die Genfer Konventionen

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von Linhi, 27. Februar 2012.

  1. Linhi

    Linhi Neues Mitglied

    Hi, ich muss eine Präsentation über das Thema Genfer Konventionen halten und brauche ganz dringend Hilfe. ich hoffe ihr könnt mir helfen :scheinheilig::scheinheilig:

    Meine Problenfrage lautet: haben die Genfer Konventionen ihre Funktion, als Schutz der Zivilbevölkerung und verwundeten Militärpersonen, erfüllt? und wie kann man dies mit dem Vietnamkrieg (Napalm und Agent Orange) belegen?

    Danke im voraus <3
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    In der Fragestellung steckt bereits eine These:

    Die Themenstellung erinnert nämlich an die Frage, ob § 211 StGB seine Funktion erfülle, vor Mord zu schützen. Das (Reduzierung auf eine Präventivwirkung rechtlicher, ggf. moralisch abstrahlender Normen, indem wegen Rechtsregeln bestimmte Handlungen unterbleiben) ist natürlich nicht der Fall.

    Genfer Konventionen und HLKO stehen allerdings im Kontext auch der öffentlichen Meinungsbildung. Dass diese zB im Fall des Vietnamkrieges Wirkungsmacht hatte, läßt sich in der einschlägigen Literatur nachlesen. Weitere Implikationen ergeben sich bzgl. Schadenersatzfragen, Diplomatie etc.

    Somit sollte man sich auch über die mittelbaren Wirkungen solcher völkerrechtlichen Bestimmungen Gedanken machen, und diese über die Bindungswirkung der Vorschriften hinaus fassen. Für die zuvor unmittelbar betroffene Zivilibevölkerung, die Verwundeten etc. kommt diese Betrachtung zu spät.

    Zum Napalm findest Du hier die Zusammenfassung (mit weiteren Quellen):
    Napalm ? Wikipedia
    Agent Orange:
    Agent Orange - Wikipedia, the free encyclopedia

    Die Frage nach der "Funktion" ist also kompliziert, und hat mehrere Facetten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Februar 2012
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  3. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Nun ,diese völkerrechtlichen Bestimmungen entfalten zwischenzeitlich seit Nürnberg auch direkte Wirkungen- Auf Grund Verstoßes gegen diese Vorschriften können internationale Haftbefehle ausgestellt ,Gelder beschlagnahmt und Anklagen vor internationalen Gerichtshöfen wie Den Haag erhoben und Verantwortliche verurteilt werden-
    Und das passiert ja zwischenzeitlich nicht gerade selten .

    Die Wirkung der Normen geht also durchaus über den moralischen Aspekt hinaus hin zu echten strafrechtlichen Sanktionen.
     
  4. michaell

    michaell Aktives Mitglied

    Für den Fall des Vietnamkriegs galt das aber wohl nur eingeschränkt, wie sich an der juristischen Aufarbeitung des Massakers von My Lai ablesen läßt. Für die Ermordung von mehr als 500 vietnamesischen Zivilisten durch US-Soldaten im März 1968 wurde keiner der Beteiligten ernsthaft belangt.
     
  5. Speaker

    Speaker Aktives Mitglied

    Warum haben wohl die USA bis heute nicht das Abkommen über Auslieferung bei Kriegsverbrechen unterschrieben ?
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Bevor die Frage nun in der Tagespolitk des Verhaltens von Staaten versumpft: es ging um die Wirkung der Normen.

    Zu My Lai ist wohl unbestritten:
    "Die Veröffentlichung markierte eine deutliche Wende in der öffentlichen Meinung zum Vietnamkrieg, sowohl in den USA wie auch in der ganzen westlichen Welt, und trug entscheidend zur Mobilisierung der Antikriegsbewegung bei."
    Massaker von My Lai ? Wikipedia

    Ebenso richtig ist, dass Strafverfolgungen unterdrückt wurden, oder in anderen Fällen realisiert wurden.
     
  7. Zechi

    Zechi Mitglied

    Hallo,

    deine Frage ist vom Ansatz her problematisch. Zum einen regeln die Genfer Konvention nicht die Art und Weise der Kriegsführung selber, sondern schützen schutzwürdige Personengruppen in bewaffneten Konflikten, z.B. Zivilisten, Kriegsgefangene, Verwundete sobald diese in den Herrschaftsbereich einer anderen Konfliktpartei als der eigenen geraten. Die Art und Weise der Kriegsführung, somit auch die Frage ob die Anwendung von Napalm und Agent Orange zulässig ist, wird von den Genfer Konventionen überhaupt nicht erfasst. Die Genfer Konventionen können vom Ansatz her somit überhaupt nicht die Zivilbevölkerung vor dem Ensatz solcher Waffen schützen. Die Art und Weise der Kriegsführung ist du

    rch andere völkerrechtliche Verträge geregelt, z.B. die Haager Landkriegsordnung oder das Protokoll über das Verbot der Verwendung von erstickenden, giftigen oder ähnlichen Gasen sowie von bakteriologischen Mitteln im Kriege (Genfer Protokoll).Zum anderen erstreckt sich der Anwendungsbereich der Genfer Konventionen größtenteils (mit Ausnahme von Art. 3) nur auf sogenannte "internationale bewaffnete Konflikte". Hierbei handelt es sich um bewaffnete Konflikte zwischen sogenannten Völkerrechtssubjekten (eigentlich sind damit nur Staaten gemeint).

    Nicht vom Anwendungsbereich erfasst sind dagegen sogenannte nicht-internationale bewaffnete Konflikte. Zwar existieren Zusatzprotokolle zu den Genfer Konventionen, welche den Anwendungsbereich auf bestimmete nicht internationale Konflikte erweitern, diese haben aber nicht allgemeine Gültigkeit erlangt, wie die vier Genfer Konventionen. Insbesondere die USA haben weder das erste noch das zweite Zusatzprotokoll unterschrieben.

    Wie du vermutlich weißt, ist der Vietnamkrieg ein vielseitiger Konflikt. Zum einen gab es einen militärischen Konflikt zwischen Nord- und Südvietnam (also zwei Staaten). Beide Seiten haben Unterstützung von anderen Staaten erhalten, insbesondere der Süden von den USA, so dass der Konflikt ein Mehrstaatenkonflikt ist. Im Verhältnis zwischen den beteiligten Staaten finden die Genfer Konventionen Anwendung, z.B. wenn die USA gg. Nordvietnamesische Truppen kämpfen. Gleichzeitig tobte in Südvietnam aber ein Guerillakrieg. Völkerrechtlich ist der Konflikt somit extrem kompliziert, da eine Vielzahl von Rechtsbeziehungen bestehen und die Anwendbarkeit der Genfer Konventionen ist somit vielfach äußerst problematisch. Hinzu kommt, dass die beteiligten Staaten sich teilweise nicht gegenseitig anerkannt und somit auch die Anwendung der Genfer Konventionen teilweise abgelehtn haben. Das müsste man im einzelnen Recherchieren.

    Um auf deine eigentliche Frage zurückzukommen. Du wirst anhand des Vietnamkriegs große Schwierigkeiten haben, die "Schutzfunktion" der Genfer Konventionen belegen zu können. Da solltest du dir einen geeigneteren Konflikt aussuchen, wobei das gar nicht so einfach ist, da nach dem zweiten Weltkrieg die meisten militärischen Konflikte nicht internationaler Art sind.

    Als Grundthese kann man daher vertreten, dass seit dem die zwischenstaatlichen Konflikte zurückgegangen sind, die Genfer Konventionen in einer Krise stecken (übrigens grob umfasst das Thema meiner Dissertation).

    Hoffe das war nicht zu kompliziert und gibt dir einen groben Überblick bzw. genügend Ansätze selber zu recherchieren.

    Gruß Zechi
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Februar 2012
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