Die amerikanische Südstaaten nach 1865

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von Gast, 10. Dezember 2010.

  1. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Wichtig auch die beiden Wirtschaftssysteme. Eine auf den eigenen Markt ausgerichtete Industrie die hohe Zolle gegen britische Waren erheben wollte und eine auf Export nach England ausgerichtete landwirtschaftliche Industrie im Süden.

    Das die Nordstaaten Protektionisten waren, wird von den USA ja gerne verschwiegen, weil heute ist man ja für den freien Handel.
     
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  2. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Ich nehm mal an, du liest nicht so viel fremdsprachige Literatur.

    Deswegen kurz: In der US-Geschichtswissenschaft hat der amerikanische Bürgerkrieg den selben Stellenwert wie die NS-Herrschaft in der deutschen.

    Da wird jeder Faktor von hinten nach vorn durchdiskutiert. Verschwiegen wird da gar nichts.
     
  3. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Nun gut die wirtschaftlichen Gründe für die Sezzession habe ich zuerst an der Uni gehört und nicht in den Dokus und durchaus auch englischsprachiger Literatur die ich dazu gelesen habe.

    Später dann auch von Ökonomen.
     
  4. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Wichtig ist, wie Zaphods Begriffe andeuten, dass der Bürgerkrieg eine jahrzehntelange Vorgeschichte hatte, die keineswegs nur von der Sklaverei-Frage bestimmt wurde. "Die [Sezessions-] Ideen, die 1860 wirksam wurden, waren um 1830 schon vorhanden", schreibt Hochgeschwender [1]; schon vor der Jahrhundertmitte sei klar gewesen, "daß die Union unmittelbar vor dem Zerfall stand". Eine 1850 von Henry Clay gefundene Kompromißformel verzögerte das, beschleunigte aber den Untergang des bisherigen Parteiensystems, aus dem heraus sich nunmehr extreme Positionen entwickelten.

    Der Bürgerkrieg war, auch das ist wichtig, kein 'Sklavenbefreiungskrieg'. Lincoln hatte 1860 sofort nach seiner Wahl deutlich gemacht, er hätte "nichts gegen die Existenz der Sklaverei im Süden einzuwenden". Er wollte freilich "einer weiteren Expansion der Sklaverei mit aller Schärfe entgegentreten", was aber möglicherweise kein fundamentaler Unterschied war, und in der Crittenden-Deklaration vom 25. Juli 1861 wurde ... ausdrücklich festgehalten, daß der Krieg ausschließlich zum Erhalt der Union ... geführt würde." [2]


    [1] Der amerikanische Bürgerkrieg, München 2011 (epub Par. 8.14, folgendes Zitat 8.24)
    [2] aaO. (Par. 8.30 bzw. 9.20)
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Dezember 2016
  5. FCBfreak85

    FCBfreak85 Neues Mitglied

    Manche Südstaaten waren nach dem Krieg sehr findig mit der Einführung von heimischen Gesetzen, die die Rechte der Schwarzen beschneiden sollten. "Black Code" genannt.

    In Mississippi durften Schwarze z.B. nur Land innerhalb von Städten besitzen, was es ihnen praktisch unmöglich machte, Landwirtschaft zu betreiben und damit Geld zu verdienen. Immer zu Jahresbeginn mussten sie außerdem einen schriftlichen Nachweis vorlegen, dass sie irgendwo angestellt waren. Verstöße dagegen wurden mit Gefängnis bestraft, außerdem musste der "Gefangene" 5 Dollar aus eigener Tasche an den Officer zahlen, der ihn verhaftet hat.

    Auch andere Bundesstaaten versuchten solche Maßnahmen. Die alten Plantagenbesitzer kamen zurück, mussten nur der Union die Treue vorheucheln und die weißen Richter sollten dafür sorgen, dass sie auch weiterhin genug schwarze Arbeiter hatten, die nicht weg durften.

    Natürlich blieben diese Black Codes im Norden nicht unbemerkt und mit dem Wahlrecht für die Schwarzen war es damit auch bald vorbei. Trotzdem versuchten sehr viele Weiße die Schwarzen im Süden mit Gewalt von der Wahl abzuhalten. Und das war dann 100 Jahre später noch immer so.

    Bewaffneter Widerstand in Form von Bushwackers / KKK usw. wurde ja bereits erwähnt
     
  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich würde sagen, dass der Norden den Bürgerkrieg gewonnen hat, der Süden aber die Reconstruction. Es galt, die Südstaaten wieder in die Union zu integrieren und die massiv geschädigte Wirtschaft wieder aufzurichten. Auch im Norden war Rassismus weit verbreitet, und nur wenige wünschten eine völlige Gleichstellung der Schwarzen. Nach dem Bürgerkrieg gab es in manchen Südstaaten sogar einige schwarze Abgeordnete. Margret Mitchell zeichnet in ihrem Südstaatenepos ein sehr düsteres Bild der Yankee- und "Negerherrschaft." in dem Buch sind Ashley Wilkes, Dr. Meade und Frank Kennedy, Scarletts 2. Mann Mitglieder des Ku Klux Klan, die ausziehen, um "Neger" zu misshandeln oder zu töten, die weiße Frauen belästigen. In der Verfilmung von 1939 ließ man das weg, da man nach John Griffith "Birth of a Nation" von 1916 keinen neuen Skandal und Verherrlichung des KKK haben wollte. Tatsächlich mussten die alten Eliten nur den Treueeid auf die Union leisten, um sich wieder politisch betätigen zu können. Der Norden war es leid, ständig Soldaten in den Süden zu schicken und überließ es dem Süden, nach dem Grundsatz seperate but equal eigene Black Codes zu erlassen, die Schwarzen politische Betätigung und das Wahlrecht verweigern konnten. Es hatte zwar der Süden gute private Colleges, aber auch eine sehr hohe Analphabetenrate. Es war jahrzehntelang verboten, Schwarzen lesen und schreiben beizubringen. In vielen Countys wurde aber auf diskriminierende Art und Weise von Schwarzen verlangt, besondere Kenntnisse nachzuweisen, um wählen zu können. Durch das System des Sharecroppings gerieten viele Schwarze in neue wirtschaftliche Abhängigkeit, und der KKK und militante Gruppen schüchterten mit brutaler Gewalt Schwarze ein. Das alles führte dazu, dass zwar die Sklaverei durch Zusatzartikel 13 beseitigt wurde, es aber fast 100 Jahre dauern sollte, bis die Jim Crow-Gesetze abgeschafft wurden.
     
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