....den Du als Arabist wissen moegest.
(Unsere fachwissenschaftlich ausgebildeten Mitglieder mögen mich punktuell korrigieren, ich bin kein Arabist.)
, ich bin nur Hobby-"Semitist"
Es bringt ja nichts mit völkerrechtlichen Subjekten, also Staaten bzw. Körperschaften, die darauf hoffen Staaten zu werden, zu argumentieren, wenn es um die angestammten Bewohner einer Region geht. Der gordische Knoten, den ich beschrieb, besteht nicht zwischen Syrien und Israel* oder Algerien und IsraelDas Dilemma -singular - ist, dass sich Araber im ehem. West-British Mandate bzw dann Israel partout nicht an ratifizierte Vertraege halten.
Auch hier ist die Frage, wie das Osmanische Reich bzw. dessen jungtürkischer Nachfolger und die Briten einfach über die Region entscheiden konnten, ohne die zu fragen, die es eigentlich anging. Den Sherifen von Mekka, die nun Emire von Transjordanien wurden, waren kaum geeignet, die palästinensischen Interessen zu vertreten.
Wenn ein palästinensischer Bauer, dessen Familie die letzten drei Jahrhunderte ihren Olivenhain gepflegt hat, plötzlich gesagt bekommt: "Das ist nicht mehr dein Land", dann sind dem die völkerrechtlichen Veträge zwischen Briten und Türken ziemlich egal. Wenn ein palästinensischer Handwerker in Haifa plötzlich gesagt bekommt, dass Haifa jetzt eine jüdische Stadt sei, dann sind dem die völkerrechtlichen Verträge zwischen Briten und Türken oder auch zwischen Briten und dem König von (Trans)Jordanien dem ziemlich egal. Man kann nicht so tun, als sei das Land mit der Vertreibung der Juden nach 70/132 unbevölkert gewesen. Und das ist eben das Dilemma, dass es aus Sicht der Juden - trotz aller religiösen Vorbehalte - folgerichtig war, nach Israel zu gehen, um dort einen Staat zu gründen (was wie gesagt, nicht von allen orthodoxen Strömungen akzeptiert wird, obgleich sich da auch pragmatisch bei vielen der fait accompli durchgesetzt hat) wohingegen dort eben andere lebten, deren Interesse nicht war, in einem jüdischen Staat zu leben.
Diese Leute wurden 1948 gewaltsam vertrieben. Nicht von der Haganah, aber diese hat die Betreibung bezeugt bzw. sich später darüber beklagt, dass Etzel und Lechi Zusammenstöße mit palästinensischen Dorfbewohnern gezielt provozierten, und wenn diese sich gegen die Angriffe von Etzel und Lechi wehrten, holten diese die Haganah zur Hilfe.
Nun könnte man sagen: Seit 1948 sind 80 Jahre vergangen, wird doch mal langsam Zeit, dass die Palästinenser das vergessen bzw. sich mit dem Status quo abfinden, Leute, die 1948 vertrieben wurden und heute noch leben, waren damals i.d.R. so jung, dass sie sich nicht mehr an ihre Heimat erinnern können. Wo bleibt denn da die arabische Solidarität?! Aber das ist natürlich viel zu unterkomplex. Denn die Palästinenser lassen sich nicht einfach in die fragilen Staatswesen des Nahen Ostens integrieren. Der Libanon - der mit der shi'itischen Hisbollah ein großes internes Problem hat - ist ein fragiles, genaus austariertes Gebilde, welches auf die Balance der verschiedenen religiösen Gruppen setzt. Vor 1948 lebten dort etwa pari-pari Christen und Muslime (die jeweiligen Konfessionen, die das ganze noch viel komplizierter machen, ausgeklammert). Würde man die mehrheitlich muslimischen palästinensische Flüchtlinge (palästinensische Christen waren im Durchschnitt reicher und konnten eher ins Ausland abwandern (Europa, Australien, USA, Südamerika) in den Libanon integrieren, würde das Gleichgewicht von Christen und Muslimen, auf dem der Staat aufgebaut ist, nicht mehr existieren. Jordanien hingegen war eine tribal-beduinisch geprägte Gesellschaft, die urban geprägten Palästinenser hätten aus der der beduinischen Staatsbevölkerung im eigenen Staat eine Minderheit gemacht - das hat nicht umsonst zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Jordaniern und Palästiennser geführt. Ganz nebenbei: Auch der libanesische Bürgerkrieg hängt natürlich auch an der Nichtbeteiligung der Palästinenser am libanesischen Staatswesen, auch wenn es da am Ende so viele verschiedene Fraktionen gab und es völlig unübersichtlich ist, wer da wann gegen wen kämpfte.
*ob der Besitz des Golan ein weiterer gordischer Knoten (israelische Sicherheit vs. syrische Trinkwasserreservoirs) ist, ist eine weitere Frage. Aber da Syrien Israel regelmäßig vom Golan aus beschossen hat, war die israelische Okkupation des Golan sicherheitspolitisch nur folgerichtig.
Der Gebietspassus kommt in der Bibel mehrfach vor und diente den damaligen Staatsoberhaeuptern und der spaeteren Anglo- French Border Commission als Ausgangspunkt zur Vermessung & Festlegung der eventuellen Grenzlinien des Mandatsgebiets. Ein schneller Blick auf spaetere Karten und dem heutigem Israel bestaetigt das. Die Negevwueste - 'waste land' -suedlich Beersheba kam als Landswap zwischen den Golan Hoehen nach Syrien und Negevwuestec als Troesterchen fuer Israel zustande. [Fra, betrachtete sich seit den Kreuzfahrten , bzw Godfrey of Bouillon, schon immer als Paladin/ Beschuetzer des Levant]1850 Jahre Geschichte - sich an die Bibel klammernd - ignorieren.... kann man machen.
Schauen wir uns noch mal an, was du geschrieben hast und worauf ich reagierte:
1850 Jahre Geschichte - sich an die Bibel klammernd - ignorieren.... kann man machen.Fakt:
1917 also z.Z. der Balfour Declaration gab es weder dieBezeichnungen : "Gazastreifen" und "Westbank" sondern nur 'Palestine' & Araber.Das biblische Gebiet der Juden reichte per Bibel von Dan bis Bersheeba und vom Jordan bis zum Meer. Von Arabern und deren Territorien kein Wort.
Der Eindruck, der sich eingeschlichen hat, ist der, dass du (z.B. indem du die Exstenz der Palästinenser wegdiskutierst, weil sie sich vor 1964 nicht so genannt hätten (wohlgemerkt, auch israelische Historiker sprechen von einer palästinensischen Identität seit 1834)) oder weil du darauf rekurrierst, dass in der Bibel keine Araber vorkämen die Existenz einer Bevölkerung negieren wolltest und ihnen sämtliche Ansprüche absprichst. Dass du also das Dilemma des Nahostkonflikts, den gordischen Knoten, ignorierst und so tust, als könnte man das, wenn doch die Araber bloß wollten, im Handumdrehen lösen. Bzw. eigentlich, so der Eindruck, den deine Darstellungen erwecken, sei da ja gar kein Dilemma zu lösen, sondern es läge an allen anderen außer den Israelis, dass dieser Konflikt besteht. Dass andere Staaten - z.B. das Syrien unter den al-Assads - den Konflikt auch für eigene Interessen genutzt haben (im Falle Syriens etwa, um von innenpolitischen Problemen und Mehrheitsverhältnissen abzulenken), heißt nicht, dass das dahinterstehende Dilemma zu vernachlässigen ist.