Sicht auf die Natur ist im Moment nicht gegeben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Dezember 2004
  12. Pantau

    Pantau Neues Mitglied

    Ok, zwei Beispiele, um zu verdeutlichen, was ich meine:

    Bei großen Massen UND kleinen Abständen, versagen die beiden Theorien, die hier ZWINGEND unter einen Hut gebracht werden müssen:

    1. Beginn des Universums - "Urknall"

    2. Schwarze Löcher

    Die Gleichungen der ART und der QM lassen sich nicht ineinander einsetzen, ohne dass es zu erheblichen Anomalien kommt.


    Mit Newton & Einstein - Stimmt, ist ja kein Wettbewerb :)
     
  13. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Das ist klar, keine Frage.

    Auf beiden Gebieten bin ich nicht Experte genug, um in dieser Tiefe was zum aktuellen Stand zu sagen. Ganz allgemein ist es richtig, dass hier fuer einige Aspekte sowohl Quantenmechanik als auch Allg. Rel. Theorie herangezogen werden muessen. Aber wie weit man da genau ist und was die konkreten Probleme dabei sind, dass kann ich aus dem Stand heraus nicht sagen...


    Da ich noch nie mit diesem Problem konfrontiert wurde, kann ich auch dazu wenig sagen. Muss ich mich erst schlau machen, wo es da evtl. Probleme gibt. "Erhebliche Anomalien" kann in der Allgemeinheit erstmal alles und nichts heissen.

    Aber fuer konkrete physikalische Fragen ist hier sowieso nicht der richtige Ort.
     
  14. Pantau

    Pantau Neues Mitglied

    Diese „erheblichen Anomalien“ bestehen z.B. darin, dass du mathematisch Wahrscheinlichkeiten von unendlich erhältst. Da jede Wahrscheinlichkeit größer 1 aber schon unsinnig ist, führt dies zu „gewissen Schwierigkeiten“. :)
     
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  15. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Ohne konkreten Zusammenhang sagt das aber gar nix... Unphysikalische Ergebnisse kann ich an allen moeglichen Stellen bekommen. Um das irgendwie zu bewerten, muesste man halt schaun, wo genau und wann sowas auftritt. Aber wie schongesagt, weder kenne ich mich auf dem Gebiet Urkanall oder schwarze Loecher gut genug aus, um ueber irgendwelche Detailprobleme zu diskutieren, noch ist das hier der Ort dazu.

    Daher sollten wir diesen Aspekt des Thema jetzt ruhen lassen...
     
  16. Pantau

    Pantau Neues Mitglied

    Oh ja, wem sagst du das ...:rolleyes:

    Sie werden dir nur dummerweise, wenn es um Physik geht, immer um die Ohren gehauen.

    Aber du hast Recht, das wird jetzt zu speziell, ich hatte ja nur einwenden wollen, dass es mit einer "einfachen" Reduzierung und Zusammenfassung der vorhandenen Modelle noch nicht getan ist, sondern dass diese in Grenzfällen noch fehlerbehaftet sind.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Dezember 2004
    1 Person gefällt das.
  17. Renard

    Renard Mitglied

    Ich habe mit Interesse die Beiträge gelesen.

    Zum Einstein-Newton-Vergleich:

    Ich denke ebenfalls, daß Newtons Leistung nicht unerheblich ist. Er folgte aus zwei der drei Keplerschen Gesetze, daß die Gravitationskraft indirekt proportional zu r² sein muß (Bahnen und Umlaufzeiten) und dem Flächensatz (Leitstrahl), daß die Kraft immer zum Zentralkörper hin gerichtet ist. Unter Zuhilfenahme seiner Axiome gelingt es ihm dann, den Ellipsensatz zu zeigen.
    Und die Gedanken, die diese Axiome beinhalten, sind schon bahnbrechend
    (insbesondere es wirkt keine Kraft und der Körper bewegt sich gleichförmig weiter im Gegensatz zur aristotelischen Vorstellung.)

    Natürlich war das Bild der Mechanik bis ins 19. Jahrhundert bestimmend. So beschreibt Maxwell zum Teil den Gaußschen Satz mit dem Modell einer inkompressiblen strömenden Flüssigkeit.
    Insofern ist die Abstraktion Einsteins schon bewunderswert. Allerdings hat auch Maxwell theoretisch die Hypothese des zusätzlichen Verschiebungsterms beim Durchflutungsgesetz erkannt und somit Elektromagnetische Wellen vorhergesagt, die Hertz erst später nachweisen konnte. Allerdings ist der Fall einer theoretischen Vorhersage eines Effektes in der Geschichte der Physik eher die Ausnahme gewesen, oder? In der Regel versuchte man den Effekt nach der Beobachtung zu beschreiben.

    An dieser Stelle stellt sich mir die Frage in weiweit oder aber überhaupt sich z.B. das Verhalten in der Gesellschaft oder Wirtschaft mit dem mathematischen Apparat beschreiben läßt? Aber das gehört hier eigentlich nicht her.

    Das Verhalten an tradierten Vorstellungen festzuhalten ist generell typisch. In der Astronomie ganz typisch; so war es der Astronom und Astrologe Kepler, der auf die Idee kam, Ellipsen für seine gemessenen Bahndaten anzunehmen und sich von der Epizyklen-Theorie der Kreise (Planeten können sich nur auf göttlichen Bahnen wie Kreisen bewegen) zu trennen.

    Einstein hatte von seiner persönlichen Vorstellung der Welt Probleme mit der Heisenberg'schen Unschärfe-Relation, da er der Meinung war: "Gott würfelt nicht.". Denn sie bedeutet das Ende des mechanischen Determinus und beendet auch den Streit über die Existenz des Zufalls.

    Die Herausforderungen der Physik heutzutage ist die aber auch Problematik hochkomplexer Systeme, die nicht isolierbar sind wie das z.B. Wetter.
     

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