Einwohnerzahlen

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von hermann46, 2. April 2013.

  1. hermann46

    hermann46 Neues Mitglied

    Hallo zusammen,
    Für einen Aufsatz über die Einwohnerntwicklung meines Heimatortes Briedel suche ich genaue Zahlen für das 17. Jahrhundert.
    Ich habe aus diesem jahrhundert merere Steuerlisten, die jedoch immer nur den Haushaltsvorstand (Feuerstelle) nennen, nie die dahinter stehende Personenzahl.
    Mit welchem Faktor kann man die Haushalte hochrechnen.

    Ich schätze, mit 5 wäre ganz gut getroffen.
    Lt. einer Veröffentlichung des Statistischen Landesamtes betrug die Quote von 1871 - 1925 in Rheinland-Pfalz 4,7 - 4,8.


    Gibt es Literatur / Tipps, wie man Einwohnerzahlen von 1000 bis 1400 annäherungsweise schätzen kann?

    Danke für Eure HIlfe.

    Hermann
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gibt es keine Kirchenbücher mit Geburts- und Sterberegistern?
     
  3. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    das 17. Jh. dürfte dort noch nicht vorhanden sein, aber fürs 19. wären die so genannten Staatshandbücher vielleicht ergiebig - der Schriftsteller Arno Schmidt war ganz versessen auf die.
    z.B. Deutschland, Hof- und Staatshandbücher, 1801-1928
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    5 Personen für einen Haushalt halte ich für viel zu wenig.
    Du hast
    1. Kinder
    2. nicht mehr steuerlich erfasste Altenteiler
    3. Gesinde (Mägde, Knechte)
    4. Einlieger und dergleichen (so eine Art Untermieter)

    Die Zahl der Bewohner eines Haushaltes hängt stark von der dörlichen Struktur ab. Wieviele Seldner, Vollbauern etc. gab es?

    Bei Seldnern kannst Du in der Regel von Familien mit mehreren Kindern ausgehen.
     
  5. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Die Hochrechnung mit Faktor 5 ist eine gängige Methode. Ist natürlich nur dort möglich, wo Quellen vorliegen, die eben Hausstellen bzw. Hausvorstände nennen. Bei denen gibt es allenfalls noch die Möglichkeit - wie von El Quijote genannt - die Steuerbücher mit einer eventuellen Kirchenbuchüberlieferung abzugleichen.
    Doch diese - wie z.B. Berechnungen der Grundabgaben, Türkensteuerlisten - reichen meist höchstens ins 15. Jahrhundert zurück. In größeren Städten wie Reichsstädten gibt es häufig Amtsbuchserien zurück bis maximal ins 13. Jahrhundert, aus denen sich mehr oder weniger gut Schätzungen treffen lassen.
    Für Dörfer fehlt eine solche Überlieferung und aus der Zeit des Früh- und Hochmittelalters gibt es meist ein paar Urkunden. Üblicherweise sind dort nur einzelne Personen oder Höfe genannt, die nur ein fragmentarisches Bild der Zeit ergeben.
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Müsste dieser Wert aber nicht stark vor 1800 schwanken, als der Anteil der Vollbauern noch größer war?
    Mir sind jetzt nur Zahlen aus Hohenlohe bekannt. Dort drehte sich das Verhältnis Vollbauern/Seldner etc. im Laufe des 18.Jh. praktisch um.
     
  7. hermann46

    hermann46 Neues Mitglied

    Hallo,
    Danke für Eure bisherigen Informationen.
    Mir liegt eine Steuerliste von 1624 vor, die als "wohl vollständige Haushaltsliste" angesehen wird, da wahrscheinlich alle Familien in der Reihenfolge der Hauslage aufgezeichnet sind, dabei auch diejenigen, die keine Steuer zu zahlen hatten.

    In der Amtsbeschreibung von 1787 werden 732 Einwohner genannt, die ein 138 Häusern lebten.
    Da wäre ich dann auch wieder bei den ca. 5.

    Die Kirchenbücher sind relativ gut ausgearbeitet. Leider fehlen aber für die fragliche Zeit einige Sterbeeinträge, sodass eine Rückrechnung zu verfälschten Ergebnissen führen kann. Die damit erforderliche enorme Sortier- und Rechenarbeit wollte ich mir aber ersparen.

    Die Winzer-Familien hier an der Mosel lebten auch generationenübergreifend zusammen, jedoch nicht in so großen Familienverbänden. Durch die übliche Realteilung war der Besitz stark gesplittert, bzw. die Lehnsverhältnisse der überwiegend kirchlichen Besitzer waren auf viele Familien verteilt. Die Häuser benötigten nicht das große Volumen von großen Bauernstellen, sodass junge Genertionen leichter auf ererbtem Grund ein kleines Wohnhaus errichten konnten. Das führte zu doch etwas gleichbleibenden Familienstärken in den jeweiligen Häusern.

    Gruß
    Hermann
     
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