Galanterie/Flirten/Umwerben

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von DM-Lady, 29. Januar 2012.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Der Pietismus ist eine evangelische Glaubensrichtung. Sie wendete sich in der lutherischen Kriche vor allem davon ab, dass die Lehren Luthers in Stein gemeißelt wären. Luther machte meines Erachtens weitaus eher Zugeständnisse an die Sinnenfreuden der Gläubigen. Während den orthodoxen Lutheranern vor allem der Besuch der Gottesdienste wichtig war, praktizierten die Pietisten eine vom Glauben und strengeren Moralvorstellungen geprägte Lebensführung, welche sich streng gegen Freuden wie Tanzen, Trinken und dergleichen wendete. Außerdem wurden neben den Kirchgängen auch private Gebetsstunden in den eigenen Wohnungen durchgeführt und eine eher verinnerlichte, schwer zu beschreiben, religiöse Haltung geübt.
    Von den Orthodoxen wurde diese Verinnerlichung auch gern mit Mystizismus verglichen. So setzte die Gottschedin in "Die Pietisterey im Fischbeinrocke" (Lustspiel von 1736) die Pietisten mit den Anhängern des Mystikers Jakob Böhme gleich.
    In vielen Gemeinden lebten allerdings Pietisten und Orthodoxe zusammen und besuchten auch dieselbe Kirche, so dass sich die Unterschiede eher im Privaten zeigten.
     
  2. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Genau und der war mit einer Tochter aus dem Haus Reuß-Ebersdorf verheiratet. Aber nicht nur Ebersdorf war dem Pietismus angetan, sondern auch Reuß-Köstritz. Der Begründer des Paragiats war Heinrich XXIV., deren Mutter eine von Zinzendorf war *tatätatä*, und dieser war anscheinend mit seiner Frau, Eleonore von Promnitz-Dittersbach (Klingt zwar nicht so, war aber eine sehr vorteilhafte Heirat, da sie viele Ländereien in Schleßien als Erbe mit in die Ehe brachte.), ein gefragter Vormund für viele adlige Kinder, sodass er nicht nur u.a. der Vormund vieler Reußen wurde, sondern weithin als hervorragender Erzieher im Sinne des Pietismus anerkannt war.
     
  3. zoka

    zoka Neues Mitglied

    Was ich mich hier ein wenig frage, was bitte schön “Pietismus” mit Flirten und Galanterie zu tun hat. Schließt das Eine das Andere tatsächlich aus? Müssen im Flirten wirklich nur deftige Anzüglichkeiten gesehen werden, oder ist das eher die heutige Sichtweise?

    Aber auch der Bezug zu Preußen, Preußen quasi als Maß der Galanterie in Europa, wäre gelinde gesagt zu hinterfragen. Doch immerhin schafften es auch die Preußen, sich fortzupflanzen, wenn auch dies ohne Flirts eher im Technischen stattfand?
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1.
    Pietismus hatte sicher Auswirkungen auf den Umgang, was moralische Fragen anbelangte.

    2.
    Niemand hat gesagt, dass ganz Preußen pietistisch war.
     
  5. zoka

    zoka Neues Mitglied

    Das schon, aber inwieweit kann das Flirten als unmoralisch bezeichnet werden? Wird hier nicht zuviel aus der Gegenwart hineinprojiziert? Da muss es doch bestimmt auch in Preußen ein moralisch korrektes Flirten gegeben haben...
     
  6. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    @ zoka

    Deine Thesen von Seite 1 sind u.a.:

    I.
    II.
    Der Abstecher, innerhalb des Themas, zum Pietismus wurde nur gemacht, damit Du siehst :), dass Religion und Moral auch ein gehöriges Machtwort im 18.Jh. hatten.

    Ob das eine das andere komplett ausschließt? Hm wir waren nicht dabei.
    Ich bin mit Brissotin aber vollkommen einer Meinung, dass der Pietismus den Menschen deutlich in seinem Ganzen (Handeln, Denken, Willen) beeinflusst hat.
    Natürlich gab es auch welche, die auf die Religion und Moral gepfiffen haben, aber es gab eben auch welche, die sie für heilig und unantastbar hielten.

    Ich denke, dass das eher eine religiöse als eine geschichtliche Frage ist und ich glaube, dass diese Frage jeder für sich selbst beantworten sollte.
     
  7. zoka

    zoka Neues Mitglied

    Will eigentlich nicht auf die Definitionen des Flirts von Anderen zurückgreifen und definiere mal selbst:

    Ein Flirt ist der Ausdruck sexuellen Verlangens, sei er nur vorgetäuscht und äußerst subtil vorgetragen, wobei bereits ein nur eine halbe Sekunde zu langer Blick ein Flirt sein kann. Jeder Mensch, der sich fortpflanzen will, flirtet erstmal, um überhaupt seine Absichten kundzutun. Ein Flirt ist somit ein Vorspiel der körperlichen Liebe, die es ohne Flirt nur bei einer vorherigen Absprache durch Dritte gibt, und/oder wenn die körperliche Liebe auf irgendeine Art erzwungen wird, wozu die meisten Fälle von Zwangsehen zählen, die genaugenommen erstmal eine Vergewaltigung beinhalten.

    Soweit einverstanden? Bleibt hier wirklich viel Raum für die persönliche Überzeugung? Ist mir eigentlich auch nicht bekannt, dass eine Religion das Flirten generell verbietet. Reduziert man aber das Flirten auf die Fälle, wo mindestens eine Hälfte bereits in einer festen Beziehung ist, dann ist das tatsächlich eine sehr persönliche Angelegenheit.



    Doch die Einsicht der Notwendigkeit des Flirts, als Instrument der Emanzipation und als einzig moralische Art des Werbens in einem humanistischen Sinn soll hier nicht vom eigentlichen Thema ablenken. Hier ein recht ausführlicher Wikipedia-Artikel zur Geschichte der Galanterie und deren sozialen Ursachen und Folgen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Galant
     
  8. Mischa

    Mischa Aktives Mitglied

    Hallo :winke:

    wer war denn die Prinzessin, die den Cross-Dressing-Ball gab?
     
  9. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    @Mischa:
    Hab's eben nachgelesen, es war Prinzessin Amalie und es wird in den Memoiren der Sophie Marie von Voß erwähnt (habe es aus "Frauenleben im 18.Jh.")
     
  10. Mischa

    Mischa Aktives Mitglied

    Danke :) Auf Amalie hatte ich auch getippt.
     

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