Geschichtefrage Karte kleindeutsche Lösung

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von franzö.Revolut., 16. Juli 2016.

  1. franzö.Revolut.

    franzö.Revolut. Neues Mitglied

    Hallo, liebe Community
    ich habe mir mal mein Geschichtsbuch zur Hand genommen :pfeif::red:
    und habe mir mal die Veränderung der Landkarten im Laufe der Jahre betrachtet. :fs:
    Zwischen dem Deutschen Bund 1815 und dem Deutschen Bund unter österreichischer Führung 1850 muss doch eigentlich die kleindeutsche Lösung sein. Aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob das so ist, denn die kleindeutsche Lösung will doch preußen als dominierende Führung haben, oder? Aber preußen lehnt das doch mit der Ablehnung der Kaiserkrone (Ludergeruch der Revolution ab) ab. Also, gab es jemals die kleindeutsche Lösung als Karte und real, oder war das bloß ein Ansatz, der nie ausgeführt wurde?
    Danke schon mal im Voraus:cry:
     
  2. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Eine der umstrittenen Fragen im Paulskirchenparlament war, wie weit man Deutschland fassen wollte. Da das Parlament scheiterte, scheiterten auch die dazu besprochenen Lösungen.

    In einigen Geschichtsbüchern sind Groß- und Kleindeursche Lösung als Karten dargestellt. Das darf nicht darüber hinweg täuschen.
     
  3. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Welches Geschichtsbuch?

    Was genau meinst Du damit?

    Frage auch hier: Welche Quellen?
     
  4. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    In unserem Geschichtsbuch gab es so eine Karte. Dafür bin ich die Quelle.

    Weißt Du wirklich nicht, was damit gemeint ist, jschmidt? :)
     
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Eine grundsätzliche Anmerkung, da dieses Thema häufiger im Forum nicht ganz korrekt dargestellt wird. Auch in diesem Thread.

    1. Die primär vom Bürgertum formulierte national-liberale Vorstellung - als Ideologie - von einem deutschen Nationalstaat war für die Periode bis ca. 1866 eher an konstitutionellen bzw. parlamentarischen Vorstellungen zur Monarchie bzw. zu einer Republik orientiert. In diesem Sinne verwendete die Frankfurter Nationalversammlung einen sehr hohen Aufwand darauf, eine der zukunftweisendsten Verfassungen ihrer Zeit zu formulieren.

    In diesem Sinne war es eine bürgerliche Bewegung, die tendenziell die traditionellen semi-absolutistischen Regierungsformen, auch in Preußen bzw. in Ö-U, in Frage stellte und auch aus diesem Grund von den Monarchein abgelehnt wurde.

    Diese Form des ursprünglichen Nationalismus war zunächst und vor allem eine revolutionäre Ideologie! Wobei sich die Radikalität zum einen aus den Nachwirkungen der Ideen der Französischen Revolution speiste und zum anderen aus den liberalen Ideen im Kontext der Industriellen Revolution.

    Um 1850 gab es von Seiten der Monarchien, also auch von Preußen, kein Interesse an einer "deutsch-nationalen" Lösung. Preußen war im klassischen Stil einer feudalen Macht daran interessiert für sein Herrscherhaus den Herrschaftsbereich zu erweitern.

    Das hat mehr mit einer mittelalterlichen Sicht zu tun, aber nichts mit dem "modernen" Nationalismus der "Völker". Einer Idee, die durch die Französische Revolution und Napoleon überhaupt erst nach Rest-Europa exportiert wurde.

    Erst ab ca. 1860 kam es zu einer Adaption des Gedanken des "Nationalismus" in Preußen durch die herrschende konservative Elite. Und es erfolgte eine Umdeutung des eigentlichen "links-liberalen" Nationalismus in eine konservative nationalistische Ideologie.

    2. Der zweite Punkt betrifft die Benennung der "nationalen" Alternativen. Es wird in der Regel von 2 deutschen Lösungen gesprochen, wie zuletzt im Fall des Krieges von Ö-U und Preußen gegen Dänemark.

    Dabei wird die "kleindeutsche" gegen die "großdeutsche" Lösung positioniert und die eine mit Preußen und die andere mit Ö-U identifiziert.

    Es gab zumindest zeitweise eine dritte Alternative, die von "Frankfurt" ausgehend eine Stärkung des Deutschen Bundes bedeutet hätte und auf die Stärkung der mittelgroßen Staaten im Deutschen Bund hinausgelaufen wäre.

    In diesem Sinne hatte sich auch die Bevölkerung von Holstein (für die von Schleswig ?) für einen eigenständigen Staat ausgesprochen, der sich dem Deutschen Bund assoziiert. Die Besetzung und Integration (spätestens nach 1866) in den preußischen Staat fand nur bei einem Teil der Bevölkerung eine Zustimmung. Insofern verlief die Ausdehnung des monarchistischen Preußen gegen preußischen

    Vor diesem Hintergrund ist die Begrifflichkeit der "kleindeutschen" und "großdeutschen" Lösung m.E. schon irreführend.

    Ein "deutsche" und nationale Lösung strebten primär die "Frankfurter" im Rahmen des Deutschen Bundes an und scheiterten primär an realpolitischen Machtkonstellationen. Die "kleindeutsche" Lösung war demgegenüber eine preußische Lösung. Eines Preußens, das in den Jahrhunderten zuvor im Zweifel gegen das HRR Krieg geführt hatte. Es war eine preußische Lösung, die den restlichen deutschen Mittel-Staaten oktroyiert wurde.


    (vgl. die Ausführungen ivon H. Sack in der "Zeit" ohne dem Titel einen zu hohen Stellenwert einzuräumen)
    http://www.geschichtsforum.de/f128/ein-deutscher-vernichtungskrieg-52516/#post770356

    vgl. z.B. Breuilly
    Breuilly, John (2014): Austria, Prussia and the Making of Germany. 1806-1871. 2nd ed. Hoboken: Routledge, Taylor and Francis
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Juli 2016
  6. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Nein, die Vorstellungen des Paulskirchenparlaments hierzu wurden nicht umgesetzt. Die Reichseinigung durch Preußen war nicht deren Erfüllung, die Vorstellungen, wie Du ja auch schreibst, andere.

    Zudem bezieht sich die Frage offensichtlich auf die Zeit der Paulskirchenparlaments.
     
  7. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Karten erstellen?!

    Als ich für http://www.geschichtsforum.de/f82/fehmarn-und-hrr-52705/ in Geschichtsatlanten blätterte, fiel mir das hiesige Thema wieder ein, welches schon mehrfach behandelt wurde. [1]

    Wie ich schamvoll andeuten musste (#3), sind mir keine Geschichtskarten bekannt, welche die (hypothetische) "Klein-" bzw. "Großdeutsche Lösung" zeigen. Deshalb würde ich gern solche Karten skizzieren. [2]

    Die Grobstruktur ließe sich unkompliziert festlegen anhand des Diagramms "Deutsche Einigungspläne 1848-1850" in https://de.wikipedia.org/wiki/Kleindeutsche_Lösung.

    Frage: Besteht Konsens über die Richtigkeit der dort als "Großdeutsch" und "Kleindeutsch (FRV 1849)" bezeichneten Varianten? Gibt es Korrekturbedarf? Wie sind die beiden Fragezeichen aufzulösen?


    [1] Siehe z.B. http://www.geschichtsforum.de/f58/kl-rung-der-deutschen-frage-der-paulskirche-21079/ und http://www.geschichtsforum.de/f58/w...rialen-aufteilung-deutschlands-1848-a-24893/; Zur zeitweise mitdiskutierten "dritten" Lösung siehe auch http://www.geschichtsforum.de/f60/ein-drittes-deutschland-trias-25353/.
    [2] Unter Zurückstellung der kritischen Hinweise in #5.
     

Diese Seite empfehlen