Frau am Hofe Ludwigs XIV. isst (!) ein Vermögen?

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Schini, 5. März 2006.

  1. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Ich bin heute in einer - durchaus ernstzunehmenden - Zeitschrift in der Rubrik "Die Welt in Zahlen" über einen Satz gestolpert, der weitere Nachforschungen verlangt:

    Wert des Schuldscheins, den eine Kurtisane am Hof Ludwigs XIV. aß, um ihren Reichtum zu beweisen, in Franc: 500 000
    Wert, den dieser Schuldschein heute hätte, in Euro: 1 500 000


    Welche "Kurtisane" meint der Text? Ist die Geschichte denn überhaupt wahr? Wo wird diese Anekdote überliefert (Saint-Simon?)? Gab es Nachahmer?

    Ich habe ja für einige Ausschweifungen Verständnis, aber Geld zu essen (ein labbriger 5-Euro-Schein? Vielleicht überbacken? würg!!!) kam mir noch nie in den Sinn.
     
  2. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Das ganze erinnert mich an eine freie Interpretation einer Legende rund um Kleopatra. Diese hatte ja mit Marc Anton gewettet ihm das am Teuersten mögliche Mahl zu servieren und löste dafür eine ihrer unschätzbar wertvollen Riesenperlen in Essig auf und schlürfte diesen Sud. Als sie die zweite Perle in den Essig werfen wollte, hinderte Marc Anton sie daran und erklärte sie zur Siegerin.
    (Diese "überlebende" Perle soll dann in zwei Teile geteilt und als Ohrschmuck einer Statue der Venus gestiftet worden sein die schliesslich in Rom landete und dort eine berühmte Sehenswürdigkeit war - oder so ähnlich)

    Die Geschichte des Essens einer wertvollen Perle als Metapher des Aufzehrens von Vermögen ohne kulinarischen Lustgewinn (Perlenglibber aus Essig schmeckt ja nach nix) dürfte aber Vorbild für das "Gschichterl" des Schuldschein-Essens sein. Und ich könnte mir vorstellen dass die unbewusste Vermischung antiker und barocker Dekadenz im Hirn eines zeitgenöisschen Redakteurs zu dieser Legende geführt hat.
    Denn Saint Simon hätte das auf jeden Fall erzählt und es hätte längst Eingang in die unendliche Anekdoten-Sammlung rund um De Valliere, Montespan & Kolleginnen gefunden....
     
  3. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    hm, mehr ein Beitrag der unter " Kannibalismus " einzuordnen wäre ; all you can eat :devil:
     
  4. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Selbst wenn es nur ein Gschichterl ist, das muß doch einen Ursprung bei einer Person haben - und den will ich finden. Geld bzw. Schuldscheine (und nicht Gold oder Edelsteine, das gibts heutzutage auch in Zürich in Restaurants zu bestellen) zu verspeisen ist in meinen Augen doch eine Obszönität der Sonderklasse. Das ist mE schon ein signifikanter qualitativer Unterschied, und hochinteressant...

    Und dann wäre da ja noch die zweite Frage - an die Metrologen hier, oder diejenigen die Zugang zu den entsprechenden Handbüchern haben - wieviel denn 500 000 Francs in heutigem Geld sind...
     
  5. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Witz : Ein Deutscher, ein Ami und ein Schotte protzen mit ihrem Reichtum. Da nimmt der Deutsche einen 100-Euro-Schein aus seinem Portemonnaie und verbrennt ihn. Der Ami nimmt darauf einen 1000-Dollar-Schein und verbrennt diesen. Da holt der Schotte sein Scheckbuch hervor, stellt einen Scheck über 1 Million Pfund aus und verbrennt dann den Scheck.:rofl:

    Will sagen : Weiß man denn überhaupt, ob die Schuldscheine einen Gegenwert repräsentierten ? Wer der Gläubiger war und wem dadurch die Schulden erlassen wurden ? Vielleicht der Dame selbst ?
     
  6. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Es erinnert mich an die Geschichte, als Fugger die Schuldscheine Kaiser Karls V. verbrannte.
     
  7. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    wieso eigentlich Franc ? Müssen das nicht Louis d´Or sein :grübel: Gabs da schon Franc ?

    Wo ist Louis le Grand :winke:
     
  8. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Naja, Schuldscheine werden ja normalerweise dem Gläubiger ausgestellt, der sie dann indossieren kann.

    Wird schon keine schottische Kurtisane gewesen sein - außerdem wäre ihr das am Hof wohl kaum durchgegangen, solch ein Fauxpas...
     
  9. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Damals gab es noch keinen Franc, den hat glaube ich erst Napoleon eingeführt. Vor allem schriftliche Beträge wurden damals immer in Livres tournois gezählt.

    Liebe Schini, von dieser Geschichte habe selbst ich noch nie was gehört. Und ich habe ich schon die eine oder andere Zusammenfassung von Augenzeugenberichten gelesen. :tuete:
     
  10. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Ganz tief in meinem Hirn kram.

    Der Franc von Napoleon orientierte sich 1:1 am Wert des alten Livres. Der Wert eines Livres am Ende des 17. Jahrh. lässt sich mit dem Faktor 50 in Euro umrechnen. Dabei wird das Preisniveau von Paris als Grundlage genommen.

    500.000 x 50 = heutiger Eurowert !!!

    Eher unglaubwürdig, nein extrem unglaubwürdig. :D
     
  11. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    die Antwort wurde in diesem Thread doch schon gegeben. Im eingangsbeitrag von dir selbst:
     
  12. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Ja, wenn der Franc-Wert von nach 1800 zu Grunde gelegt würde. Das ist aber nicht der Fall. :pfeif:
     
  13. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Nein, genau das habe ich ja in Zweifel gezogen. War ich nicht deutlich genug?




    Dann bleibt uns nur noch die Möglichkeit, die Journalistin selbst zu fragen, wie sie auf diese Geschichte und die Umrechnung kommt... :devil:
     
  14. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Dass du an dem ersten Zahlenwert zweifelst wurde nicht deutlich. Aber etwas gewundert hab ich mich schon, wieso du nochmal danach fragst.:confused:
     
  15. Soleil Royal

    Soleil Royal Neues Mitglied

    Ich kenne diese Geschichte auch nicht, aber wenn es denn Kurtisanen des Königs gewesen sein sollen, dann würde ich vermuten - falls diese Geschichte denn stimmen sollte, dass es entweder Madame de Montespan war ( der würde ich solche "Scherze" ohne weiteres zutrauen ), oder eben Madame de Ludre, die anderen kommen dafür nicht in Frage.

    Zumindest würde mich das schon arg wundern. :grübel:
     
  16. Schini

    Schini Neues Mitglied

    So jetzt bin ich auf einen Heinweis gestoßen, aber er ist jünger als ich dachte: Wall Street Journal vom 19 Juli 2000:

    http://www.econ.ohio-state.edu/Fleisher/teaching/JohnLaw.PDF

    und die haben es wohl aus diesem Buch: 'The Rich and How They Got That Way' by Cynthia Crossen.

    Nicht gerade ein Standardwerk zum absolutistischen Frankreich... mal weitersuchen...
     
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich denke, wir können die Zahlenwerte schlecht miteinander vergleichen. Stoffe, Arbeitskraft usw. hatten einen ganz anderen Wert als heute. Deswegen ist den Betrag in Euros umzurechnen ziemlicher Quatsch. 1.500.000 Euros sind ne Stange Geld, aber ein Besitzer von 500.000 Livres Tournois damals ist hinsichtlich des Ansehens und folglich des Reichtums nicht mit jemandem zu vergleichen, der heute 1.500.000 Euros auf dem Konto hat.
     
  18. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Sondern? Höherer oder niederer Status?
     
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Höherer natürlich.
    Ab 5.000 Livres galt man schon als sehr vermögend. Über 10.000 ging es dann ins Astronomische, soweit ich weiß. Man verspielte zwar auch am (Spiel-)Tisch des Königs Tausende, aber nicht gerade 100 Tausende.
     

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