Herrschaftsformen Chinas im Vergleich zum Westen?

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von CaterinaSforza, 18. November 2012.

  1. CaterinaSforza

    CaterinaSforza Neues Mitglied

    Welche Herrschaftsformen herrschten im 16jh in Europa und wie unterscheiden sich diese von denen Chinas?
    Wie genau sah es im 16 jh im heiligen römischen reich aus?
    Es herrschte ja die habsburger dynastie, was zeichnet diese besonders aus?
    Vielen dank für jede Antwort :scheinheilig:
     
  2. William Onken

    William Onken Neues Mitglied

    Also die Herrschaftsform in Europa an sich beruhte auf der Monarchie mit im Detail spezifischen Verschränkungen. Grob kann man sagen, dass an der Spitze des Staates der König stand, dieser regionale Herrscher bestimmte und diese regionalen Herrscher weitere regionale Herrschaftsträger in ihren Dienst stellten. Beim europäischen Herrschaftsaufbau kann man also von einer Pyramide als Modell rausgehen. Charakteristisch für die politischen Konflikte im 16. Jahrhundert war aber auch die Reformation. Dies wirkte sich z.B. so aus, dass geistliche Territorien säkularisiert wurden. Das Heilige Römische Reich Deutscher Reich war in seiner spezifischen Form politisch heterogener. Die Habsburger hatten sich zwar durch verschiedene Methoden (z.B. Heirat) ein größtenteils zusammenhängendes Herrschaftsgebiet gebildet, aber als König und Kaiser hatten sie im Reich eher weniger Durchsetzungsfähigkeit. Die Zentralgewalt im Reich hing von den Kurfürsten hab, die das alleinige Recht hatten, den deutschen König zu wählen. Die Durchsetzungsgewalt lag also eher bei den Fürsten als beim König. Der König war eher eine übergeordnete Klammer. Dazu zwei Beispiele:
    Karl V., der Anfang des 16. Jahrhundert herrschte, war nicht nur deutscher König sondern auch der König von Spanien. Als sich Luther 1521 auf den Hoftag in Worms rechtfertigen musste, wurde er mit der Reichsacht belegt. Dies bedeutete, dass Luther von jeden getötet werden konnte, ohne das dieser eine Strafe bekam. Der Kurfürst von Sachsen nahm Luther jedoch in seine Obhut und missachtete somit die Entscheidung des Königs. Der aus der Reformation entsprungene Konflikt führte zum Augsburger Religionsfrieden von 1555. Demnach hatte der jeweilige Landesfürst das Recht, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen. Der König und Kaiser hatte somit im Reich an sich keine Durchsetzungsgewalt, sondern war abhängig von der Unterstützung der Fürsten.

    Für China waren die Rahmenbedingungen in einen Punkt entscheidend anders: Eine Reformation oder eine religiös-monotheistische Herrschaftslegitimation (König von Gottes Gnaden) gab es nicht. Herrschende Dynastie in China war die Ming-Dynastie. (Spät-Mittelalter - 17. Jahrhundert) Dennoch kann man in China ähnliche Strukturen erkennen wie in Europa: Der Anführer der Dynastie herrschte als Kaiser über die Zentralgewalt und es gab regionale Herrscher, die auch autonome Züge hatten. Demnach kann man das mittelalterliche Feudalwesen auch für Chinas Herrschaftsaufbau als Hintergrund nennen. Im 16. Jahrhundert kamen zwei Veränderungen hinzu: Anstatt Feudalherren konzentrierte sich die regionale Macht auf Berufsbeamten. Auch der zunehmende Kontakt zu europäischen Entdeckern und Kolonialherren begann Einfluss auf die chinesische Gesellschaft zu nehmen.

    Wenn man also europäische Herrschaftsformen mit denen Chinas vergleicht gab es strukturelle Ähnlichkeiten.
    Doch man muss die Perspektive beachten: Die politische Charakterisierung Chinas erfolgt aus europäischer Sicht, was dazu führt, dass man europäische Konzepte auf die chinesische Realität setzt, was nicht immer richtig sein muss. Das ist aber eher ein grundsätzliches Problem der wissenschaftlichen Perspektive.


    Literatur zu China:
    Vogelsang, Kai: Geschichte Chinas. 2. Auflage. Stuttgart 2012.
    Dabringhaus, Sabine: Geschichte Chinas. 1279-1949. München 2006.

    Literatur zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation
    Prietzel, Malte: Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter. Darmstadt 2004.
    Stollberg-Rilinger, Barbara: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Vom Ende des Mittelaltes bis 1806. München 2006.
     
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  3. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Nun das seh ich etwas anders:
    In Europa hatten wir verschiedene politische Modelle,die nebeneinander existierten:
    -Zentralstaaten wie Spanien oder das absolutistische Frankreich,
    -konstitutionelle Monarchien wie England
    -föderale Gebilde wie das Heilige Römische Reich ,bei denen der Kaiser zwar pro forma Oberhaupt war jedoch in klarer Abhängigkeit von den mit eigenen Rechten ausgestatteten Föderaten stand und somit in seiner Handlungsfähigkeit auch eingeschränkt war
    -Republiken wie die Italienischen Städte,die freien Reichsstädte, ,die Eidgenossenschaft oder die Niederlande.
    -autonome Handels- und Städtebünde wie die Hanse oder die elsässische Dekapolis

    In China gab es diese Vielfalt autonomer Herrschaftsformen so nicht.
    In der Sung-Dynastie gab es bereits ein relativ zentralistisches Feudal-System,wobei dessen Stärke von der Stärke des jeweiligen Kaisers abhing.In der Ming-Dynastie wurde die Stellung des Kaisers noch autokratischer durch den Aufbau einer von ihm abhängigen Reichsbürokratie und eines umfassenden Geheimdienstnetzes gestützt auf Eunuchen wurde die Zentralisierung noch weiter vorangetrieben, ( chinesischer Absolutismus ).
    Auch die Quing-Dynastie der Mandschu setzte diesen Zentralismus fort.

    Es ergeben sich also durchaus Parallelen zum höfischen Absolutismus Ludwigs XI in Frankreich aber nicht zu anderen europäischen Staaten
     

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