Einsatz des XVIII. Korps der KuK Armee an der Westfront 1918

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von kwschaefer, 2. August 2007.

  1. kwschaefer

    kwschaefer Aktives Mitglied

    Ein Thema, das mir interessant erscheint für eine Diskussion ist der Einsatz österreichisch-ungarischer Truppen an der Westfront wenige Monate vor Kriegsende.
    Man findet in der gängigen Literatur darüber kaum nähere Angaben.

    Im Juli 1918 erschien an der Westfront das XVIII. Korps der kuk Armee.
    Es bestand aus der 1. Infanterie-Division, der 35. Infanterie-Division, der 37. Honved-Infanterie-Division und der 106. Landsturm-Infanterie-Division.
    Nach manchen Quellen war der 1.ID die 13. Ballon-Kompanie (BK) und der 35. ID die 27. BK zugeteilt.

    In diesem Zusammenhang stellt sich mir eine Reihe von Fragen.
    Waren dem Korps noch weitere Einheiten zugeteilt?
    Hatte es Artillerie-Unterstützung durch eigene Verbände oder nur durch deutsche?
    Waren auch die schon 1914 an der Westfront eingesetzten 30,5 cm-Skoda Mörser wieder nach Frankreich verlegt worden?

    Was löste die Verlegung an die Westfront aus?
    Wo war das Korps vorher eingesetzt?
    Begann die Verlegung erst, als die Offensive am Piave am 22. Juni 1918 gescheitert war?
    Hätten die Verbände zur Stützung dieser Offensive eingesetzt werden können? Wenn ja, warum wurden sie es nicht?
    Wo genau war das Einsatzgebiet dieser Verbände an der Westfront?
    Es war wohl beiderseits Verdun, aber welche Division wurde wo eingesetzt?
    Die 37 Honved-ID sollte wohl in die Vogesen, kam aber später als die anderen Divisionen und kam nicht mehr an die Front.
    Wie lange verblieb das Korps in Frankreich? Bis zum Waffenstillstand
     
  2. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Nur Gerüchte.
    Erzählung meiner Mutter:
    Ein ÖU-Truppenteil zog wenige Tage vor Kriegsende durch meinen "Lebensmittelpunkt" heimwärts Richtung Österreich. Die hätten buchstäblich alles verkauft. Da sei der Bevölkerung eigentlich erst klargeworden, dass wohl alles verloren war.

    Warum die ÖU-Truppen nicht per Bahn transportiert wurden, weiß ich nicht. Verweigerten die Deutschen den Bahntransport? andere Gründe?
    keine Ahnung.


    Die Skoda-Mörser waren 1918 wieder in Frankreich. Aber die Österreicher hätten die erforderliche Munition nicht mitgeliefert. Der letzte Karl hätte negative Auswirkungen auf seine Sonderfriedensverhandlungen befürchtet.
    Quelle? Weiß ich nicht mehr. Deutsche Militärgeschichte 1648-1939?
     
  3. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    In dem zweibändigen österreichischen Werk "Das Ehrenbuch unserer Artillerie" heißt es, dass schon 1914 und dann wieder ab 1915 österreichische Artillerieinheiten an der Westfront im Einsatz waren.

    1918 wurden von den Deutschen abermals k.u.k.-Einheiten für Frankreich angefordert. Es wurden zum Großteil Artillerieeinheiten dorthin verlegt, die z.B. mit 30,5 cm - Mörsern ausgerüstet waren.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Der "Weltkrieg 1914-18" aus dem Reichsarchiv/Reichskriegsministerium geht leider nur bis zu den Sommerschlachten 1917.
    Allerdings gibt es ein weiteres Standardwerk von Glaise-Horstenau:
    Österreich - Ungarns letzter Krieg 1914 - 1918, Band 7.
     
  5. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied


    Stimmt so nicht, ich habe das "Reichsarchiv" komplett, da sind einige Bände dabei, die sich mit 1918 (bis Kriegsende) befassen.

    Ich muss aber gestehen, dass mir über die österreichische Truppenpräsenz an der Westfront nichts erinnerlich ist.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Gibt es denn nach Band 11 noch einen 12.? In den anderen müßte ich es auch nachschlagen, mir ist nicht erinnerlich, dass die Zeiträume bis 1918 abdecken? Oder meinst Du die kleineren Bände "Schlachten des Weltkrieges" aus dem Reichsarchiv. Ich hatte mich auf das Hauptwerk bezogen.
     
  7. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied


    Ich meinte schon die großen Bände (obwohl in den kleineren 36 auch sehr viel über 1918 drinsteht).

    Die Bände nach dem 11. heißen:

    Band 12: Die Kriegsführung im Frühjahr 1917
    Band 13: Die Kriegsführung im Sommer und Herbst 1917
    Band 14: Die Kriegsführung an der Westfront 1918
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Nachgeschaut, bis 12 habe ich die.
    Ich dachte, 14 und 13 sind nach dem Band 12 von 1938 nie erschienen, angeblich soll da eine Kleinstauflage für den militärischen Dienstgebrauch existieren, das habe ich für ein Gerücht gehalten.
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Habe heute Nacht mal in "Dorsten/Wünsche Der erste Weltkrieg" aus dem Militärverlag der DDR reingeschaut.

    Die schreiben, nach langwierigen Verhandlungen zwischen der OHL und dem ÖU Oberkommando wurden 30,5 Skoda-Mörser an die Westfront verlegt, der Verlegung von weiteren Truppen verweigerte sich das ÖU Oberkommando entschieden.

    Was ja so gar nicht stimmen kann.
     
  10. Repo

    Repo Neues Mitglied

  11. kwschaefer

    kwschaefer Aktives Mitglied

    Kommandeur des XVIII. Korps an der Westfront war FML Ludwig Goiginger.
    Feldmarschalleutnant Ludwig Goiginger
    (Das dort angegebene Einsatzgebiet des Korps -Oberelsass- ist jedoch falsch)

    Einige Informationen gibt es bei Rauchensteiner - Tod des Doppeladlers, Graz 1993.
    Danach hat die OHL am 21. Juni 1918, also noch während der Piave-Offensive, die Entsendung von "zunächst 5-6 Infanterie-Divisionen" angefordert, darunter aber keine tschechischen Truppen. Kaiser Karl und das KuK Armeeoberkommando stimmten zunächst nicht zu, aber auf ein dringendes Telegramm Hindenburgs, dass die Entscheidung angesichts der immer stärker werdenden amerikanischen Truppen im Westen fallen werde und deshalb die KuK Armee alle Angriffsoperationen in Italien einstellen und freiwerdende Kräfte an die Westfront entsenden solle, lenkten sie schließlich ein. Im Juli wurden dann die 1.ID und die 35.ID verlegt, im September die 37.Honved-ID und die 106 Landsturm-ID.
    Als die KuK Truppen an der Westfront eintrafen, wurden sie laut Rauchensteiner von der deutschen Truppen als "Kriegsverlängerer" beschimpft.
    Die 35.ID kam zunächst zum Einsatz im St.Mihiel-Bogen ab 12. September 1918 bei der ersten erfolgreichen Offensive der Amerikaner. Die Division verlor hier fast die Hälfte ihres Bestandes.
    Die 1.ID wurde nördlich von Verdun eingesetzt. Hier unternahmen die Amerikaner ab Anfang Oktober den Versuch, bis auf Sedan, den zentralen deutschen Nachschubknoten, vorzustoßen. Am 11. Oktober 1918 kämpfte die Division wohl noch erfolgreich, was daraus zu schließen ist, dass dem Oberstleutnant Rudolph Popelka, dem Komandeur des 5. Infanterieregiments, der Pour leMerite verliehen wurde, als dem einzigen ausländischen Offizier unter Generalsrang übrigens. Wenige Tage später war die Division allerdings aufgerieben, hatte über die Hälfte die Hälfte des bestandes verloren und musste aus der Front herausgenommen werden.

    Damit war der Einsatz der KuK Infanterie an der Westfront wohl schon zu Ende, denn die beiden anderen Divisionen kamen wohl nicht mehr an die Front.

    Interessant wäre, ob die Divisionen wirklich aus der Piave-Front herausgelöst wurden. Wenn man Berichte von Zeitzeugen liest, waren die KuK-Truppen bei der Piave-Offensive im Juni 1918 in einem miserablen physischen Zustand. Ihre Versorgung war sehr schlecht, und ein Argument, die Soldaten für die Offensive zu begeistern, war, dass sie bald auf Versorgungslager der Alliierten treffen würden. Überall hinter der Front waren Wagenzüge für den Abtransport erbeuteter Lebensmittel organisiert und den Soldaten war gesagt worden, dass auch sie selbst erbeutete Lebensmittel nach Hause schicken könnten. Einige Angriffe bei dieser Offensive mussten abgebrochen werden, weil die Soldaten aus körperlicher Schwäche einfach nicht mehr weiter laufen konnten. Rauchensteiner spricht nur einmal beiläufig von den physischen Mängeln der Divisionen, was auf den Abzug vom Piave hinweisen könnte. Wenn dem so ist, muss man sich wundern, dass diese Truppen in einem fremden Land, in einem fremden Umfeld, überhaupt noch kampfkräftig waren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. August 2007
  12. kwschaefer

    kwschaefer Aktives Mitglied

    Wie wichtig der Einsatz von zusätzlichen KuK Bodentruppen über das XVIII. Korps hinaus an der Westfront eingeschätzt wurde, zeigen die folgenden Zitate:

    Am 29. September 1918 telegraphierte der Verbindungsoffizier bei der OHL, FML Alois Klepsch, an das KuK Armeeoberkommando:
    „Eine Aussprache mit hiesiger Heeresleitung bestätigt sehr großen Ernst der Lage. Die Abgabe von Divisionen für Bulgarien hat die Lage an der Westfront bedenklich beeinflusst, und die Bitte um möglichst noch KuK Divisionen nach dem Westen ist äußerst dringend. Halt der Front sonst höchst fraglich. Schriftlicher bericht folgt.“

    Am 8. Oktober 1918 schrieb Hindenburg an Generaloberst Arz. selbst. Er bat „zu erwägen, ob nicht die Lage in Italien jetzt als so entspannt betrachtet werden kann, dass weitere KuK Divisionen an die Westfront geschickt werden können. Sie sind hier dringend notwendig.“

    Arz antwortete darauf am 23. Oktober, dass man die sich überstürzenden innenpolitischen Ereignisse in Österreich-Ungarn berücksichtigen müsse, die „jederzeit gewaltigen Einfluss auf die Widerstandskraft unserer italienischen Front haben können.“ Er verfüge nur über drei Divisionen in Italien von einer solchen Qualität, dass er sie nach dem Westen senden könne. Dieselben Divisionen brauche er aber, um „etwa ausspringende Kräfte sofort ersetzen können.“

    Hindenburg telegraphierte aber am 30. Oktober erneut an Generaloberst Arz: „Die Lage an der Westfront erfordert dringend weitere Verstärkung durch KuK Kräfte. Da zur Zeit die Witterungsverhältnisse einen Angriff Italiens gegen Österreich-Ungan ausschalten, bitte ich Sie dringend um die Zuführung von etwa vier KuK Divisionen.“
    (Zitate der Quellen nach Nowak, Chaos, Wien 1923)

    Die Zitate zeigen, wie sehr die OHL im Herbst 1918 am Ende ihres Lateins war.
    Das letzte Telegramm Hindenburgs wurde an dem Tag geschickt. an dem Kaiser Karl sein sog. Oktobermanifest herausgab, dass allen Völkern der Monarchie große Freiheiten im Rahmen einer föderalen Struktur verhieß, aber so spät kam, dass keines der Völker mehr mit dem Maß an Freiheit zufrieden war, das ihm angeboten wurde.
    Selbst wenn das AOK dem Wunsch der OHL entsprochen hätte, wären die Truppen wohl nicht mehr bis an die Westfront gelangt. Den Zusammenbruch der Isonzo-Front hätte das Herausziehen der Divisionen aber wohl noch beschleunigt, denn entgegen der Auffassung von Hindenburg bereiteten die Italiener schon seit Monaten eine Offensive vor. Davon war auch der Kommandeur der Isonzo-Armee, Feldmarschall Boroevic, fest überzeugt und er hatte Arz darauf hingewiesen.
     
  13. kwschaefer

    kwschaefer Aktives Mitglied

    Von Cisco habe ich per PN die folgenden Informationen erhalten.
    Vielen Dank auch hier noch einmal!


    Wie man sieht, waren außer den auch in anderen Quellen genannten Infanterie-Divisionen auch eine ganze Anzahl Artillerie-Verbände nach dem QWesten verlegt worden. Darunter auch 30,5 cm Skoda-Mörser und 42 cm-Haubitzen.

    Genaueres über die Einsätz ist leider nicht enthalten. Es sieht hier so aus, als sei die 106. LandsturmID doch zum Einsatz gekommen. Darüber findet man in anderen Quellen nichts.
     
  14. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Interessant.
    Da die Tschechen m. W. nach dazu neigten, zu den russischen "Brüdern" überzulaufen, wäre es doch eigentlich eine schlaue Idee gewesen, die vorzugsweise im Westen einzusetzen.
     
  15. kwschaefer

    kwschaefer Aktives Mitglied

    Alle Nationen der Monarchie kämpften gegen die Italiener einsatzfreudig und verbissen: Das blieb so, bis die Monarchie zerfiel und die nationalen Regierungen die Truppen aus der Front zurückriefen. Deshalb war es am schlauesten, die potentiell unzuverlässigen, wie insbesondere die Tschechen, aber auch die Rumänen, an der Front gegen Italien einzusetzen. Allerdings bestand die an der Westfront eingesetzte 35.ID, die aus Siebenbürgen kam, zum Teil aus Rumänen.
     
  16. kwschaefer

    kwschaefer Aktives Mitglied

    Ich bin jetzt noch auf ein Buch zum Thema gestossen:

    Jean-Claude Laparra, Le prix de l'alliance : Les Austro-Hongrois sur le front Ouest, Ysec, 2002

    Im Dezember soll eine Taschenbuchausgabe davon herauskommen.

    Kennt es jemand?

    Eine übersetzung in Deutsch oder Englisch gibt es wohl noch nicht.
     
  17. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Richtig.
    Alle, incl. der im Habsburgerreich lebenden Italiener!

    Wobei ich nicht garantieren kann, daß die mir im Gedächtnis verbliebenen Zitate oder Briefe nun wirklich repräsentativ sind für die Stimmung dieser Leute damals - aber die wollten wohl deutlich nicht viel mit ihren "Landsleuten" insbesondere aus dem Süden zu tun haben und waren nach deren Einmarsch geschockt über die Primitivität und den Analphabetismus der einfachen italienischen Soldaten.
     
  18. Cisco

    Cisco Neues Mitglied

    @silesia

    Die Bände 13 und 14 sind erst nach dem 2.WK fertiggestellt worden.
    Herausgegeben vom Bundesarchiv Koblenz in den 50er Jahren.
    (und auf dem Markt nicht zu erhalten - suche schon seit 20 Jahren danach.)
     
  19. Cisco

    Cisco Neues Mitglied

    Noch ein Literaturhinweis:

    Franek, K.u.k. Truppen im Westen
    Mil.wiss.Mitt., Wien, Jahrgang 1931, Mai und Juni Heft

    Gruß

    Cisco
     
  20. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Mir geht es ähnlich. Es ist ein bißchen off topic, aber beim lesen der Beiträge fiel mir ein, dass an der Ostfront in Galizien 1916 auch türkische Truppen im Verband der Mittelmächte kämpften.
     

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