Die Römer in Mittelhessen ¹

Pardela_cenicienta

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Heute war ein Vortrag von Frau Dr. Christa Meiborg im Bürgerhaus von Reimershausen, vor dem Geschichts- und Heimatverein Lohra: „Zwei neu entdeckte römische Marschlager im Umfeld von Reimershausen“.

Das idyllisch gelegene Dorf im Salzbödetal hat 137 Einwohner, ca. 120 Zuschauer waren dort.

Römisches Marschlager Reimershausen Nord:
8,6 ha, überwiegend Spielkartenformat, aber mit der drususzeitlichen Variante einer erweiterten südwestlichen Ecke. Der Lagergraben wurde z.T. mit der Dolabra in den anstehenden Fels des Gipfelplateaus geschlagen, noch bis 74 cm tief und 180 cm breit. Bekannt seit 2017, Ausgrabungen 2023 mit 5 Profilschnitten, geomagnetische Prospektion. Am nördlichen Rand des Lagers fand sich eine perfekt erhaltene Dolabra.

Römisches Marschlager Reimershausen Süd: mindestens 10 ha Größe. Südliche und südöstliche Ausdehnung wegen Erosion durch mittelalterlichen und neuzeitlichen Ackerbau nicht bestimmbar.

Beide Lager nicht zur selben Zeit entstanden. Im von beiden Lagern überlappend genutzten Bereich des Gipelplateus fanden sich 10 römische Münzen, überwiegend Nemausos-Asse, aber auch eine Münze aus der Zeit Trajans (möglicherweise spätere einheimische Grabbeigabe), 4 keltische / gallische Münzen aus Bronze.
Sonst: ein perfekt erhaltener römischer Zelthäring, mehrere Katapultbolzen, eine Lanzentülle. 129 Sandalennägel.

Beide Lager liegen auf dem Kapp, einer überwiegend bewaldeten Bergkuppe direkt nördlich des Ortes, nach Südosten mit einer steil abfallenden Flanke zum Salzbödetal, und mit guter Wasserversorgung. Fernblick zum nahen Dünsberg, Biebertal, Aartal, nach Nordosten zum dominanten Rimberg bei Caldern, aber auch zu den Kuppen der Lahnberge.

Lager Niederweimar:
In der Kiesgrube in Richtung Wenkbach. Anschluss an die Lahn, vermutlich Versorgungslager. Tiefe Gräben, aber keine wegweisenden römischen Metall- oder Keramikfunde. Dafür Kies ² und Sand.

Römisches Marschlager Brücker Wald: ca. 5 ha Größe, Wallanlage unter Einbeziehung bronzezeitlicher Grabhügel. Im Norden ein weiteres drususzeitliches Clavicula-Tor. Haupttor zur Amöneburg ausgerichtet, wieder vergrößerte südwestliche Ecke, sonst Spielkartenform. Die Lage ist strategisch günstig nahe zum Ohmübergang. Mich ärgert dass ich zwar begeistert vor fast 30 Jahren die großflächigen bronzezeitlichen Grabhügel der Westseite des Lagers gesehen habe, als ich dort Vögel in der dortigen Sumpflandschaft ² beobachtete, aber keine Spuren römischer Lager erkannte.

¹ Das ist ja völlig abgehobene esoterische Rosinenpickerei, um so verwerflicher hierfür so einen hochtrabenden Titel zusammenzubasteln. Da ich aber 64 km mittelhessische Straßen bei Gewitter hinter mir habe, habe ich mir das erlaubt.

² deshalb geomagnetische Prospektion weniger ergiebig

Nachtrag: Anwesend war auch der pensionierte Archäologe Klaus Sippel, der daran erinnerte, dass die beiden Lager in Reimershausen durchaus den in den Annalen des Tacitus erwähnten Lager(n) des Castellum in monte Tauno entsprechen könnten, da die uns geläufige Benennung des heutigen Taunus genau so neuzeitlich ist wie die des Teutoburger Waldes.
 
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Hallo Pardela_cenicienta,

vielen Dank für die Zusammenfassung des Votrags. Leider konnte ich aus berufichen Gründen nicht dabei sein.

Bis auf das erst als Gerücht aufgekommene Lager Niederweimar war mir vorher von den neuen Lagern nichts davon bekannt, obwohl ich die römischen Funde in Mittelhessen eine ganze Zeit lang verfolgt habe. In Niederweimar wurden seit den 1990er Jahren beim dortigen Kieswerk über 54 Hektar Fläche untersucht und neben römischer Gebrauchskeramik auch germanische Funde gefunden.

Das gefundene Marschlager im Brücker Wald bei Amöneburg kam für mich an sich nicht überraschend, der genaue Fundort in der Nähe der Brücker Mühle hingegen schon. Das Museum Amöneburg stellt einige römische Funde aus, die in der Nähe gefunden wurden. Ich hatte im Ebsdorfergrund eine andere Stelle als potentielles Lager vermutet, an der im Mittelalter eine weithin sichtbare Turmstelle enstand.

Die beiden Marschlager in Reimershausen sind hingegen für mich komplett überraschend und unerwartet, damit habe ich nicht gerechnet. Interessant finde ich, daß diese Lager damit ein Fund aus dem 15km (ca. 4 Wegstunden) entfernten Mittenaar-Offenbach in ein anderes Licht setzt, bei dem eine Wangenklappe eines Paradehelms aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. gefunden wurde. (Sigrun Martins, "Die Restaurierung einer römischen
Wangenklappe mit Inschrift aus Mittenaar-Offenbach, Lahn-Dill-Kreis", Zeitschrift Denkmalpflege und Kulturgeschichte, 1/1997). Weitere römiche Funde, gibt es dann weiter westlich im Raum Herborn.
Im Zeitungsartikel der OP-Marburg wird für das erste Lager eine Fläche von 8,6 ha, da zweite mit einer Länge von 585m und Breite von 530m (=also 31h, was ich ziemlich groß finde) angegeben.

Reimershausen ist insoweit interessant, da es am Ende des Salzbödetales liegt, am Talanfang mündet die Salzböde in die Lahn. Gleichzeitig liegt dort ein relativ hoher Berg, die Altenburg, mit markanten, aber anscheinend nicht von der Archäologie erforschten Geländespuren. Von dort aus kann man u.a. das Lahntal in Richtung Gießen als auch in Richtung Marburg überblicken.

Ist dir bekannt, ob es zu diesen Funden noch eine schriftliche Veröffentlichung geben wird?

Viele Grüße,
Thomas
 
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Ja, Frau Meiborg und das Team von HessenAchäologie werden eine erste Übersichtsarbeit publizieren.

Das was bei der Feldbegehung am Nachmittag und bei dem gut besuchten Vortrag von Frau Meiborg am Abend erläutert wurde, waren die besonderen Fundumstände: Ehrenamtliche Mitarbeiter (z.B. Kai Borg, Herr Franz) und beauftragte Sondengänger hatten in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege seit 2017 neben neolithischen und bronzezeitlichen Funden etliche römische Funde auf den umliegenden Äckern gemacht. Gerade dort besteht auch eine Bodenerosion und Fundgefährdung durch die frühere und heutige Landwirtschaft.

Die jahrelange Plünderung der Funde des Dünsbergs durch ganze Gruppen von Raubgräbern und das Verhökern auf dem Kunstmarkt war ein warnendes Beispiel und guter Grund für die Diskretion.

Letztlich ist es eine ganze und vor allem sehr komplexe Fundregion:
  • keltisches Bergbaurevier für Eisen, Kupfer und auch Silber
  • Verhüttung in Wetzlar-Dalheim, auch nach 16 n. Chr.
  • Transportweg über die Lahn.
  • Nähe zum späteren Wetteraulimes mit dem schon beginnenden Infrastrukturausbau in Rödgen und Dorlar, jetzt vermutlich auch in Niederweimar
  • Ein etwas aufwendigerer Ausbau in Reinershausen Nord.
  • Ein kleines Lager im Brücker Wald unmittelbar östlich der Amöneburg: zur Kontrolle des Ohmübergangs, zur Belagerung der Amöneburg (für die es keinen Anhalt gibt) oder als Infrastruktur i.S. einer Relaisstation?
  • Was ist mit der örtlichen Bevölkerung?
  • Fruchtbare Region, Lössboden.
  • Und wie passt das z.B. zu der rasenden Fahrt des Tiberius zum Lager des sterbenden Drusus? Und der raschen Nachrichtenübermittlung?
  • Was ist mit der Ausrichtung nach Hedemünden? Zwar ist nordöstlich von Marburg mit der niederhessischen Senke der niedrigste Übergang von Süd- nach Norddeutschland (nicht zuletzt auch Vogelzugroute), aber die Versorgungswege über die Lippe sind doch viel wirtschaftlicher.
 
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Es gibt einen m.E. sehr wichtigen Aspekt:

Sowohl im
  • Römerlager Reimershausen (2 Lager von 8,6 ha und > 10,3 ha) als auch im
  • Römerlager Brücker Wald (kleines Lager mit ca. 5 ha) sind Clavicula-Tore nachgewiesen.

Das wirft neue Fragen auf:
  • Versorgungslager Rödgen: kein Clavicula-Tor.
  • Versorgungslager Dorlar: kein Clavicula-Tor.
  • Versorgungslager (und evtl. Aufmarschlager) Hedemünden: keine Clavicula-Tore.
  • Lager Niederweimar: Bislang nur Nordseite ausgegraben (schwierige Prospektion im alluvialen Bereich, und keine sicher römischen Funde!), kein Clavicula-Tor, das Lager bei fraglicher Funktion und Flussnähe vielleicht Versorgungslager.
  • Lager Kneblinghausen I (jünger als Kneblinghausen II, definitiv kein Marschlager): 4 Clavicula-Tore.
  • Lager Oberaden (siebeneckiger Grundriss, 56 ha, sicher drususzeitlich, 11 v. Chr. bis 8 v. Chr.): keine Clavicula-Tore.
  • Winterlager Anreppen: (4-5 n. Chr. erbaut, bis 6 n. Chr. genutzt): kein Clavicula-Tor, aber massiver Torausbau.
  • Marschlager Holsterhausen: 5-7 Lager, davon 4-5 drususzeitlich, keine Clavicula-Tore.
  • Marschlager Bielefeld-Sennestadt (23 ha, vermutlich 3-Legionen-Lager, Zeitstellung 1 n. Chr. bis 16 n. Chr. vermutet): 2 Clavicula-Tore im Nordwesten und Nordosten.
  • Marschlager Wilkenburg (30 ha oder < 40 ha, einphasig genutzt, für bis zu 20.000 Soldaten, vermutete Zeitstellung 1 n. Chr. bis 5 n. Chr.): keine Clavicula-Tore.
  • Marschlager Barkhausen: nur unvollständige Prospektion möglich, keine Clavicula-Tore nachweisbar.
  • Haltern: Nur im Ostlager Haltern, In der Borg (1997 entdeckt, unregelmäßiger Grundriss, 20,13 ha) im Nordwesten ein einziges Clavicula-Tor. Im ältesten Marschlager von Haltern (2021 entdeckt, 24 ha, Platz für 20.000 Soldaten, drususzeitlich, vermutete Zeitstellung 12-11 v. Chr.): keine Clavicula-Tore.

Ein weiterer Aspekt sind die vielleicht als neuer Typus zu betrachtenden stumpfwinkeligen südlichen Lagerecken. Sofern ich es nicht falsch verstanden habe.

Der dritte Punkt der mir wichtig erscheint ist, dass sowohl von der Versorgungssituation (über die Lahn) wie auch von den Aufmarschwegen diese Lager in Mittelhessen den Legionslagern der Germania superior zuzuordnen sind, also Mainz.
 
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Es gibt einen m.E. sehr wichtigen Aspekt:

Sowohl im
  • Römerlager Reimershausen (2 Lager von 8,6 ha und > 10,3 ha) als auch im
  • Römerlager Brücker Wald (kleines Lager mit ca. 5 ha) sind Clavicula-Tore nachgewiesen.
Verstehe ich das richtig: das jüngere von von zwei zeitlich versetzten Lagern in Reimershausen verfügte über Clavicula-Tore, während das ältere als drususzeitlich eingeordnet wird?
 
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Genau das kann ich Dir für Reimershausen nicht beantworten, da ich mir meine Notizen anschaute und das Bild am Projektor verpasste!

Das obige Foto ist vom Lager im Brücker Wald. Sehr schön die abgeschnittene Ecke, die Einbeziehung des bronzezeitlichen Tumulus.

Und genau die Beantwortung Deiner Frage wird essentiell sein für die Beurteilung aller augusteischen Lager (steile These, nicht wahr?).

In Reimershausen sind es 2 Lager, die sich etwas überlappen, das nördliche Lager ist das kleinere (8,6 ha), das vermutlich ältere und das besser erhaltene.
Und die Münzfunde sind im überlappenden Bereich der beiden Lager, damit in der Zuordnung und der Beurteilung erschwert.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Römer hier eine kooperationsbereite Bevölkerung in einem dichter besiedelten Raum hatten.

So oder so ist es aber eine Landschaft, in der sich schon seit der Bronzezeit bedeutende Verkehrswege bündelten und kreuzten.
 
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Genau das kann ich Dir für Reimershausen nicht beantworten, da ich mir meine Notizen anschaute und das Bild am Projektor verpasste!

Schwund ist überall. Aber ganz vielen Dank für Deinen Bericht.

Und genau die Beantwortung Deiner Frage wird essentiell sein für die Beurteilung aller augusteischen Lager (steile These, nicht wahr?).

Wobei da stratigrafisch noch Luft nach oben ist. Aber solange kein (tiberisches) Germanicus-Lager als solches identifiziert ist, fehlen hier natürlich die Vergleichswerte.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Römer hier eine kooperationsbereite Bevölkerung in einem dichter besiedelten Raum hatten.

So oder so ist es aber eine Landschaft, in der sich schon seit der Bronzezeit bedeutende Verkehrswege bündelten und kreuzten.

Schon Caesar berichtete von Kelten an der Lahn bzw. in der Wetterau, die kulturell zugänglicher gewesen seien. Die Schlussphase des Oppidums auf dem Dünsberg muss jetzt im Lichte der in Sichtweite gelegenen Lager in Reimershausen wohl noch einmal neu betrachtet werden.
 
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@Pardela_cenicienta : Du schreibst, dass 129 Sandalennägel gefunden wurden. Wurden die typologisch eingeordnet? Ich habe dich so gelesen, dass beide Lager als drususzeitlich eingeordnet wurden. Ist das aufgrund der Bauweise der Lager möglich?
 
Die Sandalennägel wurden meines Wissens noch nicht typologisch und schon gar nicht metallurgisch klassifiziert.

Die beiden Lager in Reimershausen wurden nicht gleichzeitig erbaut.

  • Das nördliche, kleinere und ältere (Reimershausen Nord) wurde in den Fels vertieft gebaut, es könnte etwas länger genutzt worden sein. Frau Meiborg sprach auch auf die etwas höhere Funddichte z.B. der Münzen an.
  • Das größere und südliche Lager (Reimershausen Süd) kann ganz andere Aufgaben erfüllt haben, es würde auch zu den Strafexpeditionen gegen die Chatten oder v.a. gegen die Marser passen.
  • Das Lager in Niederweimar kann nur im Rahmen des Kiesabbaus und nur durch Grabungsschnitte entschlüsselt werden, das wird dauern.
  • Besonders interessant finde ich das kleine (5 ha) Lager im Brücker Wald:
    • Diente es einer Eroberung der Amöneburg (verteilte und umschließende Lager gab es in solchen Fällen öfter), was ich aber nicht glaube ?
    • War es eine Relaisstation oder ein Baulager am Ohmübergang?
    • Das Lager einer Reiterkohorte?
Es ist wichtig dass ich hier nicht Faktoide generiere!

Natürlich wäre es mir am liebsten, man würde diese Lager im Rahmen einer Erschließung des Wirtschaftsraums sehen dürfen.
  • Der Rachefeldzug des Germanicus hätte hier natürlich ein sehr gutes Sprungbrett gehabt. Aber dafür den Aufwand?
  • Dennoch, die Lahn ist nicht die Lippe.
  • Der spätere Wetteraulimes war doch ein logistisch und wirtschaftlich viel günstigeres Konzept, mit kurzen Verkehrswegen und auch viel kürzeren Strecken auf den Wasserwegen.
  • Ja, das wohlgesonnene Mittelhessen war grundsätzlich ein gutes Aufmarschgebiet in offener Landschaft.
  • Aber es ist doch viel einfacherer und wirtschaftlicher, die Lippe zu nutzen:
  • Von Anreppen oder Paderborn ist es nur ein Katzensprung zur Weser, und damit nach ganz Norddeutschland.
Also, bessere Antworten werden erst die genauen Fundberichte geben.
 
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Der Ebsdorfer Grund ist eine landwirtschaftlich sehr ergiebige Landschaft und seit 7000 Jahren oder mehr besiedelt.
Die Amöneburg ist dazu ein ideales urbanes Zentrum und eine Art Fliehburg.

Das ist selbstverständlich den Römern nicht entgangen. Daher finde ich es bemerkenswert, dass sie mit dem Limes bei Lich 20 km Abstand hielten.
Das kann eigentlich nur mit befreundeter/verbündeter Bevölkerung rund um die Amöneburg erklärt werden.
 
Auch wenn der Forist hier offenbar nicht wohlgelitten ist, ein Link zu einem interessanten Aspekt betreffs Reimershausen:

 
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Ich kann auf den Link nicht zugreifen ahne aber anhand der Überschrift, von wem der Text stammt. Er hat damals angefangen zu behaupten, dass ein bestimmtes, inzwischen nicht mehr aktives MItglied ein Nazi sei, weil im WWW jemand denselben Benutzernamen verwendete. Das betreffende Mitglied war aber sicher nicht mit dem namengleichen Menschen aus einem Spielforum identisch. Das haben wir ihm mehrfach mitgeteilt, er war der Meinung es besser zu wissen, er ist also nicht wegen seiner Thesen gesperrt worden, sondern weil er ein anderes Mitglied andauernd als Nazi diffamierte und davon auch trotz guten Zuredens nicht abzubringen war.* Dass er mit seiner starren These nervte, steht auf einem anderen Blatt. Das hat immerhin zu interessanten Diskussionen über diverse Orte geführt.

*das wäre ja an und für sich nicht tragisch gewesen, wenn er es einfach nicht geglaubt hätte, aber wenn man es á la Cato macht "ceterum censeo...." dann kann die Moderation eines Forums das schon wegen des Schutzes des diffamierten Mitglieds nicht zulassen.
 
Wir hatten keine bleibenden Zerwürfnisse und sprechen durchaus noch von dem Mitglied, sogar letzte Woche...

Dennoch ist auch am Beispiel Reimershausen die Plausibilität der Argumentation nicht gestiegen, auch wenn unser Spott nur mild ist.

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Zur mittleren Lahn und deren wirtschaftlicher Erschließung ein Tagungsbericht von 2024:
 
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Nun darf ich Limburg nicht zu Mittelhessen rechnen, sonst zwingt mich @Lukullus in der Badewanne ¹ des Tiberius lahnaufwärts ² bis nach Bad Laasphe zu paddeln.

Aber:
Bei Limburg-Eschhofen wurden (ab 2010) zwei spätrepublikanische Marschlager (10 und 7 ha) gefunden und ausgegraben, sie stehen sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit Cäsars Rheinübergängen 55 v.Chr. und 53 v.Chr (die stratigrafischen Verhältnisse schließen eine gleichzeitige Nutzung aus, zwischen den Nutzungen liegt eine nicht sehr lange, aber ausgeprägte zeitliche Unterbrechung). Von beiden Lagern wurden die Gräben verfüllt (bei Lager I zur Hälfte). Interessanterweise fand sich am inneren Böschungsabhang einheimische Keramik und Amphorenfragmente (Dressel I B), es sah wohl so aus, als hätten die Legionäre die Verpackungen gekaufter Speisen in den Graben entsorgt. Die Keramik fand sich auf der Grabeninnsenseite und in den untersten Verfüllschichten (Parallele zum spätrepublikanischen Lager in Hermeskeil). Oder die Keramikreste wurden zur Scherbenpflasterung der Wallkrone verwendet, und sind z.B. bei Starkregenereignissen abgerutscht. Ebenfalls fanden sich im Graben des Lagers I 71 kg Mühlsteinfragmente, stark verwittert, überwiegend von Mayener Provienz. Auch lagen dort Baumaterialien aus einer benachbarten Siedlung, und zugerichtete runde faust-bis handtellergroße Steine (z.B. aus Lahnschotter), Gesamtgewicht 1500 kg. Wurfgeschosse? Oder wurden sie im Wall verbaut, damit Angreifer auf der Pflasterung ausgleiten? Die Steine lagen in der Grabenspitze unter der Verfüllung. Bei Lager II wurden ebenfalls 1000 kg Steine gefunden, die Abrisstechnik war jedoch anders, sie lagen unregelmäßiger verteilt, die Steine waren verschieden groß, sie wurden wahrscheinlich auch im Wall verbaut, Funktion und Lage im Wall sind unklar. Im Graben des Lagers I fanden sich mutmaßlich auch Spuren von römischen Kochstellen, d.h. ein passendes Kulturpflanzenspektrum (Reste von Gerste, Hirse, Dinkel, den Hülsenfrüchten Linsen und Erbsen, Emmer, Einkorn, Nacktweizen, Leindotter). Passend zu der wahrscheinlichen Nutzungszeiten fanden sich im Graben des Lagers I als Sammelfrucht Schlehen (Herbst), beim Lager II Holunder und Himbeeren (Frühsommer).
Benutzte Quelle. Hessenarchäologie Sonderband 4, Archäologie am Greifenberg bei Limburg a.d. Lahn, 2020).



Nur für die Größenverhältnisse:

Nun sind diese Amphoren, falls gefüllt mit gutem Wein, wahrlich nicht für den Transport auf dem Eselchen oder Maultiergespann des Contuberniums geeignet.

Daraus kann man folgern, und erst recht mit dem dringenden Wunsch von @Shinigami
Erwähne dieses Wort nie wieder. :p
dass Mühlsteine und Weinamphoren mit dem Schiff lahnaufwärts gebracht wurden, und zwar schon zu spätrepublikanischer Zeit. Die Lahn war da keineswegs für die Römer terra incognita, sondern keltischer Verkehrsweg.

¹ Dank @Ravenik: Velleius Paterclus, Kap. II 114: "portatum instrumentum balinei" (="getragenes Badegerät").

² @Lukullus, @Stilicho ³ und viele andere hier haben die Lager an der Lahn schon vor vielen Jahren vorhergesagt:
Indirekte Hinweise als Option für noch nicht aufgefundene Lager entlang eines Aufmarschweges des Feldzuges im Jahre 9 v. Z. lassen die Quellen mit ihren Darstellungen über Drusus Sturz vom Pferd (auf dem Rückweg von der Elbe) und Tiberius spektakulärer Reise ab Pavia zu seinem schwer verletzten und kurz nach dem Zusammentreffen im Sommerlager, in der Folge als Castra Scelerata - “Unglückslager“ genannt, versterbenden Bruders Drusus spekulieren.

Vom Oberschenkelbruch bis zu Drusus Tod soll sich alles in einem Zeitraum von nur 30 Tagen (Livius) ereignet haben. Auf der letzten Etappe soll Tiberius, lediglich von einem germanischen Führer begleitet, 200 römische Meilen von Irgendwo am Rhein zum Irgendwo gelegenen “Campingplatz“ des Sommerfeldzuges in nur einem Tag und einer Nacht (Plinius) zurückgelegt haben. Desweiteren habe Drusus, über das Heraneilen des Bruders informiert, diesem Soldaten entgegen geschickt.
Dies alles lässt einen gut gesicherten Aufmarschweg für Drusus Feldzug ab Mogontiacum denkbar erscheinen, einen der äußerst schnelle Nachrichtenübermittlung wie zügiges Reisen ermöglichte. In eine solche Route könnte der Verlauf der Lahn zumindest partiell (Gießener Senke bis zum Lahnknie) eingebunden gewesen sein.

³ Das ist vermutlich, mit den jetzigen Funden in Mittelhessen noch wahrscheinlicher, einer der logistischen Zwischenstützpunkte für den Aufmarsch:
In unmittelbarer Nähe des späteren Kastells Arnsburg sind ja zwei weitere, deutlich größere Römerlager entdeckt worden, wobei aber von einem der beiden nur sehr wenig erhalten ist. Grob datiert werden sie auf die Zeit von Drusus bis Tiberius, dürften also als Aufmarschlager besagter Feldzüge gedient haben.
Es ist nach wie vor unklar, ob damals schon ein römischer Brückenkopf an Main und Nidda existierte, und (falls existent) wie weit dieser ging. Ein Aufmarschweg über Hofheim - Nida - Friedberg - Bad Nauheim-Rödgen - Arnsburg und von da ins Gießener Becken an die Lahn bis Bürgel ist naheliegend und sehr wahrscheinlich.
 
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Nun darf ich Limburg nicht zu Mittelhessen rechnen, sonst zwingt mich @Lukullus (...)
Bezüglich Abgrenzungen bin ich eher äußerst freizügig eingestellt, doch da von dir Zwang gewünscht, ...
(,,,) in der Badewanne des Tiberius lahnaufwärts bis nach Bad Laasphe zu paddeln.
... wirst du den tiberianischen Badezuber in die Ohm steuern, als vertretbaren Zielort setze ich Mücke. Da die Ohm am Zusammenfluss mit der Lahn einen höheren Wassereintrag hat ist die Herausforderung zudem mehr als fair.
Was Mücken und Tiberius anbelangt, muss Letzterer in puncto Ersteren hart im Nehmen gewesen sein - Capri erinnere ich nicht gerade arm an den Plagegeistern.
Diese Tour würde dich zudem an der Brücker Mühle vorbeiführen.
 
Wann wurde das Lager im Brücker Wald entdeckt? Gehe seit Jahren dort auf Pilzjagd, ohne gewusst zu haben dass dieses oder jenes Myzel römische Hinterlassenschaft durchwuchert.
 
Nach meinen Notizen schon 2017. Frau Meiborg sagte, dass sie nach den Fundberichten der ehrenamtlichen Helfer in Reimershausen dann verstärkt die LIDAR-Daten der Umgebung betrachtet hatte und, mit der verbesserten Bildgebung, zu ihrer völligen Überraschung die markante abgerundete nordwestliche Ecke des Lagers erkannte. Das Clavicula-Tor (s.u., auf dem Foto) ist dann das Bonbon.


Dann bist Du genau wie ich in diesem wunderschönen und etwas sumpfigen Brücker Wald unterwegs gewesen.

Künftige Pilzfunde von dort werden nur noch nach Apicius zubereitet, selbstverständlich mit Liebstöckel und Liquamen.
Serviert aus Deiner original römischen kleinen Glasampulle?
"Beachten Sie bitte das Mindeshaltbarkeitsdatum!"​

Reimershausen, mit seinem lichten und von zerstörendem Forstgroßgeräten verschontem Buchenmischwald ist landschaftlich genau so schön, wenn auch derzeit viel zu trocken.
 
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