Das HRRDN im 18.Jh. - Reichsaufgebote u. Kompetenzen

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Brissotin, 21. Juli 2006.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Erstmal was vorweg: wäre das Thema besser in der Rubrik "Das deutsche Kaisertum" aufgehoben gewesen? Ich hatte den Eindruck dort geht es eher um das Reich der wilhelminischen Ära. Präzise Zeitfenster zu den Rubriken wären ganz gut.

    Jetzt meine Frage: Gibt es Bücher, die gut verständlich den Aufbau des Reiches auch ein bisschen tiefer ins Detail beleuchten? Mir geht es speziell um die Reichskreise. Welche Kontigente an Truppen hatten sie zu stellen? Wie wurden die zu stellenden Kontigente pro reichsunmittelbaren Stand berechnet?

    Gibt es Karten, die genau die Grenzen der Reichskreise zeigen und die Städte wo die Kreistage tagten? (Ulm war zum Beispiel der Tagungsort des Schwäbischen Kreises)

    Ich will nicht alles in einen Topf hauen, habe aber vor Kurzem gelesen, dass die Reichsritter 1792 nicht stimmberechtigt waren auf dem Reichstag. Gilt das auch für früher? Was brachte ihnen dann ihre Reichsunmittelbarkeit, wenn sie keinen Einfluss auf die Gesetzgebung im Reich bzw. Beschlüsse hatten?
     
  2. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Kennst du "Sacrum Imperium - Österreich und das Reich", herausgegeben von Univ. Prof. Wilhelm Braunder? Es ist eine Sammlung von Aufsätzen zur Reichsgeschichte vom Anfang bis 1806 mit einer exzellenten Bibliographie.
     
  3. Herold

    Herold Neues Mitglied

    Die Literatur zum Reich ist reichhaltig und und in ihrer Allgemeinheit nahezu unüberschaubar. Ein guter Klassiker zum Einstieg ist folgender:

    Karl Ottmar Freiherr von Aretin: Das Reich. Friedensgarantie und europäisches Gleichgewicht (1648-1806), Stuttgart 1986.

    Neuester Forschungsstand ist sicherlich in dem in Kürze erscheinenden Katalog zur Ausstellung in (Magdeburg und) Berlin zu finden: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation (962-1806). Altes Reich und Neue Staaten (1495-1806). (Katalog)

    Ansonsten hilft hier erst einmal jede Handbuchreihe weiter, dort wird es Literaturtipps in Hülle und Fülle geben.

    Auch die Literatur zum Thema Reichskreise ist höchst umfangreich. Mittlerweile dürfte es zu jedem Reichskreis eine Menge allgemeiner und spezieller Untersuchungen geben (vielleicht einfach mal im nächsten Universitäts-OPAC recherchieren). Allgemeine Überblicke über Reichskreise generell bzw. mehrere Reichskreise einer geographischen Großregion sind schon seltener, vielleicht als Einstieg folgende zwei:

    Winfried Dotzauer: Die deutschen Reichskreise (1383 - 1806). Geschichte und Aktenedition, Stuttgart 1998.

    Wolfgang Wüst (Hg.): Reichskreis und Territorium: Die Herrschaft über die Herrschaft? Supraterritoriale Tendenzen in Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft ; ein Vergleich süddeutscher Reichskreise, Stuttgart 1998.


    Ja, Reichsritter hatten weder Sitz noch Stimme auf dem Reichstag, sie waren somit keine Reichsstände. Das gilt seit der Formierung des Reichstags und der Herausbildung der Reichsritterschaft im 15./16. Jhd. Die Reichsunmittelbarkeit bedeutete für die Reichsritter, dass sie keinen fürstlichen Landesherren über sich hatten, dessen Herrschaft sie sich unterwerfen mussten, d.h. sie mussten sich nicht dessen Landeshoheit beugen, waren also nicht dessen herrschaftlichen Rechten in Fragen wie Gesetzgebung, Rechtsprechung, Besteuerung, Religionshoheit u.v.a.m. unterworfen. Allein der Kaiser stand über ihnen, dem sie lediglich Steuern (die Charitativsubsidien) zu zahlen hatten, der aber (weil der Staatsbildungsprozess im Reich auf der Ebene der Territorien und nicht des Reiches ablief) sonst nur geringe direkte herrschaftliche Zugriffsmöglichkeiten auf sie hatte. Die Reichsritter waren somit weitenteils frei von fremden Herrschaftsrechten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Juli 2006
  4. Herold

    Herold Neues Mitglied

    Eine höchst wichtige Sache vergessen: In einem unreglementierten Nebeneinander von fürstlichen Territorien und reichsritterlichen Herrschaften hätte das unvergleichbar größere Machtpotential der ersteren, verbunden mit dem zeitlichüblichen Expansions- und Arrondierungsstreben, schnell das Ende der letzteren (in Form von Mediatisierungen) bedeutet. Das Reich schützte mit seinen Ordnungen und Satzungen und dem Kaiser als Protektor die schiere Existenz der Reichsritter. Gerade für die schwachen Glieder war das Reich ein existenzsichernder Schutzverband!
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Den letzteren Band bestelle ich gleich am WE. Heinz Schilling und Michael North sind mir als sehr gute Autoren bekannt. Danke für die Tipps.

    Es ist wunderbar, dass dieses Thema endlich mal durch eine große Ausstellung in den Fokus kommt. :yes:

    Bei Wikipedia findet man auch eine ganz übersichtliche Karte: http://de.wikipedia.org/wiki/Reichskreis .
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Juli 2006
  6. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Hast du durch Literaturstudium die Frage bereits beantworten können? Ich hätte nämlich die genauen Zahlen parat, würde mir aber das abtippen sparen, wenn das Problem bereits gelöst ist.

    Außerdem habe ich noch einige Literaturhinweise für dich, jedoch speziell auf den Bayerischen Reichskreis ausgelegt, in dessen Gedärmen ich seit ein paar Wochen rumwühle. ;) Diejenigen, die ihren Hauptfocus nicht auf Bayern richten, habe ich dir aus Gründen der Übersichtlichkeit mal fett gekennzeichnet.


    Aufsätze:

    Angermeier, Heinz: Die Reichsregimenter und ihre Staatsidee, in: HZ 211 (1970), S. 265-315.

    Hartmann, Peter Claus: Der bayerische Reichskreis im Zeichen konfessioneller Spannungen und türkischer Bedrohung. Die Zeit der letzten Regierungsjahre Herzog Wilhelms V. (1594-1598), in: ZBLG 60 (1997), S. 599-616.

    Hartmann, Peter Claus: Regensburg und der bayerische Reichskreis, in: Ackermann (Hrsg.), Bayern vom Stamm zum Staat. Festschrift für Andreas Kraus zum 80. Geburtstag, München 2002, S. 235-247.

    Hartmann, Peter Claus: Der bayerische Reichskreis, in: Wüst, W. (Hrsg.), Reichskreis und Territorium: die Herrschaft über der Herrschaft? Supraterritoriale Tendenzen in Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft, Stuttgart 2000, S. 297-309.

    Hoffmann, Hans Hubert: Reichskreis und Kreisassoziation. Prolegomena zu einer Geschichte des fränkischen Kreises, zugleich als Beitrag zur Phänomenologie des deutschen Föderalismus, in: ZBLG 33 (1970), S. 377-413 .


    Monographien:

    Conrad, Rüdiger: Der bayerische Reichskreis im 16. Jahrhundert: Die Entwicklung seiner Verfassung von 1500-1580, jur. Diss. Köln 1974.

    Dotzauer, Winfried: Die deutschen Reichskreise (1383-1806). Geschichte und Aktenedition, Stuttgart 1998.


    Drescher, Franz: Die Münzen der Reichstadt Regensburg. 1500-1802, Bad Reichenhall 1984.

    Hartman, Peter Claus: Der Bayerische Reichskreis (1500 bis 1803). Strukturen, Geschichte und Bedeutung im Rahmen der Kreisverfassung und der allgemeinen institutionellen Entwicklung des Heiligen Römischen Reichs, Berlin 1997. (Schriften zur Verfassungsgeschichte, 52)

    Heil, Dietmar: Die Reichspolitik Bayerns unter der Regierung Herzog Albrechts V. (1550-1579), Göttingen 1998. (Schrr. d Hist. Komm. bei der BADW, 61)

    Kunisch, Johannes (Hrsg.): Neue Studien zur frühneuzeitlichen Reichsgeschichte, Berlin 1987. (ZHF, Beih. 3)

    Lanzinner, Maximilian: Reichsversammlungen und Reichskammergericht 1556-1586, Wetzlar 1995. (Schrr d. Ges. f. Reichskammergerichtsforsch., 17)

    Römisch, Wolf: Das Reichsregiment. Eine verfassungsgeschichtliche Studie. Diss. jur. München 1970.

    Prokisch, Bernhard: Repertorium zur Neuzeitlichen Münzprägung Europas, Bd 2: Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation und Nachfolgestaaten. Der Bayerische Reichskreis, Wien 1997.

    Wüst, Wolfgang: Die „gute“ Policey im Reichskreis, Bd. 3: Der Bayerische Reichskreis und die Oberpfalz, Berlin 2004.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Dezember 2006
  7. Mercy

    Mercy unvergessen

    Hoffmann, Hans Hubert: Reichskreis und Kreisassoziation. Prolegomena zu einer Geschichte des fränkischen Kreises, zugleich als Beitrag zur Phänomenologie des deutschen Föderalismus, in: ZBLG 33 (1970), S. 377-413

    Den gibt es fürs nichtprivilegierte Fußvolk auch online:

    http://mdz1.bib-bvb.de/cocoon/bayern/zblg/kapitel/zblg25_kap18
     
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    In der Literaturangabe zum Essayband der Ausstellung "Heiliges Römisches Reich deutscher Nation" bin ich schon auf viele Literaturhinweise gestoßen. Danke für auch eure Tipps.:)
     

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