Geschichte des Punk

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von iamNex, 7. Dezember 2009.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Naja, alle möglichen bezeichnen diese oder jene Band als ihre Vorbilder, auch wenn sich das im Sound nicht unbedingt wiederspiegelt.

    Da höre ich doch lieber ne original Band aus den 70ern wie 999 (einmal sogar live in Freiburg :yes:) oder The Avengers (habe ich damals verpasst, weil es einfach zuviele Konzerte in dem Monat gab).

    Bei den Ramones kommt ja noch hinzu, dass manche sie garnicht als Punk bezeichnen. Also ich würde sagen, dass die auf jeden Fall eher Punk waren, als manches, was man heute unter Punk bezeichnet und doch nur Mainstream-Rock oder gar Pop ist.
     
  2. michaell

    michaell Aktives Mitglied

    Mit The Clash konnte ich nie etwas anfangen. Eine Band, die ich bis heute großartig finde, sind Wire. Ich lernte sie erst Ende der 80er kennen, als sie sich nach einigen Jahren Pause wieder zusammentaten und einen stärker elektronischen Sound hatten, der etwas an New Order erinnerte. Erst später fand ich heraus, dass es die Band schon in den späten Siebzigern gegeben hatte und dass sie damals eine Reihe klassischer Alben aufgenommen hatten. '154' ist eines der besten New-Wave-Alben überhaupt und 'Map Ref. 41n 93w' einer meiner all time Lieblingssongs.
     
  3. salvus

    salvus Aktives Mitglied

    Für mich gibt es da eine Art "Generationsfrage".

    Bei Wiki gibt es zu "Social Distortion" eine Bemerkung, daß sie eine Punk Band der 2. Generation seien.

    Gibt es so etwas?
    Wahrscheinlich ja,

    Welche Bands waren denn die erste Generation?
    Welche die zweite und dritte?

    Und bei welcher Generation sind wir heute?

    Oder ist diese Generationenfrage nur Quatsch?
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Social Distortion" haben sich 78 gegründet. Das würde ich auch schon fast als zweite Welle ansehen, wobei dann die Frage wäre wie weit diese geht. Auch die "Antinowhere League", die dann so Anfang der 80er kamen, wurden als Revival des Punks damals auf BBC bezeichnet.

    Etwas früher als "Social Distortion" sind auf jeden Fall "The Adicts" (75 - noch heute mit Originalbesetzung!), und "The Clash" (76). Kurz vor "The Adicts" gründeten sich die "Ramones". Wobei ich ja bei den "Ramones" trotz ihrer Texte ned so sehr von ner Punkband sprechen würde. Aber diese Bands würde ich so zu den ersten zählen.
    Noch vor den "Ramones" traten die Herren von "Cock Sparrer" auf den Plan. Das war schon 72 und die touren immernoch höchst erfolgreich. Gut, die machen eher Oi!, aber das ist vom Punk ned zu trennen. Also vielleicht ist die erste Welle mit "Cock Sparrer" in der ersten Hälfte der 70er?

    Also als frühe Bands lese ich immer: "Cock Sparrer, "Ramones", "The Adicts", "Sex Pistols", "999", "The Clash", "The Vibrators".
    In einer Doku zu Joe Strummer kam es eigentlich ganz schön raus, dass die Mannen von "The Clash" am Anfang schon ihre Schwierigkeiten hatten, nen Stil zu finden, weil sie ja praktisch selber defenieren mussten, was Punk ist. Strummer kam ja durchaus anfangs aus einer anderen Szene ("The 101ers" war ne Rockband, die doch deutlich anders klang als Punk und die er scheinbar rasch als Irrweg ansah) und wendete sich dann mit dem Punk in eine andere Richtung - was daraus dann wurde, ist freilich ne ganz andere Frage.

    Für mich ist die Generationenfrage etwas irrelevant und nur was schönes für die Historiker. Die Bandhistorien greifen doch stark ineinander über. Außerdem hört es sich manchmal so an, als hätte es phasenweise garkeinen Punk gegeben, und er hätte erst wiedererstehen müssen. Aber das halte ich für Quatsch. Einige von den Urgesteinen touren seit Jahrzehnten und haben etliche Bands steigen und wieder fallen gesehen. Es kommen halt nur immer wieder neue Ideen dazu und andere musikalische Einflüsse.
     
  5. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Ein sehr guter Satz, denn der versuch, Punk und seine musikalische Herkunft in eine klar strukturierte Entwicklung zu packen, widerspricht dem Charakter des Punk ...

    Aber noch weit vor den 70iger Jahren gab es Bands, die genau diese der 70iger Jahre beeinflusst haben, so kommt man nicht an MC5 oder The Stooges und Igy Pop vorbei.
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Richtig, siehe hier:
    Please kill me: die unzensierte Geschichte des Punk ; [erzählt von Dee Dee ... - Google Books

    Und wieso werden eigentlich nicht die Big Balls für Deutschland genannt?

    "....was one of the first and best known German punk rock bands. They were founded in Hamburg in 1975 by Peter Grund." (sorry gab keinen deutschen Wiki-Eintrag, aber gibt ne deutsche Seite von Atli Grund)

    Big Balls and the Great White Idiot - Wikipedia, the free encyclopedia
     
  7. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Aber echt, so ne Sauerei ...:winke:
    Dann dürfen wir aber die hier auch nicht vergessen: Ton Steine Scherben

    Aber vielleicht werden diese Bands nicht genannt, weil Deutschland in den 70igern das Schlagerparadies war? :grübel:
     
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Scherben sind doch kein Punk. :devil: Sind natürlich ne Steilvorlage für "Slime" gewesen, was dann auch immerhin noch in den 70ern ist. :cool:
     
  9. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Was ist Punk?
     
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Schwer zu sagen.

    Ich wollte nur mal einen coolen Spruch ablassen.

    Dave King von "Flogging Molly" bezeichnete mal "The Dubliners" als erste Punkband. Das wäre dann aber weit in den 60ern. Vielleicht einfach wegen der Themen (Saufen, Gewalt, Antikrieg) und der wilden, nicht gesellschaftskonformen Erscheinung (Zottelbärte aber keine Hippies).:grübel:
     
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  11. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Ich glaube, um hier einen "Anfang" zu finden, wäre es interessant alle Bands zusammen zu tragen, die die Punkbands der 70iger Jahre beeinflusst haben. So z.B. siehe Beitrag #259 od. #260 ...
     
  12. BZwo

    BZwo Aktives Mitglied

    Bin letztens auf diesen tollen Thread gestoßen, und hab' ihn mir in den letzten 3 Tagen von vorn bis hinten durchgelesen.

    Erstmal muss ich bekennen, das ich von hause aus eigentlich kein Punk bin. Eher im Gegenteil, denn der Soundtrack meiner Jugend wurde eher von Bands wie Depeche Mode, Yello, Pet Shop Boys oder New Order bestimmt. Wobei letztere ja durchaus aus der Punk-Bewegung hervorgegangen sind, was man ihnen aber in den 1980ern nicht mehr angehört hat. Später hat sich mein musikalisches Interesse allerdings in alle möglichen Richtungen ausgedehnt. So habe ich auch den Punk zumindest ein wenig gestreift.

    Im Rückblick hab' ich den Eindruck, das da in den Jahren 1976/77 eine Art musikalische Supernova explodiert ist, die zwar nach wenigen Jahren zum größten Teil verglüht war, deren Schockwellen aber bis heute nachwirken. (Hab' ich da jetzt zu dick aufgetragen?)
    Was Punk m.E. so wichtig macht, ist diese DIY- und Scheiß-drauf-was-die-anderen-denken-Attitüde. Das hat sich in der Folge auch auf viele andere musikalische und jugendkulturelle Strömungen übertragen.
    Überhaupt gefällt mir oft die Musik von Bands, die sich vom klassischen Punkrock wegentwickelt, sich aber ihre Punk-Attitüde bewahrt haben, am besten. So ist eine meiner Lieblings-Dub-Platten "Rhythm Collision" von Ruts DC (könnte natürlich auch daran liegen das die vom Mad Professor gemixt wurde).

    Da hier im Faden irgendwer (ich kuck' jetzt nich' nochmal nach, wer's war) die elektronische Musik etwas pauschal gedisst hatte, muss ich natürlich noch darauf hinweisen, das Atari Teenage Riot für mich die vieleicht wichtigste Punkband der 90er war. Sie haben es wie keine andere Band geschafft, die Agressivität, Energie und Ästhetik des Punk mit den Mitteln der elektronischen Musik nachzuvollziehen. Und in puncto Provokation (z.B.: "Hetzjagd auf Nazis") macht ihnen auch so schnell keiner was vor. :devil:

    So, wie kriege ich jetzt die Kurve von ATR zur Weimarer Republik?
    Ach, egal!

    Auch ein halbes Jahrhundert vor Punk gab es schon so eine Art No-Future-Generation, wie man in folgendem Artikel lesen kann. Die Punks der Weimarer Republik
     
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  13. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Kawum! Interessant, schön das dieser Thread mal immerwieder auf Interesse stößt und ich habe jetzt auch mal alles überflogen und musste festellen, daß es mal intensivere Zeiten im GF gab, sich mit Gedanken auszutauschen.

    Aber nun meine Rückfrage auf deinen letzten Satz und deiner Feststellung bzw. Vergleich, daß eine Generation ohne Zukunft gleichzusetzen ist mit Punk?

    Ich denke, daß ist das schon viel genannte Erkennungsmerkmal, welches nicht selbst von dem Punk als Subkultur hervorgehoben wird, sondern von Außen erstellt wird, um diesen Punk im Gesellschaftsgefüge zu definieren.

    Punk kann alles sein, nach seiner eigenen Definition, da sich Punk selbst keiner Schranken oder Gleichstellungsmerkmal unterzieht. Die Gesellschaft kommt damit aber nicht zurecht und muß alles und jeden Katalogisieren, daher kommt dann auch eine Verbindung zustande, daß es Gesellschaftsschichten, vor allem bei Jugendlich gab, die durch Zukunftsängste geprägt waren.

    Zack und schon ist es Punk ... diese Keine Zukunft gab es bestimmt schon unter den alten Griechen, Römern ....usw. kein Grund dafür, alles als Punk zu bezeichnen.
     
  14. BZwo

    BZwo Aktives Mitglied

    Der Vergleich kommt ja nicht von mir, sondern vom Autor des verlinkten Artikels Ulrich Gutmair. Der von mir vor diesen Link gesetzte Satz, war mehr oder weniger als Überleitung gedacht.
    Sicher muss man nur wegen so'n paar Ähnlichkeiten nicht gleich von den "Punks der Weimarer Republik" sprechen. Aber als Journalist muss man vielleicht manchmal solche Überschriften benutzen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Davon abgesehen finde ich den Artikel schon ganz interessant, und auch nicht vollkommen OT.

    Da kann man sicher auch The Monks nennen. Die haben's damals trotz ihrer "seltsamen Musik" sogar bis ins deutsche Fernsehen (Beat Club) geschafft, was man sich bei YT auch anschauen kann.
     
  15. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Cooles Beispiel und es zeigt auf, welche verschiedenen Musikstiele sich im Punk vereinigen, bzw. wie die Macher des Genre Punk (musikalisch) sich im Vorfeld von verschiedene Musikrichtungen beeinflussen liesen. Interessant dabei der Einfluß bei den Beastie Boys. Hier haben wir einen musikalischen Überschnitt zum schwarzen Rap und Funk, der durch die Weißen Buben der Beasties aus dieser schwarzen Ecke in den alternativ Bereich hohes Ansehen erwirken konnten und wiederum für viele Bands nach den 90iger als beeinflussend wirkten.

    :yes:
     
  16. BZwo

    BZwo Aktives Mitglied

    Ich hab' mich ja gefragt, warum eigentlich außer dem Punk keine andere Musikrichtung einen eigenen Thread abbekommen hat. Nachdem ich mir aber gerade einige Seiten im "Was hört Ihr gerade"-Thread angeschaut habe, bekomme ich langsam eine Ahnung woran das liegen könnte. :(

    Vielleicht ist es ja auch unnötig sich über die Geschichte diverser Spielarten des Rock & Pop Gedanken zu machen, denn Andy Partridge hat das Ganze schon vor über 30 Jahren mit seiner History of Rock'n'Roll phenomenal auf den Punkt gebracht. :D Und seitdem jagt ja eh nur ein Revival das Nächste.
     
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Hm, ist es nicht bezeichnender, dass es einen Thread für den gesamten Punkrock/Punk gibt, während Klassik und Alter Musik meistens extra Threads zu einzelnen Komponisten gewidmet sind?

    Außerdem habe ich auch mal einen Thread zu französischer "Barock"musik u.ä. in Dtl. gemacht, der sogar eine Weile ganz gut gelaufen ist.:cool:
     
  18. corto

    corto Aktives Mitglied

    Bzwo wollte vielleicht auch auf den Umstand hinweisen, das gerade der Musikstil bei dem sich angeblich die wenigste Mühe bei der Präsentation gegeben wird, und dem nachgesagt wird hauptsächlich Gesellschaftliche Verlierer anzuziehen oder anzusprechen...
    wo die Performer angeblich nicht mehr als 3 akkorde können durften und alle eh drogensüchtig waren etc etc...

    und schwupps 30 Jahre später haben die alle studiert und sind auf einmal Intellektuell.
    und haben in den Köpfen der heute Erwachsenen signifikante Spuren hinterlassen, ganz im Gegenteil zu den biederen Superstars damals.
     
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das mit dem Studieren/geregeltem Leben stimmt schon. Aber dagegen haben sich die meisten Punkmusiker auch weniger ausgesprochen. Eine Ausnahme sind halt diejenigen bei denen Working Class sozusagen zum Selbstverständnis dazu gehört. Arbeit konkret abzulehnen kenne ich eigentlich nur von den "Kassierern".
     
  20. BZwo

    BZwo Aktives Mitglied

    Das es einige Threads zur klassischen Musik gibt ist mir durchaus auch schon aufgefallen. Es geht mir aber eher um die vielen Stile der Populärmusik (insbesondere aus der 2.Hälfte des 20.Jahrhunderts). Ich denke, das das auch durch den 2.Teil meines Beitrags deutlich wurde.

    Ähm..., nö. Obwohl..., jetzt wo Du's sagst. Wer weis was mein Unterbewusstsein so alles zum Ausdruck bringen wollte? :grübel:
    Allerdings haben diese biederen Superstars von denen Du sprichst, in meinem Kopf scheinbar auch keine Spuren hinterlassen. Jedenfalls fällt mir da auf Anhieb kein Name ein.

    Eigentlich wollte ich nur andeuten, das die Freunde der durch den heftigen Einsatz elektrisch verstärkter Gitarren gekennzeichneten Spielarten der Populärmusik hier im Forum etwas überproportional vertreten sein könnten. Und das das vielleicht auch der Grund ist, weshalb man hier zwar die Geschichte des Punk findet, aber Thread-Titel wie: Geschichte des Soul, Geschichte des Hip Hop, Geschichte des Country oder auch Geschichte der elektronischen Musik vergebens sucht. Nicht mal eine Geschichte des Jazz gibt's zu entdecken. :weinen:

    Natürlich könnte ich versuchen für mein(e) Spezialgebiet(e) (einen) entsprechende(n) Thread(s) zu eröffnen, nur befürchte ich, das ich damit nur auf geringes Interesse stoße.
     
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