RafaelaRomanArroyo
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Ist Norwich nicht die Wiedergeburt von Niketas Choniates? Kam mir beim Lesen so vor...
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und da wundert mich, dass es dem Patriarchat von Konstantinopel nie gelang, und sei es gestützt auf den/die Kaiser, zur Chefetage der Kirche (vor dem Schisma) aufzusteigen; verwunderlich, dass die weltliche Hauptstadt wechseln konnte, die geistliche/kulturelle/prestigemäßige hingegen nicht (obwohl überspitzt gesagt Rom zwischenzeitlich im Frühmittelalter heftig abgewirtschaftet und heruntergekommen war)Im Osten überlebte der römische Staat funktionell und institutionell weiter, während im Westen vor allem die ältere lateinisch-römische Traditionswelt fortbestand. Die Stadt Rom selbst blieb dabei das mächtigste Erinnerungszentrum der alten Ordnung — politisch geschwächt, aber symbolisch nahezu unersetzbar.
Betrachtet man die unterschiedliche Entwicklung von Ost und West, erscheint diese Konstellation vielleicht sogar weniger verwunderlich, als sie zunächst wirkt.und da wundert mich, dass es dem Patriarchat von Konstantinopel nie gelang, und sei es gestützt auf den/die Kaiser, zur Chefetage der Kirche (vor dem Schisma) aufzusteigen; verwunderlich, dass die weltliche Hauptstadt wechseln konnte, die geistliche/kulturelle/prestigemäßige hingegen nicht (obwohl überspitzt gesagt Rom zwischenzeitlich im Frühmittelalter heftig abgewirtschaftet und heruntergekommen war)
Diese Mosaike ,die glasiert waren dienten nicht nur zur Verzierung sondern waren auch ein Hygienefaktor.Der Mihrab von Cordoba ist zwar mit Mosaiken bedeckt aber die Säulen im gesamten Sakralbau nicht und dort sieht man über die Jahrhunderte ,die Spuren des Anlehnens /Abstützens. Erst mit den Almohaden wurde ,das "Zellige" mit seinen geometrischen Muster für die Säulen ,die unteren Teil von Wänden und Minarette genutzt ein Merkmal für Magrebinische Moscheen.Wenn man sich den Miḥrāb der Moschee von Córdoba und die umgebenden Türen ansieht (die ursprünglich mal zur BIbliothek der Moschee führten bzw. den Zugang des Kalifen zur Moschee ermöglichten, ohne, dass dieser über die Straße musste, sondern stattdessen über ein Brücke, direkt von seinem Palast), dann sind diese mit wundervollen Mosaiken geschmückt.
gerade die frühe "Byzantike" war sehr engagiert darin, die nichtchristliche Gelehrsamkeit zu verbieten und zu verjagen!
Natürlich überlebte einiges bei den byz. klerikalen Kopisten, aber die waren nicht die einzige "Sammelstelle": vergessen wir nicht, woher im Gefolge der Kreuzzüge die z.B. medizinische Gelehrsamkeit kam, nämlich aus dem arabischen Raum (wo man sie bewahrte) - letztlich hat das byz. "bewahren" wohl nur die kleinere Hälfte der Überlieferung ausgemacht.
und sie war - Justinian - entscheidend 529 für die Schließung der Athener Philosophenschule, 545 Verfolgung heidnischer Gelehrsamkeit, 562 Bücherverbrennung. Das spukte mir noch durch den Kopf - ich glaube, im Faden über Bücherverluste vor Jahren hatten wir das thematisiert (was, wie viel, warum usw ging verloren)Aber gerade die frühe "Byzantike" war doch entscheidend für die Überlieferung
Im griechischen Osten des römischen Reiches wiesen die Traditionslinien, zumal verglichen mit dem lateinischen Westen, weitaus weniger Brüche auf, sowohl was die Überlieferung als auch was die Bildungstradition anbelangt. Zumindest bis um 600 existierte hier weiterhin eine gebildete Elite, die sich um die Pflege der überlieferten Literatur kümmerte.
das unterschreibe ich sofort!In der Byzantike war echt 'ne Menge los
Sehr freundlich, werter Kollege, damit hat mein semantisch-ontologischer Beitrag zur methodischen Historiographie ihren Sinn entfaltet.das unterschreibe ich sofort!![]()
Diese Anekdote erinnert mich daran, wie ich als kleines Mädchen artig mit Messer und Gabel aß und von den Erwachsenen mit bewundernden Blicken und Worten des Lobs bedacht wurde, bis mein kleiner Ungeist den letzten Bissen mit der Hand zum Munde führte, was ein lautes "Oh!" der Tischgesellschaft zur Folge hatte. Die Episode, als ich im zarten selben Alter beim Kaffeekranz die Tischdecke samt Gedeck vom Tische zog, erzähle ich ein andermal...... übrigens war parallel in Byzanz und im oströmischen Reich ebenfalls ne Menge los, ja sogar dieselbe Menge![]()
Der Unterschied ist aber, dass "Oströmisches Reich" oder "Byzantinisches Reich" keine völligen sprachlichen Neuschöpfungen sind. Zwischen einem Römischen Reich des Westens und des Ostens unterschied etwa schon Marcellinus Comes, und der Begriff "byzantinisch" findet sich - wenn auch nur sehr vereinzelt und in grausigen Schreibweisen wie "bisantinus rex" - mitunter auch schon im Mittelalter. Beide Begriffe - so problematisch sie auch sein mögen - haben also wenigstens durchaus historische Tradition.2. Zur 'Verschrobenheit' des Begriffs:
Ich kann den Einwand verstehen – jeder neue Begriff wirkt anfangs 'unbeholfen', weil er das gewohnte Sprachgefühl stört. Aber ist 'Oströmisches Reich' (eine Himmelsrichtung) oder 'Byzantinisches Reich' (eine fiktive Ethnie) weniger unbeholfen, wenn man die staatsrechtliche Realität betrachtet? Die Byzantike ist ein funktionales Werkzeug. Sie ist vielleicht verschroben, wie eine neue Maschine verschroben wirkt, bis sie das Problem löst, für das sie gebaut wurde: Die nahtlose Benennung der römischen Kontinuität.
Das halte ich für arg übertrieben, nicht nur, aber vor allem was das Religiöse betrifft. Zwischen der östlichen und der westlichen Christenheit bestand schon vor dem Schisma im 11. Jhdt. eine tiefe Kluft. Es ging da keineswegs nur um Fragen des päpstlichen Primats, sondern auch um theologische und liturgische Aspekte (bis hin zu Fragen wie ob man den Messwein mit kaltem oder warmem Wasser zu mischen hatte).Die Byzantike ist deshalb mehr als nur ein Zeitabschnitt für einen Einzelstaat. Sie beschreibt die Phase, in der das Römische Reich das strahlende Zentrum des bekannten Universums war. Von den Wikingern im Norden bis zu den Kalifen im Süden und den Kleinkönigen im Westen: Alle richteten sich kulturell, religiös und zeremoniell nach Konstantinopel aus.
Das sahen die meisten spätbyzantinischen Gelehrten aber anders. Westorientierte (und antipalamitische) Gelehrte wie Demetrios Kydones, der Latein lernte und ein großer Fan von Thomas von Aquin war, waren Ausnahmen. Ihre meisten Kollegen rümpften über den Westen die Nase (freilich waren das dann nicht unbedingt die, die in den Westen gingen), und der Durchbruch des Palamitismus im Osten im 14. Jhdt. vertiefte die Kluft noch.Man könnte sagen: Die spät-byzantiken Gelehrten reisten nicht in die Fremde, sondern in einen anderen Teil der römischen Welt, der sich früher vom Zentrum emanzipiert hatte. Der Erfolg der Renaissance in Italien ist ja gerade deshalb so groß gewesen, weil der Boden dort bereits durch Jahrhunderte römischer Tradition (und byzantiker Einflüsse) bereitet war.
Die Gelehrten brachten lediglich das 'Hochprozentige' (die griechische Philologie und Philosophie) zurück in eine Region, die ihre eigenen römischen Wurzeln gerade erst wiederentdeckte. Es war eher ein Familientreffen als ein Kulturschock.
Danke für die ausführliche und faire Rückmeldung – insbesondere auch deshalb, weil du ja selbst einräumst, dass sowohl „Ostrom“ als auch „Byzanz“ letztlich problematische bzw. konstruierte Begriffe sind. Genau dort setzt mein Gedanke zur Byzantike eigentlich an.Der Unterschied ist aber, dass "Oströmisches Reich" oder "Byzantinisches Reich" keine völligen sprachlichen Neuschöpfungen sind. Zwischen einem Römischen Reich des Westens und des Ostens unterschied etwa schon Marcellinus Comes, und der Begriff "byzantinisch" findet sich - wenn auch nur sehr vereinzelt und in grausigen Schreibweisen wie "bisantinus rex" - mitunter auch schon im Mittelalter. Beide Begriffe - so problematisch sie auch sein mögen - haben also wenigstens durchaus historische Tradition.
Das halte ich für arg übertrieben, nicht nur, aber vor allem was das Religiöse betrifft. Zwischen der östlichen und der westlichen Christenheit bestand schon vor dem Schisma im 11. Jhdt. eine tiefe Kluft. Es ging da keineswegs nur um Fragen des päpstlichen Primats, sondern auch um theologische und liturgische Aspekte (bis hin zu Fragen wie ob man den Messwein mit kaltem oder warmem Wasser zu mischen hatte).
Die zeremonielle Ausrichtung kann ich auch so nicht erkennen. Das überaus komplexe System von Titeln und Rängen, das sich im Osten entwickelte, blieb dem Westen in dieser Intensität fremd, ebenso (im weltlichen Bereich) die Proskynese.
Für die Wikinger war Rom in erster Linie als Arbeitgeber (Warägergarde) und als Handelspartner interessant.
Strahlend wirkte Konstantinopel durch seinen Reichtum und seine Altehrwürdigkeit, aber tatsächliche Nachahmungsversuche im religiösen und zeremoniellen Bereich hielten sich in Grenzen. Nicht vergessen sollte man die sprachliche Barriere: Im Westen konnte jahrhundertelang kaum jemand Griechisch.
Das sahen die meisten spätbyzantinischen Gelehrten aber anders. Westorientierte (und antipalamitische) Gelehrte wie Demetrios Kydones, der Latein lernte und ein großer Fan von Thomas von Aquin war, waren Ausnahmen. Ihre meisten Kollegen rümpften über den Westen die Nase (freilich waren das dann nicht unbedingt die, die in den Westen gingen), und der Durchbruch des Palamitismus im Osten im 14. Jhdt. vertiefte die Kluft noch.
Umgekehrt wartete man auch in Italien nicht nur unbedingt und konsequent auf die Bereicherung aus dem Osten und das Wiederanknüpfen an die Antike. Es gab auch andere, eigenständige Entwicklungen wie den Durchbruch des Italienischen als Literatursprache vor allem dank Dante.
Mussten sie das? Manche Könige der britischen Inseln pilgerten nach Rom - aber das Verhältnis zu Konstantinopel war meist wohl eher überschaubar. Auch die Franken scheinen nach dem 6. Jhdt. erst wieder im späten 8. Jhdt. intensivere diplomatische Kontakte gepflegt zu haben, als sich durch ihre Verwicklung in die italienischen Angelegenheiten Reibungsflächen ergaben.Treffender wäre wohl: Auf die eine oder andere Weise mussten sich die Staaten des Mittelalters zum fortbestehenden römischen Zentrum in Konstantinopel verhalten. Die einen stärker religiös, die anderen diplomatisch, wirtschaftlich oder zeremoniell.
Du hast recht - „mussten“ war vielleicht zu pauschal formuliert (mal wiederMussten sie das? Manche Könige der britischen Inseln pilgerten nach Rom - aber das Verhältnis zu Konstantinopel war meist wohl eher überschaubar. Auch die Franken scheinen nach dem 6. Jhdt. erst wieder im späten 8. Jhdt. intensivere diplomatische Kontakte gepflegt zu haben, als sich durch ihre Verwicklung in die italienischen Angelegenheiten Reibungsflächen ergaben.
Das religiöse Verhältnis des lateinischen Westens zum Osten konzentrierte sich vor den Kreuzzügen eher auf den Missionierungswettlauf am Balkan und in Osteuropa.
Intensive Kontakte zwischen Ost und West gab es außerhalb Italiens - neben dem Handel - im Zuge gelegentlicher Heiratsverbindungen ab dem 10. Jhdt. und dann im Zuge der Kreuzzüge - wobei die intensivierten Kontakte im Rahmen der Kreuzzugsära eher zu einer Vertiefung der Entfremdung als zu einer Förderung des gegenseitigen Verständnisses führten. Davor (7.-11. Jhdt.) existierten das Oströmische Reich und die meisten Staaten des Westens eher neben- als miteinander.
Gilt das nicht lediglich in der Spätantike, danach nicht mehr so sehr? Mir fällt da hoc für später nur Theophanu ein, die mir da eher als Ausnahme denn als Regel erscheint.Viele Herrscher bemühten sich um byzantik-römische Titel, Prestige oder verwandtschaftliche Anbindung an Konstantinopel, während andere ihre eigene Stellung gerade im Gegensatz zum Reich definierten.
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