Frage zu Geschichtsthema

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von franzö.Revolut., 12. Juli 2016.

  1. franzö.Revolut.

    franzö.Revolut. Neues Mitglied

    Hallo liebe community,
    ich lerne gerade Geschichte und ich habe eine Frage. Also es geht um den Rücktritt von Kaiser Franz 2. im Heiligen Römischen Reich. In meinem Buch steht " Der Kaiser verlor seine wichtigste Stütze, die immer in den vom kaiserlichen Schutz anhängigen Kleinstaaten und der Reichskirche bestanden hatte. Stattdessen entstand eine Reihe von Mittelstaaten, die ihre Interessen tatkräftig vertreten konnten."
    Meine Frage dazu lautet: Warum sind die Kleinstaaten und die Reichskirchevon dem kaiserlichen Schutz abhängig?
    Und noch was: Warum belohnte Napoleon das treue Verhältnis der deutschen Fürsten zu Frankreich mit Titelerhöhungen / weiteren territorialen Gewinnen? Denn nur durch diese Titelerhöhungen ist Bayern zum Königreich geworden, oder?
    Ich möchte bitte bloß seriöse Antworten haben, bitte. Vielen Dank schon mal im Voraus.:winke:
     
  2. Caro91

    Caro91 Aktives Mitglied

    Dann bemühe ich mich mal um eine seriöse Antwort. :winke:

    Die "Kleinstaaten" - also etwa die geistlichen Stände, die kleinen Grafschaften und die Freien Reichsstädte - waren in der Regel einzeln nicht sehr mächtig. Außerhalb eines funktionierenden Rechtssystems hätten sie leicht von einem größeren Nachbarn geschluckt werden können, zumal sie häufig "nicht armiert" waren, also ohne stehendes Heer auskommen mussten.

    Der Kaiser und vor allen Dingen das Reich im Ganzen waren für diese Reichsstände also der zentrale Bezugspunkt, dem sie ihre Sicherheit und Freiheit in hohem Maße verdankten. Sie standen daher besonders treu zum Reich und ihre Angehörigen übernahmen auch viele Ämter und Aufgaben, die darin zu vergeben waren. Ihr Wegfall und ihre Integration in größere Länder, die gut ohne den Schutz des Reiches auskamen, höhlten also die Stabilität des Systems aus, zumal es sich als zu schwach erwies, die Freiheit seiner Glieder zu wahren.

    Die mittelgroßen Länder mussten nun um Napoleons Gunst wetteifern, da er kraft seiner militärischen Überlegenheit (bzw. derjenigen der französischen Armee) die säkularisierten und mediatisierten Gebiete mehr oder weniger frei vergeben konnte und auch das entscheidende Wort bei den Rangerhöhungen sprach. Napoleon schwächte so die gegnerische Großmacht der Habsburger und verpflichtete sich die stark vergrößerten mittelgroßen Reichsstände wie Bayern, Sachsen und Württemberg, die ihre Expansion im Windschatten der französischen vorantrieben und deren Monarchen einen höheren Rang erhielten. So schuf er sich im Grunde mehr oder minder treue Vasallen, die die französische Westgrenze abdeckten und die ihm Hilfstruppenkontingente zur Verfügung stellen mussten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juli 2016
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