Fachwerkhäuser

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Köbis17, 19. November 2008.

  1. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gibt dennoch eine ganze Reihe an Fachwerk. In England meist im Tudor-Stil gebaut, der mir sehr viel holzverbrauchender scheint, als das der mitteleuropäischen Fachwerkbau (wenn man mal von regionalen Holzvertäfelungen und Holzverschindelungen absieht): Die Ständer werden viel dichter gesetzt, die Schnörkel an den Balken sind viel stärker ausgeprägt.
    Spätestens seit dem späten 18. Jhdt. - für frühere Zeiten kann ich leider keine Angaben machen - hat England sehr viel Holz für seine Schiffe aus Russland bezogen. Das war im Übrigen dann auch der Grund für den Russlandfeldzug Napoleons, weil mit dem Ausscheiden der Russen aus der Kontinentalsperre, England wieder leichter an Holz (und andere Schiffsbaumaterialien) kam.
     
  3. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Eines der schönsten Fachwerkhäuser in England, das ich gesehen habe, ist das Geburtshaus Shakespeares in Stratford-upon-Avon.
     
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  4. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Mir wurde per Bewertung gesagt, ich solle doch mal erklären, was ein "Umgebindehaus " ist.
    Ich versuche es.

    Umgebindehäuser zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein massives Erdgeschoss haben. Ein Steinhaus für sich unten. Um dieses Haus wurden Stiele, Streben Knaggen usw. gesetzt, um das folgende Geschoss aus Fachwerk und das Dach zu tragen.
    Dieses "Umgebinde" trägt alleine die Last des oberen Geschosses und des Daches.
    Alle Handwerker haben daran profitiert. Zimmerleute, Maurer, Schmiede, Dachdecker usw.
    Eigenartig ist nur, das die meisten in der Oberlausitz vorkommen. Hatten sie doch durch das erste Geschoss, schon statische Vorteile, anders, als wenn das Umgebinde nur das Dach tragen musste.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. November 2008
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  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das Umgebindehaus habe ich als typisch "sorbisch" in Erinnerung.
     
  6. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    In Umgebindehaus ? Wikipedia wird ein Mix der traditionellen Bautechniken von Slawen (Steinblockerdgeschoß) und einwandernden Deutschen (Fachwerkobergeschoß) angedeutet.
    Ist diese Kombination plausibel? Das Steinerdgeschoss hätte doch das Obergeschoss genauso getragen.
    Also von der Statik her, ist das irgendwie doppelt.

    Die Verbreitung scheint nicht nur auf die Lausitz beschränkt zu sein. Ich erinnere mich auf der Fahrt von Dresden nach Prag kurz vor der Grenze diese Umgebindehäuser gesehen zu haben.
    Außerdem werden sie in Wiki für Schlesien als Weberhäuser erwähnt. Da mich die schlesischen Weber immer interessieren, kann das jemand bestätigen?
     
  7. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Doppelt hält bessern.
    Konnte damals die Stabilität einer Konstruktion überhaupt so genau abgeschätzt/berechnet werden, dass man nicht sehr großzügig mit zusätzlicher Stabilisierung hantieren musste?
     
  8. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Zumindestens ist mir nicht bekannt , das im Bereich des Fachwerkbaues
    vor dem 19. Jhdt berechnet wurde.

    Die örtlichen Handwerker und Baumeister schöpften aus Erfahrungen.
    Kenntnisse bekamen sie auch über die Wanderschaft.
    Jetzt könnte man mutmassen , das darin auch Wissen und Können der
    mittelalterlichen Dombauhütten eingeflossen war.

    Bei Fachwerk geht die Ausführung ja nicht nur auf die unerlässliche
    Stabilität ein , sondern wurde sehr oft auch auf einen Schmuck -
    Charakter / Repräsentation getrimmt - in Form geometrischer Muster
    der Balken- Verbände , auskragende Schnitz- Elemente / Stockwerks-
    Überstände etc.

    Ein weiteres Problem ist die Ausfachung , wenn man Flechtwerk , welches
    mit Lehmstoffen ausgefüllt werden soll , zugrunde legt.
    Man braucht bei der Ausfachung um so mehr Bauzeit , je grösser die Fläche
    ist , weil durch die Fliesseigenschaft des Bewurfs immer wieder Zwischen-
    trocknungszeit erforderlich ist - sonst rutscht der Bewurf ab.
    Bei Ausfachung nur mit vorgetrockneten Lehmziegeln gibt es das Problem
    nicht - atm. weiss ich jedoch nicht , ab wann diese Technik eingesetzt
    wurde.
     
  9. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich muss dazu noch sagen, das diese Häuser keine Gründung (Fundament) hatten, was wohl auf die Feuchtgebiete dort zurückzuführen ist. Sie wurden auf einen "Schwell" gebaut. Ein zweites Stockwerk hätten sie nicht tragen können.
     
  10. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Grüezi

    Um wieder auf das ursprüngliche Thema, das Fachwerkhaus, zurück zu kommen: Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass hier verschiedene Begriffe durcheinander gebracht werden. Ich versuche es mal zu strukturieren.

    Der Fachwerkbau (in CH Riegelbau) bezeichnet eine Ständerbauweise, bei der die Zwischenräume ausgefacht sind. Die Ausfachung bedingte eine viel feinere Unterteilung der Flächen mit Riegeln, Streben und aller Art Zierhölzern. Dazu konnte auch krummes und zu kurzes Bauholz verbaut werden, das sonst am Bau keine Verwendung gefunden hätte. Mit der Zeit entwickelte sich der Fachwerkbau hin zu einer "Zier-Konstruktionen".

    Die freien Flächen/Zwischenräume konnten mit verschiedenen Materialen ausgefacht werden. Je nach dem was örtlich vorhanden war. Oder wie vermögend der Bauherr war.
    -Flechtwerk aus mit Lehm verstrichenen Hasel- und Weidenruten.
    -Ausfachung mit Lehmwickeln, zusammengedrehte Lehm/Stroh-Würste (in CH Wellenwand)
    -Ausmauerung mit Geröll und Lehm, später Kalkmörtel.
    -Ausmauerung mit getrockneten Lehmbausteinen.
    -Ausmauerung mit gebrannten Backsteinen.

    Je nach Region wurde die Ausmauerung verputzt, bei der Flechtwand war sie es sowie so. Oder man verputzte gleich die ganze Fassade, damit wurde sie etwas witterungsbeständiger und schützte vor der Kälte. Und später wurde verputzt um den Brandschutz zu verbessern. Erkennbar ist das heute an den angepickten Holzkonteilen.

    Gruss Pelzer

    .
     
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  11. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Das war eine Vergewaltigung der deutschen Baukunst.
    Das würde heute keiner mehr machen. Da kann man auch von innen dämmen.
     
  12. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Nein - aber bedenke. Das Verputzen hat sie gerettet. Die Unverputzten sind längst verfault oder abgebrannt...

    Gruss Pelzer

    .
     
  13. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Was ist das?
     
  14. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    "angepickte Holzteilen" hätte das heissen sollen :rotwerd:

    Gruss Pelzer
     
  15. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Da hat man Kerben in das Holz gehauen, damit der Putz hält.
    Viele Maurerverbrecher haben auch Nägel und Draht benutzt.
    Mich schüttelt es, wenn ich nur daran denke.
    Dabei sagt doch der gesunde Menschenverstand, dass das Holz atmen muss, auch wenn es tot ist. Das Holz von der Luft abzuschliessen, ist der grösste Fehler. Das fault weg.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. November 2008
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  16. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Da kann ich natürlich nicht mitreden.
    Das Verputzen des Fachwerks war in Württemberg eine Feuerschutzvorschrift von der Mitte des 18. Jahrhunderts an.
    Erst in den 70ern des 20. Jahrhunderts wurden die Fassaden wieder freigelegt.
    Aber dafür haben die Häuser nach Putz abklopfen gut ausgesehen. Nix bis wenig verfault.
     
  17. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Um wenigstens einen kleinen Beitrag zu leisten, hatte ich über die Entstehung der Fachwerkbauweise herausgefunden, daß ihr Vorläufer - wenig überraschend - auf den Holzgerüstbau der Steinzeit zurück geführt wird. Während der Eisenzeit entwickelte sich in Nord- und Mitteleuropa, vornehmlich im Küstengebiet, für den Pfostenbau gewisse Versteifungen und Steinpackungen für die Holzpfosten und für Schweden um 300 wurden die Verzapfungen der Balken mit Holznägeln belegt. Aber der Ständerbau entwickelte sich erst ab 1000 n. Ztr. Statische Voraussetzung oder Veränderung war gewiß einerseits die Schwellenkonstruktion, die den Geschoßausbau mit mehreren Stockwerken ermöglichen sollte; aber erst seit dem 13. Jh. entwickelte man - wohl im südöstlichen Westfalen - eine Konstruktion, die den Einbau eines tragfähigen Dachraumes über der Diele erlaubte, weil man die Ankerbalken- durch die Dachbalkenkonstruktion zu ersetzen begann: Während bei der Ankerbalkenkonstruktion der Dachsparren dem sog. Rähm oder Rahmen auflagen, wobei letztendlich die Last von den Pfosten getragen wurde, erlaubte die Dachbalkenkonstruktion die Verteilung der Dachlast und damit eine bessere Statik.
     
  18. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Das wird oft gesagt, ist aber völlig falsch. Faulen tut das Holz nur wenn Luft dazu kommt. Ohne Luft hält sich Holz fast ewig; zum Beispiel die Mooreiche...

    Viel wichtiger ist der Schutz der Holzkonstruktion vor Feuchtigkeit. Beim Fachwerkbau sind da die unzähligen Holzverbindungen und liegenden Hölzer besonders gefährdet. Es war naheliegend, bei der jährlichen Reparatur der Lehmausfachung auch gleich das Holzwerk mit Lehm zu bestrichen wurde. Der Lehm(putz) dichtete all die Fugen und Ritzen, so dass das Wasser nicht in die Konstruktion (und die Innenräume) eindringen konnte. Ich behaupte; über Jahrtausende wurde das Fachwerk flächig verputzt/verstrichen.

    Gruss Pelzer

    .
     
  19. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Sind Mooreichen denn vor Feuchtigkeit geschützt?
     
  20. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    ...nein, vor Luft sind sie geschützt! Sie können nicht atmen und überstehen doch Tausende Jahre.

    Ein anderes Beispiel: Hölzerne Grabbeigaben aus dem alten Ägypten. Das Holz ist oft deckend mit Farbe behandelt (kann nicht atmen) und dennoch überstehen diese "Möbel" Jahrtausende....

    Gruss Pelzer

    .
     

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