Hippies - Woodstock, Gras & Peace

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von iamNex, 14. Februar 2010.

  1. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Homer Simpson hasst sie (Chief Wiggum übrigens auch).
    Eric Cartman hasst sie sogar noch mehr.
    Trotzdem sind die Hippies irgendwie nicht wegzudenken aus dem Sammelpool: Pop-Kultur - und das obwohl die Hippie-Bewegung ja eigentlich schon über 30 Jahre vorbei ist.

    Make love, not war

    Das Ziel der Hippies war eine antiautoritäre und enthierarchisierte Welt- und Wertordnung ohne Klassenunterschiede, Leistungsnormen, Unterdrückung, Grausamkeit und Kriege“ (Walter Hollstein, Die Gegengesellschaft. Seite 50).

    In den 1960er Jahren entstand die Hippie-Bewegung - eine auf Freiheit und Frieden bedachte Jugendkultur.
    Kultur deshalb, da im Namen "Hippie" Kleidungsstil, Musikstile und auch philosophische Ansätze entstanden sind.
    Das Bild vom typischen Hippie ist meist ein langhaariger Kerl, in weiten Gewändern, Sandalen...Blumen im Haar...mitten auf einem LSD-Trip.
    Aber große Teile der Bewegung wurden diesem Klischee tatsächlich gerecht - wobei man das auf keinen Fall pauschalisieren sollte.

    Das Woodstock-Festival von 1969 stellte für viele den Höhepunkt der Bewegung dar, und ist bis heute sogar den jungen Menschen ein Begriff (So einen VW-Bus will ich unbedingt mal!)

    Mit der Hippie-Bewegung werden oft auch auch alternative Erziehungs-, Wohn-, und Lebensstile in Verbindung gebracht, so zum Beispiel die Kommunen.
    Die Bewegung war eine Gegenbewegung zum Vietnamkrieg..Teil der Friedensbewegung.

    Musikalische Beispiele der Hippie-Bewegung:
    -Scott McKenzie - San Francisco
    -Janis Joplin - Mercedes Benz
    -Beatles - Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band

    Tags: Flower-Power, VW-Busse, LSD, Freie Liebe, etc..

    Ich wollte mich mal näher mit dieser Jugendkultur beschäftigen, da ich vor zwei Tagen eine Dokumentation über Woodstock gesehen hab, und ein Freund von mir meinte, er hätte bei seinem San Francisco Urlaub noch eine Menge Alt-Hippies an den Straßen stehen sehen.


    Wieso hält sich die Hippie-Kultur so present in den Medien und in der heutigen Pop-Kultur (mehr als vergleichsweise Jazz)?
    Kann man die Entstehung der Bewegung auf bestimmte Faktoren (Vietnam-Krieg, Studentenbewegung, etc) zurückführen oder ist sie lediglich als Gegenbewegung zur Konsumgesellschaft entstanden?
    Gerade über Faktoren von Anfang und Ende der Hippies würde ich gerne diskutieren. Außerdem wären weiterführende Links (vllt. sogar Anekdoten) sehr interessant.

    Cheers,

    Nex
    :)


     
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  2. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Dass es in San Francisco noch etliche Alt-Hippies gibt, wundert mich nicht. Das war ja sowas wie die inoffizielle Hauptstadt...
    Noch schwieriger als in der parallelen Punk-Diskussion finde ich auszumachen, was ein Hippie überhaupt ist. Dem Klischee nach sind es einfach langhaarige Typen, die Rockmusik hören, Kiffen und andere Drogen konsumieren und oft noch leicht esoterisch angehaucht sind.
    Vielleicht deswegen hält sich die Hippie-Kultur auch so langfristig, weil es nicht so schwierig ist, diesem Klischee zu entsprechen. Dazu kommt noch, dass viele der typischen Hippie-Bands auch bei heutigen Rockmusikern noch unglaublich populär sind und Gruppen und Künstler wie Jimi Hendrix, Led Zeppelin oder Black Sabbath immer wieder neu entdeckt und gecovert werden.

    Damals steckte natürlich vielfach mehr und anderes dahinter, und insgesamt sagt das Wort "Hippie" wohl kaum mehr aus, als irgendwie zu der Gegenkultur der 1960er Jahre dazu gehört zu haben, die manchmal fast einem Versuchslabor glich.
    An den Betrachtungen in der Geschichtswissenschaft oder Soziologe stört mich bisher noch, dass der Blick noch zu sehr auf die politischen Bewegungen gerichtet ist und auch versucht wird, den kulturprägenden Eliten nachzuspüren, wie z.B. der Situationistischen Internationalen.
    Situationistische Internationale – Wikipedia

    Weniger wird versucht, die damalige Jugendbewegung als Massenphänomen zu analysieren; dass so doch mehr aus heiterem Himmel unerwartet plötzlich 400 000 Leute in Woodstock auf dem Festival auftauchten, ist schon ein beeindruckendes Phänomen gewesen.

    Die klassische Hippie-Kultur ist für mich untrennbar mit den Hippies der USA verbunden. Es dauerte auch eine ganze Weile, bis deren äußeres Gepräge sowie die Musik und auch die Drogenkultur auch in Deutschland in Erscheinung traten.
    Auf dem Höhepunkt der deutschen 1968er-Bewegung 1967/1968 sieht man auf vielen Fotos von Demonstrationen Teilnehmer noch immer ordentlich in Anzug und Krawatte über die Straßen defilieren. Und musikalisch waren häufig die politisch ernsthaften Liedermacher wie Hannes Wader oder Franz-Josef Degenhardt gefragt.
    Erst später in den 1970er Jahren verstärkten sich auch Tendenzen zur Gegenkultur und die deutschen Hippies schufen sich ihr eigenes originäres Projekt, den Krautrock.
     
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  3. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Definitionen kann ich heute abend nicht mehr liefern, wahrscheinlich werden Schubladen einem so vielgestaltigen Phänomen auch nicht gerecht.

    Die Frage nach dem Warum, ist für mich ohnehin interessanter.
    Könnte es vielleicht auch an den schieren Zahlen gelegen haben. Jede Generation hat ihre prägende Zeitkultur, die viel mehr umfaßt als Musik, Mode und Verhaltensweisen.
    Zur Hippiegeneration gehörten in Deutschland die geburtenstärksten Jahrgänge und die Kinder dieser Generation wuchsen mit Rockmusik auf. Kein Wunder, dass die alten Rockgrößen, wie Hendrix noch heute gern gehört und gecovert werden.
     
  4. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Soso, 1960 soll die auf Freiheit und Frieden bedachte Jugendkultur der Hippies entstanden sein...

    Könnte es nicht sein, dass diese alternative "Jugend"-/Lebensstil-Kultur älter ist, in den 60er Jahren zum Massenphänomen wurde, das dann mit dem Begriff "der Hippies" bezeichnet wurde?

    Eigentlich begann doch alles mit der Rückkehr junger amerikanischer GIs aus dem 2. WK, die nicht mehr bereit waren, sich Autoritäten zu unterwerfen, vielleicht auch nicht mehr in der Lage waren, sich in die (zunehmend konservativ werdende) amerikanische Gesellschaft zu integrieren und die an der kalifornischen Küste auf selbstgebauten Holzbrettern mit erbeuteten Wehrmachtsuniformen durch die Wellen ritten, bis ihnen der Nazi-Grusel buchstäblich vom Leib fiel.

    "Was damals an den Stränden von San Onofre und Point Dume begann, war ein selbstbewußt amerikanisches Zeitalter, der Beginn einer Popkultur, die den ideologischen Ernst der Vergangenheit gründlich zerfetzte - und daß diese Haltung untrennbar mit der kalifornischen Surfkultur zusammenhängt, ist nur eines der vielen Geheimnisse, die Stacy Peraltas Dokumentarfilm „Riding Giants“ offenlegt" (faz vom 07.07.2005 ).
    :trompete:Das musste mal gepostet werden!
     
  5. tela

    tela Aktives Mitglied

    Wenn damit Led Zeppelin oder Black Sabbath als typische Hippie-Bands angesprochen werden sollen, dann ist das nicht so ganz treffend.

    Die Top-Bands aus San Francisco in den späten 60'er Jahren waren dann doch andere:

    Jefferson Airplane
    Grateful Dead
    Quicksilver Messenger Service
    Big Brother & The Holding Company (mit Janis Joplin)
    Country Joe & The Fish

    Was diese Bands ganz stark auszeichnete (und was in den 60'er Jahren neu und heute immer noch selten ist), war die Herangehensweise an die Musik. Man fühlte sich nicht an Songstrukturen gebunden, sondern improvisierte gerne und viel, löste eben die Songs auf und jammte sehr frei - was manchmal auch durchaus sehr gewöhnungsbedürftig ist.

    Und einige dieser Bands sind auch heute noch aktiv und begeistern nicht nur Althippies, sondern auch jüngere Fans, die in den 60'er noch gar nicht geboren waren - und inspirieren neue Bands aus der sog. Jamband-Szene, Bands wie Phish, Moe., String Cheese Incident oder Umphreys McGee.

    Soweit ein wenig zur Musik der Hippies.
     
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  6. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    @ Tela: diese Impro-Orgien gab es doch auch bei Led Zeppelin, zumindest bei deren Live-Konzerten, die ja auch mit einigen der von dir genannten Bands zusammenspielten.
    Bands wie "Black Sabbath" oder auch "Hawkwind" mögen nicht zur "ersten Generation" der Hippie-Rockbands gehören. Aber ohne die zeittypische Bereitschaft, musikalisch neue Wege zu gehen, hätts die wohl nicht gegeben.
     
  7. tela

    tela Aktives Mitglied

    Stimmt. Obwohl ich zwischen den Jams der San Francisco Bands und denen von LedZep durchaus Unterschiede sehen würde. Die San Francisco Szene hat sicher kein Monopol auf freie Improvisationen gehabt.
    Ich würde Black Sabbath überhaupt nicht als Hippie Band klassifizieren.
    Wer weiß. Die Vorbilder für Black Sabbath würde ich jedenfalls nicht in San Francisco und dem dortigen Sound sehen, sondern bei englischen Bands wie z.B. auch Led Zep oder Deep Purple.
    Das mag schon sein.
     
  8. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Wie das Gandolf beschrieben hat, ist die ganze Bewegung viel früher zu datieren, nur die Namen haben gewechselt.
    Existenzialisten (Schal, Rollkragenpullover, Baskenmütze) Beatniks, Halbstarke, fallen mir so kurz ein, gab aber noch einige mehr.

    Alles längst Promotion und Kommerz.
    Konsumgewäsche eben... (Ich meine keinen der Diskutanten! so hieß ein Titel der ausgehenden "echten" Hippie-Zeit, des beginnenden Hippie-Kommerzes)
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Februar 2010
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  9. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Existenzialisten und freie Liebe? Und Positives Denken? Echt?
     
  10. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Der Existenzialismus war bei den deutschen 68ern sehr verbreitet, positives Denken aber nicht so unbedingt.
    Ohnehin verdecken hier mal die Klischees von den Blumenkindern, dass die meisten Jugendbewegten der Zeit sehr viel ernster gestimmt waren. Die deutschen 68er widmeten sich z.B. vorrangig dem Kampf gegen die Notstandsgesetze, weil sie fürchteten, diese könnten zu einem neuen Faschismus führen.
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Sehr richtig, Klischees die auch immer "von außen" aufgestellt wurden/werden und eine Protestbewegung wie zB 68 überhaupt nicht zu fassen ist.

    Zustimmung, (und wenn man sich mit der "Machtergreifung" näher befasst, schnallt man das auch wieder)
    die Amis hatten keine Lust in Vietnam zu verrecken, die Franzosen wollten vorrangig den alten Charles loswerden usw. usf.

    lauter Ziele für die es sich lohnte dem Wasserwerfer standzuhalten.

    NS: Oben habe ich die Gammler vergessen, direkt vor den Hippies
     
  12. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Repo, die von Dir geschilderten Gründe waren nur vordergründige, die Ursachen lagen aber tiefer. Grund war eine Verkrustung der Nachkriegsgesellschaften in der westlichen Welt , die auf zunehmende soziale und politische Probleme nicht reagieren wollte oder konnte.
    Die reichten von Kolonialismus und Rassismus über Arbeitnehmerrechte und Demokratisierung der Institutionen bis zu einer zunehmenden Pluralisierung der Gesellschaften.
     
  13. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Nix Vordergrund.
    Das waren die Auslöser, die Ursachen lagen natürlich tiefer.
    Aber ich habe hier schon in diversen Threads meine Standpunkte dazu verkündet, dass ich dies nicht wieder aufwärmen will.
     
  14. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    1. ich finde es etwas unglücklich, dass ähnliche Themen so verstreut sind (Punk und Hippies.) Gibt es da nicht vielleicht die Möglichkeit, die unter dem Thema "Musikgeschichte" zusammen zu führen?

    2. gerade die Themen Punk und Hippies finde ich erstaunlich. Gibt es vielleicht auch bei beiden ähnliche Grundlagen?
    a) z.B. die Haltung "egal was morgen kommt, ich leb heute?"
    b) oder auch die "freie Liebe"?
    c) evtl. auch die Absicht, (bewußt oder unbewußt) mit bisher unbekanntem Verhalten zu provozieren - oft eben auch äußerlich ausgedrückt mit einem Kleidungs- oder Haarstil
    d) auch das Ausprobieren von neuen Musikarten (wie es Tela für die typische Hippie-Musik beschrieben hat)

    Zu den Althippies: auch in manchen Gegenden Europas z.B.: Portugal (so in Catarredor und Vequerinho) sollen sie noch zu finden sein.
    nicht ungenannt will ich die "Deadheads" lassen. Das sind die Hardcore Fans der Band Grateful Dead. Diese Fans existieren immer noch und treffen sich regelmäßig. Wenn man sich da Bilder ansieht, denkt man auch, die Zeit sei bei 1968/69 stehen geblieben :kuscheln::friends:
     
  15. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Naja "Hippie" lässt sich aber nicht auf Musikgeschichte zurückführen.
    Deshalb ein eigener Thread.

    Ich verstehe aber das vorher genannte nicht ganz.
    Existenzialismus und Hippies passen doch gar nicht zusammen.
    Existenzialisten sind doch der Ansicht, der Mensch sei einfach in die Welt geboren..ohne Ziel..alles traurig..usw

    Hippies dagegen waren doch meist sehr esoterisch angehaucht (Übergänge zum New-Age..Osho aka Bagvan?)

    Und Punk und Hippies passen auch nicht so ganz zusammen.
    Punks und Existenzialismus schon eher.

    Hippies waren ja eher die positiv-friedlich denkende Variante der beiden oberen.
     
  16. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Der große Durchbruch der New Age-Bewegung kam ein klein bißchen später, so ab 1970. Da wurde auch erst Bagwhan gegründet.
    Es gab freilich auch frühe esoterische Ansätze, die in verschiedene Richtungen führten.
    Am spekulärsten war die berüchtigte Manson-Family, deren besonders exzessives Kommunenleben sich zunächst in apokalyptischen Angstszenarien fortsetzte und schließlich in den Morden an Tate und LaBianca gipfelte.
    Für die Masse der Hippies bedeutsamer aus dieser "Eso-Ecke" waren die frühen Drogenpioniere wie vor allem Timothy Leary, aber auch Carlos Castaneda, die halt eine Bewußtseinserweiterung durch halluzinogene Drogen propagierten. Nebenaspekt: Leary ging 1968 schon auf die 50 zu. Er steht für die sich in den USA schon viel länger anbahnende Gegenkultur, wie auch andere Hippie-Idole wie Jack Kerouac oder Charles Bukowski - während in Europa ungeachtet der starken Linken eben diese Gegenkultur viel stärker aus dem "luftleeren Raum" kam.

    Der Existenzialismus förderte immerhin - und das ist nicht zu unterschätzen - eine starke Individualität, eben den eigenverantwortlichen Menschen. Und wie gesagt, vieles an der Hippie-Bewegung war nur oberflächlich positiv-friedlich. Auf der Haben-Seite stehen sicher die vielen Formen friedlichen "zivilen Ungehorsams", die sich damals entwickelt werden. Aber es mischten sich auch immer und von Anfang an Misstöne in die Love-Generation - seien es ein gut verstecktes Elite-Denken oder auch Ängste vor dem Weltuntergang.
     
  17. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Der Ashram in Poona ..... (Mann, wann war denn das, als der Hannes für 1 Jahr hingefahren ist? 1974? Egal, eine affengeile Zeit war das:yes:)


    Doch, doch passt gut, der Vordenker der Existentialisten war mein Vetter Sarte.
    aus Wiki
     
  18. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Um mal den in meinem Beitrag #4 aufgegriffenen Zusammenhang zwischen der Surferkultur und der "Hippie-Bewegung" etwas deutlicher zu machen, hier noch ein paar Ergänzungen, insb. zu den fetten Hervorhebungen im #1, die von mir stammen:​
    Surfen als Lebensphilosophie oder Lebensstil? Die Surfergemeinde war in den 50er Jahren recht klein. Es gab nur ein paar tausend Surfer. Im Sommer kamen junge Erwachsene ans Meer, vor allem um dort Spass zu haben und Urlaub zu machen. Für ein paar Wochen genossen sie das Standleben und lernten vielleicht das Surfen kennen (eher nur beobachtend). Danach gingen sie wieder in die Städte zurück, um dort zu arbeiten und das Geld für den nächsten Urlaub zu verdienen. Andere hingegen blieben in der Nähe des Meeres, ernährten sich von Fisch & Ananas, arbeiteten ein wenig (bauten und verkauften z.B. Surfbretter, nähten und verkauften Surferklamotten oder betrieben eine Strandkneipe, in der Partys veranstaltet wurden, etc.) und verbrachten, den Rest des Tages mit dem Surfen. In der Nähe der Surfspots entstand eine winzige Subkultur der Surfer. Für diese war Surfen ein antikapitalischer Lebensentwurf. Wozu hart arbeiten? Man lebte doch am Strand und genoss das Leben mehr als die Städter, die hart arbeiteten und nur für ein paar Tage im Jahr ans Meer kommen konnten...

    Langhaarige Kerle, weite Gewänder, Blumen im Haar... das klingt doch wie eine Beschreibung des Strandlebens in Hawaii. Und was den Drogentrip angeht: entweder man hatte den Kick auf dem Brett oder auf der Party an Land. Wie solch coole Leute ihre Kinder erziehen, könnt ihr euch ja vorstellen. Ich würde das einen alternativen Erziehungsstil nennen. ​

    Im nächsten Sommer kamen wieder die Städter, nun auch um sich Surfbretter zu kaufen, das Surfen zu lernen und zu surfen. Man schlief in Autos oder campte am Strand in der Nähe der Surfspots. Das war eine große Kommune. Junge Erwachsene (Männlein wie Weiblein) lernten sich in Strandbekleidung ungezwungen kennen, kochten zusammen, feierten Partys und machten zusammen Musik. Die Surfer feierten schon in den 50er ihre "Woodstocks" (natürlich nicht mit so vielen Leuten). Am Ende des Sommers blieben einige und der Rest kehrte in die Städte zurück und träumte dort vom alternativen Leben am Strand, langhaarigen Kerlen, weiten Gewändern, Blumen im Haar, und der eigenen Musik, etc. ​

    Als Hollywood ein paar Surferfilme in die Kinos brachte (wie "Gidget"), die das Klischee vom braungebrannten Athleten prägten, der tollkühn auf den Wellen ritt und am Strand von gutaussehenden Frauen umlagert war (bei "Gidget" ging es allerdings um eine surfende Frau), begann ein Run auf die Surfbretter. Nun wollten Hunderttausende surfen. Das verbreitete die Surfkultur enorm. Die Surfkultur wurde populär.​

    Der Erfolg in den Kinos erschütterte die Szene nachhaltig. Nun surfte jeder, wenn er ein Brett hatte. Die kleinunternehmerischen Surfbretterbaueinmanngaragenbetriebe expandierten zu einer Surfbretterbauindustrie. Die Strandklamotten der Surfer fand reissenden Absatz und wurden von der Modeindustrie massenhaft nachgemacht. Die Strände wurden voll, die Subkultur zog sich an Zufluchtsorte zurück, "locals" verteidigten ihre surfspots etc. In der Szene begann der Streit, ob Surfen so etwas wie ein Sport sein könnte und wie man Wettkämpfe veranstalten könnte. Für die "Soulsurfer" waren solche Wettkämpfe nebst Sponsorensuche Verrat am Lebensstil.​
    _______________ ​

    Wozu das alles?
    Nun, bevor man die Hippie-Bewegung kopfschwer mit Sartre und Existenzialismus erklärt, sollte man vielleicht in Erwägung ziehen, dass für junge Menschen der Drang nach Spass und Freiheit auch aus der Hüfte kommen kann. Alt 68er müssten das eigentlich wissen, wenn sie nicht den ganzen Tag Sartre gelesen hätten...:p Aber das ist vielleicht auch der Unterschied zwischen den "ernsthaften Europäern" und den "naiven Amerikanern".​
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Februar 2010
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  19. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Sure,
    war geil (wir sagten: fab) bei Tag haben wir Sartre gelesen und Gras geraucht, bei Nacht "freie Liebe" gemacht.
    Und zwischendrin? Gesoffen.
    Dazwischen noch hin und wieder ein "teach in" ein "sit in" und ne anständige Demo, mit Wasserwerfern und Contergan-Bullen (berittene Polizei, A....loch sitzt oben)

    Spass beiseite, Du hast natürlich Recht.
    Den Hippies wurde und wird im Nachhinein per schlauen Sprüchen ein Anspruch hineininterpretiert, der gar nicht da war.
    Natürlich wollten die die Welt verbessern, will die Jugend ja immer (was auch gut so ist) aber zuerst ging es um den persönlichen Spass.

    OT: Kurz nach dem Krieg haben sich etliche ehemalige US-Soldaten per Motorrad irgendwo getroffen. Es wurde gesoffen, es gab Krach, 2 Mann wurden aus dem Gefängnis befreit. (sehr verkürzt dargestellt) Dito den von Dir genannten "Surfern", Jugendliche die dem Tod ins Auge gesehen hatten, und nicht einsahen, dass sie sich nun wieder gängeln lassen sollten.
    Der Gründungsmythos der Motorrad-Rocker.

    Die Erscheinungen insgesamt sind mMn in Europa, und erst recht in Deutschland, lediglich aufgrund der immensen wirtschaftlichen Probleme wesentlich später aufgetreten.
     
  20. salvus

    salvus Aktives Mitglied

    Erstmal:

    Wo ist hier eigentlich die parallele PUNK Diskussion?
    Die habe ich noch nicht gefunden.:heul:

    Zum Thema:

    Da gibt es doch so ein (bescheuertes) Lied: Geht irgendwie so:

    I wish I was a punkrocker with flowers in my hair...

    Vieleicht erklärt jemand der heutigen Jugend einmal den Unterschied...

    Zum Thema Flower Power:

    Die definitive Band aus der Zeit waren (neben Greatful Dead) eigentlich immer The DOORS.

    Ich kann mich noch an den (großartigen) Film von Oliver Stone erinnern. Der gibt dieses Lebensgefühl sehr gut wieder.
    Noch besser war eigentlich nur dieses Buch: "Keiner kommt hier lebend raus".

    Wirklich großartig.
     

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