Dynastie 0 - Oberägypten Arisch und Unterägypten Afrikanisch ???

Dieses Thema im Forum "Das Alte Ägypten" wurde erstellt von Drendelus, 19. Dezember 2019.

  1. Drendelus

    Drendelus Neues Mitglied

    Mich Irritiert das bei der Dynastie 0 Oberägypten als Arisch Iranische Menschen von mir aus auch Arabisch dargestellt werden und die besiegten Unterägypter als Afrikanisch. Wie kann das sein?
    Und als Unterfrage warum wird der Stier als Königssymbol auch erst mit der Dynastie 0 in Oberägypten eingeführt?

    Ich habe eine Theorie und würde gerne Eure Meinung dazu hören.

    Was wäre wenn eine kleine Einheit von Elite Soldaten aus Aratta Oberägypten Erobert und daraus die Dynastie 0 gründet. Interessanter weise ist die Namer Palette von Steinschneidekünstler aus Aratta gefertigt. Und bei den Volk von Aratta war der Stier ein sehr wichtiges Symbol.

    Es ist bekannt das es bereits vor der Dynastie 0 Handelsbeziehungen zwischen Ägypten und Aratta existierten.

    Also was meint Ihr
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das klingt alles sehr wirr. Wo wird das so dargestellt? Arisch-iranisch ist ein Begriff aus der Linguistik (wobei vor allem arisch in der deutschen Geschichte massiv missbraucht worden ist und daher eigentlich kaum noch verwendet wird). Für die Bevölkerung Oberägyptens dürfte dieser Begriff kaum passend sein.

    Ein prägender(?) Einfluss Persiens auf Ägypten kann überhaupt erst über 2000 Jahre nach der Prädynastik ("Dynastie 0") festgemacht werden, als Persien und Ägypten irgendwann eine Grenze miteiander teilten und schließlich Ägypten unter Kambyses II. erobert wurde und dieser eine ägyptische Prinzessin heiratete.

    Ägypten und Arabien liegen nicht weit auseinander, sind nur durch das Rote Meer voneinander getrennt. Dass also sich Proto-Araber (also Leute, die eine Protoform der arabischen Sprache sprachen) in Ägypten befanden, ist auch nicht ganz abwegig, aber arabisch wurde Ägypten erst nach der muslimischen Eroberung.

    Arabisch und Persisch aber gehören zu zwei ganz unterschiedlichen Sprachfamilien, Arabisch ist eine semitische Sprache (verwandt mit Aramäisch, Akkadisch, Hebräisch, Punisch etc., bzw., wenn man die Sprachfamilie weiter fasst, eine afroasiatische** Sprache, wozu die semitischen und die hamitischen Sprachen gehören, das Altägyptische gehört zum hamitischen Zweig), Persisch gehört als indo-arische Sprache zu den indoeuropäischen ("indogermanischen") Sprachen.





    **ein unglücklicher Begriff
     
  3. nefteta

    nefteta Neues Mitglied

    die UR-Ägypter kamen vor etwa 8.000 Jahren aus der früheren Sahara siedelte sich nördlich des Fayum Sees an, es wird angenommem dass die Entwicklung zur Hochkultur (die natürlich ein Volk nicht wie ein Bannstrahl trifft) ursächlich das Ergebnis der Koordination für die Verteilung des Getreides war, die so etwas wie eine Verwaltung erforderlich machte.
    Erst mit König Narmer, dessen richtiger Name noch unklar ist , begannen die sog. Dynastien. Die Zeit vorher, wird als Naqada I und II bezeichnet, wobeo Naqada III am ehesten als die nullte Dynastie bezeichnet werden kann.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich dachte speziell in Ägypten ging es um die Berechnung der Parzellen, die jedes Jahr nach dem Nilhochwasser neu bemessen und zugewiesen werden mussten.
     
  5. nefteta

    nefteta Neues Mitglied

    Auch, auch !!, aus der Größe des bewirtschafteten Landes ergab sich der Anteil aus den Speicher, vergleichbar mit der Zuteilung von Bier aus der Dorfbrauerei in Abhängigkeit von der Getreidelieferung des einzelnen Bauerns als Rohstoff für Bier.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Von wem "wird es angenommen" ?

    Welche Literatur soll heute denn noch eine ausschließliche "Sahara-Hypothese" vertreten ?
     
  7. nefteta

    nefteta Neues Mitglied

    The american University in Cairo Press, ISBN9774248783, The complet royal Famiulies of Ancient Egypt, Vorwort und Einführung, allerdings auf englisch, nachlesen !!!
    Ich halte darum die "Sahara Hypothese" darum für schlüssig, weil es keine andere Alternative gibt. keinen Exodus von Norden, oder Osten. von Süden aus genetischen Gründen ohnehin nicht. Der Birket el Fayoum lieferte Wasser, die Quatara Depression Landwirtschaft, Und dass die Entwicklung zu einer Hochkultur Jahrhunderte, Jahrtausende benötigt, ist sicher - kritisch interpretiert-, keine Annahme
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Vorab eine Bemerkung: es ist Unsinn, einen Personenkatalog (oder das Vorwort dazu) zur Populationsgeschichte des prähistorischen Ägypten zu bemühen.

    Es gibt aber reichlich und in der Sache Lesestoff hierzu, und auch zu Okkupations- bzw. Migrationshypothesen zum Nildelta nach Klimaberuhigung etwa 8000 BP (neolithisch).

    Ernstzunehmende Fachliteratur dazu aus den letzten 20 Jahren geht von allen Migrationsrichtungen aus, und schließt keine aus, insbesondere nicht Bewegungen aus der Levante und von Süden.

    Gerne bei Bedarf entsprechende Literaturhinweise - und zwar aktuelle, keine alten Kamellen - zu dem, was angeblich "keine Alternative" darstellt. Basis sind paläogenetische Untersuchungen, entsprechende anthropologische Forschung, Archäologie zur Material- und Siedlungskultur.
     
  9. nefteta

    nefteta Neues Mitglied

    Es ist keinesfalls Unsinn , ein Vorwort zu einem Personenkatalog heranzuziehen, das isoliert vom Inhalt eines Buches Informationen darüber liefert, wie und wann es dazu kam, was das Buch beschreibt.
    Migration von Süden, aus dem Sudan ? Negroide ?da liegst Du falsch. Aus der Levante ,denkbar( vorhieroglyphische Schrift aus dem Halbmond.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zur Erinnerung:
    Basis dieses prädynastischen Geschichtchens: ein "Vorwort" zum dynastischen Personenlexikon.

    Wie man meinen kann, komplexe Abläufe von > drei Jahrtausenden von 8-5 kya damit zu erfassen, ist mir schleierhaft.
    Ebenso wie es die diffusen Nord-Süd-West-Ost-Ausführungen sind,
    oder so etwas:
    Es ist empfehlenswert, erst zu lesen, dann zu denken, und dann zu schreiben. Zum Lesestart außerhalb von lexikalischen Vorworten siehe zB hier:

    It has been clear for some decades that the later prehistory of Egypt cannot be adequately understood in isolation from a wider African context (see O’Connor and Reid eds. 2003, with reviews of earlier literature). Current definitions of that context remain, however, to a large extent geographical rather than cultural in orientation. What constitutes an African cultural milieu of long duration can of course be defined on a variety of comparative criteria; but rather than pursue possible lines of enquiry— such as those suggested by historically oriented linguistic and ethnographic studies (e.g. de Heusch 1985; Ehret 2001; Warnier 2007; and see also Rowlands 2003)— recent attempts to root Egypt’s early development in an African setting have focussed instead upon questions of environmental adaptation, and in particular on environmental stress as a driver of cultural change among the early pastoralist societies of this region (e.g. Wendorf and Schild 1998; Kuper and Kroepelin 2006). Too often, perhaps, Evans-Pritchard’s (1940: 16) quipping injunction—cherchez la vache—seems to suffice as a descriptor of the relationship between prehistoric economy and society in African contexts.

    Rather than add to an already complex and contentious literature on the origins of cattle domestication in North East Africa (reviewed by MacDonald 2000; Gifford- Gonzalez and Hanotte 2011), the aim of the present article is to define an important horizon of cultural change, belonging to the fifth millennium BC, linking Egypt’s early development firmly to that of its southern neighbours in Nubia and central Sudan. This north-south axis of Neolithic development, first discussed in earlier publications by one of the present authors (Wengrow 2001: 95-7; 2003; 2006: 26-29, 44-59; and more recently also Edwards 2004: 49-59; 2007: 216-7; Gatto 2011a), has been overshadowed by climate-driven explanations of cultural change, with their focus upon the mid-Holocene desiccation of the “Green Sahara” as a ‘motor’ of social evolution (see, especially, Kuper and Kroepelin 2006). Its emergence nevertheless defines a clear break with the Early Holocene past, and the establishment— throughout the entirety of the Nile Valley—of a remarkably consistent set of concepts and material practices relating to the treatment of human bodies in life and death.


    Wengrow, David, et al. Cultural convergence in the Neolithic of the Nile Valley: a prehistoric perspective on Egypt's place in Africa. Antiquity 2014, S. 95-111.

    Art, zeitliche Verläufe und Umfang der von mir oben angesprochenen Levante-Beziehungen, die jetzt locker-flockig in die vorher angeblich "alternativlose Sahara-Hypothese" eingeflochten werden, sind im übrigen umstritten, nur dem Grunde nach unbestritten.
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    @nefteta:

    Du scheinst an der prähistorischen und dynastischen Geschichte Ägyptens interessiert zu sein. Wäre es dann nicht sinnvoll in einem Forum, einmal einzelne Aspekte auch inhaltlich in Tiefe zu besprechen?
    Etwa Siedlungsgeschichte, Kontakte in die Levante und nach Süden, Wahrnehmung der Sahara-Kontroverse, ihre geschichtspolitische Aufladung bzgl. Ursprünge der Hochkultur Ägyptens als "afrikanisch", Herkunft des "neolithischen Pakets" in Ägypten, Migration der Nutztiere, etc.?
     

Diese Seite empfehlen