Die Abschaffung der Sklaverei durch industrielle Revolution und europäische Aufklärung

Das ist allerdings insofern ein Sonderfall, als dass wegen der Sonderrolle Großbritanniens als Vorreiter der Industrialisierung, die aufstrebende britische Industrie (und der Handel) davon profitierte, dass die Sklaverei im Ausland (der wirkliche Durchbruch der Indistrie in GB kam ja erst zeitgleich oder etwas später, mait/als amerikas Unabhängigkeit) existierte, während sie für Großbritanniens heimische Landwirtschaft praktisch keine Rolle spielte.

War insofern die Abschaffung der Sklaverei gegen britische oder amerikanische wirtschaftliche Interessen?
Würde ich nicht behaupten.
Die aufstrebende britische (Textil)Industrie und der auf Sklaverei spezialisierte Handel waren in gewissen Maße, sicherlich daran interessiert, dass das vorhanden blieb, aber die in Britannien selbst beheimateten Land- und Minenbesitzer, dürfte das eher gleichgültig gewesen sein, Teile der britischen Landwirtschaft, die noch auf Schwafzucht und Scharfwolle spezialisiert war, dürfte das Verdrängen ihrer klassischen Produkte durch Baumwolle überhaupt nicht gern gesehen haben.

Und dann wären da noch die Spielregeln der britischen Politik. Die frühen britischen Industriellen und die großen Händler mögen bei den Commoners im britischen Unterhaus einen gewissen Einfluss gehabt haben, (wobei auch im Unterhaus natürlich noch immer viel landed gentry drinn saß), aber das Oberhaus, war ja Traditionell vom Großgrundbesitzenden Adel und der Anglikanischen Kirche dominiert, für die als Landbesitzer in GB die massenhafte Einfuhr von Agrarerzeugnissen aus den Kolonien und den USA eher Verluste bedeutete (u.a. Schafszucht vs. Baumwolle).

Sie Spielregeln der des britischen und des amerikanischen Parlamentarismus (auch in Amerika gab es für das Wahlrecht ja zunächst häufig auf Ebene der Bundesstaaten noch eine Besitzqualifikation, die teilweise Grundbesitz umfasste), die Landbesitz grundsätzlich gegenüber anderen Arten von Vermögen oder Steueraufkommen begünstigte, sorgte ja traditionell dafür, dass es ein Übergewicht agrarischer Interessen in den Parlamenten gab.
Der Unterschied ist, dass in den USA die Großlandwirtschaft, oder zumindest ein erheblicher Teil davon, direkt von der Sklaverei profitierte und sie betrieb, während die Landbesitzer in GB selbst dass nicht taten und Großbritanniens Textilindustrie, die davon sehr wohl profitierte, parlamentarisch eher schwach repräsentiert war. Das aufstrebende z.B. Manchester hatte im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts nichtmal einen eigenen Parlamentssitz, den sich die Industriellen dauerhaft konkurrenzlos hätten sichern können.

Insofern waren die politischen Hürden in Großbritannien, was die Abschaffung von Sklaverei und Sklavenhandel angeht, viel niedriger, als in den (frühen) USA.

Ich muss zugeben, dass ich hier massiv in der Zeit herumgesprungen bin, von den 1760er bis 1780er Jahre in die Zeit von 1861-65.

Als Clarkson und Wilberforce im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts den Kampf gegen die Sklaverei eröffneten, da gab es immerhin in Bristol und Liverpool noch Reedereien die im Sklavenhandel beteiligt waren.
Ich weiß nicht mehr die genauen historischen und genealogischen Verflechtungen, aber soweit ich weiß war ein Vorfahre von William Gladstone im Sklavenhandel tätig. Die Enthüllungen von Wilberforce brachten da auch viele in Erklärungsnot.
 
Ich muss zugeben, dass ich hier massiv in der Zeit herumgesprungen bin, von den 1760er bis 1780er Jahre in die Zeit von 1861-65.
Ich würde meinen, das ein wenig Umherspringen in der Zeit bei diesem Thema auch notwendig ist alleine schon, weil das Abebben der Aufklärung der Aufklärung als geistiger, politischer Strömung gegen Ende des 18. Jahrhunderts und die Abschaffung der Sklaverei im Verlauf der Mitte und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ja zeitlich durchaus etwas auseinander liegen.

Als Clarkson und Wilberforce im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts den Kampf gegen die Sklaverei eröffneten, da gab es immerhin in Bristol und Liverpool noch Reedereien die im Sklavenhandel beteiligt waren.
Die Reedereien gab es natürlich und es natürlich von meiner Seite auch etwas verkürzend gewesen, die Interessen der britischen Landwirtschaft auf die Verhältnisse auf den britischen Inseln herunter zu brechen, denn natürlich hatten sich viele britische Grundbesitzer im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts auch Landbesitz auf den karibischen Inseln zugelegt und so lange es noch keine Gewinnung von Zucker aus Rüben gab und die Zuckerplantagen in der Karibik boomten hatte natürlich auch der eine oder anderen Großgrundbesitzer, oder Grundbesitzer, der gleichzeitig in Unternehmungen in den Amerikas zumindet anteilig investiert war, auch keine einseitig ablehnenden Interessen gegenüber der Sklaverei.

Und sicherlich kommt auch noch hinzu, dass an den Reedereien natürlich auch noch die Werften drannhingen, denn Sklavenschiffe waren ja speziell für diese Art von Handel konzipiert und da wird es sicherlich Werften gegeben haben, die sich genau darauf spezialisiert hatten und außerdem sind da natürlich noch Teile des produzierenden Gewerbes, dessen Erzeugnisse als Handelswaren in die afrikanischen Länder gingen, denn Abschaffung der Sklaverei und des Sklavenhandels bedeutete ja absehbar auch ein Abnehmen des Handelsvolumens mit den afrikanischen Küstenregionen, da Sklvaen ja an einigen Orten durchaus das wirtschaftlich Interessanteste war, dass dort in Masse erworben werden konnte.
Und sicherlich hatten da auch einige Bankiers, die Kapital für den Sklavenhandel oder den Bau von vorschossen, noch ein gewisses Interesse drann.


Was beim Beginn des Kampfes gegen die Sklaverei bei Clarkson und Wilberforce aber auch noch dazu kommt, ist halt, dass das zeitlich nochmal deutlich vor der Erfindung der "Cotton Gin" war und das zu dem Zeitpunkt als Wilberforce und Clarkson mit ihrer politischen Arbeit in diese Richtung begannen, es überhaupt noch nicht mögich war, so viel Baumwolle zu entkernen, dass eine große Expansion der aufkommenden mechanisch betriebenen Spinnereien, damals möglich gewesen wäre.

Als um 1800 herum (auch wenn die Cotton Gin bereits in den 1780er Jahren erfunden wurde, aber sie musste ja erstmal seriell produziert werden und sich verbreiten), die Produktion gewaltiger Mengen verarbeitungsfähiger Baumwolle durch Sklavenarbeit überhaupt möglich wurde (und das spielte natürlich auch für die Eroberung der Märkte in Indien eine gewisse Rolle), war in Europa bereits die Zeit der Revolution- und der Napoléonischen Kriege angebrochen, die zum einen den Marktzugang der britischen Händler in Europa sehr erschwerte (Krieg mit Frankreich und Spanien, später Kontinentalsperre) und zum anderen natürlich dafür soorgte, dass den Abolitionisten in England, durch die Abschaffung der Sklaverei in Frankreich, die Abschaffung der Leibeigenschaft in weiten Teilen Festlandeuropas, die Sklaven-Revolution auf Haiti und auch das Aufkommen von Rübenzucker, dass der den karibischen Rohrzucker ein gutes Stück weit ersetzen konnte, auch so ein wenig die normative Macht des Faktischen zur Hilfe kam.

Durch die Delegitimation der unfreien Arbeit und der Unfreiheit in Festland Europa und die Abschaffung der Sklaverei in den USA, kamen die Interessen der britischen Sklavenhändler und -halter natürlich unter Beschuss, weil man da auf einmal ein wenig von der übrigen Welt isoliert wurde, wenn man drann festhielt.
Zumal Großbritannien ja ohnehin insofern in einer Zwischenposition steckte, als dass das Sommerset Urteil von 1772 bereits die faktische Abschaffung der Sklaverei in England bedeutet und Sklaverei faktisch auf die Kolonien und den Handel beschränkt hatte.
Hinzu kommt die Kriegsbedingte wirtschaftliche Schwächephase der Plantagenbesitzer, die zunehmend Schwierigkeiten hatten ihre Produkte in Europa abzusetzen und nicht zu letzt auch der Umstand, dass die britischen Regierungen, die den Krieg mit Frankreich fortsetzten, und die französischen Häfen blockierten, was Nachschub für die französischen Positionen in Übersee blockierte, sich damit zumindest indirekt zum Helfer der Haitianischen Revolution und der dortigen Sklavenbefreiung machten.
Auch wenn das sicher nicht, die Grundabsicht von Britanniens Regierungen war, sondern das eher ein Nebenprodukt war um Frankreich zu schwächen.

Aber ich denke, was Großbritannien angeht, müsste man da etwas mehr auf die Ereignisse schauen.

Beim Sommerset-Urteil dass Sklverei in England 1772 für illegal erklärte wurde nicht für eine Abschaffung der Sklaverei in England Position bezogen, sondern das Gericht unter dem Vorsitz von Lord Mansfield befand seinerzeit, dass es in England nie ein Gesetz gegeben habe, dass die Sklverei formal erlaubt hätte und eine Entscheidung gegen Somerset und seinen Anspruch auf Freiheit, somit nicht eine Bestätigung der Rechte von Sklavenhaltern, sondern die Einführung der Sklaverei bedeutete, die aber nicht zu rechtfertigen sei.

Das heißt hier, wurde die Frage, ob Sklaven als Eigentum zu gelten hätten, die ja in den USA dann Kernpunkt in der Auseinandersetzung um den Fall Dred Scott wurde, juristisch geschickt umgangen.
Das war aber nur deswegen möglich, weil Urteil nur in England selbst wirksam war, die Kolonien, die ja nicht zu England gehörten, sondern lediglich dem britischen Monarchen formal unterstanden und mit England mehr oder weniger lose asoziiert waren, ausklammerte und in England selbst der Sklavenbesitz so wenig verbreitet war, dass niemand dagegen Sturm lief.

Das folgende Verbot des Sklavenhandels, wurde durch die Logik der Kriegsereignisse und Entwicklungen in Europa und der Karibik, die Handelsschiffahrt und Plantagenbesitzer schwächten und unter Druck setzten möglich.

Und was das Verbot der Sklaverei in den Kolonien in den 1830er Jahren in Großbritannien angeht, wird man da vor allem auch die Folgen des Verbots des Sklavenhandels mit berücksichtigen müssen.
In dem Moment, in dem der Sklavenhandel (1807/1814-1815) verboten wurde und an seine Wiederherstellung nicht mehr zu denken waren, verschwanden Händler, Reeder, Werften und Kapitalgeber zumindest zu weiten Teilen aus der Fraktion derer, die sich noch für eine Aufrechterhaltung einsetzten.
Und der natürliche Verbündete der Plantagenbesitzer in der Karibik und in den Südstaaten, die britische Textilindustrie war zu diesem Zeitpunkt darin ihr zunehmendes ökonomisches Gewicht in politisches Kapital umzumünzen schlicht noch nicht so weit, dass sie das Ausscheiden dieser Gruppen aus der pro-Sklaverei-Fraktion hätte kompensieren können.

Dem stand schlicht die veraltete Verteilung von Parlamentssitzen und die überkommene Wahlkreiseinteilung im Wege, die die agrarischen Regionen auf Grund überkommener Rechte aus Mittelalter und FNZ stark begünstigte und die neuen industriellen Ballungsräume stark unterrepräsentierte.
Daran änderte sich ja erst mit dem "Reform Act" von 1832 etwas, der zmmindest einen Großteil der "Rotten Boroughs" liquidierte, das Gewicht von Städten, die beim Wachstum der Ballungsräume nicht mehr mithalten konnte, reduzierte und Städten wie Manchester, Sheffield, Wolverhampton, Leeds, Bolton, Birmingham und Blackburn überhaupt Vertretungen einräumte, wobei sie allerdings gemessen an der stark steigenden Einwohnerzahl weiterhin unterrepräsentiert waren.
Aber 1832 ging in Großbritannien der politische Kampf um die Abschaffung der Sklaverei in den Kolonien bereits dem Ende entgegen, die entsprechenden Gesetze kamen ja bereits 1833 und 1834.
Das heißt, die britischen Industriellen, die ein Interesse am Fortbestand hätten haben können und sei es nur um durch Abschaffung der Sklaverei in der britischen Karibik nicht die Debatte um die Sklaverei in den USA zu befeuern, überhaupt keine Zeit hatten, über ihre eigenen Wahlkreise gezielt eigene Leute ins Parlament zu bringen und eine Interessengruppe zu bilden, die mächtig genug hätte sein können, um die Abschaffung der Sklaverei auch in den Kolonien abzuwehren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Frederick Douglass wurde als Jugendlicher zu einem gewissen Mr. Covey geschickt, der seinen Geist durch Arbeit und Schläge brechen wollte. Bis zu dem Tag, als Douglass einmal zurückschlug. Das allein hätte ihm den Tod bringen können. Douglass kam damals davon, weil dieser Mr. Covey ein "Cracker" war. Covey lebte von seinem Ruf als "Niggerbrecher"
Ich erlaube mir die Quelle nachzureichen:
Ein wirklich lesenswertes Buch und danke für den Hinweis auf den Fred Douglas.
 
Ich erlaube mir die Quelle nachzureichen:
Ein wirklich lesenswertes Buch und danke für den Hinweis auf den Fred Douglas.

Fred Douglass hat insgesamt drei Autobiographien veröffentlicht: The Narrative of the Life of Frederick Douglass, My Bondage and my Freedom und schließlich The Life and Times of Frederick Douglass.

Als Douglass seine erste Biographie schrieb, da gab es noch die Sklaverei, da war der Abolitionismus noch eine winzige Minderheit, und da schien es, als ob sie für alle Ewigkeit zementiert sei.

Douglass wurde bei einer Abolitionisten-Versammlung gebeten, ein paar Worte zu sprechen, seine Rede erregte großes Aufsehen, und es wurde Zweifel an seiner Authentizität laut, und Douglass schrieb die erste Biographie, um diese Vorwürfe zu widerlegen.

Als Douglass die letzte seiner Biographien schrieb, da waren die Sklaverei und auch die Reconstruction schon Geschichte. Douglass war eine international anerkannte Persönlichkeit, ein berühmter Autor, Verleger und Botschafter der USA.

Ich halte diese seine letzte Biographie für die beste. Die Sklaverei war Geschichte, und Douglass hatte eine größere Distanz, und er urteilte differenzierter über seine Herrschaft, über Hugh und Thomas Auld und über seinen vermutlichen Vater Aaron Anthony. In seiner ersten Biographie betonte er die Grausamkeit von "Captain Anthony" und schrieb, dass Thomas Auld in seinem ganzen Leben nicht eine gute Tat vollbrachte. In The Life and Times of Fred Douglass verschwieg er nicht die zahllosen Grausamkeiten, die sein Vater beging, aber urteilte differenzierter. Seiner Meinung nach war Aaron Anthony ein zutiefst unglücklicher Mensch, der durch schrankenlose Macht über Menschen korrumpiert wurde und der sich anders entwickelt hätte, wäre er mit angemessener soziale Kontrolle in einem freien Staat aufgewachsen.
Thomas Auld rechnete er positiv an, dass er ihn nicht verkaufte.

Die Life and Times of Frederick Douglass sind aber auch ganz reizvoll zu lesen in Bezug auf John Browne.
Douglass war einer der Wenigen, der auch nach dem Harpers Ferry-Zwischenfall einige freundliche Worte für John Browne fand. Vermutlich wusste Douglass, das John Browne etwas Waghalsiges vorhatte, und er musste einige Jahre ins Ausland, nach GB gehen.
 
Zurück
Oben