Die Rolle Polens auf dem Weg zum II. Weltkrieg

Dieses Thema im Forum "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" wurde erstellt von Hans forscht, 14. September 2010.

  1. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Wenn Polen einen Fehler machte, bestand der darin, außer mit Rumänien mit sämmtlichen seiner Nachbarn territoriale Fragen zu produzieren, was der Tatsache geschuldet ist, dass bei der reetablierung Polens als staatliches Subjekt verschiedene Kräfte mit verschiedenen Konzeptionen am Werk waren.

    Nachdem Polen einmal in Folge des Konflikts mit der werdenden Sowjetunion Gebiete östlich des Bugs für sich in Anspruch nahm, konnte es keine konfliktfreie, verlässliche Zusammenarbeit mit der Sowjetunion geben.
    Polens territoriale Zusammensetzung und die daruas resultierenden reibungspunkte sowohl mit Deutschland, als auch mit der Sowjetunion, ließen der polnischen Politik im Grunde wenig andere Möglichkeiten, als ein Lavieren zwischen beiden.
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    So einfach ist das sicherlich nicht.

    Die europäische Politik war in ein kompliziertes Geflecht von Vertrauen und vor allem Mißtrauen eingebettet. Dass es mit Litvinow einen sowjetischen Außenminister gab, der sich um ein System der kollektiven Sicherheit bemüht hatte, ist zutreffend (vgl. Ragsdale)

    Und eine komplett mobilisierte östliche Front, inklusive der Tschechen (42 zu 47 deutsche Div), wäre eine auf dem Papier veritable Größe gewesen (Ragsdale, S. 154)

    Dass es konkrete Mobilisierungsplanungen für die RKKA gab ist auch zutreffen (Steiner, S. 620ff), und das es durchaus im Interesse der Sowjetunion, Hitler militärisch "einzudämmen" ist auch zutreffen.

    Gleichzeitig bemühte sich Polen um eine "Äquidistanz" zu seinen beiden Nachbarn, da es weder dem einen noch dem anderen traute. Und aus der Erfahrung des Krieges von 1920 mit der Sowjetunion nicht sicher sein konnte, dass es zu revanchistischen Akten oder Forderungen von Seiten Stalins kommen würde.

    Mit dem Aufstieg des NS-Regimes und der Beendigung der Zusammenarbeit zwischen der RW und der RKKA stellte sich für Stalin die Frage, wie er die Sicherheit seiner Grenzen auch weiterhin gewährleisten kann. Aus seiner Sicht ergaben sich multiple Konfliktlinien und nahezu zwangsläufig ein potentieller Zwei- oder Mehrfrontenkrieg
    1. Europa:
    - Ein schlechtes Verhältnis zu England und zu Frankreich
    - Ein schlechtes Verhältnis zu Polen, Ungarn, Finnland, den baltischen Staaten und der Türkei
    - ein zwiespältiges Verhältnis zum DR, das als zunehmende Bedrohung wahrgenommen wurde
    2. Amerika:
    - ein schlechtes Verhältnis zu den USA
    3. Fernost:
    - ein traditionell sehr schlechtes Verhältnis Japan

    Da die SU zu dieser Zeit nicht über ein angemessenes militär-ökonomisches Potential verfügte, war sie gezwungen im Rahmen einer "kollektiven Sicherheitslösung" die Grenzen in Europa und somit ach ihre eigenen Grenzen zu sichern.

    Diese Politik verfolgte vor allem Litvinow und es kam in dieser Periode zu einer Annäherung an Frankreich und an die Tschechoslowakei. Die SU setzte sich im Rahmen dieser Zusammenarbeit dafür ein, die Forderungen von Hitler zurückzuweisen, insbesonder in Bezug auf die Tschechoslowakei und bot in Zusammenarbeit mit Frankreich, Polen und Rumanien eine direkte militärische Unterstützung an (vgl. Ragsdale).

    Ragsdale, Hugh (2004): The Soviets, the Munich Crisis and the coming of World War II. 1. publ.
    Steiner, Zara (2011): The triumph of the dark. European international history, 1933-1939. Oxford, New York: Oxford University Press
     
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  3. Leonidas4

    Leonidas4 Neues Mitglied


    Damit mir keine antipolnischen resentiment vorgweworfen werden , umschrieb ich es so. ich kann aber auch anders, Pilsudskis raid gen kiev, das angebot an die ex entente für 5 mio goldfranc par jour auf moskau zu marschieren, der polnische überfall auf latvia, nur weil pilsudski aus wilna kommt, der überfall auf die tschechei, olsa/teschen Das problem in Polen bestand damals und auch heute dass die landesgrenze zwischen polen und Russland nicht territorial, politisch sondern kulturel gesehen wird katolizismus hat in polen einen höheren Stellenwert als die orthodoxie, gegenüber dem mosaischen glauben ohnehin
    Doch, polen hätte 1938 einen Ausgleich schaffen können, dafür war aber dieses romantische volk mental nicht in der Lage, seine politiker (beck9 ohnehin nicht, der mit russland im ton einer indignierten großmacht sprach vgl. Fest, Hitler
    Richtig, die feige flucht der polnischen regierung nach rumänien mitte 8/39, schmählich ist schon ein beitrag besonderer art
     
  4. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Das ist verkürzt unr recht einseitig.
    Polens Ausgreifen in Richtung Osten, inklusive der Beanspruchung der zwischen Polen und der Sowjetunion umstrittenen Territorien östlich des Bug, hätten für die 2. Republik keine prekäre außenpolitische Situation zur Folge gehabt, hätte sie sich nicht gleichzeitig mit Berlin und Prag (ich denke Litauen kann man hier als minder bedeutend auslassen) überworfen und umgekehrt.

    Die hier postulierten gegensätze zwischen Polen und Russland, hinsichtlich religiöser Unterschiede, hauen so auch nicht hin. Historisch geswehen lag dazwischen noch das Großfürstentum Litauen als durchmischtert Raums und sowohl in der Polnisch-Litauischen Gesamtstaatlichkeit, als auch im Konstrukt der Unierten Kirche innerhalb Polen-Litauens verwischen diese Grenzen.
    Da ist das Problem viel mehr wieder, dass das neu entstehende Polen keine klare Konzeption hatte, einerseits Nationalstaat, andererseits Imperium sein wollte.

    Mit dem, was du in diesem Beitrag schreibst, bin ich so überhaupt nicht einverstanden.

    Zumal es einseitig auf die polnischen Expansionswünsche abstellt, dabei aber unterschlägt, dass Polen für Lenin und Trotzki zeitweise das Einfallstor darstellte, die Revolution nach Mitteleuropa und Deutschland zu exportieren, oder eben die Barriere.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist angesichts der Ereignisse deutscher- und sowjetischerseits - davon ausgehend, dass hier ein Tippfehler vorliegt und nicht 8/39 sondern 9/39 gemeint ist - reichlich unverschämt. Wenn es kein Tippfehler ist, ist es zudem grob falsch.
     

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