Foederatenansiedlung

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Witege, 13. Juli 2007.

  1. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Ich habe einmal eine Frage an die Leute, die sich besser mit der Geschichte des römischen Reiches auskennen:

    Wie kann man sich die Ansiedlung von Foederaten auf römischem Gebiet bzw. an deren Grenze vorstellen? Wurden nur die Söldner aufgenommen (also Krieger die ihre Heimat verliesen) oder auch die restliche Bevölkerung?

    War es bei den Laeten genauso oder anders?
     
  2. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

  3. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Den Beitrag hatte ich noch überhaupt nicht entdeckt. Ich habe aber trotzdem noch ein paar Fragen.

    Die Laeten durften sich also nicht mit der romanischen Bevölkerung vermischen. Dann werden wohl ganze Siedlungen nach römischen Strafaktionen umgesiedelt worden sein, oder? Die Kriegsgefangenen nach Schlachten auf linksrheinischem Boden wären ja sonst zum Großteil männlich gewesen, die wohl nicht lange alleine durchgehalten hätten. Ist dir bekannt wie lange solche Laetensiedlungen bestanden?
    Dass die großen Gentes der Völkerwanderungszeit als ganze Stämme im Reichsgebiet aufgenommen wurden ist mir natürlich bekannt. Allerdings ging dem doch bei den Franken und Westgoten eine kriegerische Auseinandersetzung voraus.
    Mich würden mehr die kleineren Foederatengruppen interessieren. Ist zum Beispiel etwas darüber bekannt, ob die Kastelle in Raetien II wirklich von ganzen Stämmen übernommen wurden, obwohl die romanische Bevölkerung selbst in diese Kastelle geflüchtet war und Teile dieser germanischen Söldner wohl wieder in ihre Heimat zurückgingen (wie z.B. die Militärgürtel im Gebiet der Vinarice-Kultur in Nordböhmen zeigen).
    Ist es nicht auch denkbar, dass zwar ein Vertrag mit dem Stamm ausgemacht wurde, aber nur Krieger in die Kastelle zogen und sich entweder eine romanische Frau nahmen oder wieder in die Heimat zurückkehrten?

    Auch die alamannischen Foederaten scheinen nicht ganz in das normale Bild zu passen, da sie ihren Stämmesnamen nicht mitnahmen sondern von den Römern nach ihrem neuen Siedlungsgebiet im Dekumatland benannt wurden, wie Brisigavier, Lentiensier usw.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juli 2007
  4. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Das halte ich für nicht sehr wahrscheinlich. Ich denke schon, dass diese Namen Teilstämme bzw. Völker der Alemannen repräsentieren und diese die Namen selbst herausbildeten. Der Namen der "Bucinobanten" gegenüber von Mainz ist zum Beispiel nicht in der davorliegenden Kaiserzeit als Ortsname bezeugt. Auch bei den anderen vier durch Ammianus Marcellnius bezeugten Stammesnamen wäre mir das unbekannt.
     
  5. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Bei den Brisigavi (Breisgaubewohnern) scheint es wohl am eindeutigsten, da sie v.a. in der Freiburger Bucht siedelten, die bei dem Kastell auf dem Mons Brisiacus (Breisach) liegt.

    Die Lentienses (Linzgaubewohner) sollen ihren Namen von der (heute verschwundenen) Linz in Oberschwaben haben.

    Der Name der Raetovarier bedeutet so viel wie wie "Bewohner oder Anwohner Raetiens".

    Bei den Bucinobanten (Bewohner oder Verteidiger des Buchengaus) kenne ich auch keinen Bezug zu älteren Namen.

    Aber ob sie sich die Namen jetzt selber gaben oder doch von den Römern so genannt wurden (als Vereinfachung da sich vielleicht alle als Sueben sahen und um die Alamannen noch einmal zu unterscheiden), kann man natürlich nicht genau sagen. So unwahrscheinlich scheint es mir aber auch nicht, da der Name "Alamannen" im Prinzip auch immer eine Fremdbezeichnung war und man natürlich auch nicht weiß wie sie sich selber nannten.
     
  6. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Gute Frage. Also in meinem schlauen Buch (zugegeben - Stand: 1983) steht: "Bis heute ist jedoch noch keine Ansiedung der Laeten ausgegraben worden, so daß konkrete Angaben über die Lebensweise der Laeten noch fehlen."
    Und weiter heißt es: "Die erste Erwähnung der Laeten gehört in das Jahr 297. Jedoch vermerkt die Quelle, ein Panegyrius an den Caesar Constantinus, daß es sich um wieder in ihre alten Rechte eingesetzte Laeten handelt, daß schon früher in Nordgallien Laeten ansässig waren..."
    Zwar gibt es wohl ausgegrabene "Reihengräberfelder aus verschiedenen Gegenen Belgiens und aus Nordfrankreich...Sie setzten etwa in der Mitte des 4. Jh. ein und endeten teils im 5. Jh., teils setzten sie sich in frühfränkischen Gräberfeldern fort...Welche Gruppen germanischer Krieger und ihrer Familien die Träger dieser frühen Reihengräberkultur bildeten, Laeten, Föderaten, Gentilen oder germanische Söldner römischer Auxiliarabteilungen in Gallien, ist in der neueren Forschung noch strittig."
    Und an anderer Stelle steht noch: "Offensichtlich gibt es keine Siedlungskontinuität zwischen den Laeten vom Ende des 3. und vom Anfang des 4. Jh. zu den Laeten der zweiten Hälfte des 4. Jh. Die fränkischen und alamannischen Einfälle der Mitte des 4. Jh. werden die Laeten in ähnlicher Weise verdrängt haben, wie dies auch am Ende des 3. Jh. geschah und von den Panegyrici Latini bezeugt wird..."

    Über die Provinz Raetia, die im Verlauf häufiger Germanenangriffe geteilt wurde, steht sinngemäß, daß zwar die Kaiser Probus und Diokletian bemüht waren, die Rheingrenze zu stabilisieren es aber trotzdem häufig zu Angriffen kam, der einen großen Aderlaß zur Folge hatte. Daraufhin zog sich die einheimische Bevölkerung "in...Befestigungen zurück und legte auch eine beachtliche Zahl befestigter Siedlungen meist auf freistehenden, leicht zu verteidigenden Bergen in der Nähe der Straßen an, die nach 280 systematisch ausgebaut wurden." Der hohe Aderlaß in dieser Region veranlaßte Probus und Diokletian "Kolonnen, Laeten sowie Inquilinen in größerer Zahl in Raetien" anzusiedeln, "was den Beginn der zweiten spätrömischen Siedlungsperiode, die etwa von 280 bis zum Juthungeneinfall von 357 reichte, bedeutete. Die intensive Neubesiedlung der Provinz erfolgte sowohl in offenen als auch in befestigten Siedlungen. Die hier Fuß fassenden Germanen wurden zur Feldbestellung und zum Kriegsdienst verwendet.
    Um die Mitte des 3. Jh. gingen die Einwohner Raetiens von der Brand- zur Körperbestattung über. Das ergrabene Fundmaterial aus den spätrömisch-raetischen Körpergräbern ist, dem Siedlungsvorgang gemäß, germanisch durchsetzt. Es ist verständlich, daß in dieser provinzialrömisch geprägten Umwelt die germanischen Bevölkerungsgruppen stark romanisiert wurden..."

    Also keine Föderaten in Rätien...
     
  7. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Du meinst Churrätien (Raetia I), ich aber Raetia II. In Raetia secunda mit der Hauptstadt Augsburg waren die Foederaten zuständig für die Verteidigung der Kastelle und bildeten den Kern der bajuwarischen Bevölkerung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Juli 2007
  8. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    bajuwarische Bevölkerung? Die erste Erwähnung der Bajuwaren war aber erst 551. Wer hätte sie da als Föderaten einsetzen sollen?
    Ich kann aber noch weiter lesen, ob ich etwas darüber finde.
     
  9. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Du hast mich wieder falsch verstanden...

    Die Foederaten waren keine Bajuwaren, sondern Elbgermanen, Alamannen, Thüringer, Juthungen, Goten, andere Ostgermanen und Träger der Friedenhain-Prestovice- und Vinarice-Kultur.
    Nachdem fast alle Romanen nach 488 das Gebiet verlassen hatten, bildeten nun diese Foederaten den Kern der Bajuwaren, also den Hauptteil an der Ethnogenese der Bajuwaren beteiligten Völkern.
     
  10. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Wie ist denn der neueste Stand zur Entstehung der Bajuwaren?
    In meinen Büchern werden immer zwei Thesen dazu genannt:

    - die These, die du meinst - aus hauptsächlich Quaden (Sueben), wobei diese hier auch als "Baia-Sueben" bezeichnet werden, oder
    - die "Markomannen-These"

    Übrigens hast du recht - hier steht: "Sueben standen nach ihm (B. Eberl - 1966) aber auch in einem Föderatenverhältnis zum Ostgotenkönig Theoderich. Er gab ihnen Land im ehemaligen Rätien und Noricum zwischen Donau und Alpenrand. Sie siedelten in diesen Gebieten ab 508 als Baia-Sueben und kamen im Jahre 536 unter fränkische Herrschaft."
    Insgesamt ist die Quellenlage über diese Zeit aber wohl eher dürftig.
     
  11. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Die These die ich gerade beschrieben habe, ist wohl der Stand der Forschung. Nachzulesen zum Beispiel in:
    Die Bajuwaren. Katalog. Rosenheim u. Mattsee. Haus der Bayer. Geschichte, München 1988.

    auch hier:
    Bajuwaren - Wikipedia


    Und nein die Quaden gelten hier nicht als Hauptbestandteil der Bevölkerung, sondern die Träger der Friedenhain-Prestovice-Kultur (Friedenhain-Prestovice - Wikipedia).
     
  12. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Interessant. Wenn jedoch die neuentdeckte "Friedenhain-Prestovice-Kultur" dem elbgermanischen Kulturkreis zugeschrieben werden, dann besteht doch zumindest die Möglichkeit einer Verwandschaftlichen Beziehung zu den Sueben, da die Elbgermanen zu großen Teilen dem Verband der Sueben angehörten - kombiniere ich jetzt einfach mal...
     
  13. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Foederaten und Dediticii

    Mich wundert es gar nicht, dass die Siedlungen der Laeten nach dem Einfall germanischer Stämme abbrechen und es keine Kontinuität mehr gibt!

    Was war denn das Los von solchen Dediticii und Laeten?
    Eine Gruppe fremder Barbaren wandte sich als „Hilfesuchende“ an den Kaiser. Dabei war es egal, ob die Gruppe durch Römer besiegt worden, oder von anderen Barbaren aus der Heimat vertrieben worden war. Der Kaiser hieß sie sich ihm förmlich zu unterwerfen. Dann wurden sie entwaffnet und auf römischen Boden übergesiedelt. Als Unterworfene verloren sie das Recht als Gens weiterhin Verträge abzuschließen, sie waren quasi „Mündel“ des Kaisers. Die römische Verwaltung versorgte für eine Übergangszeit die dediticii, ehe sie sich selbst durch die Erträge der ihnen zugewiesenen Ländereien ernähren konnten.

    Die Kaiser konnten die Unterworfenen nach Belieben zum Militärdienst einziehen und im ganzen Reich einsetzen. So ersparte er es sich römische Kolonen zum Militärdienst heranzuziehen und konnte im Gegenzug von den Großgrundbesitzern eine finanzielle Geldablöse dafür fordern. Das System entlastete die Wirtschaft des Reiches und brachte erhöhte Einkommen. Weiterhin lagen nicht länger Gebiete brach, die nun von Laeten bewirtschaftet wurden. Die Laeten erwiesen sich, als Fremde unter Römern angesiedelt als zuverlässige Soldaten, die vor allem dem Kaiser treu ergeben, da von ihm abhängig waren. Das Eheverbot mit römischen Bürgern stellte sicher, das es niemals unterschiedliche Auslegungen bei rechtlichen Entscheidungen geben konnte. Die Laeten lebten nach ihrem eigenen Recht und der Kaiser war ihr direkter Herr. So konnte niemand etwa römisches Recht geltend machen. Eine Praxis, die auch im Mittelalter teils üblich war um die Privilegien gewisser Stände zu schützen. So weit die Theorie.

    Die Laeten lebten unter minderem Recht, obwohl sie ihre Knochen für das Reich hinhalten mussten. Sie waren an den Grund und Boden gekettet an dem sie angesiedelt waren und völlig vom Wohlwollen des Kaisers abhängig, der sie theoretisch sogar einfach wieder umsiedeln konnte: Etwa vom Rhein an den Euphrat um es krass zu formulieren. Derartige Planungssicherheit gab es bei den Laeten nicht. Mag man Anfangs froh gewesen sein dem Reich zu dienen, wurden die Nachteile der Regelung für sie selbst umso offensichtlicher, je länger sie im Reich lebten. Die zersplitterte Ansiedlung fern des übrigen Stammes und der Heimat förderte zusätzlich den Verlust der Identität mit der Folge von meist rascher Romanisierung. Es war ja auch nicht das Interesse des römischen Staatswesens ihre Identität zu schützen und sie folgten den Befehlen desto williger, je mehr sie sich ihrer Schwäche bewusst waren.

    Es gibt zahlreiche Beispiele dafür das Dediticii verstreut unter den Einheimischen angesiedelt wurden. Besonders die immer begehrteren Reiterkrieger wurden als Dediticii weit voneinander entfernt angesiedelt, wo immer Bedarf nach ihnen bestand. Von den einst an der unteren Donau ansässigen Taifalen, einem für seine hervorragende Reiterei bekannten Stamm, wurden laut Wolfram aufgrund Sprachwissenschaftlicher Überlegungen Laetensiedlungen im Inneren Galliens und sogar in Italien aufgefunden. Ein Stammesbewusstsein wird sich so dauerhaft nicht haben halten können. So eingeengt auch die Siedlungen solcher Laeten waren, so bedeutsam dagegen konnten die von ihnen gestellten Kontingente der Armee sein. Hier konnten die Laeten sehen welche Macht sie eigentlich bilden konnten! Für die Soldaten ein krasser Gegensatz von Rechtlosigkeit und Macht.

    Warum also brechen dann die Laetensiedlungen wie weiter Oben beschrieben so plötzlich ab? Wurden sie vertrieben, gar vernichtet? Das mag möglich sein, aber die Laeten bekamen im Laufe der Völkerwanderung eine bessere Alternative in Gestalt der „Vertrags-Foederierten“! Der neue Typ von Foederierten, wie sie spätestens mit dem Gotenvertrag von Theodosius auftraten hatte ungleich mehr Rechte. Sie kamen nicht als Besiegte und Mündel des Kaisers, sondern als vertragsfähige Verbündete! Sie waren nicht wehrlos dem Diktat der Kaiser ausgesetzt, sondern konnten die Bedingungen von Ansiedlung und Dienst vertraglich aushandeln und blieben als Gens intakt. Ohne jetzt allzu sehr ins Detail einzugehen war es freilich außerdem lukrativer solchen Foederierten anzugehören und Sonderzahlungen oder spezielle Zuwendungen zu genießen als isoliert zwischen Romanen unter minderem Recht mit nur wenig Selbstbestimmung als Laete angesiedelt zu werden. Die Berichte sind voll davon, welche Attraktivität etwa von gotischen Foederatenheeren für solche Barbaren ausging. Nur zu gerne schlossen sich Barbaren durchziehenden foederierten Heeren und Völkern an.

    Die foederierten Völker waren keineswegs exklusive Trupps auf rein ethnischer Basis. Ihr Wert für die römischen Vertragspartner bemaß sich nach der Macht ihrer Heere die sie stellen konnten, genau wie später Soldheere nach der Zahl ihrer Söldner entlohnt wurden. Welchen Grund hätte also ein germanischer König eines foederierten Volkes haben sollen den Zuwachs an Macht abzulehnen, die ihm der Anschluss von Laeten bringen konnte? Durchziehende foederierte Völker waren mehr oder weniger polyethnisch, es kam darauf an fähige und zahlreiche Krieger stellen zu können, gleich welcher Abstammung. Sie waren auch immer attraktiv selbst für römische Unterschichten die sich ihnen gerne anschlossen, wenn sie denn genommen wurden. Schon im Vorfeld der Schlacht von [H]Adrianopel 378 schlossen sich zum Beispiel Bergarbeiter der von den Goten durchzogenen Provinzen deren Heer an. Oft klagen römische Berichte darüber das sich entlaufene Sklaven, vor allem barbarischer Abstammung den Foederierten anschlossen.

    Die Könige der auf diese Weise wachsenden Völker ließen dies nur mit Augenmaß zu. Vor allem wenn sie wieder sesshaft wurden, verweigerten sie sich solchen Zugangs, destabilisierten sie doch dann die Ordnung in dem Lande, das sie zu befrieden hatten. In Kriegs- oder in Notzeiten war das Anders: Nach Jahrzehnten der Ruhe und der Herrschaft etwa der Ostgoten im Italien des Theoderichs, griffen die Goten bei ihrem verzweifelten Abwehrkampf gegen die oströmischen Heere eines Justinians wieder zu diesem Mittel und nahmen willige Einheimische in ihr Volk und Heer auf. Zu diesem Zeitpunkt unter König Totila waren die Goten in einem vertragslosen Zustand und galten dem Kaiser in Konstantinopel als Rebellen. Bei einem foederierten Heer war es aber unmöglich für die römische Staatsmacht von diesem aufgenommene Sklaven (denn das waren rein rechtlich gesehen auch die Laeten) wieder herauszufordern.

    Fazit:
    Ganz klar ist für mich daher, dass foederierte Völkerschaften äußerst Attraktiv für die Bewohner und Soldaten aus laetischen Siedlungen waren. Diese verbesserten durch den Übertritt in ein foederiertes Volk ihre persönlichen Lebensgrundlagen ganz enorm und konnten ihrerseits eine wertvolle Bereicherung für das wandernde Foederatenvolk sein. Da über die Aufnahme in einen Stamm deren Großen entschieden, konnten deren herrschenden Fürsten und Optimaten außerdem zusätzlich ihre Macht innerhalb des Stammes stärken, indem sie die Neuzugänge zur Stärkung ihrer Hausmacht nutzten.

    @Eingangsfrage:
    Man kann schon davon ausgehen, dass sowohl in Laetensiedlungen als auch bei anderen Foederaten nicht nur Krieger, sondern auch Frauen und Kinder eines fremden Volkes angesiedelt wurden. Wie sonst wäre das Heiratsverbot mit Römern, das ja auch für Foederaten galt aufrecht erhalten werden können? Die Siedlungen wären ja sonst innerhalb einer Generation ausgestorben. Im Gegenteil: Der Kaiser verlangte immer wieder neu die Gestellung von Soldaten aus den Laetensiedlungen, was ja nur funktionieren kann, wenn immer wieder junge Männer heranwachsen können.

    Zu dem Themenkomplex habe ich schon ähnliche Beiträge geschrieben:
    Etwa bei diesem und einigen folgenden Posts:
    http://www.geschichtsforum.de/208833-post15.html
    oder am Rande auch hier:
    http://www.geschichtsforum.de/f35/volksmenge-germanischer-staemme-16138/#post255240
    Dabei gibt es natürlich einige Wiederholungen...
     
  14. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Gibt es da eigentlich irgendwelche Zahlen?
    In meinem Buch steht nur: "Im Jahre 488 erfolgte auch aus Niederösterreich der Abzug vieler Romanen nach Italien. Daß aber noch Bevölkerungsreste im Alpenvorland verblieben, belegt die Verehrung der Heiligen Afra in Augsburg noch um das Jahr 565."
    :fs:
     
  15. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Nein, so einfach wird es uns nicht gemacht.

    Es wird angenommen, dass die "frei gebliebenen" Romanen (östlich von Künzing?) soweit sie es sich leisten konnten wegzogen. In den Kerngebieten der Bayern um Regensburg und Straubing scheinen mehr Romanen ansässig geblieben zu sein. Allerdings dürften schon vor 488 nicht mehr so viele dort gewohnt haben, da sie ständigen Plünderungen durch Germanen ausgesetzt waren und wohl schon weitesgehend "ausgerottet" bzw. vertrieben und durch die germanische Foederaten ersetzt worden waren.

    Die Romanen blieben bis ins 10. Jh. als Bevölkerungsteil, der nicht gleichgestellt war, fassbar. Im Salzburger Becken, in dem sich ein eigener romanischer Adel bildete, blieb das Romanisch als Umgangssprache lange in Gebrauch (wohl Kelto-Romanen?). Auch die Breonen in Tirol und die Narisker im Eisacktal (beides Illyro-Romanen) gelangten bald unter die bayrische Herrschaft.


    @tejason:
    Danke für den ausführlichen Beitrag (kann dich leider nicht schon wieder bewerten).
    Das mit dem Heiratsverbot hatte ich nicht gewußt, was meine Gedanken eindeutig widerlegt.
     

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