Einfluss der Fugger auf den Papst

Dieses Thema im Forum "Das Papsttum" wurde erstellt von Alexander4:), 17. März 2010.

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  1. Alexander4:)

    Alexander4:) Neues Mitglied

    Hallihallo

    Ich werde derzeit ein wenig mit der Frage beschäftigt inwiefern die Fugger Einfluss auf den Papst wirklich hatten.

    Sie konnten ja durch ihre Zuverlässigkeit immer mehr Macht erlangen und den Höhepunkt erreichten sie ja durch die Organisieren des Ablasshandels, der für den Petersdom eingetrieben wurde.

    Konnte der Papst aber überhaupt noch ohne Fugger weiterhin arbeiten?

    Eine weitere Frage wäre auch noch wieviele weitere hohen Herrscher (Könige etc.) sie beeinflussten.

    Gruß Alex
     
  2. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Mindestens ebenso wichtig war, dass die Fugger Karl V. zur Kaiserwürde verhalfen.

    Es gab noch mehr reiche "Handelshäuser", die, wenn nötig an die Stelle der Fugger hätten treten können und wollen. Vielleicht mit weniger Erfolg - wer vermag das im Nachhinein sicher zu sagen. Aber das war ja, zum Nutzen beider Seiten, nicht nötig.
     
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  3. rinoabutzile

    rinoabutzile Neues Mitglied

    Ich glaube, die Medici hatten weit mehr und bedeutenderen Einfluss auf den Papst. Sie stiegen ja schließlich so weit auf, dass sie (ich weiss nicht wie viele) Päpste gestellt haben und auch Ämter bekleideten, die großen Einfluss auf den Pontifex hatten (Bankier des Papstes).

    Die Fugger liehen dem Papst zwar auch Geld (im Jahr 1505, zur Anwerbung der ersten schweizer Garde). Und inwieweit der Ablasshandel wirklich Einfluss ermöglichte... weiss ich nicht.

    Der direkte oder auch indirekte Einfluss hielt sich aber, glaube ich, in Grenzen. Ich habe aber keine Quellen, die meine Annahmen stützen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. März 2010
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Die Frage mit dem politischen Einfluss ist überaus heterogen. Ich denke, dass der Einfluss des Hauses Fugger auf die Politik der Päpste geringer war, als auf der Einfluss auf weltliche Herrscher wie Maximilian I. oder am extremsten vermutlich herzog Siegismund von Tirol, der zu einer Marionette der Fugger wurde. Die Konkurrenz italienischer Bankhäuser war immerhin so bedeutend, dass die Päpste notfalls ohne die Fugger auskommen konnten, wenn diese es auch schafften, zu den bedeutendsten Bankiers von 3 oder 4 Päpsten zu werden. Zur Blütezeit der Fugger konnte Maximilian nichts ohne Jakob den Reichen durchsetzen, doch bei dessen größtem Deal, dem Kauf der Kaiserkrone für Maximilians Enkel Karl V. gegen Franz II. von Frankreich und Heinrich VIII. von England, zeichnete sich ab, dass der Konzern zu groß geworden war und zu groß bereits die Schulden der Habsburger, an die sich das Haus Fugger gekettet hatte. Um überhaupt etwas davon zu bekommen, mussten die Fugger nolens volens die Kriege Karls V. mitfinanzieren, der genau wusste, dass Anton Fugger ihn genauso und noch mehr brauchte, als er ihn.
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Fugger fasstendank ihrer guten Beziehungen zu Kaiser Maximilian und der republik Venedig bereits unter Alexander VI. Fuß im Vatikan und wurden beauftragt, die deutschen Ablassgelder nach Rom zu überweisen. Fuggers Cheflobbyist in Rom war Johannes Zink, der bei zahlreichen Diozösen abkassierte und die richtigen Leute bestach. Die Fugger waren übrigens in Rom so einflussreich, dass sie Julius II., dem Roverepapst, die erste Schweizer Garde von 150 Mann finanzierten.

    Humanisten wie Ulrich von Hutten wetterten gegen den Wucher der Fugger, und diese "schlechte Presse" und ein Anti- Monopolverfahren waren der Grund für die Stiftung der ersten Sozialwohnungen, die Fuggerei in Augsburg.
     
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  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Rom mit seinen häufiger wechselnden Päpsten und all den adeligen Clans und ihren Seilschaften war ein riskanteres Terrain, und das Geschäft mit der Kirche war in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts bereits ausgelaugt, nachdem die Borgias, die Roveres, die Piccolominis und schließlich die Medici die Kassen des Vatikans geplündert hatten und die Kirche nicht mehr soviele lukrative Rechte zu veräußern hatte. Die Kirche war ähnlich wie die Metallvorkommen Tirols erschöpft und ausgebeutet.

    Größere Profite schienen in der "Neuen Welt" zu locken, wo den Fuggern und Welsern zeitweise auf dem Papier ein Imperium von Venezuela bis Feuerland gehörte.

    Das Geschäft mit der Kirche warf übrigens für die Fugger gar nicht mehr so viel ab, als die Medici Päpste wurden, so dass bereits Jakob der Reiche mit dem Gedanken spielte, sich aus der Tibermetropole zurückzuziehen. Nach dem Sacco di Roma, zog sich Anton Fugger ebndgültig aus Rom zurück. Bezeichnenderweise war die Fuggerbank der einzig sichere Ort in der Ewigen Stadt, als die deutschen und spanischen Landsknechte Rom die schlimmste Plünderung zufügten, die es je erlebte. Zuvor schon hatte Anton den alten Zink abgesägt, der wegen seines Geschäftsgebarens zu einer immer größeren Belastung für das Ansehen der Firma wurde.

    Das Geschäft mit dem Glauben, das schließlich die Reformation auslöste, war eigentlich für die Fugger eine reine Gefälligkeit für den Papst. Albrecht von Brandenburg war mit Fuggers Hilfe Erzbischof von Mainz, Magdeburg und schließlich auch noch Erzbischof von Halberstadt geworden. Dass das kanonische Recht eigentlich mehr als einen Bischofssitz verbot und Albrecht erst 23 Jahre alt war, waren offenbar Petitessen. Außerdem waren Albrechts Bistümer ziemlich ausgesaugt. In dieser Lage bot ein Unbekannter, höchstwahrscheinlich Fuggers Mann in Rom, der alte Zink- Albrecht seine Hilfe an. Gegen eine Schuldverschreibung durfte Albrecht nun mehr als 1/3 aller deutschen Katholiken zur Kasse bitten.

    Jakob Fugger, der selbst ablassbriefe für sich und seine Frau kaufte und in seinem privaten Umfeld den Verfall der Kirche monierte, schien das Gespür dafür verloren zu haben, wie skandalös das Geschäft mit dem Glauben auf die gebildete humanistische Öffentlichkeit wirken musste.
     
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Ganz so bescheiden war dann aber der Einfluss der Fugger in Rom doch nicht. Ohne Fuggergeld- und -Protektion war in der Ewigen Stadt nicht viel auszurichten, und was die Fugger ihren italienischen Konkurenten überlegen machte, war ihr ausgedehntes multinationales Handelsnetz. Die meisten italienischen Bankiers beschränkten ihre Aktivitäten auf den Mittelmeerraum, während die Fugger auch in Osteuropa und Skandinavien Einfluss besaßen. Für die Überweisung von Geldern nach Rom waren sie geradezu prädestiniert.

    Wozu Fuggers Cheflobbyist Johannes Zink vermochte, bewies er, als Marcus, ein Sohn von Georg Fugger sich für eine geistliche Karriere entschloss. Dank Zink wurde dieser Jüngling mit gerade mal 13 Jahren Propst in Speyer, während sich andere, verdiente Kleriker nach viel weniger lukrativen Pfründen die Finger leckten.

    Die Art, wie der junge Fugger ins Amt gehievt wurde, ist bezeichnend für die Geschäftspraktiken der Firma. Ein Domherr, der ebenfalls auf diese Pfründe scharf war, versicherte sich des Einfliusses der Fugger un bot dafür 48 Fl. als der geprellte Kirchenmann erfuhr, dass sein Posten an Marcus Fugger und einen anderen Kunden verteilt wurde, beschwerte er sich, doch teilte man ihm mit, dass er für 48 fl nicht mehr erwarten könne, denn die Pfründe kostete in Rom 560 Dukaten. Als der Kleriker sich erbot, diese Summe zu bezahlen, wurde es Jakob Fugger zu bunt, und er erwirkte in Rom eine Verweigerung der Verleihungsurkunde.

    Der Kirchenmann wendete sich daraufhin an Maximilian I., doch der stand ebenfalls in Fuggers schuld und schmetterte ihn ab.

    1506 gelang es Jakob, dem 14jährigen Marcus Fugger, der weder adelig war, noch einen Doktortitel besaß, auch noch das Kanonikat und die Propsttei am Regensburger Dom zuzuschustern, worauf sich der Herzog von Bayern beschwerte.

    Nur Jakob Fugger konnte es gelingen, Albrecht von Brandenburg eine solche Machtfülle zu verschaffen und sich über alle Gesetze hinwegzusetzen.

    Während des Sacco di Roma suchten viele Würdenträger Schutz in der Fuggerbank, wohl der einzig sichere Ort in Rom, sicherer, als die Engelsburg, wohin Papst Clemens sich nur mit Mühe absetzen konnte. Die Fuggerbank überwies übrigens auch die Beuteanteile von Frundsbergs Landsknechten nach Deutschland, was allerdings die Fugger nicht gerade beliebter machte. Nachdem Rom ohnehin ziemlich ausgesogen war, zog sich daher anton Fugger vom Tiber zurück.
     
  8. Impartial

    Impartial Neues Mitglied

    @ Scorpio: Seriös ist, wer auch die Quelle nennt, aus der er abschreibt. In Deinem Fall ist das wohl Günter Ogger: Kauf dir einen Kaiser. Da habe ich einige der von Dir verwendeten Formulierungen praktisch wortwörtlich gefunden. :grübel:
     
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