Hätte die Weimarer Republik unter einem Präsidenten Hans von Seeckt ebenfalls den zweiten Weltkrieg ausgelöst?

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Während Gustav Stresemann wohl eher versucht hatte, den Versailler Vertrag auf friedlichem Wege abzuschaffen, arbeitete zeitgleich Hans von Seeckt an einer heimliche Aufrüstung der Reichswehr. Dies wurde spätestens 1926, dem Jahr der Verleihung des Friedensnobelpreises an Stresemann, publik...


Hans von Seeckt war einerseits Gegner des Nationalsozialismus. Andererseits baute er die Reichswehr zu einer größeren Parallelstruktur im Staatsgefüge aus.

Er machte sich über die soldatische Ausbildung Gedanken, woraus später die Wehrmacht erfolgreich zurückgriff. Zudem erarbeitete er ein geheimes Aufrüstungskonzept, den "Großen Plan" von 1925, der zu einer Truppenstärke entsprechend der Wehrmacht zu Beginn des 2. Weltkriegs führen sollte.

Seeckt betonte in der Ausbildung der Reichswehr Verantwortungsfreudigkeit, Initiative und Führen durch Auftrag.[6] Im Zentrum seiner Truppenausbildung standen das Gefecht der verbundenen Waffen und der Bewegungskrieg mit besonderer Betonung von Flankenangriffen.[7] Seeckts Ausbildungsgrundsätze waren eine wesentliche Grundlage der Erfolge der späteren Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.[8]

Ein detailliertes Aufrüstungskonzept für die Reichswehr bis zu einer Truppenstärke, die der zu Beginn des Zweiten Weltkrieges entsprach, der sogenannte „Große Plan“ von 1925, wurde in Seeckts Auftrag unter strengsten Geheimhaltungsvorkehrungen ausgearbeitet.

Zudem war er daran interessiert, zum Reichspräsident gewählt zu werden.
Seeckt plante, beim Ende der Amtszeit Eberts selbst für das Amt des Reichspräsidenten zu kandidieren, und ließ dazu von seinen Mitarbeitern, darunter Kurt von Schleicher, Vorbereitungen treffen. Eberts frühzeitiger Tod am 28. Februar 1925 verhinderte diesen Plan jedoch, da die Vorbereitungszeit nach Schleichers Ansicht noch nicht ausgereicht hatte.

Wenn man das alles zusammen nimmt: Wohin strebte von Seeckt insgesamt? Wie war sein Verhältnis zu Stresemann? Hätte er realistische Wahlchancen gehabt, wenn Ebert 1-2 Jahre länger gelebt hätte? Hätte er nach einer Wahl dann seinen "Großen Plan" umsetzen können? Oder wäre ihm jemand wie Scheidemann in die Quere gekommen? Falls er es geschafft hätte, die Reichswehr bis 1932 auf die "Sollstärke" zu bringen, was hätte er dann damit gemacht?

Rückblickend auf die Rüstungspolitik in der Weimarer Republik ergibt sich jedoch zweifelsfrei die Tatsache, dass eine langfristige und umfassende Rüstungsplanung nicht erst mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, sondern schon in der Zeit der Weimarer Republik mit dem ersten und zweiten Rüstungsprogramm einsetzte.
 
Ging es nicht vielmehr darum zumindest eine "Verteidigungsfähigkeit" der Reichswehr zu erhalten? Mit den bestehenden Einheiten war dies nicht möglich. Dazu kam die technische Komponente. Ich sehe da, aus meinen bisherigen Erkenntnissen heraus, keine aggressive Rüstungsplanung.
Das DR war ja als Weimarer Republik militärisch völlig wehrlos.

Deine Frage würde ich im übrigen mit einem klaren NEIN beantworten. Hier sind die Motive zur "Aufrüstung" völlig andersgeartet.
 
Während Gustav Stresemann wohl eher versucht hatte, den Versailler Vertrag auf friedlichem Wege abzuschaffen, arbeitete zeitgleich Hans von Seeckt an einer heimliche Aufrüstung der Reichswehr. Dies wurde spätestens 1926, dem Jahr der Verleihung des Friedensnobelpreises an Stresemann, publik...
Nun, wir müßen hier auch klar zwischem politischem und militärischem Entscheidungsträger differenzieren.
 
Man muß in dieser ganzen Problematik auch die Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrages betrachten. Ohne tiefere Kenntnis dessen kann jede Bewertung einer heimlichen "Wiederaufrüstung" nicht realistisch betrachtet werden.
Panzer und gepanzerte Fahrzeuge waren verboten, MGs in ihrer Stückzahl sehr beschränkt, Maschinenpistolen verboten, Kaliber und Lauflängen bei Pistolen beschränkt ( unter 100mm Lauflänge), Flugzeuge verboten, es gab eine Dienstzeitenregelung (damit das Personal lange dienen mußte um einen Soldatenpool zu verhindern), die Personalstärke von 100.000 reichte nicht einmal für minimale Verteidigungszwecke aus.
Hier gibt es noch eine Menge anderer Punkte.

Obacht:
Ich will hier keine Wiederaufrüstung gutheißen, ich möchte lediglich die damalige Situation, die auch im Kontext mit dem deutsch-französischem Verhältnis und anderen Regelung Versailles gesehen werden muß, darstellen. Hierzu darf man ebenfalls den damaligen "Zeitgeist" nicht außer acht lassen.
 
Deine Fragestellung ähnelt eine Gleichung mit zu vielen Unbekannten.
Es gibt sicher Dokumente dazu, was von Seeckt für Vorstellungen hatte. Ohne diese jetzt im Detail zu kennen, wäre vorstellbar, dass mit einer starken Reichswehr eine entsprechende Drohkulisse bestanden hätte, mit der man hätte Politik machen können, ggf. wäre man auch kriegstüchtig gewesen, um (europäische) Gebietsverluste des Versailler Vertrages wieder zu revidieren. Letzteres nur mal so als Idee in den Raum gestellt, da ich mich mit der Person von Seeckts nie beschäftigt habe. Die heimliche Aufrüstung der Reichswehr entgegen den Statuten des Weimarer Vertrages ist ja seit gut 30 Jahren ein relativ gut erforschtes Thema.
 
Nur zur Erinnerung:
Das NS-Regime um H. konnte 1938 immerhin Österreich und nachfolgend das Sudetenland dem "Reich" angliedern, schließlich im März 1939 auch die "Rest"-Tschechoslowakei - und löste damit nicht den Beginn des II. Weltkriegs aus.
 
Mithin, ein Reichspräsident von Seeckt ohne RK H., eine WR mit von Seeckt hätte sehr wahrscheinlich keinen weiteren Weltkrieg ausgelöst. Sowenig wie die Aufrüstung im NS-Regime, der Ausstieg aus dem VV sowieso, die Remilitarisierung der entmilitarisierten Zone ab 1935 den II. Weltkrieg ausgelöst hatte.
 

Hätte die Weimarer Republik unter einem Präsidenten Hans von Seeckt ebenfalls den zweiten Weltkrieg ausgelöst?

?????​

 
So geht das. :)
Es lohnt sich die Überschrift aufmerksam zu lesen.

..... und es lohnt sich Sorgfalt bei deren Formulierung...
 
So geht das. :)
Es lohnt sich die Überschrift aufmerksam zu lesen.

..... und es lohnt sich Sorgfalt bei deren Formulierung...
Ja, letzteres in jedem Fall, dieser Threadtitel ist eher doppeldeutig, vielleicht sollte der Mod den ändern?
Für mich war die Überschrift hier eigentlich eindeutig, man kann den auch anders deuten!?
 
Steile Thesen in einem Diskussionstitel!

Das ist entweder unbeabsichtigt, dann eher ungeschickt, oder es ist beabsichtigt. Man nennt das dann "Framing".

Auf jeden Fall ist es intellektuell unredlich, die eigene Schlußfolgerung als Titel einer Diskussion vorzugeben. Hier ist es zumindest noch als Frage formuliert.

Anders ausgedrückt: Eine neutrale Überschrift wie "Zur Rolle von Hans von Seeckt im Rahmen der Aufrüstung der Weimarer Republik" halte ich für besser, sie hätte immer noch die Formulierung der weiter oben genannen These als einzelnen Beitrag der kritischen Diskussion stellen können.
 
die Reichswehr bis 1932 auf die "Sollstärke" zu bringen, was hätte er dann damit gemacht?
Selbstverteidigungsfähigkeit.
Aus einem Entwurf eines Regierungsprogramms von 1923 von Hans von Seeckt:

"Abstandnehmen von einer offenen, auf Angriff gerichteten Militärpolitik, dagegen Festhalten an dem Recht militärischer Selbstverteidigung und ihrer Vorbereitung innerhalb der Grenzen des Vers. Vertrages ohne Anerkenntnis willkürlicher Auslegungen desselben".

Q: Deniza Petrova, Generaloberst Johannes Friedrich Leopold "Hans" von Seeckt, in Lukas Grawe, Die militärische Elite des Kaiserreiches (2020), S. 274-284, S. 280.

Ich gehe von diesem Fall aus, vielleicht kann sich der Ersteller dazu äußern?
Der Ausgangspunkt des Erstellers scheint die offenkundige Frage zu sein, ob eine auch nach 1933 weiter bestehende WR unter einem Reichspräsidenten von Seeckt und ohne die Machtübertragung an das NS-Regime nicht ebenfalls in den späteren Jahren einen Anlass hin zur Entwicklung eins umfassenden Krieges gegeben hätte.
Antwort: nein. Siehe oben.
 
Der Ausgangspunkt des Erstellers scheint die offenkundige Frage zu sein, ob eine auch nach 1933 weiter bestehende WR unter einem Reichspräsidenten von Seeckt und ohne die Machtübertragung an das NS-Regime nicht ebenfalls in den späteren Jahren einen Anlass hin zur Entwicklung eins umfassenden Krieges gegeben hätte.
Antwort: nein.
So ganz sicher wäre ich da nicht:
Außenpolitisch befürwortete Seeckt ein Bündnis mit der Sowjetunion, um Polen wieder zu teilen und eine Revanche gegen Frankreich einzuleiten.[2]
Seeckt nahm der Republik gegenüber eine ambivalente Stellung ein. Er äußerte dabei deutliche Sympathie für konservative Republikgegner von rechts, positionierte sich aber gegen den Nationalsozialismus.
(aus dem Wikipedia Artikel, der in #1 verlinkt ist)
Seeckt gelangte nie in die Position, einen Angriff auf Frankreich einleiten zu können - aber das hätte er wohl gerne: und das hätte einen Flächenbrand auslösen können.
Bewährt als sehr fähiger Militär in WWI war er 1919 Leiter der militärischen Sachverständigenkommission bei der deutschen Friedensdelegation zum Versailler Vertrag: zu sehen, in welchem Ausmaß das dt. Militär gestutzt wurde, ohne da lindern zu können, dürfte ihn sehr gekränkt haben - kein Wunder, dass er mit Elan die geheime Wiederbewaffnung organisierte.
Das lässt mich an der Spekulation, unter Seeckt wäre es nach 1933 nicht zum Krieg gekommen, zweifeln.
 
*Gerade mal kurz aus der Versenkung auftauch*

Das lässt mich an der Spekulation, unter Seeckt wäre es nach 1933 nicht zum Krieg gekommen, zweifeln.
Ich würde v. Seeckt den Wunsch zu einem Revanchekrieg zwar durchaus zutrauen, aber der hätte zum einen weit bescheidenere Ziele verfolgt, als die Ideen Hitlers und wäre sehr wahrscheinlich konzeptionell weit weniger umfassend gewesen.

Interessanter dürfte allerdings die Frage sein, ob eine irgendwie überlebende Weimarer Republik, wenn auch mit konservativ/autorotärer Führung überhaupt dazu in der Lage gewesen wäre in, dem NS-Reich vergleichbarer Weise aufzurüsten.

- Das System der Mefo-Wechsel zur Rüstungsfinanzierung und Verschleierung in dieser Form wäre vor dem Hintergrund eines noch halbwegs intakten Reichstags mit Budgethoheit so nicht ohne weiteres möglich gewesen.
- In einer weiterbestehenden Weimarer Republik, wäre es wahrscheinlich auch nicht zur mehr oder weniger vollständigen Zerschlagung der Gewerkschaften gekommen, da wäre früher oder später mit Gegenwind wegen der stagnierenden Löhne zu rechnen gewesen.
- Eine WR mit einem Reichspräsidenten v. Seeckt und politischer Dominanz des konservativen Lagers hätte möglicherweise durchaus antisemitische Züge entwickeln können, hätte aber im Gegensatz zum NS-Reich aber wahrscheinlich nicht versucht im großen Stil jüdische Vermögen zu enteignen und sie dem Staat zuzuschlagen.
- Ein Reichspräsident v. Seeckt, als aus Schleswig gebürtiger alter Preuße hätte wahrscheinlich im Gegensatz zum Österreicher Hitler einen "Anschluss" Österreichs und der tschechischen Gebiete nicht so hoch oder gar nicht aus der Prioritätenliste gehabt, gerade wenn man unterstellen darf, dass er am Erhalt der Vorreiterrolle Preußens in Deutschland interessiert gewesen wäre.
Wahrscheinlich wären auch diese Ressourcen für die Aufrüstung eher weggegfallen.

Seeckt hätte möglicherweise ein grundlegendes Interesse an einem Revanchekrieg gehabt, ich bezweifle aber, dass eine etwas autoritär umgestrickte, aber grundsätzlich noch intakte Weimarer Republik mit mehr Ähnlichkeit zum Kaiserreich, als zum NS zeintnah in die Lage gekommen wäre einen solchen Krieg aussichtsreich führen zu können.
Dem NS war das ja vor allem durch das Tempo bei der Aufsürstung möglich.

*Wieder abtauch*
 
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