Etwas spät - Patrice Lumumba zum 100.

Stilicho

Aktives Mitglied
Patrice Lumumba (2.7.1925 - 17.1.1961)
Ermordet durch CIA und den belgischen Staat.
Symbolfigur der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegung.

Eine Würdigung zum 100.:

 
Man sollte allerdings auch realistisch bleiben: Fast alle Hoffnungsträger und "Freiheitshelden" Afrikas entwickelten sich - sofern sie nicht alsbald gestürzt oder ermordet wurden - zu Autokraten, die ihre Länder mitunter übler heimsuchten als die ehemaligen Kolonialherren. (Im Fall des Kongo wäre das freilich nur schwer möglich.) Gerade Idealisten und Ideologen waren oft die schlimmsten, weil sie ihre Ziele oft ohne Rücksicht auf Verluste (und ohne die nicht in ihr Weltbild passende Realität zur Kenntnis zu nehmen) zu verwirklichen versuchten. Demokratisch blieb nach der Erlangung der Unabhängigkeit fast kein Staat, fast überall etablierten sich Einparteiensysteme. Erst in den 90ern erfolgte vielerorts wieder eine Demokratisierung.
 
Man sollte allerdings auch realistisch bleiben: Fast alle Hoffnungsträger und "Freiheitshelden" Afrikas entwickelten sich - sofern sie nicht alsbald gestürzt oder ermordet wurden - zu Autokraten, die ihre Länder mitunter übler heimsuchten als die ehemaligen Kolonialherren.

Diese Autokraten sollte man sich allerdings näher anschauen. Die meisten von ihnen waren vom Westen gestützt und geschützt.
Solange die Ausbeutung der Rohstoffe nicht gestört wurde, war "uns" doch jeder Diktator recht.

Mobutu wurde durch Belgien und die USA gestützt, Bokassa durch Frankreich. Mit Idi Amin hatten wir gute Beziehungen, sowjetische Waffenlieferungen erhielt er auch. Die Liste lässt sich lange fortsetzen. Da sollte man jetzt nicht aus unserem Blickwinkel die fehlende Demokratrie kritisieren.
 
Dass die meisten Diktatoren vom „Westen“ – oder von der Sowjetunion (oder ihren Vasallen wie Kuba) – unterstützt wurden, ist richtig. Dass der jeweilige Unterstützer oft mithalf, sie an der Macht zu halten, und auch selbst von ihnen profitierte, ebenfalls.

Das „zwang“ sie aber nicht dazu, Diktatoren zu werden.
 
Die Probleme in der Hinsicht liegen viel tiefer, wollte man darüber diskutieren wäre der entsprechende Faden wohl der bessere Weg.
 
Das „zwang“ sie aber nicht dazu, Diktatoren zu werden.
Mir ist noch nicht klar, was das mit Patrice Lumumba zu tun hat.
War/ist nicht ein Militärputsch meistens der Anfang einer Karriere als Diktator, wie bei Bokassa und Idi Amin? Davon war der Zivilist Lumumba doch weit entfernt, d.h. er war kein Militär.
 
Mir ist noch nicht klar, was das mit Patrice Lumumba zu tun hat.
Direkt gar nichts.
Mir ging es nur um die "Würdigung". Viele "Hoffnungsträger" wurden anfangs gefeiert, aber wenn sie es schafften, lange genug zu leben und sich an der Macht zu halten, blieb vom anfänglichen Glanz meist nicht allzu viel übrig und entpuppten sich ihre Phrasen von Freiheit und Selbstbestimmung etc. oft als recht hohl bzw. zeigte sich, dass sie damit nur Freiheit und Selbstbestimmung gegenüber den Kolonialmächten meinten, nicht aber auch Freiheit und Selbstbestimmung für ihre Bürger.
Natürlich ist nicht gesagt, dass auch Lumumba diesen Weg gegangen wäre. Aber rein statistisch gesehen war die Wahrscheinlichkeit wohl recht hoch.
War/ist nicht ein Militärputsch meistens der Anfang einer Karriere als Diktator, wie bei Bokassa und Idi Amin?
Nicht unbedingt.
In Ghana etwa kam Nkrumah – auch ein Hoffnungsträger und Freiheitheld – durch Wahlen an die Macht und führte das Land in die Unabhängigkeit. Er stieß auch viele Reformen an. Trotzdem regierte er zunehmend autoritär, bis er gestürzt wurde.
In Tansania etwa gelangte Nyerere durch Wahlen an die Macht, errichtete aber ein Einparteiensystem.
Die meisten afrikanischen Staaten wurden als Demokratien in die Unabhängigkeit entlassen, und ihre ersten Führer gingen aus - oft noch unter Kolonialherrschaft abgehaltenen - Wahlen hervor. Aber meist wurden sie entweder bald beseitigt oder aber beschritten selbst autoritäre Pfade.
 
Viele "Hoffnungsträger" wurden anfangs gefeiert, aber wenn sie es schafften, lange genug zu leben und sich an der Macht zu halten, blieb vom anfänglichen Glanz meist nicht allzu viel übrig....

Das kann man natürlich jedem unterstellen. Nicht nur in Afrika.
"Only the good die young".

Niemand weiß, was daraus geworden wäre. Das ist aber wiederum kein Grund, vorhandene Verdienste zu schmälern, wenn sie vielleicht später wieder zunichte gemacht worden wären.
Festzuhalten bleibt, dass die überwiegende Zahl von Demokratisierungsversuchen in der Dritten Welt durch Interventionen seitens der Westmächte, vor allem der USA, verhindert wurden. Seien es direkte oder indirekte Interventionen.
 
Che Guevara ging ja nach der erfolgreichen Revolution auf Kuba, vor dem Desaster in Bolivien, in den Kongo. Er war von den Kongolesen wenig begeistert. In seinem etwa 100 Mann starken Kontingent waren hauptsächlich afrikanischstämmige Kubaner, er fiel als Weißer auf und die Kongolesen misstrauten ihm. Aber er schrieb auch in seinem afrikanischen Tagebuch über Kabila, den er sinngemäß als Hurenbock bezeichnete. Guevara war mit den Verhältnissen in der kongolesischen Guerilla alles andere als zufrieden und brach das Projekt Kongo nach 100 Tagen ab. DAs über 30 Jahre später Kabila Mobuto stürzen würde und Präsident des Kongo würde, war da nicht vorauszusehen. Aber letztlich hat Guevara die Charkaterzüge Kabilas schon 1965 ganz gut beschrieben.
 
Auch Kabila seniors Ermordung wurde vermutlich von der Regierung Ruandas mit Unterstützung der USA durchgeführt.
 
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