Das Meer auspeitschen

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Sepiola, 23. März 2016.

  1. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Der Meerauspeitscher war Xerxes.
    Herodot:

    (33) Unterdessen überbrückten die Anderen den Hellespont von Asien nach Europa hinüber. ...
    (34) ... Es sind aber sieben Stadien von Abydus auf die Gegenseite; und schon war die Furth verbunden, als ein großer Sturm einfiel, der schlug alles zusammen und riß es auseinander.
    (35) Wie es nun Xerxes erfuhr, ließ er sich arg auf und befahl, der Hellespont solle dreihundert Geisselhiebe bekommen, und man solle in die See ein Bund Fesseln hinabsenken; und ich habe gar gehört, daß er dazu noch Brandmarker abschickte, um den Hellespont zu brandmarken. Unter'm Geisseln aber gab er ihnen auf, die barbarische Lästerung zu sprechen. "Du bittres Wasser, dir legt der Gebieter diese Strafe auf, weil du ihn beleidigt, ohne daß er dir ein Leid gethan. Und König Xerxes wird über dich gehen, wenn du willst und wenn du nicht willst. Mit recht aber opfert dir kein Mensch, als einem tückischen Salz-Strom." Damit also ließ er das Meer strafen, und den Werkvorstehern der Hellespont-Brückung die Köpfe abhauen.
    ...

    (54) Wie aber die Sonne heraufstieg, spendete Xerxes aus einer goldenen Schale in's Meer, und betete zum Sonnengott, daß Nichts ihm begegnen möge, was ihn hemmen könnte in der Unterwerfung Europa's, ehe er an seine letzten Gränzen gelangt. Und nach diesem Gebet warf Xerxes die Schale in den Hellespont, dazu einen goldenen Mischkrug und ein Persisches Schwert, welches sie Acinaces nennen. Ich kann aber nicht mit Bestimmtheit entscheiden, ob er dieß als Weihgeschenk für den Sonnengott in's Meer versenkt, oder ob er seine Geißelung des Hellespontus bereut und dafür zur Sühne das Meer beschenkt hat.




    Caligula hingegen soll gegen den Ärmelkanal "Krieg" geführt haben. (Ob das auf eine wahre Begebenheit oder einen "Flüsterwitz" zurückgeht, sei dahingestellt).

    Sueton:

    Zuletzt ließ er, um diesem Scheinkrieg ein rasches Ende zu setzen*, das Heer an der Küste des Ozeans aufmarschieren und Schleuder- und Kriegsmaschinen auffahren, während niemand eine Ahnung hatte, was er nun beginnen werde. Plötzlich befahl er, Muscheln zusammenzulesen und Helme und Kleider damit zu füllen, indem er ausrief: „Das ist die Kriegsbeute aus dem Ozean, die wir dem Kapitol und Palatin schulden!“ Zu Erinnerung an diesen Sieg wurde ein sehr hoher Turm errichtet, wo nachts, wie auf dem Turm von Pharos, Feuer leuchten sollten, um den Schiffen den Weg zu weisen. Den Soldaten wurde pro Kopf ein Geschenk von 100 Denaren zugesprochen, und wie wenn er damit jedes Beispiel von Freigiebigkeit übertroffen hätte, sagte er zu ihnen: „Kehrt nun fröhlich und kehrt auch reich heim!“

    Cassius Dio:

    (1)... Wie er nun an den Ozean angelangt war, so, als wollte er auch in Britannien einen Feldzug unternehmen, und sämtliche Soldaten am Strand hatte Aufstellung nehmen lassen, (2) bestieg er eine Triere, fuhr ein kurzes Stück vom Lande weg und kehrte dann wieder zurück. Hierauf nahm er auf einer hohen Tribüne Platz, gab den Soldaten das Losungswort wie zur Schlacht und ließ sich durch die Trompeter aufmuntern, doch dann kam plötzlich sein Befehl, sie sollten die Muscheln sammeln. (3) Nachdem er diese Beutestücke aufgenommen hatte, – er brauchte sie ja offensichtlich für seinen Triumphzug –war er mächtig stolz, wie wenn er den Ozean selbst unterworfen hätte, und verteilte viele Geschenke unter die Soldaten. Die Muscheln aber brachte er nach Rom zurück, um auch dem Volk dort die Beutestücke
    vorzuweisen.



    http://historicus.at/Dissertation.pdf



    * Ich würde "quasi perpetraturus bellum" mit "als hätte er vor, einen Krieg durchzuziehen"
     
  2. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    der Caligula war ja ein richtig lieber Bub^^
     
  3. aquilifer

    aquilifer Aktives Mitglied

    Eine Direktverlinkung ist ja leider nicht möglich, aber jedem, der es nicht kennt, sei auf youtube eine Suche nach 'horrible histories' der BBC ans Herz gelegt. In diesem speziellen Fall 'horrible histories Caligula invades Britain'.
     
  4. Caro91

    Caro91 Aktives Mitglied

    Solche Anekdoten sollten natürlich die Hybris und Tyrannei der jeweiligen Herrscher (und vielleicht auch einen Hauch von Wahnsinn) den Lesern plastisch vor Augen führen, zumal die jeweiligen Autoren den Ausgang des Ganzen ja schon kannten. Es kann sich also durchaus um reine Erfindungen oder Missdeutungen realer Ereignisse handeln.
     
  5. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Wenn man sieht wie Menschen ihre Tastaturen verprügeln weil sie sich als Opfer einer Verschwörung der Technik gegen sie sehen, dann wundert einen so was nicht ... :)
    Ich denke mal, damals war man eher als heute geneigt den Ozean als handelndes Subjekt zu betrachten, war er doch auch mit Gottheiten verknüpft. Von daher fände ich solche Trotzreaktionen, die vielleicht auch den eigenen ungebrochenen Willen demonstrieren sollten, durchaus plausibel.
     
  6. Caro91

    Caro91 Aktives Mitglied

    Aus Herodots Bericht geht allerdings durchaus hervor, dass er das Handeln des Großkönigs weder für rational noch für richtig hielt. Dessen Vorgehen ist ja auch keine erste zornige Reaktion, sondern stellt eine Art planvolle Bestrafung des Meeres dar, also eine Art Mischung aus Hybris und Gewaltherrschaft. Es scheint mir durchaus plausibel, dass Herodot genau auf diese Elemente der Perserherrschaft hinweisen wollte, als er die Anekdote aufzeichnete.

    Übrigens würden wir auch heute zwar jemanden verstehen, der im ersten Ärger auf ein unbelebtes Gerät einschlägt, fänden aber eine echte Bestrafung (zumal, wenn sie richtiggehend zelebriert wird) auch eher eigenartig, wie ich vermute.
     

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