Die Außen- und Sicherheitspolitik der UdSSR von 1927 bis 1938

Dieses Thema im Forum "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" wurde erstellt von thanepower, 18. August 2011.

  1. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Zunächst muß konstatiert werden, dass es erstaunlich ist, in welchem Umfang die UdSSR der dreißiger Jahre mit den Augen des Kalten Krieges analysiert wird. Ein Blickwinkel, der durch den Supermachtstatus der SU in der post-WW2-Periode, durch eine menschenverachtende Politik Stalin`s und durch einen teilweise hoch emotionalisierten anti-Kommunismus eher einem Zerrbild, denn einem Spiegelbild der damaligen Situation gleicht. Einer Periode, in der wichtige Weichen gestellt wurden und die SU und Europa bis in die neunziger Jahre stark geprägt haben.

    Vor diesem Hintergrund sollen zunächst ein paar Aspekte der sowjetischen Außenpolitik der späten zwanziger und frühen dreißiger Jahre beleuchtet werden. Dazu wird nicht nur der genuine außenpolitische Handlungsrahmen, sondern ergänzend ebenfalls die Innen-, die Militär- und die Industriepolitik betrachtet.

    Der Einstieg in das Thema ist am ehesten sinnvoll über die sowjetische Variante der „Krieg in Sicht“-Problematik, die die Politik in der Sowjetunion im Jahr 1927 stark beschäftigte. Eine Periode, in der relevante Richtungsentscheidungen getroffen wurden in Bezug auf die Ökonomie und das politische System.

    Für das Verständnis der sowjetischen Außenpolitik in der damaligen Periode sind eine Reihe von Randbedingen relevant. Das grundsätzliche Paradigma der sowjetischen Außenpolitik wurde durch die Arbeiten von Lenin und Bucharin im Rahmen der Imperialismus-Theorien gelegt [16 & 17]. Beide betonen die Ungleichzeitigkeit der Entwicklungen in kapitalistischen Ökonomien und den Zwang zur Konkurrenz auf internationaler Ebene als Quelle für Rivalität. Auch unter dem Einschluß kriegerischer Konflikte [vgl. auch 5, S. 45ff].

    Diese analytische Sichtweise, die das Verhältnis Stalins zu den westlichen Demokratien bis zu seinem Tod geprägt hat, eröffnete Stalin die subjektive Wahrnehmung einer Reihe grundsätzlicher Bedrohungen, aber auch Chancen für die sowjetische Außenpolitik. Ergänzt durch die Projektion bismarkscher Kategorien in Bezug auf die Sicherheitspolitik insbesondere auf Hitler (Vermeidung eines Mehrfrontenkriegs etc.).

    Unter ideologischer Persepktive wurde grundsätzlich das Potential als bedrohlich angesehen, dass von einem temporären Bündnis von kapitalistischen Staaten ausging, mit dem Ziel die Sowjetunion zu destabilisieren bzw. zu eleminieren. In diesem Sinne wurde die Zielsetzung des Vertrags von Locarno (1925) potentiell als gegen die Sowjetunion gerichtet interpretiert.

    Diese Sichtweise kann als die dominierende angesehen werden, zumal die prägenden Erfahrungen der sowjetischen Revolutionäre durch die Intervention der Westmächte in Russland in 1918/19 beeinflußt wurde und im Frühjahr 1927 eine Bestätigung erfuhr im Rahmen der diplomatischen Krise mit GB. [7,S. 3]. Ähnlich wurde der Young-Plan als Indiz gewertet, dass die WR sich verstärkt in den Westen integriert und die Isolation der SU dadurch verstärkt [7, S. 8]

    Der Japanische Angriff auf China in der Mandschurei 1931 führte nicht nur zu einer zweiten Front und somit zu einer Zersplitterung des militärischen Potentials der SU, sondern auch zur Wahrnehmung einer globalen Einkreisung. Dieses galt umso stärker als man im Kreml eine Koalition zwischen Polen und Japan befürchtete, die einen realen Zweifrontenkrieg bedeutet hätte. [7, S.9]. In diesem Zusammenhang fiel die USA als Gegengewicht zu Japan bis ca. 1933 weitgehend aus und ermöglichte Japan seine expansive Festlandspolitik.

    In diesem Sinne fühlte sich die politische Elite im Kreml durch die kapitalistischen Staaten im Allgemeinen und durch die aufstrebenden autoritären bzw. faschistischen Staaten isoliert und andererseits potentiell als Opfer einer Aggression.

    An diesem Punkt sind jedoch einschränkend zwei Aspekte zu nennen, die das Gesamtbild wieder zu recht rücken. Zum einen waren die externen Bedrohungen teilweise real, jedoch auch einer starken Instrumentalisierung in der Innenpolitik durch Trotzki und Stalin mit einer unterschiedllichen Akzentuierung unterworfen [13, S. 43ff] Und zum anderen unterstützte die Komintern an der Grenze zu Indien bzw. Afghanistan und in Indochina die teils nationalistischen, teils kommunistischen Befreiungsbewegungen und verschärfte an der Peripherie somit die Konflikte zu den Großmächten Großbritannien und Frankreich.

    Konflikte, die die SU in Europa seit 1923 zunehmend entschärft hatte und die politische und vor allem auch wirtschaftliche Annäherung an den Westen betrieb [20, S.198 & 7].

    Als Chance dagegen wurde dagegen die Verschärfung des Widerspruchs der rivalisierenden kapitalistischen Staaten interpretiert. In dieser Konstellation beschränkte sich die Rolle der Sowjetunion auf ein neutrales Verhalten bzw. der wohlwollenden Unterstützung des Unterlegenen, um aus dieser Situation für sich maximalen Vorteil heraus zu ziehen. Unter dieser Voraussetzung war die Kooperation mit kapitalistischen Staaten unter ideologischen Gesichtspunkten jederzeit denkbar und auch erwünscht. Der Vertrag von Rapallo (1922) orientierte sich an dieser beidseitigen Gewinnsituation und erfuhr in der UdSSR eine hohe Wertschätzung.

    Insgesamt war die politische Situation in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren noch stark definiert durch den Ausgang des WW1. Gekennzeichnet zum einen durch die starke militärische Position der Großmächte (GB, Frankreich und Italien), die den WW1 gewonnen hatten. Ergänzt durch einzelne militärisch starke Mittelmächte (z.B. Polen etc.) und die normative Regulierung des Status quos im Rahmen der Entscheidungsgewalt des Völkerbunds. Andererseits die Verlierer des WW1, die WR, ÖU und das bolschewistische Russland, die auf eine Revision des Status quos abzielten.

    Parallel zu dieser komplizierten außenpolitischen Situation überlagerten sich eine Reihe von innenpolitischen Ereignissen von gravierender Bedeutung.

    - Beschleunigte Ablösung des „Neuen Ökonomischen Programms“ (NEP)
    - Erster Fünfjahresplan (1929), der das Tempo der Industrialisierung in der SU deutlich beschleunigen sollte. [13, S. 108]
    - Anpassung der Rüstungsplanungen für die Teilstreikräfte an die allgemeine Wirtschaftsplanung (Planungen seit ca. 1926) [15, S. 29]
    - Kollektivierung im Bereich des Agrarsektor mit gleichzeitiger Enteignung und Verfolgung der „Kulaken“ [20, S. 113]
    - Richtungskampf zwischen Trotzki und Stalin über die weitere Entwicklung der Bolschewistischen Revolution und die Entwicklung in China. [18, S. 285 & 22, S. 283]

    Aus dieser Gesamtsituation heraus setzt sich Stalin 1927 gegenüber Trotzki durch und mit ihm wird das Konzept des "Kommunisms in einem Land" zur außenpolitischen Ausrichtung

    Ebenfalls mit der Konsequenz, dass die Priorisierung, welcher Gegner zuerst zu bekämpfen sei, auf den internen Gegner fiel.

    In dieser Periode greift Stalin, erstaunlichweise aufgrund seiner Rivalität zu Tukhachevkskii, die revolutionären militärischen Ideen von ihm auf und stellt einen Zusammenhang her zwischen einer anzustrebenden überlegenen sowjetischen Industrie und einer, allen anderen Feinden in ihrer Gesamtheit, überlegenen Roten Armee (RKKA).

    Sofern man den Beginn einer Militarisierung der sowjetischen Gesellschaft, und der innen- und außenpolitischen Beziehungen festlegen möchte, dann fällt er in diese Periode.

    Empfohlene Literatur SU 1927 bis 1938:
    [12] L. Besymenski: Stalin und Hitler, 2006
    [23] M.v. Boetticher: Industrialisierungspolitik und Verteidigungskonzeption der UdSSR 1926-1930, 1979
    [5] T. ten Brink: Staatenkonflikte, 2008

    [6] E.H. Carr: The Twenty Years` Crisis, 1919-1939, 1939
    [20] R.W. Davies, M.Harrison, S.G. Wheatcroft: The Economic Transformation of the Soviet Union, 1913-1945, 1994
    [22] J. Erickson: The Soviet High Command, 2006
    [7] J. Haslam: Soviet Foreign Policy, 1930-33, 1983
    [11] J. Haslam: The Soviet Union and the Struggle for Collective Security in Europe, 1933-39
    [1] G. Johnson: The International Context oft he Spanish Civil War, 2009
    [2] G.F. Kennan: Soviet Foreign Policy, 1917-1941, 1960
    [14] L. Leshuk: US Intelligence Perceptions of Soviet Power 1921-1946, 2003
    [16] W.I. Lenin: Die Entwicklung des Kapitalimsus in Russland, in: ders. Werke, Bd. 3, 1971
    [17] W.I. Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, in ders. Werke, Bd. 22, 1977
    [3] J. A. Maiolo: Cry Havoc, 2010
    [9] J.A. Maiolo: The Royal Navy and Nazi Germany, 1933-39
    [10] K. Neilson: Britain, Soviet Russia and the Collapse of the Versailles Order, 1919-1939, 2006
    [8] G. Post jr.: Dilemmas of Appeasement. 1993
    [4] H. Ragsdale: The Soviets, the Munich Crisis, and the Coming of the World War II, 2004
    [15] L. Samuelson: Plans for Stalin`s War Machine, 2000
    [19] S.W. Stoecker: Forging Stalin`s Army. 1998
    [13] D.R. Stone: Hammer & Rifle, 2000
    [18] D. Volkogonov: Trotsky, 1996
    [21] D. Volkogonov: Stalin, 1990
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. August 2011
  2. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Thane

    Ich denke, zwei von Dir genannten Aspekte sind bei der Analyse der Außenpolitik der SU im UZ von besonderer Bedeutung, da sie einen ideologischen Paradigmenwechsel darstellen bzw. einleiteten.

    Einmal die leninistische Imperialismustheorie in Beziug auf die Außenpolitik, die Betonung der Ungleichzeitigkeit/Ungleichmäßigkeit der ökonomischen Entwicklung der imperialistischen Staaten. Um Lenin zu bemühen, da schimmerte immer noch der "Revolutionsexport" durch, nämlich das "schwächste Kettenglied" in der Reihe der imperialistischen Staaten wäre reif für eine proletarische Revolution. Das war in den 1920'er Jahren ganz klar Deutschland.

    Mit der Stalinisierung der KPdSU (B) ab Ende der 1920'er Jahren und der Theorie "Der Entwicklung des Sozialismuses in einem Land" erfolgte m.E. eine Abkehr vom Internationalismus hin zu einer ganz normalen nationalen Machtpolitik. Manifest wurde diese Abkehr m.E. unter anderem in der sog. "Stalin-Verfassung", wissend, daß diese Verfassung nicht das "Papier wert war", aber immerhin bringt sie ein gewisses "Selbstverständnis" der Partei und des Staates zum Ausdruck. Spätestens ab den späten 1920'er Jahren, wird auch die KOMINTERN zu einem Instrument sowjetischer Außenpolitik und somit nationaler Machtpolitik.

    Meiner Meinung nach, war ab den frühen 1930'er Jahren die sowjetische Außenpolitik rein machtpolitisch orientiert, es gibt m.E. keine feststellbare und valide ideologischen Komponenten. Die KOMINTERN war instrumentalisiert. Die sowjetische Innen- und Wirtschaftpolitik hat auf außenpolitische Reaktionen keine Rücksicht genommen. Außenpolitisch war in den 1930'er Jahren die Sowjetunion ein konservativer Staat, der den status quo erhalten wollte. Gleichsam "aufgewacht" wurde die Sowjetunion aus ihrer außenpolitischen Starre durch ihre Involvierung in den spanischen Bürgerkrieg, in dem die militärische und wirtschaftliche Schwäche offenbar wurde.

    M.
     
    thanepower und Turgot gefällt das.
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ja, sie war primär machtpolitisch orientiert, wie die relative Konstanz der Politikformulierung bis zum Tode von Stalin es deutlich macht. [23,S. 9]

    Bei der Frage der Interpretation der Mechanismen der Weltpolitik war die Analyse des Prozesses aber dennoch ideologisch geprägt, auch bei Stalin.

    Das führte, so beschreibt Kissinger die Verhandlungssituation mit Kreml-Diplomaten dazu, das diese ihre westlichen Gesprächspartner mit wohlwollender Überheblichkeit behandelt hätten, da ihnen via Bezug zum historischen Materialismus eine überlegene Form der Erkenntnisgewinnung und in der letzten Konsequenz, trotz des "Rumgezappels" des Westens, auch den Sieg im Wettkiampf der Systeme nahezu sicher erschien.

    Bei der Analyse der Realpolitik orientierte sich Stalin eher an der Gedankenwelt eines Richelieus oder Bismarck und war in diesem Sinne frei von ideologischen Projektionen.

    Bei Haslam [11] finden sich Hinweise für die Periode um 1930, dass es keine Koordination der Außenpolitik der SU und der Aktionen der Komintern gab. Vor allem im bereits beschriebenen Bereich. Er beschreibt es eher als ein planloses Nebeneinander von Aktionen, die sich teilweise in ihren Wirkungen konterkarierten.

    Das ist eine ausgesprochen gewagte These, der ich widersprechen möchte. Ausgelöst durch die Krise in der Mandschurei, durch eine Bombenexplosion am 18.09.1931, verschärfte sich das Tempo der Aufrüstung [13, S. 184ff].
    Das Rüstungsbudget wurde auf das Niveau angehoben, dass Stalin kurz vorher kategorisch abgelehnt hatte und entschuldigte sich nachträglich bei Tukhachevkskii für sein Fehleinschätzung! Vermutlich ein singuläres Verhalten.

    Faktisch erfolgte ein Sprung im Rüstungsbudget durch diese außenpolitische Krise, die auf eine Verdoppelung des Budgets von geplanten 2,906.6 (millionen Rubel) auf 4.573.6 hinauslief [13, S. 191]

    In der Konsequenz legte die SU ein Panzerprogramm von n = 10.000 Panzer auf, das innerhalb eines Jahres realisiert werden sollte. Dieses Programm hatte im Bereich der Industrie weitreichende Umstellungen von ziviler auf militärische Produktion zu Folge [13, 15, 19].

    Und es erfolgte ein umfangreicher Aufmarsch in Fernost [22, S. 217ff].

    Militärisch hatte diese Entwicklung weitreichende Konsequenzen. Zum einen Entzog die Ausweitung der Rüstunsbudgets dem zivilen Sektor der Schwerindustrie wichtige Ressourcen, die für die Tiefenrüstung verloren gingen, zum anderen belastete der umfangreiche Park an "Panzermüll" aus dem Anfang der dreißiger Jahre die Ausstattung der Panzerverbände der RKKA Anfang der vierziger Jahre.

    Ja, absolut richtig und entsprach der Politik der kollektiven Sicherheit. Und trug nicht zuletzt der eigenen Schwäche Rechnung. Die SU war in den dreißiger Jahren zu einer militärischen Großmacht aufgestiegen, aber in der Summe der Rüstungspotentiale, die an ihrer Grenze versammelt werden konnten, unterlegen [3, S. 7ff]

    Diese Bedeutung hatte bereits der Konlikt in der Mandschurei gegen Japan. Aber es ist sicherlich richtig, dass es der UdSSR demonstrierte, aufgrund des Mangels an Basen und einer Kriegsflotte, wie gering der Aktionsradius für ihre militärischen Interventionen war.

    [22] J. Erickson: The Soviet High Command, 2006
    [11] J. Haslam: The Soviet Union and the Struggle for Collective Security in Europe, 1933-39
    [1] G. Johnson: The International Context oft he Spanish Civil War, 2009
    [3] J. A. Maiolo: Cry Havoc, 2010
    [15] L. Samuelson: Plans for Stalin`s War Machine, 2000
    [19] S.W. Stoecker: Forging Stalin`s Army. 1998
    [13] D.R. Stone: Hammer & Rifle, 2000
    [23] V. Zubok & C. Pleshakov: Inside the Kremlin`s Cold War, 1996
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. August 2011
  4. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Thane

    Danke für Deine Antwort, wahrscheinlich muß ich meine Antwort zeitbedingt aufteilen.

    "...Bei der Frage der Interpretation der Mechanismen der Weltpolitik war die Analyse des Prozesses aber dennoch ideologisch geprägt, auch bei Stalin. ..."

    Natürlich folgte die Analyse dem historischem Materialismus. Vollkommen d'accord. Aber sie war weit von einer revolutionären "Träumerei" in Bezug auf "Weltrevolution" entfernt. Und die Kategorie "permanente Revolution", da hätte man ziemlichen Ärger mit dem OGPU bzw.NKWD in den 1930'er Jahren bekommen.

    "...Bei der Analyse der Realpolitik orientierte sich Stalin eher an der Gedankenwelt eines Richelieus oder Bismarck und war in diesem Sinne frei von ideologischen Projektionen. ..."

    Richelieu wäre mir persönlich sehr weit hergeholt, aber Bismarck ganz bestimmt und ich würde ergänzen wollen, der russischen Außenpolitik seit dem Krimkrieg.

    "...Bei Haslam [11] finden sich Hinweise für die Periode um 1930, dass es keine Koordination der Außenpolitik der SU und der Aktionen der Komintern gab. Vor allem im bereits beschriebenen Bereich. Er beschreibt es eher als ein planloses Nebeneinander von Aktionen, die sich teilweise in ihren Wirkungen konterkarierten. ..."

    Da muß ich nachlesen, mir fallen aber spotan die "Sozialfaschismustheorie" und dann der abrupte Wechsel im Brüssler und Berner Programm ein => "Volksfronttheorie". O.k. sehr deutschzentriert. Verweise auf die französische Volksfront und den spanischen Bürgerkrieg sind auch theoretisch eher schwach.

    "...Das ist eine ausgesprochen gewagte These, der ich widersprechen möchte. Ausgelöst durch die Krise in der Mandschurei, durch eine Bombenexplosion am 18.09.1931, verschärfte sich das Tempo der Aufrüstung [13, S. 184ff]. Das Rüstungsbudget wurde auf das Niveau angehoben, dass Stalin kurz vorher kategorisch abgelehnt hatte und entschuldigte sich nachträglich bei Tukhachevkskii für sein Fehleinschätzung! Vermutlich ein singuläres Verhalten.

    Faktisch erfolgte ein Sprung im Rüstungsbudget durch diese außenpolitische Krise, die auf eine Verdoppelung des Budgets von geplanten 2,906.6 (millionen Rubel) auf 4.573.6 hinauslief [13, S. 191]

    In der Konsequenz legte die SU ein Panzerprogramm von n = 10.000 Panzer auf, das innerhalb eines Jahres realisiert werden sollte. Dieses Programm hatte im Bereich der Industrie weitreichende Umstellungen von ziviler auf militärische Produktion zu Folge..."


    Mit solchen Zahlenangaben (10.000 Panzer) wäre ich immer in dieser Zeit der sowjetischen Geschichte sehr skeptisch. Bedenke, die Sowjetunion befand sich wirtschaftspolitisch in den frühen 1930'er Jahren in einer krisenhaften Situation "Kollektivierung", "sozialistische Industriealisierung" etc.

    Der Beitrag geht weiter, nur nicht heute.


    M. :winke:









     
  5. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Was die "Involvierung in den spanischen Bürgerkrieg" aber als singuläres Ereignis voraussetzen würde.
    Was aber so nicht gesehen werden kann, die Sowjetunion hat sich zuvor in etliche "interne" Konflikte anderer Staaten eingemischt. Auf sehr ähnliche Art- und Weise wie in den spanischen Bürgerkrieg, (bis zu Sammlungen in der Sowjetunion für britische Arbeiter während eines Generalstreiks) nur mit deutlich geringerem Erfolg. Und wenig bis keinem Medienecho.

    das kann sein, wird aber doch eigentlich eher mit dem "Winterkrieg" verknüpft.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Melchior meinte vermutlich eher die massiven Umwälzungen, die als Lehren aus dem Spanischen Bürgerkrieg gezogen wurden: Entwicklungen bei der Panzerwaffe, Flugzeugen, Panzerabwehr, Operations-Doktrin.

    Abgesehen von einzelnen Erprobungen, war dann der Winterkrieg im Wesentlichen noch technologischer Stand des Spanischen Bürgerkrieges. Die neuen Typen kamen erst 1941/42 in Masse.
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Da der Konflikt im Jahr 1939 zwischen den Sowjets und Japan als Bestätigung der - implizit angewendeten Theorie von Tukhachewski - wichtig war, der Hinweis auf dieses Paper von Drea.

    In diesem Konflikt fand die ca. 10 jährige Eskalation zwischen beiden Staaten ihren vorläufigen Höhepunkt.

    http://usacac.army.mil/cac2/cgsc/ca...omonhanJapanese-SovietTacticalCombat_1939.pdf

    Interessanterweise wird kolportiert, dass innerhalb der Spitzengliederungen der RKKA die Bedeutung nicht systematisch ausgewertet wurde, so tendenziell Erickson.

    Im Gegensatz zur sehr differenzierten Analyse (durch Stalin und die beteiligten Kommandeure) der verheerenden Erfahrungen der Unzulänglichkeit der RKKA in Finnland. Im Falle des Konflikts mit den Japanern wurde die mobile Seite der Kriegsführung nicht angemessen wahrgenommen und im Fall der Finnland-Analyse, die statische Kriegsführung als relevant überbetont.

    Ideengeschichtlich ein Aspekt, der das Verhalten der RKKA ab 22.06.41 teilweise erklärt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. März 2012

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