Die Kirche als Bremser des wissenschaftlichen Fortschritts ab 1540

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Entdeckungen (15. - 18. Jhd.)" wurde erstellt von Jonghyun, 16. November 2010.

  1. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Danach hat niemand gefragt.

    Gefragt habe ich:

    Welchen Profit zogen die Astrologen des 16. Jahrhunderts von der Kalenderreform?

    Hätte ein im astrologischen Sinn "zuverlässiger" Kalender nicht das siderische Jahr berücksichtigen müssen? Der Gregorianische Kalender basiert auf dem tropischen Jahr.
     
  2. buschhons

    buschhons Aktives Mitglied

  3. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Hier hält er die Kugel in der Hand, während er die Gestirne erschafft:
    1-02-erschaffung der gestirne
     
  4. Eckert

    Eckert Neues Mitglied

    @ buschhons #103: Bei der Christianisierung der Heidenvölker war das Ziel der Kirche naturgemäß die Ausbreitung und Festigung des Christentums als des neuen Glaubens. Die neu gebauten Klöster brachten den Menschen der Umgebung auch praktische Vorteile, etwa neue Anbau-Methoden und neue anbaubare Pflanzen. Vermutlich waren für Erkrankte auch neue Heilmethoden verfügbar. Eine Pflege der Werke antiker "heidnischer" Philosophen konnte nicht Ziel sein. Das galt im Grunde auch 700 Jahre später um 1600 n.Chr. Deren Werke, obwohl faszinierend, sollten nur im Glauben gefestigten Bürgern zugänglich sein, siehe Umberto Eco, "Der Name der Rose". Eine stärkere Allgemeinbildung der Bevölkerung wurde wohl mehr von den weltlichen Landesherren umgesetzt (Gründung von Universitäten).
     
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  5. buschhons

    buschhons Aktives Mitglied

    Gut! Wozu noch mit der google-Bild-Suchfunktion arbeiten, wenn Sepiola direkt die passenden Bilder in Auswahl ausspuckt.:D
     
  6. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Auch wenn es langsam vom Kernthema wegführt: Diese Bedenken sind nicht unbegründet. Die antiken Götter Jupiter und Sol Invictus wurden auch mit der "Weltkugel" dargestellt. Die Imperatoren taten es ihnen nach. Orbis terrarum ? Wikipedia
    Man kann das als Ausdruck der Vorstellung von Kreis und Kugel als Allumfassendem, Vollkommenem sehen. Daran knüpften auch die Päpste mit ihrem Segen "urbi et orbi" an. Und schließlich (damit kriege ich jetzt doch noch einigermaßen die Kurve zum Hauptthema) hatte Kepler seine Schwierigkeiten mit dieser Vorstellung bei der Formulierung der nach ihm benannten Bewegungsgesetze.

    Weil es manchem doch eher fremd sein mag:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Urbi_et_Orbi
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Dezember 2013
  7. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Auch wenn es Dir nicht schmeckt:

    Das war das Ziel.

    Die mittelalterlichen Kleriker haben die Werke antiker Philosophen nicht vervielfältigt, um sie in Giftschränken einzuschließen. Sie haben sich positiv damit auseinandergesetzt, sie kommentiert und an ihre Erkenntnisse angeknüpft.


    Mittelalterlexikon der populären Irrtümer - Erdscheibe oder -kugel

    An den Universitäten studierte nur eine kleine Elite, für die Allgemeinbildung der Bevölkerung war noch lange der Klerus zuständig.



    Übrigens gingen die frühen Universitäten z. T. aus Domschulen hervor und wurden oft von Klerikern gegründet bzw. mitgegründet.

    Domschule ? Wikipedia

    Sorry für die populärwissenschaftlichen Links.

    Buchempfehlung mit wissenschaftlichem Anspruch:

    Rudolf Simek
    Erde und Kosmos im Mittelalter
    Das Weltbild vor Kolumbus
    München 1992


    Das ist ein Roman.

    "Der geneigte Leser möge bedenken: Was er vor sich hat, ist die deutsche Übersetzung meiner italienischen Fassung einer obskuren neugotisch-französischen Version einer im 17. Jahrhundert gedruckten Ausgabe eines im 14. Jahrhundert von einem deutschen Mönch auf Lateinisch verfassten Textes." (Umberto Eco)
     
  8. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

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  9. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Nachtrag:

    Literaturempfehlung mit wissenschaftlichem Anspruch:

    Jürgen Hamel
    Die Vorstellung von der Kugelgestalt der Erde im europäischen Mittelalter bis zum Ende des 13. Jahrhunderts - dargestellt nach den Quellen
    Münster 1996

    Und noch ein Link:

    bibliotheca Augustana
    JSTOR: An Error Occurred Setting Your User Cookie
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Und die Mainauer Mönche standen damit nicht alleine: Gautier von Metz verglich 1246 die Erde mit einem Apfel, die vom Menschen umrundet werden könne, wie die Fliege einmal um den Apfel laufen kann.

    Lui sembleroient toutes de voir | Enuers la terre moins paroir | Que ne feroit ung cheueu dôme | Sur son doy /ou sur une pôme | Et nempeschent quelle ne soit | Toute ronde en chascun endroit | la terre donc côuient ronde estre | Pour plus de bien y pouier nastre | si vous diray apres purquoy | Le monde estfait tout ront en soy.
     

    Anhänge:

  11. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Natürlich nicht. Jürgen Hamel zitiert über 60 mittelalterliche Autoren.
    Die meisten natürlich auf Latein, aber ab dem 13. Jh. häufen sich volkssprachliche Quellen. Gautiers "Image du monde" wird von Hamel als "enzyklopädische Darstellung des Wissens für eine unterhaltsame Laienbildung" bezeichnet.


    Apropos "Mainauer Mönche": Wo die sogenannte "Mainauer Weltchronik" entstanden ist, scheint unklar. Wahrscheinlich nicht auf der Mainau. Dort befand sich auch kein Kloster, sondern eine Deutschordenskommende.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Januar 2014
  12. Luziv

    Luziv Neues Mitglied

    Ich will die Diskussion nicht wieder anreizen, aber eines der Probleme bezüglich des wissenschaftlichen Fortschritts bestand doch gerade darin, sich in der Zeit ab ca. 1450 von den antiken Erkenntnissen, auf die sich auch die Scholastik wesentlich bezog, zu lösen. Eigentlich war der Fortschritt im naturwissenschaftlichen Bereich keine "Renaissance", keine Abwendung von einer angeblich dummen vorurteilsbelasteten christlichen Vorstellung zu rein rationalem antiken Denken: die christlich geprägte Wissenschaft war im Grunde genommen mindestens meist auf der Höhe der Antike, teilweise weiter. Entscheidend war, daß man sich in der neuen Linie der Wissenschaft der frühen Neuzeit, die vielleicht Francis Bacon am treffendsten auf den Punkt gebracht hat, gerade von vielen lächerlichen antiken Annahmen distanzierte, wie z.B. der Kreisbahn als idealer Form für Himmelsbewegungen oder der Säftelehre in der Medizin, und das man dem praktischen Experiment zur Theorienprüfung besonderen Raum verschaffte.
     
  13. Eckert

    Eckert Neues Mitglied

    Zum Teilthema "bis ans Ende der Welt": Im Neuen Testament wird "...bis an der Welt Ende" (Matth.28,20) rein zeitlich gebraucht, also "bis ans Ende aller Tage". Wilhelm Tell sagt dagegen in Schillers "W.Tell" 4,3: "Denn jede Straße führt ans End´der Welt". Im Jugendlied heißt es dazu später "Wir kamen bis ans End der Welt, an einen Bretterzaun...". So liegt am Ende des Jakobsweges an der Westküste Spaniens das Kap Finisterre, Ziel vieler Pilgerfahrten. Von den Nichtteilnehmern wurde dort wohl öfter ein Ende der Welt vermutet, bis zu den Entdeckungsfahrten. Dabei heißt "Finis terrae" übersetzt bloß Ende des Festlandes.
     
  14. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das ist zwar naheliegend anzunehmen, war aber wohl nicht der Fall.
    Index Librorum Prohibitorum - Wikipedia, the free encyclopedia

    Grüße hatl

    Nachtrag: https://archive.org/stream/indexlibrorumpro00turiuoft#page/104/mode/2up
    .. https://archive.org/stream/indexlibrorumpro00turiuoft#page/n6/mode/1up
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Januar 2014
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