Deutsche Kolonien, Effizienz?

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von Menelor, 4. April 2014.

  1. Menelor

    Menelor Neues Mitglied

    Meine Frage ist: Durch die Kolonien machte sich eine breite Euphorie in der deutschen Bevölkerung breit. Außerdem gab es große Erwartungen an die Kolonien, weil diese z.B. die soziale Frage lösen sollten und der Wirtschaft zu einem Aufschwung verhelfen sollten.
    Die Kolonien selbst haben im Endeffekt kaum etwas gebracht. Aber könnte es nicht sein, dass die bloße Erwartung eines Aufschwungs durch die Kolonien mit zum wirtschaftlichen Wachstum in Deutschland beigetragen hat?
     
  2. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Bereits in den achtziger Jahren verlief die Entwicklung der Bereiche Elektrotechnik und Chemie deutlich nach oben. Hier kann schon eine positive Zeichen der Konjunktur bis 1890 gesehen werden. Aber auch die Produktion von Eisen und Stahl oder der Kohle waren enorm. Dadurch bedingt stiegen natürlich auch die Zahl der Beschäftigten in den Branchen.

    Mir ist von einer positiven Entwicklung in Zusammenhang mit den Kolonien nicht geläufig.
     
  3. Arne

    Arne Premiummitglied

    Mir auch nicht. Zwar gab es einen gewissen "Wohlfühleffekt" durch die erreichte Weltgeltung und Produkte, die bis dahin kaum angeboten wurden. Der Anteil am tatsächlichen Wirtschaftswachstum dürfte sich aber im Promillebereich bewegt haben.

    Interessant ist dann aber wie in den 1920 bis 1940er Jahren das propagandistisch hochgespielt wurde. Da wurden Kolonien als unverzichtbare, wichtige Grundvoraussetzung für die deutsche Wirtschaft hingestellt. Vor allem, weil man von zollbelasteten Einfuhren aus fremden Kolonien unabhängig sein wollte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. April 2014
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  4. Menelor

    Menelor Neues Mitglied

    Danke ersteinmal für die Antworten, sie klären aber meine Frage noch nicht ganz.

    Wenn man der Bevölkerung einredet, ein Aufschwung würde kommen, obwohl dies unbegründet ist, kann es sein, dass die Bevölkerung zu mehr Konsum neigt. Durch diesen gesteigerten Konsum würde dann tatsächlich ein Aufschwung herbeigeführt werden.

    Auf diese These zielte meine Frage ab. Kann es sein, dass die deutsche Bevölkerung durch die Kolonien einen Aufschwung erwartete, deshalb mehr konsumierte und das wiederum zu einem wirtschaftlichen Wachstum in Deutschland geführt hat?

    Natürlich wäre dies nur ein Nebenaspekt bei den Gründen für das deutsche Wirtschaftswachstum.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Du stellst eine Hypothese 1 über einen Zusammenhang zwischen Kolonialhype und Binnennachfrage auf, und bildest danach eine Hypothese 2 über eine Wirkungskette, nämlich konsumgetriebenes Wirtschaftswachstum.

    Bevor man dazu Meinungen, sozusagen aus dem Bauch heraus, äußert, wären Hinweise auf ökonomische Entwicklungen interessant, die das belegen können. Die Hypothesen sollten erstmal plausibilisiert werden.

    Welchen Erkenntniswert sollte das haben, ins Blaue abzustimmen?
     
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  6. Arne

    Arne Premiummitglied

    Du meinst eine sogenannte "selbsterfüllende Prophezeiung". Klar ist das möglich, aber genauso gut auch nicht. Es gibt dafür m.W. keinerlei Belege oder Indizien.
     
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  7. Menelor

    Menelor Neues Mitglied


    Danke, ich denke das trifft die Frage:)
     
  8. Carsten

    Carsten Neues Mitglied

    Eine höhere Binnennachfrage nach "Euphorie" unabhängig vom Kolonialismus ist für die Zeit nicht sehr wahrscheinlich. Das Wirtschaftssystem war ein gänzlich anderes. Die heute vorherrschende Idee durch Marketing die Bevölkerung zum Konsum aufzurufen ist eine Erfindung des zwanzigsten Jahrhunderts und aus der Notwendigkeit entstanden das eine Überproduktion zum "tatsächlichen Bedarf" und zur Kaufkraft gegeben ist.
    Das war zu Zeit der Industrialisierung noch nicht gegeben weil auch die Kaufkraft der weiten Bevölkerung nicht vorhanden war.
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Sehe ich ähnlich, deshalb oben auch die skeptische Nachfrage nach empirischen Nachweisen.

    Statt Konsumphantasien wird für das Deutsche Reich unter Bismarck (wie auch allgemein für andere europäische Staaten) derzeit von den Makroökonomen eher einem institutioneller Ansatz nachgegangen, siehe Acemoglu, zB:
    Institutions as the Fundamental Cause of Long-Run Growth
    http://www.nber.org/papers/w10481.pdf
    The Role of Institutions in Growth and Development
    The Role of Institutions in Growth and Development | Acemoglu | Review of Economics and Institutions

    Die Kolonien waren für die Entwicklung des Deutschen Reiches völlig bedeutungslos, eher Ausgabenlast. Andere makroökonomische Meinungen dazu sind mir nicht bekannt.
     
  10. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ich vermute mal, dass sich diese Frage auch nicht einigermaßen seriös beantworten lässt. Woher will man wissen, ob sich Steigerungen des Konsums im Kaiserreich auf die Erwartung positiver wirtschaftlicher Impulse aus den Kolonien gründeten? Dazu müsste man eine repräsentative Umfrage erstellen, was aus biologischen Gründen nicht mehr möglich ist.
     

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