Erschließung neuer Märkte im 19. Jahrhundert durch England

Dieses Thema im Forum "Westeuropa" wurde erstellt von cathy, 12. Januar 2010.

  1. cathy

    cathy Neues Mitglied

    Hallo :)

    nachdem ich lange im Internet gesucht habe, versuche ich nun hier mein Glück. Ich hoffe einer von euch kann mir helfen:)
    Muss ein Referat halten, Aufgabenstellung seht ihr ja im Titel.
    Leider hab ich keine Ahnung was damit gemeint ist oder wie ich die Antwort angehen könnte. Im Internet findet man dazu auch nicht viel.
    Das Einzige was mir bis jetzt in den Sinn gekommen ist, dass es sich um die Kolonialpolitik Englands handelt und dass einer der neuen Märkte "Tee" ist.
    Wäre euch sehr verbunden, wenn ihr mir schnellstmöglich eine Antwort geben könntet, vielleicht steh ich auch nur auf dem Schlauch..

    Liebe Grüße,
    eure Cathy
     
  2. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Spontan würde ich mal sagen: Neue Märkte auf dem europäischen Kontinent und dabei Kolonialwaren im Allgemeinen, also nicht nur Tee, sondern auch Kaffee, Tabak und insbesondere Baumwolle (gerade englische Textilerzeugnisse waren sehr gefragt). Kolonialwaren deshalb, weil England zunächst alle Waren aus den Kolonien nach England transportieren ließ, bevor sie Richtung europäischer Kontinent weiterverkauft wurden. Die englischen Häfen der Zeit waren ein riesiger Warenumschlagplatz und die Kolonialwaren waren insbesondere in Ländern mit weniger Kolonien heiß begehrt. Gerade im 19. Jahrhundert - im Zuge einer weit um sich greifenden Industrialisierung, war auch englischer Stahl und entsprechende Maschinen heiß begehrt.

    Neue Märkte in den englischen Kolonien, weil auch hier England die gewünschten Waren für die Kolonien ausschließlich von England aus verschiffte. Hier auch wieder Stahl, Maschinen und in England veredelte Produkte (bspw. auch wieder Textilien), aber auch Rohstoffe aus England zur Veredelung in den Kolonien (Wolle, Leder).
     
  3. Gil-galad

    Gil-galad Aktives Mitglied

    Ich möchte die Ausführungen von Lili noch um den einen oder anderen Aspekt ergänzen.

    Da in England die Industrialisierung bereits mit dem Ende des 18. Jahrhunderts einsetzte, waren die englischen Waren in Europa sehr begehrt, da sie den Qualitätsstandard der einheimischen Waren bei weitem übertrafen. Deshalb darf, wie von Lili bereits ausgeführt, Kontinentaleuropa als wichtiger Markt gelten. Das spiegelt sich auch in der Entwicklung der Markenzeichens "Made in Germany" wider. Die deutsche Industrie fing mitte des 19. Jh. an, englische Produkte zu kopieren. Diese entsprachen aber überhaupt nicht der Qualität der Originalprodukte, also führte man die Kennzeichnung "Made in Germany" ein, um die Kunden vor der minderen Qualität der deutschen Erzeugnisse zu warnen. Dies blieb aber nicht lange so, bald sollte das noch heute gebräuchliche Kennzeichen zu dem Inbegriff für Qualität avancieren.

    Eine extrem wichtige Rolle in spielt in diesem Zusammenhang die Kolonialisierung. Durch die Annektion der Kolonien konnte man nicht nur auf einen erheblichen Rohstoffvorrat zurückgreifen, man schuf sich gleichzeitig einen Markt für Fertigprodukte. Durch die Beherrschung der Kolonien konnten zusätlich die Transaktionskosten gesenkt werden, da Zollschranken und Einfuhrbeschränkungen entfielen. Zudem konnten durch die weitere Entwicklung der Dampfmaschine die Transportkosten gesenkt werden, da Dampfschiffe und die Eisenbahn größere Gütermengen noch schneller transportieren konnten.
    Betrachtet man die Kolonien, so spielt das Welthandelsdreieck eine wichtige Rolle. Betrachtet man hier die Beziehung zwischen England, Amerika und Afrika sieht man folgenden Zusammenhang: In Afrka wurden Sklaven gefangen und an die amerikanischen Kolonien verkauft. In diesen wurde dann mit Hilfe dieser Sklaven Baumwolle auf den Plantagen produziert. Diese wiederum verschiffte man nach England, wo sie dann weiterverarbeitet und als teuere Fertigprodukte verkauft wurde, unter anderem auch an die afrikanischen Kolonien, die wiederum die Sklaven beschafften... Ein ähnliches Beispiel kann man für die Zuckergewinnung, wie hier dargestellt aufmachen.
    Dieses Handelsdreieck hatte entscheidende Vorteile für den Aufschwung der englischen Industrie v.a. der Textilindustrie. Man verfügte über einen erweiterten Markt und günstige Rohstoffe. Zudem verdiente man an jedem dieser Transaktionsschritte mit, sei es direkt über Beteiligungen oder indirekt über Steuern.

    Wichtig ist, dass diese Zusammenhänge immer vor dem Hintergrund der Industrialisierung bzw. der industriellen Revolution zu sehen sind. Diese Entwicklung veränderte das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Europa grundlegend und ist der Ausgangspunkt für die Möglichkeit überhaupt neue Märkte im großen Stil zu erschließen, da eine landwirtschaftlich geprägte Gesellschaft in aller Regel zu geringe Überschüsse erwirtschaftet um damit im großen Stil Handel zu treiben, das gilt insbesondere für die englische Landwirtschaft. Zudem war das merkantilistische System aus der Zeit des Absolutismus nicht gerade exportfreundlich durch extreme Einfuhrbeschränkungen und Zölle.

    (wichtigste Quelle für meine Ausführungen: Noll, Bernd Prof. Dr. (ohne Jahr): Wirtschafts- und Sozialgeschichte I. Vom Feudalzeitalter bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges (1914). Nichthektographiertes Vorlesungsskript an der FH Pforzheim.)
     
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