Frauen als Heldinnen der Literatur

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Altertum" wurde erstellt von l2002w, 6. März 2019.

  1. l2002w

    l2002w Neues Mitglied

    Gibt es Mythen und Sagen über die römische Antike, in denen Frauen die Helden sind? Ich hab schon viel recherchiert, aber leider nichts gefunden.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Spontan fällt mir Lucrezia ein. Lucrezia war eine verheiratete und keusche Frau und wurde von einem Verwandten des despotischen Königs Tarquinius Superbus von Rom vergewaltigt. Sie "gestand" ihrem Vater und ihrem Ehemann, dass sie vergewaltigt wurde und beging dann Selbstmord wegen der Schmach. Tarquinius Superbus wurde (als eine Folge der Vergewaltigung Lucrezias durch einen aus seiner Camarilla) aus Rom vertrieben und belagerte später seine Stadt, als sich ein römischer Soldat ins Lager schlich, um ihn zu ermorden. Der Soldat wurde ergriffen und sollte gestehen. Um zu demonstrieren, dass er keine Angst habe, hielt er seine Hand ins Feuer, bis sie verbrannt war, was die Hintergrundgeschichte zum Ausspruch "Dafür lege ich meine Hand ins Feuer" ist. Die Belagerung wurde daraufhin aus Angst vor dem Mut der Römer abgebrochen, danach hatte Rom - bis zu den Germaneneinfällen 1000 Jahre später - keine Könige mehr. Das hat zwar nichts mehr mit Lucrezia zu tun, aber es hilft vielleicht, die Lucrezia-Legende in die römischen Legenden einzusortieren. In der Renaissance war Lucrezia ein beliebter Frauenname in Italien, den man natürlich mit einer gewissen Hoffnung an seine Töchter vergab.
    Lucrezia selber ist sicher nicht historisch, selbst die Existenz von Tarquinius Superbus ist historisch nicht sicher. Der wahre Kern der Erzählung, des Gründungsmythos der römischen Republik, ist aber sicher, dass die römische Aristokratie sich so darstellen konnte, als sei der Alleinherrscher vertrieben und damit dem Despotismus ein Ende gesetzt. Die römischen Kaiser haben daher auch nie den Titel des rex wieder eingeführt und Caesars Ermordung wurde u.a. auch mit der Befürchtung gerechtfertigt, dass er rex habe werden wollen. Die Legenden um Tarquinius Superbus hatten also noch 500 Jahre nach ihrem hypothetischen Geschehen eine politische Wirkmächtigkeit, die um Lucrezia ist ein Teil der Gesamtlegende.
     
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  3. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 6. März 2019
  4. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    na eigentlich den Porsenna
     
  5. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Bei so einer Frage fällt mir immer als erste MESSALINA die lasterhafte Kaiserin ein.
    Nennen würde ich da auch z.B. Agrippina d. Ältere, die Mutter des römischen Kaiser Caligula und Agrippina d. Jüngere, die Mutter von Nero.

    Auch Livia Drusilla und auch die Schwester des Kaiser Caligula Julia Livilla.

    Hier wird behauptet sie, Livilla und Agrippina die Jüngere hätte mit ihren Bruder Caligula Blutschande getrieben.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Stimmt, kommt aber am Ende fast auf dasselbe heraus.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. März 2019
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der Raub der Sabinerinnen fällt mir noch ein. Demnach hatten die Römer einen leichten Männerüberschuss und luden die benachbarten Dörfer zu einem Wettkampf ein. Die kamen auch alle zahlreich und als der Moment gekommen war, zogen die Römer ihre Schwerter und raubten die Frauen ihrer Gäste (offenbar hatten sie dabei eine glückliche Hand und es gelang ihnen, nur unverheiratete Frauen zu rauben, wie wir gleich sehen werden). Mehrheitlich hatten sie Frauen vom Stamme der Sabiner geraubt. Die Sabiner kehrten also zurück und wollten Rom angreifen. Und als die beiden bewaffneten Haufen sich wutschnaubend gegenüberstanden - warfen die geraubten Sabinerinnen sich zwischen die kampfbereiten Heere und baten die Männer um Frieden, denn, so übten sie Druck auf die Tränendrüse aus, auf der einen Seite stünden doch ihre Männer und Brüder und auf der anderen ihre Männer und Söhne (siehe oben, offenbar alles Jungfrauen gewesen vorm Raub). Interessant bei dieser Geschichte ist doch, wie schnell entweder die Sabinerinnen schwanger geworden waren, dass ihre wehrfähigen Söhne bereits auf dem Schlachtfeld standen bzw. wie viele Jahre die Sabiner gebraucht haben müssen, um die knapp 40 km zwischen Rom und ihrem Territorium zurückzulegen. ;)

    Aus der Sicht der Genderforschung würde ich zu den Frauen der römischen Mythologie Folgendes sagen:
    Bei der Geschichte vom Raub der Sabinerinnen bleibt die Mehrheit der Männer namenlos, wir kennen aber vereinzelte Männernamen, die Frauen bleiben alle namenlos, sie werden als ethnisch homogene Menge beschrieben: Sabinerinnen.

    Bei der Lucrezia-Legende hat Lucrezia einen Namen. Die Frauen aber sind in beiden Fällen zunächst einmal passiv. Lucrezia wird vergewaltigt, die Sabinerinnen werden entführt. Die Handlungen der Frauen in den Mythen sind Reaktionen auf die Handlungen der Männer, seien diese - aus Sicht der alten Römer - moralisch verwerflich, wie die Vergewaltigung Lucrecias, oder aber sozial erwünscht, wie die Wehrfähigkeit, welcher sich sowohl Sabiner als auch Römer auszeichnen. Dass Lucrezia sich umbringt, weil sie mit der Schande der Vergewaltigung nicht leben will, wird von den Römern als Heldenmut gefeiert, aber obwohl die Schuld eigentlich doch klar ist - moralisch verurteilt wird der Vergewaltiger - reinigt sie "ihre Schuld", indem sie sich umbringt, um nur ja keiner Römerin den Vorwand für einen Seitensprung zu liefern.
     
  8. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Eine wichtige weibliche Sagengestalt ist natürlich auch Medea.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    An die und Ariadne hatte ich zunächst auch gedacht, aber es war ja nach Sagengestalten der römischen Antike gefragt. Sicher, die meisten griechischen Sagengestalten kennen wir auch (und tw. sogar vor allem) aus der lateinischen Literatur.
     
  10. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    "Interessantes" Frauenbild, das "Ralf.M" da selektiv und subjektiv zugespitzt als Narrativ tradiert, um "Heldinnen" zu benennen:
    die erste ist
    1. lasterhaft
    die zweite ist:
    2. Mutter eines -leicht wahnsinnigen - "Pyromanen"
    die dritte ist:
    3. Mutter eines "Wahnsinnigen"
    und die vierte hat eine - vermutete -
    4. begangene Blutschande

    Ob "Ralf.M" zu männlichen "Helden" eine ähnlich imposante Auflistung an moralischen Verfehlungen vorschwebt, wenn er diese benennen sollte.

    Unabhängig davon ist diese ganze Diskussion über Helden und Heldinnen in der Tat wohl nur in einem sehr kritischen Umfeld zu diskutieren. In jedem Fall ist das Narrativ hochgradig ideologisch aufgeladen und als solches kritisch zu hinterfragen.

    Und in der Tat wäre eine geschlechtsspezifische Sicht auf die Art des Narrativs ein wichtiger Schritt, um sich nicht zum Handlanger für eine weitere problematische Tradierung von positiven Heldenbildern - also bei Männern - und negativen - also bei Frauen - zu machen.

    Soviel Reflektion sollte man bei den meisten Forianern doch mittlerweile erwarten dürfen. Es sei denn, dass es Absicht ist, Retrogeschichtsbilder zu protegieren. Und damit bekommt diese Diskussion auch - mal wieder - eine politische Dimension.

    https://geschichtedergegenwart.ch/d...oWPRNp7rt8Cs4V4mWkSfY3Ie-0fjiN3RvbbVBWZykYwyM
     
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  11. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    In diesem wären Ovid, Seneca usw. zu nennen. Ich wundere mich fast warum ich Medea aus einer griechischen Sagengeschichte her kenne...
     
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  12. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Erwähnenswert ist noch Verginia, eine Art Nachfolgerin von Lucretia. Appius Claudius von den zunehmend diktatorisch regierenden Decemvirn versuchte das Mädchen Verginia durch eine Intrige (einer seiner Handlanger behauptete, sie sei seine Sklavin) in seine Gewalt zu bekommen, was ihr Vater verhinderte, indem er seine Tochter erstach. Der Vorfall führte zum Sturz der Decemvirn.

    Keine Römerin, aber eine Figur aus der römischen Mythologie war die Kriegerin Camilla, die auf der Seite von Turnus gegen Aeneas kämpfte und fiel. Vor Vergil gibt es allerdings keinen Beleg für sie, möglicherweise hat er die Gestalt also selbst erfunden.

    Erwähnen könnte man auch noch Rhea Silvia, die Mutter von Romulus und Remus, wenngleich ihre Rolle eher passiv war.

    Während der Belagerung des Kapitols durch die Gallier sollen die römischen Frauen ihre Haare geopfert haben, um daraus Stricke für Wurfmaschinen anfertigen zu können.
     
  13. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    So gut wie alle, mit Hersilia begegnet uns allerdings ein Name, überliefert bei Plutarch und Livius. Hersilia, Tochter des Sabinerkönigs Hersilius, war zum Zeitpunktes des Raubes wohl schon verheiratet, und sie wurde entweder “versehentlich“ mitgeraubt oder sie schloss sich aus freien Stücken den räuberischen Römern an da sich unter deren Beute ihre Tochter befand.
    Auch zu ihrem weiteren Schicksal existieren wohl zwei Versionen, entweder wurde sie die Frau des Romulus, oder aber des Hostus Hostilius, dem Großvater des dritten römischen Königs.
    Sie trat zusammen mit anderen Frauen beschwichtigend bei der sich infolge des Raubes anbahnenden Auseindersetzung zwischen Römern und Sabinern auf, was dann die Aussöhnung möglich machte.
    In Ovids Metamorphosen erfährt Hersilia ebenso wie ihr Gatte Romulus (wird zu Quirinus) eine Vergöttlichung als Hora.
    Edit:
    Ovid: Metamorphosen, 14. Buch (deutsche Übersetzung v. R.Suchier)
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. März 2019
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  14. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Wo hast Du das her? Bei Livius (1,13) finde ich nur, dass die Sabinerinnen hier ihre Väter und dort ihre Männer baten (hinc patres, hinc viros orantes). Ihre Kinder erwähnen sie ausdrücklich als noch Ungeborene (partus), und zwar als Enkel der einen und Kinder der anderen. Bei Plutarch (Romulus 19) gibt es zwar offenbar schon geborene Kinder *, aber davon, dass sie bereits gekämpft hätten, finde ich nichts. In Bezug auf die Kinder so ähnlich, wenngleich sonst etwas abweichend, auch bei Dionysios von Halikarnassos.
    * Immerhin wird aber auch erwähnt, dass die Sabiner den Krieg gründlicher vorbereiteten als die anderen betroffenen Städte, die schnell angriffen und schnell geschlagen wurden.
     
  15. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    ist ja jetzt etwas OT, was ist der Unterschied zwischen partus und nasciturus?
     
  16. TarquiniusPriscus

    TarquiniusPriscus Neues Mitglied

    Wie wäre es mit Chiomara? Chiomara – Wikipedia
    Sie ist zwar keine Römerin, aber hat etwas mit Rom zu tun
    Ob ihre Geschichte 100% historisch ist, kann ich nicht beurteilen
     
  17. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Kleopatra ist sicher keine Sagengestalt, aber unzweifelhaft eine Heldin der römischen Literatur. Dido, die Herrin Karthagos, ist da schon eher mythisch und sicher nicht weniger wichtig für die römische Mythologie.
     
  18. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

  19. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Boudicca würde mir noch einfallen. Sie war zwar keine Römerin, sondern lebte in Britannien. Sie passt wahrscheinlich auch nicht so ganz in das Reich der Mythen und Sagen. Ich gehe mal davon aus, dass sie tatsächlich existierte - zumindest wird sie in der römischen Geschichtsschreibung mehrfach erwähnt.
     
  20. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    Zenobia von Palmyra - die Herrscherin hat zwar existiert aber über ihr Leben gibt es auch zahlreiche Mythen und Legenden.
     

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