Herausbildung von Nationalstaaten: USA, Frankreich und Deutschland

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von sternchään, 17. Januar 2006.

  1. :winke:
    naha leute....


    könnte ihr mir mal bitte ganz dirgend helfen und zwar soll ich etwas über diese herausbildung heraus finden... kann mir mal bitte jemand helfen???
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 17. Januar 2006
  2. KFdG

    KFdG Neues Mitglied

    Ich würde sagen:

    USA: 4 Juli 1776, ratiifizierung der Declaration of Independence, der Staat der USA wird geschaffen.

    Deutschland: 1871 Nach dem Preussisch-Französichen Krieg wird das Deutsche Reich ausgerufen.

    Frankreich ist schwieriger zu sagen, als eigenständigen Staat kann man Frankreich von 843 an sehen, aber Frankreich wird über Jahrhunderte von stärkeren und schwächeren Königen beherrscht, die schwächeren wurden vom Adel beherrscht. Seit Ludwig XIV herrschte der König absolut über seine Untertanen. Als Nationalstaat im heutigen Sinne würde ich Frankreich erst seit der Franz. Revolution sehen...
     
  3. tom.ecker

    tom.ecker Neues Mitglied

    ich habe mal gelesen, dass es unter anderem mit dem Buchdruck und der damit verbundenen vereinheitlichung der Sprache zu tun hat. Dazu noch die Reisen während einer Verwaltungskarriere und dadurch entsteht das Nationalgefühlt und damit auch die langfristige Basis der Nationalstaaten.
    Ansonsten dürfte es etwas mit dem Weg von der Monarchie (wo die Nationalität der Herrscher in Europa eher eine untergeordnete Rolle gespielt hat) hin zum liberalen Staat mit Meinungsfreiheit und Zeitungen.
     
  4. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Da es um Nationalstaaten geht und wäre ich auch dafür den Zeitpunkt mit der Gründung der Nationalversammlung anzusetzen.
     
  5. Schulli

    Schulli Gast

    Hallo Leute! :winke:
    Kennt ihr ne gut Internetseite, in der ich einen Vergleich finde über die Herausbildung der Nationalstaaten Deutschland, Frankreich und Amerika?!
    Wär echt super, wenn ihr mir da weiterhelfen könntet und ein tipps auf Lager habt.

    MfG Schulli :D
     
  6. Freund07

    Freund07 Mitglied

    Hallo Schulli,

    eine Internetseite, auf der die Herausbildung alle 3 Nationalstaaten verglichen wird, wirst Du wohl kaum finden. Ich würde mich ersteinmal mit der Herausbildung der einzelnen Nationalstaaten beschäftigen. Für die USA und Deutschland findest Du da jede Menge, zumal ja genaustens bekannt ist, wann sich die USA und Deutschland, als Nationalstaaten gegründet haben. Vorsicht, das Deutsche Reich wurde ja im laufe der Geschichte mehrfach gegründet und wieder begraben. Ich würde auf die Gründung vom 18.1.1871, in Versailles, fokusieren. Für die USA ist es wohl am einfachsten. Am 4.Juli 1776 erklären sich 13 Kolonien in Nordamerika für unabhängig.
    Für Frankreich wird das ganze wohl am schwierigsten. Vielleicht findet sich hier ein Experte, oder Du vergleichst viele Seiten im Internet. Auf jeden Fall wird es eine Fleißarbeit.
     
  7. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Deutschland und Frankreich gingen aus der Spaltung des alten fränkischen Reiches hervor, aber ganz sicher nicht als Nationalstaaten. Warum Deutschland dann erst mit 1871, Frankreich aber mit 843 in Verbindung gebracht wird ist mir schleierhaft. Das ganze Mittelalter hindurch gab es keine europäischen Nationalstaaten, denn der Feudalismus und seine staatlichen Organisationen bedienen ausschließlich die dynastische Schiene. 'Nationales Empfinden' ist etwas ganz Anderes. Vor gut 100 Jahren hätten auch wenige Deutsche die USA als Nationalstaat angesehen. Das ist vielleicht auch der Hintergrund für die Fragestellung. Ich würde die Antworten in den letzten 200 Jahren suchen und mich nicht im Mittelalter verlieren. Frankreich war vorher ein Ständestaat und 'Deutschland' als HRR ein Staatenbund.

    Meine persönliche Meinung:
    Die USA haben sich förmlich gegründet als Interessenverband, der sich über demokratische Prinzipien definierte. Ein gefestigtes nationales Bewußtsein finde ich erst nach dem Bürgerkrieg, in dem die provinziellen Eigenheiten endgültig dem nationalen Interesse untergeordnet wurden.

    Frankreich erlebte nach der absolutistischen Zeit des Ländersammelns, der sogenannten 'Reunion' des alten Galliens mit der Ostgrenze des Rheines mit der französischen Revolution eine gewaltige Umwälzung. Erst von da an wurde es ein Nationalstaat, in dem die 'nationalen Minderheiten' wie Bretonen, Korsen, Elsässer, Basken... sich in einer gemeinsamen Kraftanstrengung wirklich als ein Volk fühlen konnten. Das verwischte die alten kulturellen Unterschiede genauso wie die ständischen Profile. Allerdings war die 'nationale Selbstfindung' des Volkes schon vorher recht ausgeprägt.

    Am Schwierigsten ist Deutschland. Vor 1871 gab es keinen Nationalstaat und Österreicher waren nicht eben glücklich damit 1866 aus dem Deutschen Bund herausgeworfen worden zu sein. Die ungelöste Nationalitätenfrage konnte noch von Hitler unrühmlich ausgespielt werden. Ein erstes deutliches nationales Erwachen in Deutschland finde ich während der Reformation und dem Bauernkrieg, die gegen die 'Deutsche Libertät' der Fürsten gerichtet war und den Einfluß Roms ausschalten wollte. Kulturell durch die Übersetzung der Bibel ins Deutsche, deutsche Messen und dem nun allgemein gebräuchlichen Deutsch in großen Teilen des öffentlichen Schriftverkehrs abzulesen. Die Bauern wurden niedergeworfen, der lutherische Glaube hat Deutschland nicht geeint, sondern gespalten... 30jähriger Krieg... Die Entwicklungen liefen in den fürstlichen Territorien von nun an prinzipiell weit anders, so dass keine Einheit möglich war. Wenn Überhaupt hatte sich das deutsche Volk nur als eine 'Kultur' definiert.
    Erst die Befreiungskriege gegen Napoleon bewirkten ein allgemeines deutsches Bewußstsein, wieder genährt von Kulturschaffenden (Literaten, Demokraten, Maler...), das unerfüllt in der gescheiterten Revolution von 1848/49 zum Ausbruch kam. Als Nützlich wurde die geistige Bewegung im Machtpoker alter Prägung zwischen den Dynastien 1866 militärisch entschieden und in neuer patriotischer Aufwallung 1871 vollendet.

    Kurz gesagt würde ich die drei Staaten so definieren:
    Die USA definierten sich über eine bewusste, damals völlig neue politische Lebensform als 'Neue Welt' über eine Verfassung und ein Sendungsbewusstsein. Staatsbürger wird man wenn man in den USA geboren ist, sowie über eine bewusste Entscheidung (Einbürgerung). Die Abstammung spielte lange keine nennenswerte Rolle.

    Frankreich, gefestigt durch jahrhunderte alte dynastische Einheit und weitgehend auch der Sprache formte sich selbst aus einer bewußten Volksentscheidung der Revolution heraus. Es gibt wenig Anforderungen kultureller Art, sondern die bewusste Entscheidung des Einzelnen sind Hauptpunkte dafür ein Franzose zu werden oder zu sein - zumindest war es lange so...

    Deutschland wuchs aus einer gemeinsamen sprachlichen und kulturellen Tradition heraus nicht zum Nationalstaat. Lange war es nur eine Art von schwammiger Kulturnation, die in gewissen Abständen immer einmal die Gemeinsamkeit beschwor. Geformt wurde es letztlich zum Nationalstaat durch dynastischem Willen, dem aber der sprachlich/kulturelle Hintergrund bewusst blieb. Das spiegelt sich in unserem alten Staatsbürgerschaftsrecht wieder: Deutscher wird man in erster Linie durch Abstammung, egal ob die Vorfahren über Jahrhunderte weit entfernt gelebt haben (z.B. Russlanddeutsche) und erst in zweiter Linie durch Einbürgerung, womit wir uns immer noch schwer tun...
     

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