Mögliche frühere Namen für den Chao Phraya stammen von Fernão Mendes Pinto. In seiner
Peregrinação nennt er zwei Flüsse die ganz Siam durchströmen und in den Golf von Siam münden. Den Einen nennt er
Tauquidai, den anderen
Ventrau. Da er den Ventrau bei Chanthaburi ins Meer fließen lässt, kann man davon ausgehen, dass er den heutigen Fluss Chanthaburi meinte, der eine ansprechende Größe aufweist, auch wenn er nicht durch ganz Thailand fließt.
Der Tauquidai hingegen soll nach seinen Angaben bei der Mündung des Cui ins Meer fliessen.
Die auch an anderer Stelle genannte Mündung des Cui wurde als das heutige Kui Buri, etwa 200 km südwestlich von Bangkok identifiziert.
Dort mündet aber, außer dem unbedeutenden Khlong Kui kein anderer Fluss ins Meer.
Die nächsten bedeutenden Flüsse wären der Meklong (u.a. vom River Kwai gespiesen) und der Tha Chin*, ein Seitenarm des Chao Phraya, der sich schon weit oben vom Hauptfluss trennt und parallel dazu verläuft.
Da sich am Tha Chin, wie der Name sagt, Chinesen angesiedelt hatten, könnte der Name Tauquidai aus dem Chinesischen, vermutlich dem Teochew Dialekt stammen.
Hier der entsprechende Auszug aus der
Peregrinação:
o terceiro rio, de nome Tauquidai, que quer dizer “mãe das águas”, vem cortando ao oes-noroeste pelo reino de Nacatás, que é uma terra donde antigamente se povoou a China, como adiante direi, e este tem a sua entrada no mar pelo império de Sornau, a que o vulgo chama Sião, pela barra de Cui, abaixo de Patane, cento e trinta léguas;
übersetzt:
Der dritte Fluss, Tauquidai genannt, was „Mutter der Gewässer“ bedeutet, durchquert den Nordwesten durch das Königreich Nacatás, ein Land, aus dem einst China besiedelt wurde, wie ich später noch erläutern werde, und mündet durch das Reich Sornau, das die einfachen Leute Siam nennen, an der Mündung des Cui, einhundert dreißig Meilen unterhalb von Patane, ins Meer;
Aus einer (gekürzten) deutschen Fassung:
Der dritte führt den Namen Tauquiday, was Mutter der Gewässer bedeutet, und mündet hundertundreißig Meilen unterhalb Patane in das Meer von Siam.
Interessant dabei ist seine „Übersetzung“ des Namens Tauquidai als „Mutter der Gewässer“.
"Unterhalb" muss man nach heutigen Maßstäben wohl als oberhalb verstehen und Patane ist das damals bei den Portugiesen gut bekannte heutige Pattani. Leider erklärt Mendes Pinto nicht, wie versprochen, was es mit dem Königreich Nacataas auf sich hat. Ebenso unverständlich wäre das Fehlen des Chao Phraya/Menam in seiner Beschreibung, wenn es sich bei den Genannten um andere Flüsse handeln sollte.
*Der Tha Chin wechselt übrigens auch heute noch dreimal den Namen. Zuerst nach einem Tamarindenbaum „Khlong Makham Thao“ genannt, nimmt er dann die Namen zweier Städte an seinen Ufern auf, bevor er als Tha Chin ins Meer fließt.
Etwas hat mich bei der Recherche dazu die KI verblüfft. Ich kann es nicht mehr nachvollziehen und weiß nicht mehr welche KI und welche Frage ich gestellt hatte, aber die KI gab mir völlig unerwartet als Antwort, dass es sich bei "Tauquidai" um den Versuch handeln könnte, den thailändischen Ausdruck „chokh dī“ (Viel Glück!) in eine andere Sprache zu übertragen.
Ich finde die Idee reizend. Kopfzerbrechen macht mir mehr der Umstand, dass die KI auf solche Ideen kommt.