Die Bedrohung der Adelsherschaft durch das Bahnwesen

Dieses Thema im Forum "Die Industrielle Revolution" wurde erstellt von Gast, 10. September 2009.

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  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo ich habe im Heft GeoEpoche mit dem Titel "die Industrialisierung " gelesen, dass es von seiten des Adels Angst vor der Einführung der bahn gegeben hat, da diese die Ständeordnung außer Kraft setze .

    Kann mir jemand etwas dazu berichten, gibt es Äußerungen adliger Vertreter des Adels bezgl. der Bahn als Gefährdung der Macht oder überhaupt eine Meinung?
     
  2. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Der Adel sah wohl in jeder Neuerung eine Bedrohung.
    Da bemühte man auch Wissenschaftler, die behaupteten, der Mensch sei nicht in der Lage eine Geschwindigkeit bis 50 kmh auszuhalten.

    Das ist jetzt kein Fachkommentar, sondern nur, was ich mal irgendwo gelesen habe.
    Bei den Computern hat auch mal einer gesagt, kein Mensch wird sich so was leisten können.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. September 2009
  3. Cephalotus

    Cephalotus Aktives Mitglied

    Für den Adel zumindest in Preußen, und Preußen war ja in Deutschland nicht ganz einflusslos, galt neben dem Militär- oder evtl. noch Staatsdienst eigentlich nur die Landwirtschaft (im Sinne von Gutsbesitz) als standesgemäße Art, seine Einknfte zu beziehen.

    Landwirtschaft war aber damals recht personalintensiv. Man könnte also vermutet haben, dass die Eisenbahn den Austausch zwischen Stadt und Lamdbevölkerung fördert und so manchen Knecht veranlassen könnte, sich in der nun leicht erreichbaren Stadt eine besser bezahlte Arbeit zu suchen. An sich war der Eisenbahnbau natürlich auch auf Arbeiter angewiesen und trat somit in Konkurrenz zu den Rittergutsbesitzern, wenn es um den "Kampf" um billige und fleißige Arbeitskräfte ging.

    Vielleicht hat es aber auch nur der Eitelkeit des einen oder anderen Adeligen geschadet, wenn Hinz und Kunz mit dem Zug schneller waren, als der Herr von und zu hoch zu Ross. :devil:

    Steht denn im Geo-Heft nichts genaueres?

    Viele Grüße,

    Bernd
     
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  4. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Wir sollten dabei - wie bei anderen historischen Themenkreisen auch - nicht zu sehr verallgemeinern.
    Dazu eine Gegenfrage als Hinweis: Von welchem Land bzw. welcher Region sprechen wir denn?

    Je nachdem, wohin wir dabei schauen, fällt die Antwort nämlich recht unterschiedlich aus - und zudem sind eben auch zeitliche Entwicklungen (wie so oft) zu beachten.
    Zwei Leseproben dazu:
    Adel und Brgertum in Deutschland I ... - Google Bcher
    Eisenbahnen und Eisenbahnunternehmer ... - Google Bcher

    Nicht von der Hand zu weisen ist aber unabhängig davon, daß der Adel bis dahin ein gewisses Reiseprivileg genoß, welches durch die Eisenbahn nunmehr aufgehoben wurde - auch wenn es unterschiedliche Klassen in den Bahnwagen etc. gab.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. September 2009
  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    So blauäugig kenne ich die Zeitschrift nicht. Du solltest das Heft noch einmal genauer lesen.

    GEO.de - Die Industrielle Revolution - Heftreihen › GEO EPOCHE
     
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  6. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    In dem Artikel "Entscheidungen der preußischen Landtagsmitglieder 1847" aus dem Institut für Deutsche Adelsforschung finden sich Argumente und Überlegungen, die die o.a. These stützen.

    Den m. E. zugrunde liegenden Gedankengang "Eisenbahnbau-ökonomischer Fortschritt-Entstehung von Zollvereinen/Stärkung des Liberalismus-Machtzuwachs des (Groß-)Bürgertums auf Kosten des Adels" kann man doch nachvollziehen.
     
  7. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    König Ernst August von Hannover soll die Verkehrspläne mit den Worten "Ich will nicht, dass jeder Schuster und jeder Schneider so schnell reisen kann wie ich" blockiert haben. Hannoversche Unternehmer hatten ihre Not, den König davon zu überzeugen, dass der Fortschritt dann an der Stadt vorbeiginge. Also erhielt Hannover 1843 seinen Durchgangsbahnhof. Heute steht das Denkmal des "verkehrsfeindlichen" Königs ausgerechnet vor dem Hauptbahnhof.:D
     
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  8. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Auch Ludwig I. hatte zunächst so seine Vorbehalte gegen die "englische Erfindung", allerdings waren die eher romantischer Natur:

    Nachdem er aber sein Projekt, den Bau des "Ludwigskanals" (Main-Donau-Kanal) vorantreiben wollte, sah er sich doch gezwungen in das Aktienvermögen der ersten bayerischen Eisenbahngesellschaft, der "Gesellschaft zur Errichtung einer Eisenbahn mit Dampffahrt zwischen Nürnberg und Fürth", zu investieren und kaufte sage und schreibe 2 (in Worten: zwei!!!) Aktien. Zudem ermächtigte er zusätzlich die Bahngesellschaft der Bahn seinen Namen zu geben ("Ludwigsbahn").

    Die vorbehalte des bayerischen Königs hielten allerdings nicht all zu lange an, so dass er später den Eisenbahnbau in Bayern ganz entschieden vorantrieb.

    Links dazu:
    br-online - hier habe ich auch das Zitat entliehen
    Loks der königlich bayerischen Staatseisenbahnen - für die Technikfreunde
    Die königlich bayerische Staatseisenbahn
     
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