Frage zur Ideologischen Rechtfertigung der römischen Kriege

L

loark

Gast
Hallo!
Ich halte am Donnerstag ein Referat über die Expansion des römischen Reiches. Dabei möchte ich auch etwas über die "Rechtfertigungen" der militärischen Handlungen des römischen Staates gegenüber der römischen Bevölkerung erzählen.

Was ich bisher gefunden habe sind die "Hilferufe" der römischen Bundesgenossen, die dann als Vorwand genutzt wurden um das jeweilige Gebiet zu besetzen.

Gab es auch religiöse Auslegungen?
oder wirtschaftliche?

Könnt ihr mir hier helfen oder vielleicht Quellen [im Internet] empfehlen, wo ich mehr zu dem Thema erfahren kann?

vielen dank,
lukas
 
Hallo!
Ich halte am Donnerstag ein Referat über die Expansion des römischen Reiches. Dabei möchte ich auch etwas über die "Rechtfertigungen" der militärischen Handlungen des römischen Staates gegenüber der römischen Bevölkerung erzählen.

Was ich bisher gefunden habe sind die "Hilferufe" der römischen Bundesgenossen, die dann als Vorwand genutzt wurden um das jeweilige Gebiet zu besetzen.

Gab es auch religiöse Auslegungen?
oder wirtschaftliche?

Könnt ihr mir hier helfen oder vielleicht Quellen [im Internet] empfehlen, wo ich mehr zu dem Thema erfahren kann?

vielen dank,
lukas

Für die Römer - zumindest zur Zeit der großen Expansionen - war Krieg nicht wie heute das letzte Mittel, sondern DAS politische Mittel. Militärische Erfolge waren ja bis zu Caesar DER Weg für junge Adelige um politisch aufzusteigen. Letztlich hielt der militärische Erfolg verbunden mit der gemeinsamen Identität die sich daraus bildete (natürlich auch die Beute) Adel und Plebs zusammen....die Römer rechtfertigten ihre Kriege aber damit nur gerechte Kriege zu führen. Von daher kannst Du denke ich davon ausgehen, das es (fast) immer politische Gründe waren (Vertragsverletzungen, Hilferufe von Bundesgenossen, Strafaktionen gegen Abtrünige)....religiöse Motive aus der Zeit sind mir nicht bekannt.
 
Religiöse Gründe sind mir ebenfalls unbekannt...
*Ideologische Gründe* (im heutigen Sinne) gleichfalls nicht.
Wohl aber war der römische Staat eine gierige Wölfin...die gerissen hat...was zu reißen war.
( Anm.: Für die späteren Historiker daher ein Leckerbissen vom feinsten..)
Entsprechend gerne hat sie (=die röm.Republik) die oben beschriebenen Vorwände benutzt.
Und : Daß der Militär-Dienst die einzig respektable Aufstiegsmöglichkeit für junge Adlige.:
DAS stimmt .
 
Nicht zu vernachlässigen ist der Aspekt der Sicherung des bisher erreichten.

Wenn die Römer Land A erst mal erobert und zur Provinz gemacht hatten, dort Kolonien gegründet haben usw., und dieses Land A nun ein willkommenes Opfer von Raubzügen der nicht-römischen Barbaren aus Land B nebenan wurde, so liegt die Überlegung nahe, auch Land B zu besetzen und zu "befrieden".

Inwieweit das eine tatsächliche Kausalbeziehung ist, inwieweit eine Propaganda-Geschichte, um das römische Volk vom Sinn weiterer Eroberungen zu überzeugen, inwieweit eine Mischung aus beidem oder etwas völlig anderes bietet sich gut als Diskussionspunkt an.
 
Hallo!
Ich halte am Donnerstag ein Referat über die Expansion des römischen Reiches. Dabei möchte ich auch etwas über die "Rechtfertigungen" der militärischen Handlungen des römischen Staates gegenüber der römischen Bevölkerung erzählen.

Mit diesem Thema berührst du eine berühmte Frage, die die Rümer im bellum iustum - der Theorie vom "gerechten Krieg" - auf ihre Weise beantwortet haben. Der Begriff wurzelt in der römischen Philosophie und bezieht sich auf das Gemeinwohl, das die Römer als "Naturrecht" betrachteten und damit ganz konkret die Praxis ihrer Kriegführung verbanden. Mit der Gewissheit, dass der Krieg berechtigt war, verbanden die Römer zudem die Hoffnung auf den Beistand der Götter und auf einen positiven Ausgang des Krieges. Es spielte also auch eine religiöse Komponente hinein.

Eine erste ausführliche Abhandlung vom Konzept des bellum iustum findest du bei Cicero (De officiis I, 11, 34 ff; De re publica 3, 23.35). Danach muss ein gerechter Krieg auf einem gerechten Grund basieren, was z.B. für die Vertreibung von Feinden oder für Vergeltung bzw. Rache für ein erlittenes Unrecht galt. Zudem war es erforderlich, dass ein Krieg formal korrekt eröffnet und nach den Bestimmungen des Kriegsrechts geführt wurde.

Zusammenfassend galten also für das Ius ad bellum:

1. Existenz eines rechtfertigenden Grundes (iusta causa)
2. Kompetente Autorität (legitima auctoritas)
3, Richtige Absicht (recta intentio)
4. Krieg als letztes Mittel (ultima ratio)
5. Verhältnismäßigkeit der Reaktion (proportionalis)
6. Wahrscheinlichkeit eines Kriegserfolgs nach vernünftiger Abwägung

Für das Ius in bello galt:

1. Verhältnismäßigkeit der militärischen Mittel
2. Immunitätsprinzip (Diskriminierungsgebot)

Schon damals gab es jedoch Zweifel, ob z.B. der Dritte Punische Krieg oder der Krieg in Gallien gerechtfertigt waren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es gibt einen Ausspruch von hl. Augustinus (Berber mit römischer Staatsangehörigkeit) zur Geschichte Roms: "Die Geschichte Roms gleicht der Geschichte einer Räubebande" *sinngemäß aus dem Gedächnis*
 
Für die Römer - zumindest zur Zeit der großen Expansionen - war Krieg nicht wie heute das letzte Mittel, sondern DAS politische Mittel. Militärische Erfolge waren ja bis zu Caesar DER Weg für junge Adelige um politisch aufzusteigen.

Genau! Das würde ich auch so sagen. Die Römer hatten eine ganz andere Einstellung zum Krieg. Zahlreiche Quellen berichten von Vorteilen, welche die Kriege mitbrachten: Beute für Volk und Staatskasse, unverzichtbare Karrierebausteine für die Angehörigen der senatorischen Führungsschicht, Stärkung von Identität und Selbstbewußtsein, Respekt bei den Alten, neue Bundesgenossen etc.
Es beruhte alles auf das Recht des Stärkeren; weil man zu jener Zeit bereits merkte, daß es moralisch nicht vertretbar sein kann, auf diese Weise zu handeln, mußten Scheingründe den Krieg rechtfertigen. Der bellum iustum war folglich immer ein Fall, der dem Gegener die alleinige Verantwortung für die militärische Auseinandersetzung gab. Es war nie im Interesse der Römer Krieg zu vermeiden, man versuchte ihn stets gezielt herbeizuführen.
Das wird ganz besonders deutlich, wenn man versucht die Vorgeschichte des Ersten Punischen Krieges zu verstehen, als die Römer unter dem Vorwand, den Mamertinern von Messana (auf Sizilien) von Hieron II. zu befreien. Mit Sicherheit interessierte die Römer das Schicksal der Mamertiner überhaupt nicht, es war von Anfang an geplant, die Karthager von Sizilien zu vertreiben, um sich der Insel zu bemächtigen.

Die Römer waren also ein äußerst kriegslüsternes Volk ;-)
 
Gut gequietscht Schwammkopf;), aber bei genauerer Betrachtung ist es dann doch nicht so einfach.

Rom war fast 400 Jahre lang ein kleiner Stadtstaat.
Die Expansion dauerte dann noch einmal über 400 Jahre, wobei jeder Krieg eine andere Ursache hatte.
Das persische Reich, zum Vergleich, wurde innerhalb von drei Generationen zur Großreich (Kyros II., Kambyses II, Darios I.)! Wer ist also expansiver?

Es wurden oft genug Kriege von außerhalb an Rom herangetragen, zum Beispiel der jugurthinische Krieg, der 2. makedonische Krieg, der 1. und 3. mithridatische Krieg.
Es war auch keinesfalls so daß man grundsätzlich auf Diplomatie verzichtet hätte, um Kriege zu führen. Als der Seleukide Antiochos IV. Krieg gegen das ptolemäische Ägypten führte, beendete eine römische Delegation diesen Krieg. Natürlich war dies nur möglich weil man aus einer Position militärischer Stärke heraus verhandeln konnte (und das auch noch sehr schroff). Von einem unbedeutenden Kleinstaat wie Sparta oder Athen hätte sich Antiochos aber nichts sagen lassen.

Es kam zwar vor daß übereifrige Feldherren auf eigene Faust einen Krieg anfingen, der 2. mithridatische Krieg ist ein Beispiel dafür, aber das war nicht die Regel. Sogar in der Spätphase der Republik, als Kriege und die Aussicht auf Beute für Politiker notwendig wurden, konnte man nicht ohne weiteres drauflos erobern. Andernfalls hätte man sich schon lange vor Octavian das reiche, aber machtlose, Ägypten einverleibt.

Was den ersten punischen Krieg betrifft, bedenke, daß die Karthager auf Sizilien auch handfeste Interessen hatten. Wenn es gegen Syrakus ging, konnten ihnen wohl auch die Mamertiner egal sein.
Die Kriegsschuldfrage ist genauso schwierig zu beantworten wie beim 1. Weltkrieg, beide Seiten ließen einen regionalen Konflikt eskalieren.

Die Römer hatten einmal einen "11. September" erlebt, nämlich den Galliersturm 387 v. Chr. Vieleicht kann man daraus eine Begründung für die Strategie der "Vorwärtsverteidigung" ableiten. Man wollte Unruheherde möglichst ausschalten bevor sie zu einer Bedrohung für die Heimat werden.
 
Als der Seleukide Antiochos IV. Krieg gegen das ptolemäische Ägypten führte, beendete eine römische Delegation diesen Krieg.
Gehört hierhin die Anekdote, bei der der Römer einen Kreis um die Beteiligten zieht und ihnen untersagt, diesen zu verlassen, bis nicht der Frieden geschlossen sei?
 
Gut gequietscht Schwammkopf;), aber bei genauerer Betrachtung ist es dann doch nicht so einfach.

Ich kann nicht nur quietschen ;-)

Rom war fast 400 Jahre lang ein kleiner Stadtstaat.
Die Expansion dauerte dann noch einmal über 400 Jahre, wobei jeder Krieg eine andere Ursache hatte.
Das persische Reich, zum Vergleich, wurde innerhalb von drei Generationen zur Großreich (Kyros II., Kambyses II, Darios I.)! Wer ist also expansiver?

Es wurden oft genug Kriege von außerhalb an Rom herangetragen, zum Beispiel der jugurthinische Krieg, der 2. makedonische Krieg, der 1. und 3. mithridatische Krieg.
Es war auch keinesfalls so daß man grundsätzlich auf Diplomatie verzichtet hätte, um Kriege zu führen. Als der Seleukide Antiochos IV. Krieg gegen das ptolemäische Ägypten führte, beendete eine römische Delegation diesen Krieg. Natürlich war dies nur möglich weil man aus einer Position militärischer Stärke heraus verhandeln konnte (und das auch noch sehr schroff). Von einem unbedeutenden Kleinstaat wie Sparta oder Athen hätte sich Antiochos aber nichts sagen lassen.

Es kam zwar vor daß übereifrige Feldherren auf eigene Faust einen Krieg anfingen, der 2. mithridatische Krieg ist ein Beispiel dafür, aber das war nicht die Regel. Sogar in der Spätphase der Republik, als Kriege und die Aussicht auf Beute für Politiker notwendig wurden, konnte man nicht ohne weiteres drauflos erobern. Andernfalls hätte man sich schon lange vor Octavian das reiche, aber machtlose, Ägypten einverleibt.

Ja, du hast natürlich recht. Im einzelnen gab es mit Sicherheit den Willen zu verhandeln, aber das war nicht die gängige Praxis. Es wurde ja auch bestimmt viel öfter verhandelt als wir glauben; aber wie sahen diese Verhandlungen aus? Polybios jedenfalls schreibt, daß die Römer 'sorgsam bestrebt waren, den Anschein zu vermeiden, mit ungerechten Handlungen und mit einem Angriffskrieg zu beginnen [...] es sollte vielmehr der Eindruck entstehen, daß sie nur aufgezwungene Verteidigungskriege führten.' Offenbar war den Römern bereits damals bewußt, daß sie nicht immer im Sinne der Gerechtigkeit handelten.
Also -ganz allgemein betrachtet - finde ich meine obige Argumentation nicht falsch. Für Rom war die territoriale Ausdehnung des Sinn der Geschichte; und so sollte die militärische Expansion immer als etwas Gerechtes erscheinen.

[Für die Gegenwart ist das natürlich ein unerhörtes Vorgehen, selbst wenn sich manch Präsident in der Rolle eines Führers gerechter Kriege betrachtet.]



Was den ersten punischen Krieg betrifft, bedenke, daß die Karthager auf Sizilien auch handfeste Interessen hatten. Wenn es gegen Syrakus ging, konnten ihnen wohl auch die Mamertiner egal sein.
Die Kriegsschuldfrage ist genauso schwierig zu beantworten wie beim 1. Weltkrieg, beide Seiten ließen einen regionalen Konflikt eskalieren.

Die Karthager hatten natürlich ein Interesse; vor allem die Kontrolle der See und Handelswege. Karthago signalisierte aber den Römern sehr früh, daß sie an das italische Festland nicht interessiert ist. (vgl. Philinos - Vertrag, Pyrrhos- Vertrag etc.)
Den Philinos-Vertrag, dessen Existenz von Polybios geleugnet wird, weil er ihn seinerzeit in den Dokumenten, die ihm vorlagen, nicht vorfand, sorgte für klare Verhältnisse zwischen Rom und Karthago: Keiner der beiden Großmächte sollte auf den jeweiligen Einflußgebieten militärisch eingreifen. Rom aber tat dies unter dem Vorwand den Mamertinern helfen zu müssen, obwohl diese kurze Zeit zuvor römische Bürger ermordet haben. Es war ein eklatanter Vertragsbruch.
Im übrigen lassen sich Hinweise für die Existenz des Philinos-Vertrages unter anderem bei Livius finden.
 
Onasander schreibt in seinem Strategikos (zwischen 49 und 58 n. Chr. verfasst), dass man gute Gründe für den Krieg haben solle, denn dann hätten die Soldaten keine Furcht vor den Göttern, sondern wüssten vielmehr, dass die Götter an ihrer Seite stünden.

Τὰς δ᾽ ἀρχὰς τοῦ πολέμου μάλιστά φημι χρῆναι φρονίμως συνίστασθαι καὶ μετὰ τοῦ δικαίου πᾶσι φανερὸν γίγνεσθαι πολεμοῦντα" τότε γὰρ καὶ εοὺ συναγωνισταὶ τοῖς στρατεύουσιν εὐμενεῖς καθίστανται," καὶ ἄνθρωποι προθυμότερον ἀντιτάττονται τοῖς δεινοῖς εἰδότες γάρ, ὡς οὐκ ἄρχουσιν ἀλλ᾽ ἀμύνονται, τὰς ψυχὰς ἀσυνειδήτους κακῶν ἔχοντες ἐντελῆ τὴν ἀνδρείαν" εἰσφέρονται, Ws, ὅσοι γε νομίζουσι νεμεσήσειν, τὸ θεῖον ἐπὶ τῷ παρὰ τὸ δίκαιον ἐκφέρειν πόλεμον, αὐτῇ τῇ οἰήσει, κἂν μή τι δεινὸν ἀπὸ τῶν πολεμίων ἀπαντήσειν μέλλῃ," προκατορρωδοῦσιν. διὰ τοῦτο δεῖ τὸν στρατηγόν, ὧν τε βούλεται τυχεῖν καὶ ὧν μὴ παραχωρῆσαι, λόγῳ καὶ πρεσβείαις προκαλεῖσθαι πρῶτον, ἵν᾽ ἐν τῷ μὴ, συγκαταβαίνειν τοῖς ἀξιουμένοις τοὺς ἐναντίους ἀνάγκῃ δοκῇ," καὶ μὴ προαιρέσει τὴν δύναμιν ἐξάγειν πολεμήgovoay,”” ἐπιμαρτυράμενος" " τὸ θεῖον, ὡς οὔτε καταφρονῶν ὧν συμβαίνει τοὺς πολεμοῦντας πάσχειν, ἀνεμεσήτως ἔπεισιν, οὔτε ἐκ παντὸς τρόπου τὰ δεινὰ δρᾶσαι ΣΟΥ ΣΥ͂Σ τοὺς πολεμίους

Allerdings sagt er auch, dass ein Strategikos daher die Begründung für den Krieg gut vorbereiten solle.
 
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