Die Spezielle Relativitätstheorie Albert Einsteins

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von deSilva, 12. Juli 2008.

  1. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    1905 - in der Zeit eines allgemeinen kulturellen Umbruchs - veröffentlichte der bis dahin kaum bekannte (und immer noch unpromovierte) Angestellte 3. Klasse im Patentamt Bern, Hans Albert Einstein, vier Artikel in den Annalen der Physik.

    Ueber einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt, 1905

    Zur Theorie der Brownschen Bewegung, Einstein, Albert, 1906

    Diese Arbeiten betrafen die Quantenstruktur der Welt: Sowohl Materie wie Strahlung bestehen aus kleinen "Paketen". Dieser Paradigmenwechsel war in vollem Gange, Beweise, Evidenzen und "Erklärungen" hierfür hoch willkommen. Für die erste Arbeit erhielt Einstein am 9. Dezember 1922 (rückwirkend für das Jahr 1921) den Nobelpreis!

    Ebenfalls im gleichen Jahr veröffentlichte er zwei sehr verwirrende Arbeiten:

    Zur Elektrodynamik bewegter Koerper, Einstein, Albert, 1905

    Ist die Traegheit eines Koerpers von seinem Energieinhalt abhaengig?, Einstein, Albert, 1905

    Mit diesen Arbeiten BEGRÜNDETE er einen weiteren Paradigmenwechsel: Raum und Zeit bilden eine 4-dimensionale Einheit. Dieser philosophische Gedanke, der Grundvorstellungen der Galiläischen Physik (und des "gesunden Menschenverstands") widersprach, wurde von manchen Kollegen mit großer Begeisterung aufgenommen (etwa Minkowski),von anderen mit großer Skepsis.
    Zweifelsfrei war, dass dieser Erklärungsversuch eine Reihe höchst ärgerlicher Befunde der letzten Jahre (Konstanz der Lichtgeschwindigkeit, Lorentz-Kontraktion des Elektrons,...) auf eine unglaublich elegante Art und Weise erklärte. Das hierfür notwendige intellektuelle Opfer schien aber Manchen zu hoch: Es musste "einfachere" Erklärungen geben.

    Für heutige Physiker ist die "Spezielle Relativitätstheorie" (SRT) in der Tat die "einfachste" Erklärung überhaupt, da alle Physikalische Theorien als ein konsistentes Gefüge gesehen werden. Die SRT hängt aufs engste mit dem Energieerhaltungspostulat und der Maxwellschen Theorie des Lichts zusammen.

    Wiese eigentlich "relativ"? Nun, die beiden Axiome der SRT sind:
    - Man kann prinzipiell nicht unterscheiden, welcher von zwei zueineinander gleichfömig bewegten Beobachtern (=konstante Vektor-)Geschwindigkeit) in Bewegung und und welcher nicht, oder sich beide bewegen.
    - Alle gleichförmig bewegten Beobachter messen die gleiche (Vakuum-)Lichtgeschwindigkeit.

    Der Clou liegt in dem Begriff "relative" Bewegung!
    In der Tat eine natürliche Weiterentwicklung des galiläischen Gedankens, der Aristoteles stürzte: Es gibt keinen ausgezeichneten Ort in der Welt!

    Die SRT macht jedoch keine Aussagen über ungleichmäßig bewegte (="beschleunigte" oder "abgebremste") Beobachter! Man hätte nun erwartet, dass es hundert Jahre dauern würde, bis jemand hierzu eine Theorie entwickeln würde, jedoch liefert derselbe Einstein 1915 eine - noch phantastischere! - Theorie, die "Allgemeine Relativitätstheorie" (ART). Sie folgt den gleichen Denkprinzipien wie die SRT: Was ist "äquivalent"?

    In der SRT ist es ein Beobachter in Ruhe und in gleichförmiger Bewegung; in der ART ein beschleunigter Beobachter und einer in einem Gravitationsfeld!

    Die Konsequenzen hieraus sind immens und waren unerwartet. Insbesondere lag der hierzu notwendige mathematische Apparat ("Tensoranalysis") nicht im Standardrepertoir der damaligen Physiker; selbst Einstein musste sich dabei "helfen" lassen :)

    Diese beiden Theorien werden (natürlich) immer wieder vermischt, weil sie durch die Person "Einstein" verbunden sind. Kritik an beiden Theorien setzte sehr unterschiedlich an; bis zu einer pauschalen Ablehnung als "Jüdische Physik". Die SRT wurde schnell die bombenfeste Basis jedweder Berechnung. An der ART gibt es prinzipielle Kritik.. Sie kann nicht GANZ richtig sein... Aber ohne ihre Vorhersagen würden unsere ganzen GPS-Empfänger gar nicht funktionieren...

    Es ist wahrscheinlich über keinen Physiker mehr geschrieben worden als über Einstein, deshalb hier nur drei Links:
    Albert Einstein - Zeittafel

    Am Ende dieser Kurzbiografie empfehlenswerte Literatur
    http://www.dieterwunderlich.de/Albert_Einstein.htm

    Hier ein vierteilige sehr schöne und auch für Laien genießbare Filmreihe über die SRT in YouTube:
    Spezielle Relativitaetstheorie - 1v4 (Einstein) - AOL Video
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juli 2008
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  2. Brunel

    Brunel Neues Mitglied

    Ich finde diesen Mann und seine Theorien, die sich ja größtenteils als Wahrheiten erwiesen haben, genau so bemerkenswert wie du.
    Man mag sich kaum vorstellen, wie die Welt heute aussehen würde, hätte es bestimmte Personen nicht gegeben.
    Die gegenteilige Frage wäre ja: Wie würde sie aussehen, wenn jedes Genie der Welt zu der Möglichkeit gekommen wäre, seinem Genie ein offenes Ohr zu verpassen?
    Ab und zu denke ich daran, wenn ich Berichte über die "dritte Welt" sehe. Was, wenn eines dieser abgehungerten schwarzen Kinder vielleicht in 10 Jahren mal eine Idee gehabt hätte, wie man Energie umweltfreundlich verbrauchen kann?

    Speziell zu Einsteins Theorie: Würde nicht sogar jeder Satellit versagen, gäbe es seine Theorie nicht? Wie ist das mit dem Signal, das zwischen Empfangsstation und Sender übermittelt wird?
     
  3. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Das ist ein bemerkenswert guter Beitrag und regt zum denken an.
    Nur, könntest du heute ohne Bill Gates hier schreiben?
    Ich sage mal ja.
    Es gibt viele, die Gedanken haben, aber nur wenige, die sie zu Papier bringen oder veröffentlichen.
     
  4. Brunel

    Brunel Neues Mitglied

    Könnte man ohne Bill Gates hier schreiben?
    Ja.
    Wäre der Computer, das Internet, Software ohne Bill Gates so verbreitet gewesen?
    Wer weiss.
    Vielleicht hätte nur ein Bill Gates die richtigen Entscheidungen getroffen, dieses anscheinend untaugliche Betriebssystem gekauft, aus dem sich DOS entwickelte etc etc...
    Vielleicht wären Computer lediglich zur Dekodierung von Codes nützlich gewesen, hätte es diesen Mann nicht gegeben.
    Der Computer selbst hätte schon sehr viel früher entwickelt und unter die Leute gebracht werden können, hätte Charles Babbage damals seine Investoren beisammen halten können.

    Wer weiss, wo wir heute wären, wenn das der Fall gewesen wäre. Ich denke jedenfalls, dass die gesamte Industrialisierung einen Boom und Multiplikator um das X-Fache erhalten hätte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Juli 2008
  5. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Aber sicher.
    Wenn du die Weltbevölkerung zählst, kann ja nicht nur einer genial sein.
    Da zählt eben, wer der erste ist.
    zB Kopernikus. Er hat nur gesagt, was schon jeder wusste.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Juli 2008
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Bill Gates hat doch nix davon wirklich erfunden - er hat damit nur Kohle gemacht. Erfindungen kommen, wenn die Zeit dafür reif ist - dann findet sich auch jemand der sie macht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Juli 2008
  7. Brunel

    Brunel Neues Mitglied

    Du hast mein Posting anscheinend vom Inhalt nicht ganz erfasst. Ich stellte nach dem "Wer weiss" eben in Frage, ob im Prozess der Entwicklung eines Betriebssystems andere Leute auf die gleiche Weise gehandelt hätten, wie Bill Gates es tat. Es braucht ja bloß auf die Frage "stellst du dieses System der breiten Masse, oder dem Militär zur Verfügung?" eine andere Antwort getroffen zu werden. Schon würden wir die derzeitige Situation erst in etlichen Jahren vorfinden.

    Deine Theorie, dass nicht nur einer auf der Welt genial sein kann, habe ich in einem anderen Thread genau so erwähnt.
    Wie bereits dort gesagt: Was wäre, wenn unter den hungernden Kinder in Afrika eins dabei ist, das in 10 Jahren eine Möglichkeit zum Betrieb von Autos etc durch umweltfreundliche Energie erfindet?
    Es gibt Genies, die einfach nur nie dazu kommen, ihr Genie zu zeigen. Man kann ja auch nicht ernsthaft so arrogant sein zu behaupten, dass nur Leute aus reichen Ländern Genies sein können, weil es eben in der Vergangenheit so war.
     
  8. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich habe das schon verstanden, keine Sorge und ich stimme dir ja auch zu.
     
  9. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Wetten, dass diese Erfindungen längst gemacht sind? Die lagern aber noch ein Weilchen in den Tresoren der Ölmultis und Autokonzerne. Und wenn das Autofahren gänzlich unerschwinglich geworden ist und die Umsätze einbrechen - simsalabim.
     
  10. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    BB, genau dieses habe ich in einer investigativen TV-Sendung schon Anfang der 90er? gesehen, aber das gehört hier eigentlich nicht rein. Ebensowenig, warum wir Einstein fürs GPS brauchen: Weil die "Uhren" der Satelliten und auf der Erde geringfügig anders laufen, und mit den Einsteinschen Formeln wir dieses berechnen können.
     
  11. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Noch mal OT: Die Bill-Gates-Industrie, d.h. die Enwicklung einer "all-inclusive" Softwareumgebung für PCs und neuerdings auch für PDAs (Betriebssysteme, Bürosoftware, Entwicklungsumgebungen,..) als erzwungener Industriestandard gegen eine mäßige Gebühr wird von den meisten Informatikern als keine gute Sache angesehen. Ein besonderer Nutzen für die Welt hat da noch niemand herausgefunden. Es gab immer und gibt Alternativen. Die Entwicklung dieses Software-Imperiums ist die typische Geschichte von zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein, mit den richtigen Partnern kooperiert und dann doch viel Glück gehabt zu haben. Rockefeller lässt grüßen....
     
  12. Rivera

    Rivera Neues Mitglied


    Das ist genau meine Position. Für meine Begriffe ist es falsch, die Verbreitung von Informationstechnologie nur an Leuten wie Bill Gates fest zu machen. Historische Prozesse laufen nicht derart personifiziert ab, dass sie völlig von einer bestimmten Person abhängig sind.

    Eine Gesellschaft entwickelt sich immer von einfacheren zu komplexeren Organisationsformen und bildet dabei bestimmte technische Standards aus, die diese Entwicklung möglich machen. Die Informationstechnologie und ihre Verbreitung gehören dazu. Wäre Gates nicht gewesen, dann hätte sich diese Verbreitung anders durchgesetzt. Aber vermeidlich oder abhängig von einer bestimmten Person war sie keinesfalls.
     

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