Der Aderlass

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von El Quijote, 2. Januar 2014.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn wir den Begriff Aderlass hören, dann denken wir gleich an mittelalterliche Heilmethoden (wobei mittelalterlich hier sowohl als Epochenbegriff zu verstehen ist, als auch als rückständig), die als Allzweckmittel eingesetzt wurden und das mittelalterliche Unverständnis des menschlichen Körpers dokumentieren.

    Aber hatte der Aderlass wirklich diesen Stellenwert im Mittelalter, sagen wir mal vom 7. bis zum 13. Jhdt.? War er wirklich das medizinische Mittel erster Wahl, wie es uns in der Populärkultur manchmal erscheint?
    Und: Wie hat sich der Aderlass entwickelt? Hatte er einen tatsächlichen Zweck bzw. gab es Krankheitsbilder, wo er tatsächlich Symptome und/oder Ursachen erfolgreich bekämpfen konnte?
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    wenn zu diesem Thema Tante Wiki vertraut werden kann, was ich bei diesem medizin- und kulturhistorischen Thema nicht sicher weiß, dann stammt der Aderlass aus der kultivierten und gebildeten Antike :pfeif: die medizinisch in diesem speziellen Fall dann auch nicht viel schlauer als das finstere Mittelalter war: Aderlass ? Wikipedia
     
  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ich habe einen kurzen Blick in den Pschyrembel (das ist sozusagen die Bibel der Hypochonder:D) geworfen: auf einigen Zeilen wird auf die heutige Anwendung des A. eingegangen - das geht allerdings nicht über die Angaben in der Wiki hinaus.

    Bei einigen Krankheitsbildern mag auch ein Placebo-Effekt eintreten.
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Der Aderlass basierte im Grunde auf der antiken Viersäftelehre des Hippokrates von Kos. Krankheiten entstanden aus denm gestörten Gleichgewicht der Körpersäfte. Seinen Höhepunkt in der Humanpathologie erreichte der Aderlass in der frühen Neuzeit Aderlassmännchen und Aderlasskalender gehören zu den frühesten Zeugnissen des Buchdrucks. Obwohl nicht unerhebliche Mengen Blut abgezapft wurden und der Aderlass nur bei wenigen Krankheitsbildern hilfreich ist, gehörte er bis ins frühe 19. Jhd zu den Standardverfahren. Auch nach der Entdeckung des Blutkreislaufsystems durch William Harvey in 1628(?) und der theoretischen Widerlegung der Wirksamkeit hielten auch namhafte Ärzte bis ins 19. Jhd daran fest. George Washington, der wegen eines Kehlkopfleidens massiv zur Ader gelassen wurde, gab diese Praxis womöglich den Rest. während die Bader des Mittelalters mit Hilfe einer Lanzette zur Ader ließen, wurde in der Neuzeit meist der schon um ca 1500 erfundene Schröpfschnepper verwendet, eine Apparatur mit 4 oder mehr Klingen, die nach dem Prinzip eines Blutegels die Haut öffneten, um Blut abzunehmen.

    Medizinische Blutegel, deren Speichel die Blutgerinnung hemmt und antithrombotisch wirkt, gehören zu den wenigen modernen medizinischen Therapien, bei denen der Aderlass noch praktiziert wird.
     
  5. beetle

    beetle Aktives Mitglied

  6. S.K. Relssek

    S.K. Relssek Neues Mitglied

    Puh. Das hätte ich jetzt nicht gedacht...

    Nach dem Aderlass war man ja benommen. Folglich liessen die Schmerzen ein wenig nach.
     

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